Viel Lärm um nichts…

Seit zwei Tagen gibt es gefühlt nur ein Thema in der digitalen Weinwelt: Der VDP und seine neue Klassifikation. Ohne zu überteiben könnte man sagen es herrscht große Aufregung und großes Unverständnis.

Auf den ersten Blick ist die “neue” Klassifikation des VDP in der Tat ein wenig verwirrend. Insbesondere die dritte und vierte Stufe: “Erste Lage” – “Große Lage” erscheint erklärungsbedürftig, das Wort “Einweinprinzip” wohl auch – aber nur, wenn man es auf Teufel komm raus und um jeden Preis eben NICHT verstehen will. Es findet doch alles schon längst statt. Zahlreiche Betriebe haben diese Drei- und Vierstufigkeit der Bezeichnungen schon lange. Ganz viele machen doch schon seit Jahren eben nur einen trockenen Wein aus den besten Lagen und verwirrend ist unser deutsches Bezeichnungsrecht im Übrigen schon seit Jahrzehnten! Wenn die “neue” VDP Klassifikation eins zu eins umgesetzt werden würde, wäre das Ganze eigentlich total einfach und überschaubar. Schwierig wird die ganze Geschichte doch nur aufgrund der vielen Kompromisse die gemacht werden mussten.

Ganz wichtig in der gesamten aufgeregten Diskussion ist übrigens die Tatsache, dass der VDP lediglich ein Verband ist. Hier hat also nicht der Gesetzgeber neue Weinbezeichnungen beschlossen, sondern ein Verband. Noch dazu ein kleiner mit gerade einmal 200 Mitgliedern – zweifelsohne aber natürlich ein wichtiger. Dieser Verband und seine Mitglieder muss nun sehen, ob er im Wettbewerb mit all den anderen Weinerzeugern mit dieser “neuen” Weinbezeichnung, respektive Klassifikation, bestehen kann. Um nicht mehr und nicht weniger geht es. Hier geht es nicht um die Zukunft des deutschen Weins, wie ich aus einigen Kommentaren und Beiträgen herauslese. Hier geht es lediglich um den Wunsch und die Sehnsucht einiger deutscher Weinproduzenten ähnlich anerkannt zu werden wie ihre französischen Kollegen. Es geht darum im Konzert der “Grand Crus classé”  mitspielen zu dürfen. Um das zu können muss man, abgesehen vom sehr guten Wein, eine starke Marke haben. Dies soll die neue Klassifikation erleichtern, so verstehe ich das jedenfalls. Ob das funktioniert wird die Zeit zeigen, genauso wie der Wettbewerb es zeigen wird.  Hier sind 200 selbständige Unternehmer am Werk, die sicherlich darüber nachdenken, was sie tun und nicht freiwillig mal eben ihre Existenz aufs Spiel setzen, weil der Begriff “Grosse Lage” so nett klingt…

67 Kommentare »

  1. Helmut O. Knall Januar 28, 2012 10:56

    Du hast schon Recht, lieber Dirk, verwirrend ist das schon seit Jahrzehnten, meinen ersten Artikel, dass ich das alles, was da auf Etiketten steht nicht verstehe, schrieb ich in den frühen 90ern.
    Aber eben: in Wahrheit hat sich nichts geändert. Man schielt nach Burgund – und gerade deren Klassifikation kapieren nur absolute Burgundliebhaber. Man beschliesst Namen, die man nicht auf Etiketten drucken darf. Und man ignoriert, dass es eine Gesetz gibt, das ganz was anderes verlangt. Und weiterhin wird niemand verstehen, wo der trockene und wo der süssliche Wein drin ist. Was der Konsument auf dem Etikett sehen will – das interessiert offensichtlich niemanden. (Das ist allerdings nicht nur beim VDP so). Aber das zu checken wäre einmal eine ganz einfache Marktforschung und dann wärs klar. Ungefähr das: 1. Winzer oder Marke, 2. Rebsorte, 3. trocken-süss, 4. Alk., 5. woher im Sinne von Weinbaugebiet. Alles Nähere, wie Lagen etc. interessiert nur Wein-Liebhaber. Und das sind vermutlich keine 2% aller Weinkäufer weltweit. An 985 der Käufer wird ständig vorbei entschieden.
    Würden Markenartikler, wie Unilever, Nestle oder Masterfoods so agieren, wären sie längst vom Markt verschwunden. Und wenn die Winzerschaft nicht draufkommt, dass sie auf einem ähnlichen Weg sind, wie einst die Greissler, werden wir in ein paar Jahrzehnten auch nur mehr Riesenkonzerne haben…
    Deswegen ist es gut, dass darüber diskutiert wird. Aber bitte endlich mit Blick auf den Konsumenten und nicht nur auf mein Hügerl hinterm Haus.
    Lieben Gruss
    Knalli

  2. Helmut O. Knall Januar 28, 2012 10:58

    98% soll das natürlich heissen.

  3. Weinliebhaber Januar 28, 2012 12:05

    Vollkommen richtig, aber 98% der Weintrinker kaufen auch keine Weine vom VDP. Die Leute, die hauptsächlich auf die Punkte 1 bis 5 Wert legen, kaufen die Produkte, deren Etikett diese Punkte erfüllt. Und da stehen bislang z.B. die Kellereien weitaus besser da. Natürlich ist der VDP ein “Leuchtturm”, aber die Menge, die von dessen Mitgliedswinzern vermarktet wird, ist doch weltweit gesehen ein “Pups”.
    Mal ganz davon abgesehen ist der VDP schon ziemlich weit in Sachen einfacher Kommunikation, gemessen an den Etiketten der Mehrzahl der Winzer außerhalb des Verbandes.

  4. Jörg Wendel Januar 28, 2012 12:12

    Sehr geschätzer Herr Knall,
    ich kann ihre Argumentation sehr gut nachvollziehen, aber auch wie Dirk gemeint hat, es ist so oder so schon kompliziert das deutsche Qualitätssystem nachzuvollziehen. Ich hatte das selbst gemerkt, als ich letzt bei meinen Kommolitonen (aus 16 verschiedenen Ländern) eine Weinprobe deutscher Weine veranstaltet hatte. Ich fände es auch einfacher den trockenen Bereich ohne die Ausnahmeregelungen zu kommunizieren, jedoch haben sich viele Weingüter darauf eingestellt und müssen halt einmal umstellen, damit sich der Kunde daran gewöhnen kann/soll. Wie ist es zum Beispiel bei Schloss Vollrads? Die haben nur Kabinett und Spätlese usw die zu unterscheiden sind. Klar kann man dann wieder auf ein System wie z.B. Schloss Johannisberg zurückgreifen, jedoch auch dafür muss man den Kunden erst einmal vorbereiten. Ich denke das war das Ziel dieser Ausnahmegenehmigungen. Ich denke wenn man es anders gewollt hätte, dann wäre man mit dem Kopf zu schnell durch die Wand gegangen und ich hoffe einfach darauf dass man da nicht stehen bleibt. Ich finde gerade den Prädikate in den trockenen Weinen wegzulassen interessant, denn nun geht es um den Geschmack des Weines, um den Terroir und nicht mehr um die Zuckerwerte die nun mal eng mit diesen Prädikaten verbunden sind. Denn das ist ja eine Stärke der deutschen Weine, insbesondere des Rieslings, elegant zu sein und nicht protzig, einfach ausdrucksstark und wenn der Winzer dem Oechslewert für trockene Weine weniger Beachtung schenkt und sich dabei mehr auf die physiologische Reife konzentriert, dann kommt das dem Kunden eher entgegen finde ich. Daher kann ich im anderen Artikel auch Herr Elfleins Argumentation und auch seine sehr aggressive Art und Weise der Gesprächsführung nicht verstehen. Klar ist es vielleicht verstöhrend wenn alles umgeworfen wird, aber ich hoffe wie gesagt dass die nur ein Schritt in eine Richtung ist und man dabei jetzt nicht stehen bleibt! Alles andere wird man sehen….

