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VDP Klassifikation

Gestern fand in Neustadt die außerordentliche Mitgliederversammlung des VDP statt. Es ging nur um ein Thema: der Beschluß über die Weiterführung der VDP-Klassifikation.

Die letzten Tage waren geprägt von Diskussionen, vorschnellen Veröffentlichungen und damit einiges an Unmut. Gerade letzteres war, und das ist wohl menschlich, eher emotional als inhaltlich. Gestern nun wurde einstimmig eine neue Herkunftsdefinition beschlossen, die wie folgt aussieht:

VDP Grosse Lage

VDP Erste Lage

VDP Ortswein

VDP Gutswein

Der trockene Wein aus der “Grossen Lage” ist das “Grosse Gewächs”, Prädikatswein trocken gibt es nur noch im Gutsweinbereich (maximal bis Spätlese) und nicht mehr mit Lagenangabe. Regionale Ausnahmen sind hier allerdings möglich – im Rheingau, beispielsweise, kann es also weiterhin einen trockenen Lagenkabinett geben. Das Ganze gilt ab dem Jahrgang 2012. In den kommenden Monaten müssen nun die Regionalverbände die Detailkonzepte erarbeiten, dazu gehört insbesondere die Festlegung der “Grossen Lagen”.

Mit diesem Beschluss hat der VDP einen großen, vielleicht sogar den größten Schritt seiner jüngeren Vergangenheit getan. Eine nunmehr jahrelange Diskussion um Klarheit und Feinjustierung einer logischen Klassifikation ist beendet. Ob und wie das Ganze im Markt angenommen wird bleibt abzuwarten.

35 Kommentare zu “VDP Klassifikation

  • Knalli

    Grosse Lage, Grosses Gewächs, Erste Lage… nix dazugelernt.
    Und Ortswein und Gutswein verstehen nur Deutsche. Da brauchst als Österreicher oder Schweizer auch schon eine Erklärung, ausländisch sprechende haben gar keine Chance. Aber immerhin, ein Schritt.

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  • Magnus Heinz

    Im Sport ist der Erste immer gross, der Grosse aber nicht immer Erster. So etwa wird es hier auch sein. Betimmt denkt man nicht an Großlage.

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  • Thorsten Kogge

    “In den kommenden Monaten müssen nun die Regionalverbände die Detailkonzepte erarbeiten, dazu gehört insbesondere die Festlegung der “Grossen Lagen”. Das bedeutet, es wird in jeder Region unterschiedliche Kriterien für diese Kategorien geben? Hm. Okay, einerseits ist das selbstverständlich bei einer Herkunftsregion wie besipielsweise in Frankreich in den AOC-Regionen. Und dennoch: wenn es keinen von allen Regionen akzeptierten Maßstab gibt, die gleichlautende Kategorie demnach überall anders “belegt” wird, ist dieser Beschluss weniger das Ende der Debatte um eine logische Klassifikation und deren Feinjustierung sondern erst der Neuanfang derselben Debatte. Immerhin: überhaupt mal einen Beschluss zu haben ist sicherlich besser als gar keinen zu haben, als Arbeitsgrundlage.

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  • Werner Elflein

    Dieser Beschluss zeigt einmal mehr: Der VDP flickschustert weiter vor sich hin. Und trockene Prädikatsweine nur noch im untersten Segment, ohne Lagenbezeichnung? Auf eine solch hirnverbrannte Idee muss man erst einmal kommen! Aber selbst wenn man’s nicht mehr für möglich hält, kommt der Verband der Naturweinverweigerer mit einer noch dümmeren “Lösung” um die Ecke.

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  • Pingback: VDP Beschluss zur Weiterführung der VDP Klassifikation

  • Alex

    Ich finde, das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Mal sehen wie es in der Praxis umgesetzt wird. Aber eine Frage an alle die meinen, man müsste eine Bezeichnung finden, die auch Ausländer verstehen. Wie sollte man diese dann nennen: Etwa gleich alles ins Englische oder Französische übersetzten? :S Ganz einfach geht es doch nicht, oder?

