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Viel Lärm um nichts…

Seit zwei Tagen gibt es gefühlt nur ein Thema in der digitalen Weinwelt: Der VDP und seine neue Klassifikation. Ohne zu überteiben könnte man sagen es herrscht große Aufregung und großes Unverständnis.

Auf den ersten Blick ist die “neue” Klassifikation des VDP in der Tat ein wenig verwirrend. Insbesondere die dritte und vierte Stufe: “Erste Lage” – “Große Lage” erscheint erklärungsbedürftig, das Wort “Einweinprinzip” wohl auch – aber nur, wenn man es auf Teufel komm raus und um jeden Preis eben NICHT verstehen will. Es findet doch alles schon längst statt. Zahlreiche Betriebe haben diese Drei- und Vierstufigkeit der Bezeichnungen schon lange. Ganz viele machen doch schon seit Jahren eben nur einen trockenen Wein aus den besten Lagen und verwirrend ist unser deutsches Bezeichnungsrecht im Übrigen schon seit Jahrzehnten! Wenn die “neue” VDP Klassifikation eins zu eins umgesetzt werden würde, wäre das Ganze eigentlich total einfach und überschaubar. Schwierig wird die ganze Geschichte doch nur aufgrund der vielen Kompromisse die gemacht werden mussten.

Ganz wichtig in der gesamten aufgeregten Diskussion ist übrigens die Tatsache, dass der VDP lediglich ein Verband ist. Hier hat also nicht der Gesetzgeber neue Weinbezeichnungen beschlossen, sondern ein Verband. Noch dazu ein kleiner mit gerade einmal 200 Mitgliedern – zweifelsohne aber natürlich ein wichtiger. Dieser Verband und seine Mitglieder muss nun sehen, ob er im Wettbewerb mit all den anderen Weinerzeugern mit dieser “neuen” Weinbezeichnung, respektive Klassifikation, bestehen kann. Um nicht mehr und nicht weniger geht es. Hier geht es nicht um die Zukunft des deutschen Weins, wie ich aus einigen Kommentaren und Beiträgen herauslese. Hier geht es lediglich um den Wunsch und die Sehnsucht einiger deutscher Weinproduzenten ähnlich anerkannt zu werden wie ihre französischen Kollegen. Es geht darum im Konzert der “Grand Crus classé”  mitspielen zu dürfen. Um das zu können muss man, abgesehen vom sehr guten Wein, eine starke Marke haben. Dies soll die neue Klassifikation erleichtern, so verstehe ich das jedenfalls. Ob das funktioniert wird die Zeit zeigen, genauso wie der Wettbewerb es zeigen wird.  Hier sind 200 selbständige Unternehmer am Werk, die sicherlich darüber nachdenken, was sie tun und nicht freiwillig mal eben ihre Existenz aufs Spiel setzen, weil der Begriff “Grosse Lage” so nett klingt…

67 Kommentare zu “Viel Lärm um nichts…

  • Werner Elflein

    Braunewell, das Problem ist, dass sich mit den Bezeichnungen durchaus auch die Weinstile ändern. Es geht um mehr als eine bloße Umfirmierung à la “Aus Raider wird Twix …”.

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  • Christopher Emrich

    @Dirk
    Aber gerne doch, ein bisschen Streitkultur ist ja auch gerade das, was, um deinen aktuellen Thread über die sinkenden Auflagenzahlen der Weinzeitschriften betrifft, den Printmedien in dieser Sparte leider fehlt .

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  • Christopher Emrich

    schiefer Satz:

    … ist ja auch gerade das, was – um deinen aktuellen Thread über die sinkenden Auflagenzahlen der Weinzeitschriften aufzunehmen – den Printmedien in dieser Sparte leider fehlt .

    Reply
  • Christopher Emrich

    @Dorothea
    Belehrungen? Hmh, vielleicht verstehe ich die Frage oder den Vorwurf nicht so ganz genau, aber ich kann es mal versuchen.
    In einer – wie heißt das Ding: Demokratie? – spricht man ja gerne von einer offenen Gesellschaft, die eben auch von unterschiedlichen Standpunkten, bzw. dem Austausch derselben lebt. Eine sogenannte “Streitkultur” wird in diesem Zusammenhang ja auch nicht negativ erlebt, und auch ich denke, dass Streit oder eine Auseinandersetzung, die allerdings fair und nicht verletzend sein sollte, gerade für eine Öffentlichkeit dieser Art hier im Netz auch eine große Bedeutung hat – wobei das natürlich auch immer auf den Charakter des jeweiligen Themas ankommt, es kann jauch einfach mal nur um einen Austausch von Informationen gehen.

    In diesem fall hat die VDP-Klassifizierung eben zu unterschiedlichen Bewertungen geführt, worüber halt recht heftig gestritten worden ist. ISt das in deinen Augen schlimm?
    Man kann natürlich auch sagen: “Finde ich gut/nicht gut/ist mir egal” – und darauf einen Dujardin.
    Den meisten Menschen ist das wohl eh egal, bestenfalls trinken sie ab und an mal einen Wein, der ihnen schmeckt, ohne sich damit auseinander zu setzen.
    Aber dafür braucht man eben auch kein Forum wie dieses, dafür braucht man überhaupt keine Öffentlichkeit, egal ob Print oder Web.
    Für mich wäre die Frage “warum setzt diese Diskussion nichts an Streit, Emotionen etc. in Gang” eher problematisch.