  5. Jörg Wendel Januar 28, 2012 12:16

    sorry “ausdrucksstark mit Finesse und Leichtigkeit” wollte ich schreiben

  6. Werner Elflein Januar 28, 2012 13:31

    Ich überlege gerade, ob ich mich noch zurückhalten kann …

  7. Dirk Würtz Januar 28, 2012 13:33

    @Werner
    Nur zu…;-)

  8. Frühlingsplätzchen Januar 28, 2012 13:55

    Viel Lärm um nichts? Das finde ich nicht.Denn die Sehnsucht nach einer dem französischen Wein vergleichbaren Reputation ist eben nur das eine. Noch ein wenig wichtiger scheint mir etwas anderes: Die Sehnsucht nach einem mit französischen Spitzenweinen vergleichbaren Preisniveau. Das ist sicherlich verständlich, denn wer hat, will noch mehr, aber es ist natürlich aus Konsumentensicht nicht besonders erfreulich.
    Ich kann die betriebswirtschaftlichen Fakten nicht im einzelnen beurteilen, habe aber den Eindruck, dass es sich bei den meisten VDP-Betrieben um satt gewinnbringende Unternehmen handelt.Das sei Ihnen selbstverständlich auch gegönnt, da oft hohe Leistung mit entsprechend hoher Qualität erbracht wird.
    Mir wird nur der Leidensdruck nicht ersichtlich, der eine weitere Gewinnoptimierung so dringend erforderlich macht.
    Bisher sind es einzelne deutsche Spitzenweine, für die 70,80 oder gar über 100 Euro gefordert werden. Ich habe den Eindruck man strebt danach, ein solches Preisniveau allgemein für die erlesenen und exklusiven Lagenweine an. Da kann (und will)ich aber leider als Käufer nicht mehr mitziehen.

  9. Frühlingsplätzchen Januar 28, 2012 14:01

    Richtig muss es natürlich heissen : …Ich habe den Eindruck, man strebt ein solches Preisniveau allgemein für die erlesenen und exklusiven Lagenweine an …

  10. Werner Elflein Januar 28, 2012 14:09

    Der Vorschlaghammer kreist bereits …

  11. Weinkaiser Januar 28, 2012 14:10

    @Werner Vollgas! Ich liebe die Kommentare des Gernot Hassknecht der Weinszene…

  12. Dirk Würtz Januar 28, 2012 14:21

    @Frühlingsplätzchen
    Klar geht es auch um ein bestimmtes Preisniveau, dass ist ja legitim. Aber auch da wird der Markt alles regeln und das wird ganz sicher nicht die “schnelle Mark”. Wenn wir uns die aktuelle Situation der GGs und EGs einmal genau betrachten, dann gibt es gerade mal zwei oder vielleicht drei Handvoll Erzeuger, die das in wirklich nennenswerten Mengen (mehr als ein Stückfass) vermarkten. Ansonsten ist das sicherlich nicht der betriebswirtschaftlich wichtigste Wein

  13. Werner Elflein Januar 28, 2012 17:54

    Nein, Jörg Wendel, und nochmals nein! Es gibt kein Qualitätssystem, das deutsche Weinrecht kennt ein Prädikatssystem. Ein Prädikat – wie das lateinische Wort praedicatum schon sagt – ist eine Rangbezeichnung. Wie man auf das schmale Brett kommen kann, von Rang auf Qualität zu schließen, ist schon erstaunlich, zumal die Prädikatsweine früher einmal “Qualitätswein mit Prädikat” hießen und nicht “Prädikatswein mit Qualität”. Nicht nur in diesem Fall gilt, dass Denken und Sprache etwas miteinander zu tun haben.

    Der nächste Hammer: Terroir vs. Prädikate. Und da sind wir schon beim nächsten schmalen Brett. Die beiden Begriffe haben sehr wohl etwas miteinander zu tun, ist doch das Prädikatssystem vor dem Hintergrund unserer speziellen Weinkultur nichts anderes als die konsequente Ableitung dessen, was wir richtigerweise (ich meine also nicht die Löwensteinschei Redefinition) unter Terroir verstehen. Und die Zuckerdebatte ist – leider muss ich das so deutlich sagen – wieder einmal ausgesprochen dämlich. Das deutsche Weingesetz definiert die Prädikate über Mostgewichte. Seltsamerweise wird aber nur vom Zucker und nicht vom Alkohol gesprochen. Bei trockenen Weinen kommen wir bei hohen Mostgewichten zwangsläufig zu hohen Alkoholwerten. Darauf können sich die diejenigen, für die die physiologische Reife schon fast ein Fetisch ist, von mir aus einen runterholen, aber Fakt ist: eine physiologische Hochreife mit über 100 Grad Oechsle ist für einen großartigen trockenen Riesling nicht nötig, sondern steht dem eher im Wege. Hoher Alkohol, bittere Botrytisnoten – das ist bei den Großen Gewächse leider keine Seltenheit.

    Ich empfehle einmal allen, die hier – ohne auch nur das geringste Verständis von der Materie mitzubringen – ihre intellektuelle Insuffizienz zur Schau tragen, einmal den Zeltinger Sonnenuhr Riesling Kabinett trocken “Fuder 6″ von Markus Molitor zu probieren. Gegen diesen Wein (da wurde übrigens nicht großartig abgestuft) sehen fast alle Großen Gewächse so alt aus wie der späte Johannes Heesters neben einem Embryo. Dieser Kabinett zeigt sehr eindrucksvoll, dass auch ein “leichterer” Wein richtig groß sein kann und dass es eben nicht auf die Muskeln ankommt. Über die physologische Reife beim Ausgangsmaterial für diesen Wein muss ich, glaube ich, kein Wort verlieren.

  14. Dirk Würtz Januar 28, 2012 18:07

    Der Vergleich mit dem Gernot Hassknecht ist gar nichtmal sooo schlecht… ich habe fast schon Schnappatmung…

  15. Jörg Wendel Januar 28, 2012 21:18

    Herr Elflein,
    das schmale Brett, wie sie es sagen, ist ja wohl mehr als offensichtlich. Was soll denn das Prädikatssystem denn anderes darstellen als ein Indikator für eine zu vermittelnde Qualität. Eine Auslese kostet in der Regel im Weingut mehr als ein Kabinett, also sieht das Weingut eine Auslese als höherwertiger an als den Kabinett. Auch spielen Lagen eine große Rolle bei der Qualitätskommunikation von vielen Weingütern und klar das mit dem Großen Gewächs, hier hat der VDP eine auch Bezeichnung (welche von der Lage Abhängig ist) vor die des deutschen Prädikatssystem gestellt um damit einen anderen Ausdruck die Wertigkeit eines Weines zu vermitteln. Jedoch hat das Prädikatssystem einen großen Einfluss auf eine Qualitätspyramide vieler Weingüter. Und dieser ist dann natürlich mit dem Oechslegehalt verbunden. Ich dachte das wäre so klar, dass Sie meinen Ausführungen folgen könnten und kein Erklärungsbedarf darin besteht. Für viele ist aber genau dieses Prädikatssystem, welches vom Oechslegehalt der Trauben abhängig ist, kein Indikator für Qualität im Wein, da einfach viel mehr Faktoren dazu kommen, welche die Qualität bestimmen.
    Nächster Punkt. Ich wundere mich dass Sie doch die physiologische Reife mit einem nötigen hohen Alkoholgehalt in Verbindung bringen, genau das ist es doch was ich meine, einen Wein der aus reifen Trauben gemacht worden ist und gern trocken auch nur 11,5 % Alkohol beinhaltet, das ist doch die Stärke von der ich gesprochen hatte, worauf man sich mehr konzentrieren sollte als Oechsle durch die wiederum Weine mit den Ihnen beschrieben Alkoholwerten und Botrytisnoten entsteht (es ist sowieso für mich unerklärlich wie Sie von Botrytis auf physiologische Reife kommen). Der VDP will doch nur einfach von diesem Prädikatssystem im trockenen Bereich als Qualitätsgedanke Abstand nehmen. Nichts anderes habe ich in dem vorherigen Kommentar gemeint.