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  • Philip Meierhofer

    Sehr geehrter Herr Elflein: Ich kenne Sie nicht persönlich. Ich kenne nur Ihre Postings auf unterschiedlichen Weinseiten. Eines haben aber alle gemeinsam: Sie sind ein fürchterlicher Ereiferer. Was ich darunter verstehe? Sie ereifern sich über beinahe Alles und Jeden. Stets nur drauf, drauf, drauf. Ein Vorschlag: Schauen Sie sich mal die letzten 20 Postings auf wuertz-wein.de an und sagen Sie mir so objektiv wie möglich, bei wie vielen Postings Sie sich nicht über irgendetwas aufgeregt haben. Ich warte auf Antwort und verbleibe

    mit freundlichen Grüßen

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  • Werner Elflein

    Alex, speziell im Rheingau mag die Abgrenzung vom Ersten Gewächs gut und richtig sein, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, welche Weine dort zugelassen wurden und welchen man die Zulassung verweigert hat. Absolut nicht einverstanden bin ich hingegen mit der Prädikatsverweigerungshaltung bei den trockenen Weinen. Wo bitteschön soll da der Schritt in die richtige Richtung sein? Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Konsument sehr wohl verstanden hat, was eine trockene Spätlese ist. Der Beschluss des VDP ist in sich völlig unlogisch. Zum einen wird behauptet, die Prädikate seinen entwertet worden, anschließend werden sie aber für die restsüßen Weine beibehalten, und bei den trockenen sollen sie ohne Lagenbezeichnung für die unterste Ebene in der Qualitätshierarchie weiterbestehen. Wenn das nicht eine Entwertung erster Klasse ist! Der VDP verkauft die Verbraucher für blöd. Letztlich geht es doch um etwas ganz was anderes. Nämlich um den schnöden Mammon. Ein trockener Lagenkabinett kann derzeit nur für maximal 10,- € auf dem Markt platziert werden. Ausweg also: Verzicht auf den Kabinett, und denselben Wein (evtl. ein wenig durch Chaptalisation und andere kellertechnische Tricks zu einem fetten, mainstreamigen Mundfüller gemacht) als “Lagenwein” im so genannten Mittelsegment für 12,-/15,- € angeboten und dem dummen Kunden etwas von einem hohlen Qualitätsversprechen vorgeschwafelt.
    Wenn ich mir anschaue, wo derzeit die besten Weine herkommen, muss ich zum Beispiel für die Mosel und die Pfalz feststellen, dass mit nur wenigen Ausnahmen kaum ein VDP-Erzeuger mehr in der ersten Bank sitzt.

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  • Felix Peters

    Viel Kritik höre ich immer wieder, wenn es um die Klassifikation geht. Der VDP ist ein Verein mit ca 200 Mitgliedern aus verschiedenen Regionen, verschiedenen Herkünften, verschiedenen Interessen, verschiedenen Weinstories und Vermarktungsansätzen.
    Hier einen gemeinsamen Konsenz zu schaffen ist eine große Leistung. Alle Beschwerden zum jetzigen Zeitpunkt sind eigentlich vermessen. Man sollte dem VDP Zeit geben, die weit fortgeschrittenen Ideen zu festigen und die letzen Einzelheiten sich entwickeln zu lassen.
    Rom wasn´t built in a day!
    Lg Felix

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  • Werner Elflein

    Intellektuell fortgeschritten sind die “Ideen” des VDP ja nun nicht, obwohl das “Große Geschwätz” bereits seit 1999 existiert. Die meisten Weine genügen nach wie vor höhreren Qualitätsansprüchen kaum. Nach zwölf Jahren immer noch mit der Ausrede – und nichts anderes ist das in meinen Augen – zu kommen, dass der VDP Zeit brauche, ist fast schon ein wenig belustigend.
    Um den Vergleich mit der Erbauung von Rom aufzugreifen: Bisher stehen auf der Baustelle des VDP nur die Dixi-Klos für die Landvermesser. Diverse Architekten haben Pläne in der Schublade, können sich aber nicht darauf einigen, ob eine Hotelanlage gebaut werden soll oder ein Bürogebäude. Irgendwann wird jedoch beschlossen, einfach mal mit dem Bau anzufangen und gegebenenfalls kurz vor der Fertigstellung zu entscheiden, was es denn nun werden soll.
    Es ist einfach nur peinlich, dass statt EINES DURCHDACHTEN großen Entwurfs immer nur Stückwerk geliefert wird. Das betrifft sowohl die Nomenklatur als auch die Qualität.