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  • braunewell

    was ich schade finde, ist, dass sich niemand so richtig zur frage drei-/vierstufigkeit äußert, schließlich ist dass doch einer der gravierendsten einschnitte in das in den größeren gebieten gelebte system. stattdessen sind wir in der alten diskussion weiter drin.
    wenn die überschrift nicht so gut passen würde….

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  • Christopher Emrich

    @braunewell
    Also, ich hatte mich schon positiv über diese Klassifizierung geäußert, der “Streit” ist eben nur in Richtung der vermeintlichen Folgen abgedriftet, da Werner offensichtlich eine VEränderung der Weinstile befürchtet, während ich eher der Meinung war/bin, dass diesbezüglich eher andere Faktoren wie Klima, Erträge, Weinbergsarbeit und Weinbereitung eine Rolle spielen und ich eine VEränderung der Weinstile nicht per se abwerten würde.

    Aber was hältst du denn von der Drei-/Vierstufigkeit”?

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  • braunewell

    @werner
    der vdp propagiert seit jahren eine dreistfuigkeit im deutschen weinbau, für den trockenen bereich (jedenfalls in den bekannten gebieten), dazu kommen ja in den größeren weingütern noch die zukaufweine oder literweine, die ja meist noch eine stufe drunter liegen.
    dieses system hatte die möglichkeit wein, angelehnt an diverse internationale systeme (insbesondere burgund), dem verbraucher meiner meinung nach einfacher näher zu bringen.
    die verknüpfung von herkunft und qualität ist für mich ungemein wichtig, ich denke das seht ihr nicht anders, ob als spätlese oder ortswein spielt sei jetzt dahingestellt, herkunft soll ja auch den wein prägen.
    die kommunikation über engere herkünfte, vom gut(swein) üder das ort (village) zur lage kann man auch anschaulich erklären und verdeutlichen.
    meiner meinung ist die chance für junge betriebe hier auch interessant aus nicht zu bekannten lagen tolle weine zu keltern, wo in manchen großen lagen leider doch auch nur masse produziert wird (ich möchte dies ohne beispiele belassen, die bringen eine gesamtdeutsche diskussion nicht weiter)
    wenn man jetzt davon ausgeht, dass die kommunikation für die 97 % der weintrinker, die nur konsumieren einfacher wird, im ausland die prädikate auch abgängig sind und dort außer gutswein, bekannten orten und gg auch alles andere unwichtig ist gab es eine auch vom vdp beschworene “historische chance”
    nicht die chance alles besser zu machen als ’71, wer das glaubt, der …., naja lassen wir das. aber es gab die chance eine einfachere kommunikation in der dreistufigkeit zu haben UND diese auch mit fakten zu hinterlegen (erntemengen, mostgewichte, alter der reben, holzpfosten, anzahl marienkäfer,….) es gab die chance für sinnvolles und nonsens, in der hoffung etwas voranzutreiben, was durch die abstufungsgewohnheit bei den prädikaten völlig aus den fugen war (oft, ohne beispiel für jetzt, ich sehe nur die trockenen kabinetts mit 13,5 %) und was gerade bei der erntemenge auch dazu führt, dass es nicht unendlich viel davon gibt, sondern, dass der/die winzer/in sich überlegt, ob es hier einen lagenwein geben soll oder nicht, und welche chancen sich ergeben, etc und wir nicht in sog. guten jahren eine flut von trockenen kabinetten mit 13,5 % als abgestufte auslese erhalten, bzw. in der masse (leh, discount,…,winzer) auslesen, die höchstens wie eine leichte spätlese schmecken
    es gab also eine ernsthafte chance herkunft und qualität zu verknüpfen (wie es das bspw. im rheingau in der spitze gibt), deutschlandweit und international verständlich, auf jeder landkarte und in jedem kaufhaus mit einfachen mitteln zu erläutern.
    dies chance, das was auch auf diesem blog öfter vorgestellt und diskutiert wurde, in der dreistufigkeit, offen für alle (kein closed-job), das hatte nach versammlungen, treffen, initiativen (mosel, rhh, pfalz, nahe, baden,…) die möglichkeit mit der lokomotive vdp in ein neues deutsches weinzeitalter zu fahren.
    jetzt scheint es, als das der zug von hinten so stark geschoben hat, dass der vdp abgebogen ist zur vierstufigkeit (inkl. zk/literweine also fünfstufig) und ich habe angst, dass der zug nun kopflos ist!?
    ohne den vdp wäre die dynamik in deutschland die letzten jahre nicht so rasant gewesen, gersde weil das system offen war für alle.
    ich bin kein freund von weinbergsklassifikationen, wer den überteuerten kram aus bdx und bourg trinken mag, nur weil er (weingut bzw. lage) gut klassifiziert ist mag das tun, in diesen gebieten ist aber von aufbruch und dynamik nichts zu spüren.
    meine bedenken sind, dass der vdp hier die chance verpasst, eine mittlere revolution im deutschen weinbau voranzutreiben, und die lok durch den spurwechsel an der spitze aus der bahn fliegt.
    wer von den winzern noch anfängt seine lagen als gut und ganz gut zu unterscheiden hat sicher recht, aber muss ich dann wirklich einen kleinen lagenwein und einen großen lagenwein machen? gehören die kleinen lagenweine nicht in den ortswein und gut?
    ein beispiel sei gestattet (ohne die haltung des winzers zu kennen), wäre ein hubacker in dalsheim jemals als toplage klassifizeiert worden?
    beraubt sich der vdp nicht also nur der chance der wortführerschaft, sondern auch künftiger talente?
    da wünscht man sich bald die trockene auslese zurück ;-)

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