  16. Werner Elflein Januar 28, 2012 21:52

    Der Kerl ist ja noch nett. ;-)

    http://www.youtube.com/watch?v=n7xcyV9nxRM

  17. Werner Elflein Januar 29, 2012 10:12

    Herr Wendel, für Sie noch einmal: Im Prädikatssystem geht es nicht um Qualität. Dazu ist dieser Begriff viel zu unbestimmt. Das Prädikatssystem an sich ist erst einmal wertneutral. Oder macht es Ihrer Meinung nach etwa Sinn, zu behaupten, eine Trockenbeerenauslese sei prinzipiell (ich rede nicht von der konkreten Ausführung) “besser” als eine Spätlese? Da denken Sie in falschen Kategorien. Dass auch der Preis eben kein Indikator für Qualität ist, sollte sich inzwischen in der Weinwelt eigentlich herumgesprochen haben. Ebenso, dass gewisse Weine zwangsläufig ihren Preis haben und unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten auch haben müssen. Eine Beeren- oder Trockenbeerenauslese kostet schon allein deswegen mehr, weil sie nicht in beliebiger Menge gewonnen werden kann und der Arbeitsaufwand immens hoch ist. Teilweise steckt in einer Partie von vielleicht 100 oder 200 Litern mehr Arbeit als in mehreren tausend Litern eines anderen Weines. Dieser Aufwand schlägt sich zwangsläufig auch im Preis wieder, und wer sich (höchstens einmal im Jahr) eine gute Trockenbeerenauslese gönnt, muss diesen Preis eben bezahlen. Der Selektionsaufwand bei einer Spätlese ist ebenfalls in der Regel höher als bei einem Kabinett. Es liegt auf der Hand, dass sich in einem bestimmten Bereich – konzentrieren wir uns mal auf Kabinett und Spätlese – der Selektionsaufwand auch in der Qualität niederschlägt und daher Spätlesen tendenziell höher bewertet werden als Kabinette. Das bedeutet aber wiederum nicht, dass wir auf den trockenen Kabinett so einfach verzichten können und einfach nur noch eine aus etlichen Partien aus allen möglichen Lagen zusammengekippte Suppe konsumieren wollen. Ziehen wir an bestimmten Tagen, vor allem den heißen, nicht den Kabinett einer üppigeren Spätlese vor? Und wie oft im Jahr und zu welchen Gelegenheiten trinken wir so ein GG überhaupt?

    Thema Lagen: Wenn die Lagen von so zentraler Bedeutung sind, warum werden sie dann in der Breite abgeschafft? Das leuchtet nicht ein. Den Nachweis über die Güte einer Lage haben die Winzer doch gefälligst dadurch zu führen, indem sie immer wieder eine Vergleichsmöglichkeit mit anderen Lagen bieten. Ich akzeptiere nicht, dass mir nur einzelne Lagenweine hingestellt werden, bei denen ich wie in der Kirche glauben muss, dass dies die besten Lagen sein sollen. Das ist grotesk, lächerlich und reine Kundenverarschung.

    Thema physiologische Reife: Ihnen sollte bekannt sein, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen der nicht messbaren physiologischen und der messbaren Zuckerreife gibt. Gerade in den südlichen Sphären reifen die Trauben physiologisch eher bei hohen Mostgewichten aus. Ab einem gewissen Mostgewicht haben Sie zwangsläufig aber auch Botrytis im Spiel, der wiederum im Wein nichts zu suchen hat. Alkohol und Botrytis ist meist eine sehr verhängnisvolle Kombination. Viele dieser Weine sind in der Jugend Blender, im Alter treten dann früh und verstärkt bittere Noten auf.

    Das Ziel, harmonische trockene Weine mit vielleicht nur noch 11,5 Volumenprozent zu erzeugen, wird doch durch die Winzer, die das von Ihnen offenbar favorisierte Modell bevorzugen, fast immer verfehlt. Woran das wohl liegt … (Ironie!)

    Ihre Forderung nach einem die natürliche Vielfalt beschneidenden Klassifikationsmodell für Geschmackskastraten lässt sich kaum mit dem Wunsch nach moderaten Alkoholwerten einerseits und dem Fetisch der physiologischen Vollreife (die es so eindeutig ja gar nicht gibt, weil nicht messbar) vereinbaren. Darin liegt die Crux Ihrer Argumentation.

  18. Alex Januar 29, 2012 11:39

    System und Nomenklaturen hin oder her: Vielleicht sollte man den Winzern des VDP einfach mal vertrauen, dass sie einen schönen trockenen Kabinett-Wein hinkriegen, auch ohne dass auf dem Etikett das Wort Kabinett steht.

  19. Jörg Wendel Januar 29, 2012 11:49

    Herr Elflein,
    also mit der ersten Ausführung haben sie ganz schön beschrieben, wieso diese Regel im VDP ja wohl nicht für rest- und edelsüße Weine gilt. Vielen Dank dafür schon mal. Jedoch befinden wir uns hier im trockenen Bereich. Aber weiter unten bemerken Sie Selektionsdurchführung gemessen am Reifegrad der Trauben. Klar haben reifere Trauben mehr Botrytisanfälligkeit, aber wir gehen davon aus, dass eine ordentliche Selektion in allen Weinbergen durchgeführt wird, sonst bräuchten wir ja wohl nicht davon sprechen. So kommen diese Partien (angesprochen hier mit Kabinett und Spätlese) beide sauber heraus, weil in beiden selektioniert wird und nicht nur bei der Spätlese. Es geht auch nicht darum, was jetzt offiziell als Qualitätspyramide angesehen wird oder nicht, in den Köpfen der Leute ist es doch so eingebrannt, eine Spätlese von Weingut XY ist als höherwertiger anzusehen als dessen Kabinett vom gleichen Weingut, nicht was der offizielle Schriftsatz sagt, so wie sie es definiert haben. Es ging mir hier nur betriebsinterne Qualitätspyramiden….darum handelt es in meinen Ausführungen, daher habe ich ja auch gesagt und ich zitiere “Eine Auslese kostet in der Regel im Weingut mehr als ein Kabinett, also sieht das Weingut eine Auslese als höherwertiger an als ein Kabinett”. Auch wenn ich mit vielen Winzern spreche ist das auch so bei denen drin, mehr Oechsle mehr Qualität. Sonst hätte ja die ganze Einteilung, die ja nur vom Zuckergehalt bestimmt wird keinen Sinn, wenn man dann am Ende (suggeriert) keine höhere Qualität heraus bekommen würde. Das ist das Problem und diesem kann man einfacher mit der neuen Regelung entgegen treten (was nicht heisst dass es einfach ist, das aus den Leuten heraus zu bekommen). Klar kommt es dann drauf an ob die Winzer das auch wirklich so wie von mir beschrieben umsetzen, oder dann immer noch ein Auge auf die Oechsle Waage haben. Ach ja und wenn wir von Reife sprechen….ich habe 2011 in Südafrika während der Lese ein Praktikum in einem Weingut gemacht und das Material was wir bekommen haben, war hochreif und kerngesund, denn wie sie es schon sagen es wurde selektioniert, jedoch mit sehr hohen Zuckerwerten und demzufolge entsprechenende Alkoholwerten später. Hohe Reife heisst hohe Botrytisgefahr, aber das heisst nicht, dass diese Boytrtis dann am Ende im Wein drin ist. Und das es in dem Land auch Botrytis gibt, davon habe ich mich auch überzeugen können. Der Grund für die hohen Alkoholgehalte in diesen Regionen ist einfach dass je heißer es ist, desto langsamer Verläuft die Aromareife, daher muss man ja so lange warten und daher hat man die hohen Zuckerwerte. Ist es jedoch kühler, haben diese Rebsorten ein Problem mit ihrer Tannin- und Anthocyanreife. Man muss ja schließlich eine Harmonie finden. Daher die hohen Zuckerwerte und folglich die hohen Alkoholwerte. Ach ja und diese Reife ist Erfahrungssache, man muss in die Weinberge und die Trauben probieren und sagen, dass sie geschmacklich reif zum lesen sind. Das ist halt auch eine Kunst. Nehmen wir den Riesling, der braucht hier keine 14,5 % Alkohol um reif zu sein, das kann der auch schon früher….wir haben mittlerweile diese Jahrgänge und auch das Know How der Winzer, die es immer besser verstehen mit ihren Weinbergen umzugehen als vor 40 Jahren. Daher ja dieser Umschwung!

  20. Dirk Würtz Januar 29, 2012 12:03

    @Alex
    Das ist doch mal ein ganz spannender und völlig richtiger Einwurf!

  21. Jörg Wendel Januar 29, 2012 12:13

    Ach ja um das mal klar zu stellen, ich sage nicht es wird so oder so passieren, ich bin einfach dem neuen System offen und verstelle mich dem nicht oder verteufel es sogar schon bevor es überhaupt erprobt wurde. Ich bin einfach neugierig wie es weiter geht und hoffe, unter den von mir genannten Aspekten, auf eine gute Zukunft für den deutschen Wein!

  22. Alex Januar 29, 2012 12:15

    ..ausserdem muss man doch davon ausgehen, wenn man vom deutschen Weinmarkt insgesamt ausgeht, dass mindestens die Hälfte aller Weintrinker sowieso nie wusste, was Kabinett überhaupt bedeutet. Denen wird das Fehlen dieses Wortes auf dem Etikett nicht stören, wahrscheinlich sogar entgegenkommen. Was hängenbleiben muss ist doch: “Das ist ein schöner trockener und leichter Riesling vom Winzer X.” Ob der jetzt aus dem Fuder 6 kommt oder von der oder der Lage, kann für Insider, Nerds und andere schräge Vögel wie wir dann doch noch “unter der Hand” kommuniziert werden.