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  • Philip Meierhofer

    Sehr geehrter Herr Elflein, das passt ja irgendwie erschreckend gut in das Bild, dass ich von Ihnen hatte. Sie müsse ja nicht darauf eingehen, aber denken Sie mal darüber nach: Wer immer nur schreit, wird auch bei den leisen, ernsten Tönen nicht mehr wahr(!)genommen. Ich frage mich allerdings schon, was ich für ein Mensch sein soll, dass man auf mich und meine Meinung nicht eingehen will. Sehen Sie das doch mal als kritisches Feedback und postivistische Kritik. Vielleicht hilft Ihnen das ja in der Entwicklung Ihrer Persönlichkeit weiter.
    Freundliche Grüße

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  • Magnus Heinz

    @Herrn Elflein: Burgund hat ja nun auch schon eine lange Tradition in der Vierergliederung, obwohl es dort einfacher ist. Die Begrifflichkeit kommt ohne Zweiteilung aus, d.h. Grand cru steht für die Lage und den daraus hervorgehenden Wein und hat jeweils eine eigene A.O.C. Bei uns wird noch einmal zwischen Großer Lage und daraus hervorgehenden anderen Weinen, darunter auch das Großes Gewächs, unterschieden. Für den Verbraucher nicht ganz einfach, aber mit etwas Mühe erlernbar. Dann entfällt in Burgund auch die Schwierigkeit mit den Prädikaten, die es eben dort nie gab, die aber auch wegen des Stils nicht nötig waren. Obwohl alles so viel einfacher ist, frage ich mich trotzdem, ob ihre Feststellung, dass die meisten (Grosse-Gewächs)-Weine kaum höheren Ansprüchen genügen, in Burgund nicht auch soweit zutrifft, als man “die meisten” mit “sehr viele” ersetzen kann. Als Privatverbraucher komme ich mit VDP-Betrieben aller deutscher Anbaugebiete gut zurecht, suche mir allerdings auch das zu mir Passende heraus. In Bausch und Bogen verdammt haben möchte ich die Überlegungen der VDP-Mitglieder nicht, von außen ist schnell urteilen, innen zeigt sich vieles dann doch sehr schwierig, denke ich mal. Zwei Systeme müssen kombiniert werde und da knirscht es auch schon mal im Getriebe. Man muss ja selbst die Ortographie beugen, um sich international verständlich zu machen. Klar, denn sonst würde aus “GROSSES GEWÄCHS” schnell mal “GROBES GEWÄCHS”. Nachdenken sollte man evtl. über den kompletten Wechsel der Begrifflichkeit. Bei den Biersorten kommt man wohl gut mit Übernahmen wie “Premium”, andernorts mit “Superior” über die Runden. Aber den Aufschrei möchte ich mal hören, wenn eine “Wehlener Sonnenuhr Premium” herauskäme.
    Beste Grüße
    Magnus

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  • Felix Peters

    Sehr geehrter Herr Elflein!
    Was sind das für erbärmliche Stammtischparolen. Man hört sehr viel Frustration und Geltungsbedürfnis in ihren Beiträgen.
    Als Gründungsmitglied der Gruppe Großes Gewächs werde ich diese Diskussion mit ihnen nicht weiter führen, wenn sie das an was wir glauben und jährlich hart daran arbeiten als „Großes Geschwätz“ ansehen.
    Ihre Anmaßung die große Weinfachkenntnis zur Qualitätsbeurteilung mit Löffeln gefressen zu haben ist traurig und bemitleidenswert.
    Felix

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  • Werner Elflein

    Herr Meierhofer, wenn jemand eine Entwicklung seiner Persönlichkeit nötig hat, dann sind das die Duckmäuser und Leisetreter, zu deren Gruppe Sie anscheinend gehören. Nehmen Sie das mal als Denkanstoß. Wer klare Worte nicht ertragen kann, dem bleibt notfalls immer noch der Glaskasten, in den er sich einsperren kann. Ein schönes Leben noch!