  23. Werner Elflein Januar 29, 2012 12:25

    Alex, einige Weingüter praktizieren das ja schon seit einer Weile, ohne das sie unter Beweis bestellt hätten, dass sie es überzeugend hinbekommen. Und wieso sollte etwas “unter der Hand” kommuniziert werden. Ich will das Weintrinken nicht zu einer Geheimwissenschaft erheben.

  24. Alex Januar 29, 2012 14:14

    “Unter der Hand” war ja nur zum Flachsen. Ich meine, dass der Winzer ja alles, was er gerne noch zum Wein kommunizieren möchte, dann auf seinem Webauftritt machen kann, das bietet ihm dann auch den nötigen Spielraum zur Vermarktung. Dort finden es dann ja auch die Spezialisten, die wert auf solche Infos legen. Und das ist bei vielen ja schon heute Gang und Gebe.

  25. Christopher Emrich Januar 30, 2012 11:48

    Die ganze Diskussion kreist doch im wesentlichen um die Aspekte Qualität, GEschmacksrichtung und Darstellung auf dem Etikett, und diese unterschiedlichen Gesichtspunkte werden hier meines Erachtens doch gelegentlich etwas zu sehr vermischt.
    Werners Forderung nach animierenderen trocken Rieslingen mit niedrigeren Alkoholwerten ist ja genau so gut nachvollziehbar wie die Tatsache, dass ein Molitor’scher Kabinett trocken mehr Spass machen kann als diverse GG oder trockenen Auslesen (vielleicht sogar mehr als Molitors eigene). In der Realität scheint sich der Trend zu immer mehr Alkohol aber doch schon wieder etwas zu wenden, jedenfalls konnte man in einer der wärmsten deutschen Weinregionen wie der Südpfalz in den letzten Jahren von Siener, Rebholz u.v.a. zahlreiche gelungene trockene Rieslinge mit 11,5 – 12,5 % bekommen, so wie es auch zahlreiche GG mit 13,5% gibt, die zwar neben Eleganz und Finesse Kraft und Druck mit ins Spiel bringen, aber alles andere als grob oder plump zu bezeichnen wären.

    Die andere Seite der Medaille – und da bin ich ebenfalls sehr bei Alex – ist die Repräsentation eines Weines auf dem Etikett, wobei diesbezüglich eben meiner Meinung auch gerade im Zuge der zunehmenden Popularität deutscher Weine im Ausland eine leichtere Lesbarkeit und Reduzierung auf das Wesentliche im Fokus stehen sollte.

    Wir können das ja auf dem Weg von Öchlse zu Terroir über 7 Ecken kreuz und quer diskutieren, aber Fakt ist doch, dass es in mehr als 40 Jahren nicht gelungen ist, irgendjemandem im Ausland (außer einigen Weinkritikern und Profis) das deutsche Prädikatssystem näher zu bringen und auch ich, der als gebürtiger Mainzer hinlänglich damit vertraut wäre, würde ihm keine Träne nachweinen. Was braucht der Konsument? Im wesentlichen Herkunft/Region, Winzer, Rebsorte, Alkoholgehalt. Damit wäre den meisten schon geholfen, mehr als man das von vielen ausländischen Etiketten sagen könnte, auf denen ja noch nicht mal die Rebsorte verzeichnet ist. Ansonsten komme ich prima mit der Anlehnung an die burgundische Klassifizierung zurecht, wie ja auch gerne in Rheinhessen oder bei Christmann und anderen praktiziert: Gutswein, Ortswein, Premier Cru und Grandcru o.ä.

  26. Werner Elflein Januar 30, 2012 14:31

    Christopher, “leichtere Lesbarkeit und Reduzierung auf das Wesentliche” ist eine sehr dehnbare Forderung. Bei einem Legastheniker reicht vielleicht schon der “Knallfaktor” (= % vol.), und was nun das Wesentliche eines Weines ausmacht, darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich behaupte einmal, dass derzeit genau die Daten auf dem Etikett stehen, die da auch hingehören. Herkunft/Region, Winzer, Rebsorte, Alkoholgehalt reichen da nicht ganz, zumal aus dem Alkoholgehalt nicht zuverlässig auf den Süßegrad geschlossen werden kann. Nimm also noch das Prädikat und bei Bedarf die Kennzeichnungen “trocken” oder “feinherb” dazu, dann stimmt’s schon.
    Im Übrigen finde ich es schon ziemlich schizo, auf der einen Seite nach einer Vereinfachung zu rufen und als Antwort ausgerechnet Burgund parat zu haben. Und was die Nachfrage aus dem Ausland angeht: Wer deutsche Weine im Ausland kauft und nicht gerade auf Blue Nun abfährt, hat schon einen kulturellen Level erreicht, auf dem man ihm zumuten kann, sich ein paar Begriffe zu merken. Es sind ja nicht alle Amerikaner so debil wie Tschortschdabbeljuhbusch.

  27. Christopher Emrich Januar 30, 2012 15:23

    Hi Werner,
    den Süßegrad hatte ich einfach nur vergessen, natürlich sollte da trocken oder feinherb drauf stehen, auf das Prädikat könnte ich verzichten. Entweder ist das ein leichter trockener Wein, dann erkennt man ihn am Alkoholgehalt, oder er hat deutlich mehr Umdrehungen, wobei es dann auch nicht unbedingt hilfreich wäre, trockene SL drauf zu schreiben ….

  28. Werner Elflein Januar 30, 2012 18:41

    Okay, dass mit dem Süßegrad hätten wir also geklärt. Aber bei einem Wein mit 12,5% vol. Alkohol weißt du auch nicht mehr, außer, dass er trocken ist. Da ist eine zusätzliche Angabe zweifellos hilfreich. Und damit hätten wir die Prädikatsstufe auch im Sack und stehen da, wo wir 1971 schon waren.

  29. Jens Januar 30, 2012 22:54

    Jedes System hat seine Berechtigung, wenn sich auch alle daran halten. Was hilft mir ein Kabinett der in Wirklichkeit eine dicke Auslese ist oder eine Lage auf dem Etikett wenn der Inhalt mainstream-Massenware ist?
    Der VDP hebt sich von anderen Winzern ab, auch mit seiner Klassifikation. Meiner Meinung nach muss man die ganze Überlegung aber auch mal auf den Otto-normal-Winzer übertragen, nicht nur einige Spitzenweingüter (egal ob VDP oder nicht…) Auf dem deutschen Weinmarkt herrscht Chaos, keine einheitliche Linie und das muss verbessert werden. Wer ein Prädikat auf die Flasche schreibt muss darauf hin geprüpft werden und wer einen Lagennamen verwendet, muss eine gehobene Qualität liefern die auch etwas mit der Lage zu tun hat.
    Der Kunde muss einfach wissen, was ihn erwartet und das kann er im Moment (oft) nicht ohne einen Wein probiert zu haben.
    Ein weiteres Problem ist für viele Kunden denke ich, dass sich mit den Prädikaten auch Weinstile eingebrannt haben. Jahrzentelang waren Spät- und Auslesen süß, es istfür sie weniger ein Merkmal für Qualität sondern mehr für Restzuckergehalt. Jeder der sich sich mit Wein beschäftigt, wird es verneinen, aber ich denke für “einfachen” Weintrinker(95% der Käufer?)trifft es zu.

    Alles in allem ein sehr komplexes Thema, aber wie sieht eine Lösung aus? Kritik zu dem Entwurf des VDP habe ich in den letzten Tagen seitenweise gelesen, was sind Ihre Vorschläge, wie soll das System aussehen? Was heißt für Sie einfach verständlich, kundenfreundlich, informativ, übersichtlich?

    Grüße Jens

  30. Werner Elflein Januar 31, 2012 06:26

    Verständlich, kundenfreundlich, informativ, übersichtlich. Das Prädikatssystem erfüllt all diese Voraussetzung, die VDP-Klassifikation tut dies nicht. Das Chaos auf dem Weinmarkt haben die angerichtet, die meinen, die deutsche Weinkultur mal eben so am grünen Tisch neu erfinden zu müssen. Dass Spät- und Auslesen mit ausschließlich süßen Weinen assoziiert werden, ist relativ. Wenn ich in der Pfalz eine trockene Riesling Spätlese kaufe, dann weiß ich sofort, welche Stilistik mich erwartet. Das weiß ich ansonsten erst, wenn ich den Winzer kenne, weiß, wie er kategorisiert, und wenn ich seinen Wein im Glas habe. Mag sein, dass das Etikett “übersichtlich” wird, aber das ist ein leerer Teller genauso, wie die intellektuelle Leistung hinter den jüngsten VDP-Beschlüssen. Am Ende werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden.

  31. Alex Januar 31, 2012 15:48

    Naja, mit den trockenen Prädikaten können viele Winzer auch machen was Sie wollen. Man kann sich nicht blind darauf verlassen, dass ein Kabinett trocken auch wirklich einer ist und dann auch so schmeckt. Ich denke an das Phänomen der herabgestuften Prädikate. So manch ein Winzer hat Kabinette mit Spätleseniveau abgefüllt und so fort. Darüber gab es doch auch schon etliche Diskussionen.

  32. Werner Elflein Januar 31, 2012 22:34

    Ja, Alex, das ständige Herunterstufen von Trockenbeerenauslesen zu Kabinetten ist schon verdammt unschön, da gebe ich dir ja Recht. ;-) Aber mal ernsthaft: Ein bisschen Schwund gibt es immer. Was hier ständig an 15-Volumenprozent-Kabinetten durch die Gegend schwirren soll, kann ich nicht nachvollziehen. Das sind ein paar Ausnahmen. Ich find’s auch nicht toll, aber glaubst du wirklich, mit dem VDP-Modell wären nun alle Probleme gelöst? Das wären sie nicht. Im Gegenteil: Ich sehe hier eher neue Probleme kommen.

  33. Jens Januar 31, 2012 22:43

    Das alte System hat seine Berechtigung, aber ist es nicht sinnvoll es zu überarbeiten?
    Macht es Sinn einen 200xer Chardonnay Kabinett trocken Piesporter Goldtröpfchen 14,5Vol% anzubieten?
    Etwas mehr Eingrenzung und Kontrolle für die Begriffe, dann kann man vielleicht darüber reden.
    @Werner Elflein: Nun ja, ich kenne genügend Weinstile in der Pfalz die nicht unter die traditionelle “Riesling Spätlese trocken” fallen. Man denke nur an Holzfass, Barrique, BSA, Maischegärung… Aber tragen dürfen den Namen fast alle.
    Von renomierten Betrieben kann man bestimmt behaupten, dass sie die Begrifflichkeiten auf dem Etikett ernst meinen und auch Weinstile damit verbinden. Aber vorgeschrieben wird es niemandem.

    Was drückt die Spätlese noch aus? Ist es denn wirklich ein Qualitätsmerkmal? Wie viele Riesling Spätlesen stehen im LEH und entsprechen garantiert nicht Ihren Vorstellungen Herr Elflein?

  34. Werner Elflein Februar 1, 2012 12:29

    Ich erlaube mir mal eine Gegenfrage: Wieviele Große Gewächse präsentiert der VDP pro Jahr und wie viele davon entsprechen letztlich nicht unseren Vorstellungen? Dass in den Supermärkten plörrige Spätlesen herumstehen, bedeutet doch nicht, dass das Prädikat an sich entwertet wird. Und zum Thema “Qualitätsmerkmal”: Dazu hatte ich mich bereits so ausführlich, wie das Alte Testament lang ist, ausgelassen. Und jetzt noch Holzfass, Barrique etc. – das geht jetzt wirklich ein bisschen weit (und am Thema vorbei).

  35. Christopher Emrich Februar 1, 2012 13:42

    Ich glaube, man kann auch noch über das Alte bis ins Neue Testament hinaus diskutieren und letztlich wird es einfach eine Geschmackssache sein, ob man die Prädikate braucht oder eben Riesling trocken, Gimmeldinger Riesling trocken oder Gimmeldinger Mandelgarten Riesling trocken auf dem Etikett stehen soll, und letzten Endes wird die Zeit oder der Markt die Prädikate immer weiter verschwinden lassen, etwa so wie der Schraubverschluss den Naturkorken immer mehr verdrängt und verdrängen wird.
    Für mich wäre weder das eine noch das andere ein Verlust.

  36. Werner Elflein Februar 2, 2012 06:06

    Eine Geschmacksfrage ist für mich das, was in der Flasche drin steckt. Lagenklassifikation und “Qualitätspyramide” haben dagegen eher etwas mit Stil, Kultur und Tradition zu tun.

    Aber noch eine Frage an dich, Christopher: Was ist für dich der Unterschied zwischen einem Gimmeldinger Riesling trocken und einem Gimmeldinger Mandelgarten Riesling trocken? (Die Frage zielt nicht auf die unterschiedliche Bezeichnung ab, sondern auf das, was in der Flasche steckt.)

  37. Christopher Emrich Februar 2, 2012 09:44

    Natürlich ist das Entscheidende immer noch das, was in der Flasche drin steckt. Über den Stil könnte man sich wiederum streiten. Die Bezeichnung “Trittenheimer Apotheke Riesling Kabinett trocken” hat gewiss etwas mit Tradition und Kultur zu tun, ebenso wie der Naturkorken, aber ist sie (oder der Korken) deshalb auch stilvoller?

    Ich finde, dass ein Trittenheimer Riesling feinherb, beispielsweise von Eva Clüsserath, das, was ich erwarte, nämlich einen feinherben Einstiegswein, absolut passend und stilsicher auf den Punkt bringt. Mehr ist da für mich nicht stilvoller, da würde ich mir als Fan von guter Gestaltung eher stilvollere und zeitgemäßere Etiketten bei manchem Weingut wünschen.

    OK: Weingut X riesling trocken ist der Gutswein, da stelle ich mir den Stil des Hauses vor, die sprichwörtliche “Visitenkarte”. Mit einem Gimmeldinger Riesling trocken, also dem Ortswein, kann ich z.B. etwas mehr an Bodentypizität etc. erwarten, der Gimmeldinger Mandelgarten bringt dann den (Top)Lagencharakter ins Spiel.

    Natürlich wird das eben nicht DEINEM Stil entsprechen, aber viele hier in diesem Blogg, u.a. auch der Betreiber, haben den Eindruck vermittelt, das sie damit gut leben könnten.

    für mich ist diese Qualitätspyramide einleuchtend, und ich treuere nicht den Zeiten hinterher, als es eben auf jeder deutschen Weinkarte 40 Posten zu bewundern gab.

  38. Werner Elflein Februar 2, 2012 23:46

    Okay, fangen wir mal beim Gutswein an: Visitenkarte des Hauses? Ich möchte denjenigen sehen, der es in einer verdeckten Probe schafft, einen Gutswein seinem Erzeuger zuzuordnen. Wenn es diesen “Stil dieses Hauses” gäbe, wäre das sicher in vielen Fällen möglich. Aber in der Praxis ist der Gutswein oft austauschbar und hat keinerlei Gesicht; das sind Massenfüllungen, nicht selten auch völlig lieblos in die Flasche gerotzt.
    Dass ausgerechnet mit einem Ortsriesling, in dem alle möglichen Ortslagen enthalten sein können, Bodentypizität zum Vorschein kommen soll … Das dürfte eher die Ausnahme sein und für Gegenden gelten, in denen die Bodenstruktur wirklich absolut homogen ist. Das kriegst du aber nicht mal an der Mosel hin. Oft hast du ein Gemisch aus mehreren Bodenformationen, und dann wird’s eigentlich eher eine verwaschene Angelegenheit. Wenn dann letztlich der Wein nach EINER Bodenformation genannt wird, ist das in meinen Augen schon sehr fragwürdig.
    Was nun die Einzellagen angeht, so bin ich der Meinung, dass wir kein Schubladensystem brauchen. Ich bin der Überzeugung, dass sich eine Lage selbst über ihr Renommée klassifiziert.

  39. Christopher Emrich Februar 3, 2012 08:28

    Also, ich kenne zahlreiche äußerst gelungene Gutsweine, und wenn wir dabei schon von Massenproduktion sprechen, dann unterhalten wir uns hier nicht, wie ich eigentlich mutmaßen würde, über 1-2% der Weinproduktion, sondern eher über 01,%.
    Sicher würde ich wohl nur wenige Gutsweine blind erkennen, allerdings bleibt zu fragen, wer eben in einer solchen Probe einen Kabinett aus der Zeltinger Sonnenuhr herausschmecken würde.