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  • Werner Elflein

    Magnus, das burgundische System scheint ja das Vorbild für die VDP-Klassifikation zu sein. Nur wird übersehen, dass dieses Modell auf die deutsche Weinkultur nicht übertragbar ist. Es macht auch wenig Sinn, auf mehrere Parallelkulturen (für trocken und fruchtsüß) zu setzen. Ich bleibe dabei: das bestehende Prädikatssystem bildet die für Deutschland typischen Weinstile vor allem im Rieslingbereich (auf die Rotweine trifft dies natürlich weniger zu) in optimaler Weise ab. Da muss man nicht mehr viel erklären. Ein einfaches Koordinatensystem: Die x-Achse für die “Gewichtsklasse”, die y-Achse für den Restsüßegrad, daraus ergeben sich letztlich alle Variationsmöglichkeiten. Und fertig. Wer soll dieses einfache System denn nicht verstehen?

    Dass es überall auf der Welt schlechte Weine mit großen Namen gibt, brauchen wir, denke ich, nicht zu diskutieren. Und es wäre auch längst nicht so problematisch, hätte Steffen Christmann nicht schon vor längerer Zeit ein Qualitätsversprechen abgegeben. Ihm häte klar sein müssen, dass er dieses niemals halten kann angesichts 200 Verbandsmitgliedern, von denen 160 bis 170 nur höchst selten mit großen Weinen auffallen.

    Und noch etwas: Wenn es hier nicht um die Außenwirkung des Spektakels geht, worum denn sonst? Letztlich geht’s doch darum, was auf dem Etikett steht und was in der Flasche drin ist, und nicht die Befindlichkeiten der Mitglieder eines Dackelzüchtervereins, in dem ein Tom-Gerhard-Verschnitt für das Konzeptionelle zuständig ist.

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  • Alex

    @Werner Elflein. Ich verstehe Ihre Gedankengänge, aber es kommt glaube ich darauf an, was die Weingüter draus machen. Ich finde ein schönes Beispiel ist das Angebot vom Weingut Wagner-Stempel/Rheinhessen. Dort scheint diese Pyramide schon angewendet zu werden. Und der Ortswein-Riesling, der Siefersheimer Riesling “vom Porphyr”, ist ein angesehner trockener Wein, der deutlich zwischen die Gutsweine und die Grossen Gewächse passt. Soweit ich weiss wird dieser auch aus den jüngeren Reben der GG-Lagen gewonnen. Natürlich spielt Marketing eine grosse Rolle und die Art und Weise wie es umgesetzt wird vor allen Dingen. Aber die Ortsweine haben das Potential genau solche Flagschiff-Weine zu werden wie es die grossen Gewächse sind, ohne es nötig zu haben zusätzliche Prädikatsbezeichnungen für trockene Weine zu tragen. Dass man einen Gutswein dann, wenn nötig, als Spätlese trocken bezeichnet, finde ich nicht weiter schlimm. Verstehe dennoch Ihre Bedenken und finde auch, dass sie berechtigt sind. Weinige Grüße.

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  • Werner Elflein

    1. Alex, natürlich kommt es darauf an, was die Weingüter daraus machen. Würde die Qualitätspyramide schlüssig mit dem übereinstimmen, was ich im Glas vorfinde, könnte ich sie wenigstens nachvollziehen. Aber da liegt der Hund begraben. Da wird ein Mordsgetöse veranstaltet, eine alternative Nomenklatur zum bestehenden Prädikatssystem geschaffen, aber letztlich sind das hohle Konstrukte, weil hinter (oder besser: vor) der Vermarktungsstrategie, der die ganze Story entspringt, keine echte Vision für die Qualität steht. Es ist ja noch nicht einmal transparent, in welchen Gebieten welche Weine chaptalisiert werden dürfen und wo nicht. Ich bin mir zudem sicher, dass viele Grobe Gewächse tatsächlich Große Gewächse wären, wenn sie eleganter, tiefer, moderater im Alkohol, frei von (bitterer) Botrytis und weniger plump wären. Da hat es zwar in den vergangenen Jahren einige Verbesserungen gegeben, in der Breite ist das “GG” immer noch eine Riesenenttäuschung.