    Fragwürdig? Nun, mit deinem Anspruch dürfte man Weine im Grunde wohl überhaupt nicht mit irgendwelchen Namen versehen, sondern müsste das Etikett dazu nutzen, um in einer 7. Schrift alle Besonderheiten des Weines aufzuzählen.
    Auch nicht jede Gondorfer Gäns ist von der Bodenzusammensetzung absolut identisch.
    Dennoch kann ich zumindest etwas mit einem Riesling Kalkstein oder Schiefer trocken von beispielsweise Peter Siener oder einem Buntsandstein oder Rotliegenden von Rebholz anfangen, da die Weine sich eben meistens klar von einander unterscheiden und wenigstens starke Tendenzen darstellen – auch, wenn natürlich nicht die unterschiedlichen Bodenformationen wie in einem Setzkasten getrennt werden können.

  40. Frühlingsplätzchen Februar 3, 2012 10:25

    Auch ich kenne diese gut gelungenen Gutsweine und ich würde mir bei einer Blindprobe schon den einen oder anderen Treffer zutrauen- wir haben so etwas nämlich schon mal durchgeführt und es ist durchaus möglich einen Lieser von einem Dönnhoff, einen Wittmann von einem Zilliken, einen Bürklin-Wolf von einem Haag oder einen Schönleber von einem Wagner-Stempel zu unterscheiden.Wobei letztgenanntes Paar vielleicht am schwierigsten wäre, denn blind habe ich Wagner-Stempels Gutsweine schon manches Mal an der Nahe verortet- ist aber andererseits geografisch nicht so weit daneben…

  41. Christopher Emrich Februar 3, 2012 10:52

    Exakt, und auch eine sehr gute Auswahl an gelungenen Gutsweinen.
    Toll natürlich auch der Saar-Riesling von Van Volxem, Schäfer-Fröhlich (besonders mit ein bisschen Reife. Habe im Weinhaus Bluhm in Mainz vor einigen Wochen einen hervorragenden 2008er getrunken), Peter Jakob Kühn, Ansgar Clüsserath, Kirsten, um nur einige zu nennen, die mir spontan und ergänzend zu der Liste von “Frühlingsplätzchen” einfallen.
    Letzten Endes ist es in meinen Augen auch viel wichtiger, dass mehr (und auch jüngere) Interessierte über diese preiswerten und in größeren Mengen erzeugten guten Alltagsweine überhaupt einen Zugang zu deutschem Wein finden, als dass ein paar Hundert Flaschen eines GG oder einer TBA zur Hälfte von Kritikern getrunken werden – auch wenn diese Weine natürlich auch ihre Bedeutung haben.

  42. Werner Elflein Februar 3, 2012 18:31

    Nein, nicht alle “Besonderheiten”, sondern nur die bereits genannten, und dafür brauche ich auch keine 7er Schrift, sondern muss nur etwas beibehalten, was seit über 40 Jahren “Best Practise” ist. Und ja, ich behaupte, dass bei einem Kabinett aus der Zeltinger Sonnenuhr durchaus schmeckbar ist, woher er kommt. Das Problem von Verschnitten ist (das gibt es übrigens schon aus einer einzigen Lage), dass die Cuvée selten besser ist als die einzelnen Partien. Deswegen kann ich solch gepflegten Langeweilern wie Breuers “Terra Montosa” auch nichts abgewinnen.

  43. Christopher Emrich Februar 4, 2012 10:03

    Werner, ich wundere mich doch sehr, dass du, der in der Regel an wenigen hier im Forum behandelten Issues ein gutes Haar lässt, das Prädikatssystem so über die Maßen idealisierst, als wäre es eine verklärte, zunehmend verblassende Kindheitserinnerung, die aus der Ferne betrachtet glanzvoll strahlt und gegen sämtliche Versuche der Neujustierung und Großen Gewächse verteidigt werden muss.

    Dabei bist du in meinen Augen, ebenso wie im Fall Rheinhessen, ziemlich mystifizierend und ideologisierend.
    Was bedeutet denn ein Essentialismus wie DIE Lage Zeltinger Sonnenuhr? Welche wenigen Parzellen stellen denn – konsequente Weinbereitung vorausgesetzt – die Lage WIRLICH adäquat dar und welche Parzellen unterscheiden sich im Grunde nicht wirklich von anderen Parzellen anderer Lagen?
    Natürlich ist beispielsweise ein Uhlen oder Röttgen von Heymann-Löwenstein klar voneinander unterscheidbar (wie selbst die unterschiedlichen drei Uhlen selbst), aber ist denn deshalb eine Cuvée wie der Schieferterrassen ein gepflegter Langweiler?
    Sind alle Bordeaux oder Languedoc-Weine langweilig? Und wer macht wirklich große Weine aus den großen Lagen Wehlener Sonnenuhr, Rauenthaler Baiken, Erbacher Marcobrunn etc.? Wahrscheinlich deutlich weniger Erzeuger als aus den rheinhessischen “Kartoffeläckern”?
    Muss jeder Wein unbedingt “groß” sein? Mir macht ein Ortssilvaner/-Riesling von Werther-Windisch für € 7,00 in letzter Zeit irrsinnig viel Spass, ohne dass die Weine gleich flach oder eindimensional wären.
    Fragen über Fragen und zum Abschluss noch ein kleiner Einwand pro Terra Montosa: den Wein habe ich schon längere Zeit nicht mehr getrunken, kann mich aber an großartige 2001/2002er erinnern, bei denen ich einzig bedauere, dass ich nichts mehr davon im Keller habe, denn wie großartig der reifen kann, konnte ich 2004 bei einer Verkostung in Breuers Keller von Lagenweinen und Terra Montosa nachvollziehen, die bis in die 80er reichte.
    Schwer weniger als das Prädikat “langweilig” mit den zumindest von mir getrunken Weinen in Verbindung zu bringen.

  44. Werner Elflein Februar 5, 2012 18:50

    Christopher, deine Ausführungen werden langsam ein wenig off-topic. Wenn dir – für den Alltag – ein Guts- oder Ortswein Spaß macht, ist das doch völlig in Ordnung. Und mit Jens Windisch habe ich erst vor einigen Tagen gesprochen. Aber hier geht es doch nicht um die Basis, sondern um eine Hierarchieordnung, die bei den kleineren Weinen beginnt und bis in die “Spitze” reicht. Nur, so einfach ein paar dicke Brocken hinzuvinifizieren und dann von einer vermeintlichen Spitze reden, so wie es der VDP mit den Großen Gewächsen tut – das kann so nicht funktionieren, und das System ist auch nicht in sich schlüssig, weil es die Vielfalt unserer Weinkultur nicht abzubilden vermag. Dafür kommen dann solche Kopfgeburten wie “Geschmackskorridore”, die ja letztlich nur für eines “gut” sind: die natürliche Vielfalt einzuschränken. Was dabei heraus kommt, sieht man bei einem Wein wie dem “Terra Montosa” (immerhin als Zweitwein in der Hierarchie des Weinguts stehend) sehr gut. Das ist aber nicht das, was wir mit einer eng eingrenzten Herkunft in Verbindung bringen. Ob man in der Zeltinger Sonnenuhr oder einer anderen Lage noch einzelne Parzellen unterscheiden muss oder nicht, ist nebensächlich, weil es darum nicht wirklich geht. Im Falle einer Bernkasteler Badstube kann sogar eine kleine Großlage “klein genug” sein, in einer anderen Lage muss man weiter differenzieren. Diese Frage ist aber längst beantwortet, und zwar durch die Erzeuger, die sich über das Treiben des VDP totlachen und weiterhin das tun, was sie seit Jahrzehnten am besten können: die Eigenheiten einzelner Herkünfte optimal herausarbeiten. Da kommen dann solche Weine heraus, wie wir sie etwa von Kajo Christoffel, Karl Erbes, Markus Molitor, Dr. Hermann, Martin Müllen, usw. kennen. Da braucht’s auch kein Geschmacks-Dekret, sondern man macht eine Flasche auf, und für den Moment ist DIESER Wein Spitze. Mal der Kabinett, mal die Auslese *** oder Goldkapsel, mal der feinherbe oder trockene Gutswein.

  45. Christopher Emrich Februar 6, 2012 11:02

    Wir befinden uns im Jahre 2012 n. Chr. Ganz Weindeutschland ist von den via Rheinhessen einfallenden welschen Horden besetzt ….. Ganz Weindeutschland? Nein! Ganz oben, auf dem schroffsten Schieferfelsen des Erdener Prälat thront Elfweinerix und hört nicht auf, den Eindringlingen und ihren Gehilfen – den Statthaltern des VDP – erbitterten Widerstand zu leisten. Zu seiner Linken das halbe Molitor-Programm, zu seiner Rechten für den harten, bevorstehenden Winter ein paar Kisten Ahr-Spätburgunder, die Krone der Rebsorte, verteidigt er mannhaft das großartige deutsche Prädikatssystem vor der virulenten Dummheit, Ignoranz, Ahnungslosigkeit der VDP-Knechte und deren Mitläufern …..

  46. Werner Elflein Februar 6, 2012 12:50

    In nur einer winzigen Kleinigkeit, Christopher, muss ich dir widersprechen: Im Erdener Prälat gibt es “ganz oben” nicht. Oberhalb des Prälats kommen Ürziger Würzgarten und Erdener Treppchen zusammen. Da sind’s noch etliche hundert Meter bis zur Bergspitze.

  47. Christopher Emrich Februar 6, 2012 13:23

    Na, dann auf, die paar Meter schaffst du auch noch:-)

  48. Werner Elflein Februar 6, 2012 15:31

    Nützt nichts. Wenn ich oben in der “Kranklay” sitze, sieht man mich von unten schlecht. Dieser Teil des Ürziger Würzgartens hat die Form eines Hohlspiegels, den man nur aus südlicher Richtung voll einsehen kann. Und da ich, laut eines einzelnen Herrn aus Nierstein, unter einem starken Geltungsbedürfnis leide, ist das nichts für mich. Zumindest aber tröstlich, dass das “halbe Molitor-Programm” neben mir steht. Das macht meine Situation ein wenig erträglicher.

  49. Christopher Emrich Februar 6, 2012 15:56

    Ja, die örtliche Geographie hat schon ihre Tücken, weshalb es auch nirgendwo auf der Welt zumindest schon optisch beeindruckendere Weinlagen gibt. Aber dennoch würden sich schon die passenden Aussichtspunkte finden lassen. Im Dhroner Hofberg gibt es, wenn ich mich recht erinnere, bizarre Felsen.
    Wer ist denn der Herr aus Nierstein, wenn ich fragen darf? Mit Molitor kann man sich zweifelsohne schon ein Weilchen beschäftigen, wobei ich in letzter Zeit auch immer öfter wieder mal was anderes an Weißwein brauche als Riesling.
    Aber dennoch Prost …. und vorsicht: nicht runterfallen:-)

  50. Werner Elflein Februar 6, 2012 16:55

    Ob du’s glaubst oder nicht: Die Schönheit dieser Lagen spiegelt sich auch im Wein wider. Wenn aber alles über einen Leisten geschlagen wird … – Damit wären wir wieder beim eigentlichen Thema.

  51. Christopher Emrich Februar 7, 2012 10:33

    Werner, warum bloß sollte ich das nicht glauben? Die Mosel hatte ja auch in meinem Ranking die Pole Position inne und in meinem Keller liegen auch noch ein paar Hundert Van Volxem, Heymann Löwenstein, St. Urbanshof, Selbach-Oster, Haart, Molitor, Adam, Clüsserath, Lauer, Lubentiushof, Kirsten, Clemens Busch, Karlsmühle, von Othegraven, Willi Schäfer, Dr. Loosen, Martin Müllen, Schloss Lieser, Geltz-Zilliken etc. pp

    Aber immer wieder das gleiche: Nicht das eine oder andere System spiegelt die Schönheit oder das Potenzial dieser Lagen wider, sondern die Winzerin oder der Winzer.
    Und genau so argumentierst du auch in einer deiner vorhergehenden Mails: der Wein ist nicht gut, weil er aus dem Trarbacher Hühnerberg kommt, sondern weil ein Winzer wie Martin Müllen das Potenzial dieser Lagen in seinen Weinen so gut herausarbeitet und man bedenkenlos alles kaufen kann.
    Der Unterschied besteht doch nur darin, das die VErfechter des anderen Systems den Lagennamen nur für die Topweine verwenden, aber deshalb sind die Guts- und Ortsrieslinge von Christmann doch nicht gleich “Leisten”weine.

    So wie du bei diesen Winzern, die in deinen Augen ja schnell unter “Die Ahnungslosen des VDP” zusammengefasst werden, reflexartig Banalität, Massenware, Pansche assoziierst, könnte man auch im umgekehrten Fall gegen zahlreiche drittklassige Winzer ins Feld ziehen, die großartige Lagennamen wie Piesporter Goldtröpfchen oder Wehlener Sonnenuhr o.a. für ziemlich banale Kabinette “verwässern” und so jeden Lagennamen schnell ein Hauch von Beliebigkeit umweht.

    Wie gesagt: Qualität ist das eine, die Klassifizierung das andere – und zum Glück bin ich nicht der einzige, der in der Erzeugung von Guts- und Ortsweinen nicht den Verfall der deutschen Weinkultur nahen sieht.
    Im Gegenteil: so lustig sich die Wortspiele mit dem “groben(ß)en Geschwätz/Gewächs” auch annehmen und so viele banale GG bzw so viele überbewertete und als GG verkaufte Lagen es auch gibt – eines lässt sich nicht leugnen: die Qualität der trockenen Rieslinge in Deutschland ist seit diesen BEmühungen sowohl in der BReite als auch in der Spitze deutlich gestiegen.

  52. Werner Elflein Februar 8, 2012 06:18

    Die Entwicklung der Qualität der trockenen Rieslinge beurteile ich ein wenig differenzierter. Ich sehe hier nicht unbedingt eine Verbesserung. Gerade in Weingütern, die ihre Produktpalette konfektionieren und meinen, gewisse (Marken-)Weine unter Missachtung jahrgangsbedingter Unterschiede auf den Markt schmeißen zu müssen, entsteht sehr viel glattgebügeltes, langweiliges und in meinen Augen letztlich minderwertiges Zeug. Dazu zählt auch das Große Gewächs. Die Flut dieser Weine, auch in schwachen Jahren, ist geradezu grotesk.
    Und bei den einfacheren Qualitätsweinen fällt mir auf, dass diese zwar mit mehr Saft und hübsch zurechtgeschminkt daherkommen, letztlich aber kein Gesicht zeigen.
    Eine deutliche Verbesserung hat es gegeben ausgerechnet in der Kategorie, die der VDP abschaffen möchte: der trockenen Spätlese. Hier spielt die Musik aber längst außerhalb des Verbands, egal, ob im Norden an der Mosel oder im Süden in der Pfalz.

  53. braunewell Februar 8, 2012 09:55

    diese diskussion läuft ja immer noch, toll.
    mal ehrlich, kann man die qualität des weines wirklich anhand der begrifflichkeit festmachen? es gibt gut trockene spätlesen, ja, und auch gute gg, und von beiden auch schlechte.
    wenn ich mir die masse jetzt ansehe (über die wir in dieser diskussion ja nicht reden) sind es wohl mehr schlechte trockene spätlesen in deutschland, als schlechte gg, hier spielt also schon die musik, richtig, nur leider in moll und nicht in dur! wie seit jeher. ein teil der guten trockenen spätlese firmiert jetzt halt als gg, festhalten.
    also bitte die unnötige diskussion lassen, allein die bezeichnung macht den wein (leider) nicht besser und verkauft auch nix (außer evtl. gg!?)
    seht doch die qualität hier unabhängig von der bezeichnung, wie es schlecht und gute kabinette gibt, diese diskussion wird die welt nicht verändern!

  54. Christopher Emrich Februar 8, 2012 10:11

    Werner, nach reiflichem Überlegen bin ich letztlich doch zu dem Schluss gekommen, dass wir irgendwie unterschiedliche Meinungen in dieser Sache zu haben scheinen :-) …. Außerdem sind wir hier mittlerweile doch ganz schön unter uns, und ehe ich mir womöglich noch anhören muss, ich sei der Erich Honecker von „wuertz-wein.de“, der am Ende noch das Licht ausmachen darf, gebe ich es auf, gehe nicht über Los und wir sehen uns demnächst wieder in einem anderen Thread.

    Mache heute Abend dafür lieber noch mal einen prima Gutswein auf: Schieferterrassen 2005, Prost!

  55. Dirk Würtz Februar 8, 2012 10:45

    @Christopher
    @Werner
    Ich bedanke mich ganz ausdrücklich bei euch beiden für diese Diskussion hier – die übriges heftig gelesen wird. Sollte ich irgendwann einmal auf den Gedanken kommen eine Art “best-of-Print-Ausgabe” zu machen, kommt dieser Kommentarstrang von Euch beiden ganz sicher da rein!!!

  56. Werner Elflein Februar 8, 2012 11:05

    Braunewell, das Problem ist, dass sich mit den Bezeichnungen durchaus auch die Weinstile ändern. Es geht um mehr als eine bloße Umfirmierung à la “Aus Raider wird Twix …”.