    2. Wenn ein Wein in einer bestimmten Lage gewachsen ist, finde ich es schon ziemlich hirnverbrannt, dass deren Name nicht auf dem Etikett stehen soll, sondern stattdessen Bodenformationen als Namensgeber herhalten müssen, während es unter der Hand weiterhin heißt: Ja, eigentlich kommt der Wein ja zu 100% aus der und der Lage, nur darf’s wegen des Lagenverbrauchs nicht draufstehen. Ich hatte neulich mal nach dem Sinn des Lagenverbrauchs gefragt und bis heute NICHT EINE qualifizierte, in sich schlüssige Antwort erhalten.

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  • Alex

    @Werener Elflein: Zu Punkt 1 kann ich nicht viel sagen, aber ich gehe davon aus, dass diese Dinge viel Zeit brauchen, was ich nachvollziehen kann.

    Zu Punkt 2: Dafür soll es ja -nehme ich an- neben den Grossen Lagen noch die Ersten Lagen geben, und ich finde es sinnvoll, dass es für diese Lagen dann jeweils nur 1 trockenen Wein geben soll, der dann das beste darstellt, was der Winzer aus dieser Spitzenlage machen kann. Problem sind dann halt alle Lagen, die keine Grosse oder Erste Lage darstellen, aber für den Winzer und/oder Kunden bisher etwas besonderes dargestellt haben. Aber ich stell mir das trotzdem als ein übersichtliches System vor.

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  • Werner Elflein

    Vielleicht, Alex, sollten wir einmal hinterfragen, wofür konkret eigentlich Zeit gebraucht wird? Fangen die VDP-Winzer erst allmählich an, zu verstehen, wie ein großer trockener Riesling aussieht? Ich behaupte einmal: Die einen konnten es bereits in den Neunzigerjahren und haben es prinzipiell auch nicht verlernt, die anderen konnten es nicht, können es nicht und werden es vermutlich auch in zehn Jahren noch nicht können. Was genau ist es also, was hier Zeit benötigt? Die Zeit, bis eine der größten Kundenverarschungskampagnen der Weingeschichte beim Verbraucher Wirkung zeigt?

    “Das Beste” aus einer Lage – ja, himmelarschundzwirn -, was soll denn das schon wieder sein? Soetwas gibt es überhaupt nicht, außer in der Scheibenwelt. Für den einen ist das Beste aus einer Lage die Trockenbeerenauslese, für den anderen die feine, tiefgründige und mineralische trockene Spätlese, und für den dritten eben der plumpe Alkoholklotz. Jo mei, wenn’s schee macht …

    Aber das Große Gewächs als “DAS [einzig] Beste” – da lachen sich die Hühner ein Geweih.

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  • Werner Elflein

    Na gut, Alex, und gleich die nächste Frage: Warum sollen wir für fruchtsüße Rieslinge die Prädikate beibehalten, für trockene dagegen nicht? Das entbehrt doch jeglicher Logik. Auch bei den trockenen gibt es verschiedene “Gewichtsklassen”, und in der Regel ist mir ein guter Kabinett lieber als ein konzentriertes, aber schlechtes 13,5-Volumenprozent-Geschoss.

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  • Alex

    Ich gehe davon aus, dass diese Weine (trockene Kabinette) dann als Orts- oder Gutsweine angeboten werden. Es ist aber in der Tat nicht unbedingt logisch und gewöhnungsbedürftig sowieso, insbesondere wenn diese Weine nicht mehr den Lagennamen tragen dürfen, aber ich finde es nicht schlimm wenn die Bodenformationen dann dafür als Namen hinhalten müssen. Es gab ja auch bisher genügend Jahrgänge, wo die früher gelesenen trockenen Kabinette einfach zu wenig Reife hatten, um wirklich zu gefallen.
    Es wird eine Umstellung, das ist klar. Und es bleibt auch abzuwarten wie viele “Ausnahmen” es im Endeffekt geben wird.