  57. Christopher Emrich Februar 8, 2012 11:12

    @Dirk
    Aber gerne doch, ein bisschen Streitkultur ist ja auch gerade das, was, um deinen aktuellen Thread über die sinkenden Auflagenzahlen der Weinzeitschriften betrifft, den Printmedien in dieser Sparte leider fehlt .

  58. Christopher Emrich Februar 8, 2012 11:15

    schiefer Satz:

    … ist ja auch gerade das, was – um deinen aktuellen Thread über die sinkenden Auflagenzahlen der Weinzeitschriften aufzunehmen – den Printmedien in dieser Sparte leider fehlt .

  59. Christopher Emrich Februar 8, 2012 11:16

    …. und auch Kompliment an Werner: hart, aber herzlich:-)

  60. sigi hiss Februar 8, 2012 17:31

    dirk – die frage ist, warum sie soviele klicks hat…….

  61. Dorothea Februar 8, 2012 23:57

    warum setzt diese (weinpolitische)Diskussion soviel wechselseitige Belehrungen in Gang?

  62. Christopher Emrich Februar 9, 2012 10:02

    @Dorothea
    Belehrungen? Hmh, vielleicht verstehe ich die Frage oder den Vorwurf nicht so ganz genau, aber ich kann es mal versuchen.
    In einer – wie heißt das Ding: Demokratie? – spricht man ja gerne von einer offenen Gesellschaft, die eben auch von unterschiedlichen Standpunkten, bzw. dem Austausch derselben lebt. Eine sogenannte “Streitkultur” wird in diesem Zusammenhang ja auch nicht negativ erlebt, und auch ich denke, dass Streit oder eine Auseinandersetzung, die allerdings fair und nicht verletzend sein sollte, gerade für eine Öffentlichkeit dieser Art hier im Netz auch eine große Bedeutung hat – wobei das natürlich auch immer auf den Charakter des jeweiligen Themas ankommt, es kann jauch einfach mal nur um einen Austausch von Informationen gehen.

    In diesem fall hat die VDP-Klassifizierung eben zu unterschiedlichen Bewertungen geführt, worüber halt recht heftig gestritten worden ist. ISt das in deinen Augen schlimm?
    Man kann natürlich auch sagen: “Finde ich gut/nicht gut/ist mir egal” – und darauf einen Dujardin.
    Den meisten Menschen ist das wohl eh egal, bestenfalls trinken sie ab und an mal einen Wein, der ihnen schmeckt, ohne sich damit auseinander zu setzen.
    Aber dafür braucht man eben auch kein Forum wie dieses, dafür braucht man überhaupt keine Öffentlichkeit, egal ob Print oder Web.
    Für mich wäre die Frage “warum setzt diese Diskussion nichts an Streit, Emotionen etc. in Gang” eher problematisch.

  63. braunewell Februar 9, 2012 11:32

    was ich schade finde, ist, dass sich niemand so richtig zur frage drei-/vierstufigkeit äußert, schließlich ist dass doch einer der gravierendsten einschnitte in das in den größeren gebieten gelebte system. stattdessen sind wir in der alten diskussion weiter drin.
    wenn die überschrift nicht so gut passen würde….

  64. Christopher Emrich Februar 9, 2012 12:43

    @braunewell
    Also, ich hatte mich schon positiv über diese Klassifizierung geäußert, der “Streit” ist eben nur in Richtung der vermeintlichen Folgen abgedriftet, da Werner offensichtlich eine VEränderung der Weinstile befürchtet, während ich eher der Meinung war/bin, dass diesbezüglich eher andere Faktoren wie Klima, Erträge, Weinbergsarbeit und Weinbereitung eine Rolle spielen und ich eine VEränderung der Weinstile nicht per se abwerten würde.

    Aber was hältst du denn von der Drei-/Vierstufigkeit”?

  65. Werner Elflein Februar 9, 2012 14:40

    Braunewell, welche Frage genau meinst du?

  66. braunewell Februar 9, 2012 18:55

    @werner
    der vdp propagiert seit jahren eine dreistfuigkeit im deutschen weinbau, für den trockenen bereich (jedenfalls in den bekannten gebieten), dazu kommen ja in den größeren weingütern noch die zukaufweine oder literweine, die ja meist noch eine stufe drunter liegen.
    dieses system hatte die möglichkeit wein, angelehnt an diverse internationale systeme (insbesondere burgund), dem verbraucher meiner meinung nach einfacher näher zu bringen.
    die verknüpfung von herkunft und qualität ist für mich ungemein wichtig, ich denke das seht ihr nicht anders, ob als spätlese oder ortswein spielt sei jetzt dahingestellt, herkunft soll ja auch den wein prägen.
    die kommunikation über engere herkünfte, vom gut(swein) üder das ort (village) zur lage kann man auch anschaulich erklären und verdeutlichen.
    meiner meinung ist die chance für junge betriebe hier auch interessant aus nicht zu bekannten lagen tolle weine zu keltern, wo in manchen großen lagen leider doch auch nur masse produziert wird (ich möchte dies ohne beispiele belassen, die bringen eine gesamtdeutsche diskussion nicht weiter)
    wenn man jetzt davon ausgeht, dass die kommunikation für die 97 % der weintrinker, die nur konsumieren einfacher wird, im ausland die prädikate auch abgängig sind und dort außer gutswein, bekannten orten und gg auch alles andere unwichtig ist gab es eine auch vom vdp beschworene “historische chance”
    nicht die chance alles besser zu machen als ’71, wer das glaubt, der …., naja lassen wir das. aber es gab die chance eine einfachere kommunikation in der dreistufigkeit zu haben UND diese auch mit fakten zu hinterlegen (erntemengen, mostgewichte, alter der reben, holzpfosten, anzahl marienkäfer,….) es gab die chance für sinnvolles und nonsens, in der hoffung etwas voranzutreiben, was durch die abstufungsgewohnheit bei den prädikaten völlig aus den fugen war (oft, ohne beispiel für jetzt, ich sehe nur die trockenen kabinetts mit 13,5 %) und was gerade bei der erntemenge auch dazu führt, dass es nicht unendlich viel davon gibt, sondern, dass der/die winzer/in sich überlegt, ob es hier einen lagenwein geben soll oder nicht, und welche chancen sich ergeben, etc und wir nicht in sog. guten jahren eine flut von trockenen kabinetten mit 13,5 % als abgestufte auslese erhalten, bzw. in der masse (leh, discount,…,winzer) auslesen, die höchstens wie eine leichte spätlese schmecken
    es gab also eine ernsthafte chance herkunft und qualität zu verknüpfen (wie es das bspw. im rheingau in der spitze gibt), deutschlandweit und international verständlich, auf jeder landkarte und in jedem kaufhaus mit einfachen mitteln zu erläutern.
    dies chance, das was auch auf diesem blog öfter vorgestellt und diskutiert wurde, in der dreistufigkeit, offen für alle (kein closed-job), das hatte nach versammlungen, treffen, initiativen (mosel, rhh, pfalz, nahe, baden,…) die möglichkeit mit der lokomotive vdp in ein neues deutsches weinzeitalter zu fahren.
    jetzt scheint es, als das der zug von hinten so stark geschoben hat, dass der vdp abgebogen ist zur vierstufigkeit (inkl. zk/literweine also fünfstufig) und ich habe angst, dass der zug nun kopflos ist!?
    ohne den vdp wäre die dynamik in deutschland die letzten jahre nicht so rasant gewesen, gersde weil das system offen war für alle.
    ich bin kein freund von weinbergsklassifikationen, wer den überteuerten kram aus bdx und bourg trinken mag, nur weil er (weingut bzw. lage) gut klassifiziert ist mag das tun, in diesen gebieten ist aber von aufbruch und dynamik nichts zu spüren.
    meine bedenken sind, dass der vdp hier die chance verpasst, eine mittlere revolution im deutschen weinbau voranzutreiben, und die lok durch den spurwechsel an der spitze aus der bahn fliegt.
    wer von den winzern noch anfängt seine lagen als gut und ganz gut zu unterscheiden hat sicher recht, aber muss ich dann wirklich einen kleinen lagenwein und einen großen lagenwein machen? gehören die kleinen lagenweine nicht in den ortswein und gut?
    ein beispiel sei gestattet (ohne die haltung des winzers zu kennen), wäre ein hubacker in dalsheim jemals als toplage klassifizeiert worden?
    beraubt sich der vdp nicht also nur der chance der wortführerschaft, sondern auch künftiger talente?
    da wünscht man sich bald die trockene auslese zurück ;-)

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