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  • Christopher Emrich

    Lieber Werner,

    ich schätze ja viele Weingüter, die auch du favorisierst und finde auch wie du, dass es zu viel Konformismus und zu wenige kritische Geister gibt, nicht nur hierzulande, aber ich bin auch andererseits der Meinung, dass du in vielen Punkten einfach ungerecht bist, – Stichwort Rheinhessen.
    Ob man seinen trockenen Spitzenwein nun GG oder Auslese trocken nennt, ändert ja zunächst mal nichts an der Qualität, auch wenn mir die burgundische Klassifikation viel mehr entgegen kommt und auch international besser vermittelbar sein dürfte als die komplette Deklination eines jeden Weines aus dem Kleinklickerheimer Nierentritt von trocken bis fruchtsüß, unter Einbeziehung des jeweiligen Prädikatsaszendenten.
    Aber zu behaupten, an der Qualität der trockenen Spitzenrieslinge hätte sich hierzulande seit den 90ern nichts oder wenig geändert, dürfte doch wirklich nur eine Legende sein. Sicherlich sind die meisten Rheingauer Ersten Gewächse nur eine Mogelpackung und gewiss verdienen auch viele GG den Namen nicht wirklich, aber gab es in den 90ern wirklich trockene Spitzenrieslinge in diese Menge und Qualität wie die von, christmann, Wittmann, Keller, Mosbacher, Dönnhoff, Schäfer-Fröhlich, von Winning, Horst Sauer, Johann Ruck, Luckert, Wagner-Stempel, Battenfled-Spanier, Kühling-Gilot, Emrich-Schönleber, PJ Kühn uvm?

    Vor kurzem hatte ich mich mit dem Frankfurter Weinhändler Böhme genau darüber unterhalten. Herr Böhme meinte sehr treffend, dass die deutschen Winzer früher ihre besten Trauben in der Regel in die süßen Weine steckten und dass die Erzeugung von trockenen Spitzenweinen nur bei wenigen (Breuer, Künstler, Koehler-Rupprecht) wirklich ernsthaft im Fokus stand, was sich unter anderem auch im geringen Reifepotential bzw. der begrenzten Haltbarkeit dieser Weine im Vergleich zu österreichischen Rieslingen manifestierte.

    Heute gibt es sogar viele trockene Topweine aus nicht als GG klassifizierten Lagen, die hohen Ansprüchen stand halten, z.B. von Winter aus Dittelsheim-Hessloch, Hofmann aus Appenheim und vielen anderen. Selbst diese Weine hätten früher zur deutschen Spitze gezählt.

    Es ist bestimmt nicht alles Gold, was glänzt, aber man sollte doch zumindest auch mal anerkennen, dass heute wesentlich mehr Gold zu finden ist als vor 20 Jahren – dies anerkennend kann uns soll man auch durchaus Kritik üben an dem, was (noch) nicht stimmt oder stimmig ist.

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  • Werner Elflein

    Christopher, es geht hier ja nicht nur um die GGs, sondern auch das, was in der Hierarchie darunter kommt. Und hier sieht es bei den Genossen vom VDP mitunter extrem traurig aus. Ich glaube, einige haben schlicht Angst, dass eine gut gemachte und echte Trinkfreude vermittelnde trockene Spätlese (das GG ist dazu leider zu oft nicht in der Lage) ihrem Prestigeweinchen den Rang ablaufen könnte. Also muss die trockene Spätlese weg, und statt eines Kabinetts lässt sich das, was man erhält, wenn man den ganzen Rest zu zwei Qualitätsweinen zusammenschüttet, unter dem Deckmäntelchen eines Ortswein sogar noch lukrativ vermarkten.

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  • Reinsch

    Ausser Häme, Spott und Borniertheit wird hier vor allem noch Unverstand geboten. Was für eine Verschwendung! Warum sich hier jeder selbstbekennende Weinkenner über das Handwerk auslassen zu können meint, will sich mir nicht erschließen. Try walking in my shoes….

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  • Christopher Emrich

    @Reinsch
    Wo lesen Sie denn, dass hier nur Häme und Spott geboten wird? Es gibt doch neben Kritik genau so viel Lob über bestimmte Entwicklungen, Weine etc.
    Außerdem ist das doch eine der wirklich fragwürdigsten Vorstellungen, dass sich Ihnen zufolge offenbar nur diejenigen über Wein äußern dürfen, die selber welchen produzieren, oder?
    Dann dürften wir alle wohl auch kaum unsere Politiker in irgendwelchen MEdien beurteilen , da wir uns nie die Mühe gemacht haben, in deren Schuhen zu laufen?????

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