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Lambrusco Sommer

von Marco Giovanni Zanetti aka “Winepunk”

Lambrusco… das Thema dieses Sommers. Wir haben es getan… wir haben einen Haufen Lambrusco verkostet.Tatort: Königsmühle zu Gau-Odernheim

Zeugen: Weinmacher, Blogger & Sommeliers

Unterstützung: 3 Kg Rinderhack zu besten Burgern gegrillt von Würtz persönlich!

Verdächtige: DER Underdog der roten Rebsorten Italiens überhaupt! DER Erzfeind eines jeden vermeintlichen Weinprofis oder Weintrinkers. DER übliche Verdächtige! Für mich: der kleine rote Prinz der Emilia Romagna und der Gottvater des erfrischenden Trinkens aus Italien.

Ganz im Zeichen des Lambrusco Sommers 2011 haben wir uns an diesem lauen Freitagabend in der Königsmühle der Würtz Family zusammen gefunden, um einige Lambruschi (Lambrusco) genauer unter die Lupe zu nehmen. Vorab vielleicht eine kurze Fakten zum Thema Lambrusco.

Er stammt aus der Emilia Romagna und wird in drei Provinzen an- und ausgebaut. Parma, Moden und Reggio Emilia. Es gibt ca. 65 Varianten, respektive Klone dieser Rebsorte, wobei nur fünf oder sechs wirklich nennenswert sind, wie zum Beispiel: Lambrusco di Sorbara, Lambrusco Grasparossa, Lambrusco Salamino & Lambrusco Montericco.

Dass der Wein perlt, brauche ich nicht zu erwähnen und wen es wirklich interessiert, wie er erzeugt wird, bekommt gerne auf Anfrage eine ausführliche Berichterstattung von mir. Auf geht es zu den verkosteten Weinen:

Aufgeteilt in 3 Flights wurden folgende Weine verkostet:

Die komlpette Range von Cavicchioli vorneweg mit dem LAMBRUSCO DI SORBARA „TRE MEDAGLIE“ secco: helles Rot, fast Rosefarben mit feinen Bubbles, die pink schimmern. Die Nase kräftig nach Himbeeren duftend, was sehr typisch für diesen Klon ist, gepaart mit kräuterigen Nuancen. Frische Säure und ein zartes Tannin machen diesen Verdächtigen zu einem echten Apérotrinkspaß! 86 KP (Kingsmill Points)

Nr.2 war dann der Lambrusco Grasparossa di Castelvetro “Tre Medaglie” secco. Etwas kräftiger in der Farbe als sein Komplize und auch breitere Schultern, was das Gesamtbild betrifft. In der Nase Cassis, Lavendel und eine herbe Note, die auch an Rhabarber erinnert und etwas hefiges. Ein Aufseher kommentierte: „wie gedeckter Rhabarberkuchen“! 87 KP

Dritter Kumpane von Medici Ermete war der „Assolo“. Dunkelrot fast schwarz, ich nehme an mit etwas Ancelotta angereichert (Rossissimo) hat ganz feine Perlchen, die am Rand des Glases stehen wie eine 1! Brombeere und Holunder, Süßkirsche und auch hier wieder ein angenehm würziges Aroma, was ein wenig nach Tabak riecht. Der erste Schluck bestätigt den ersten Eindruck, Frucht und viiiel Saft! 89 KP.(dieser Lambrusco war einer der günstigsten der gesamten Probe und dafür gibt’s noch nen halben Punkt obendrauf). Würtz meint: Mein absoluter Favorit, und das für unter 5 Euro

Als vierter wurde der Lambrusco rosso „Labrusca“ von LINI 910 vernommen. Lini, ein völlig eigener Stil, der etwas aus der Reihe fällt. Auch hier sehr dunkel, Ancelotta ist auch hier dafür verantwortlich, in der Nase allerdings eher wie eine Rinderhälfte, gespickt mit Nelken und Feigen. Sehr weiniger Charakter und sicher ein guter Wein, um gemeinsame Sache zu machen mit nem FFF (fetten Fetzen Fleisch). 88 KP

5. im Bunde war der Reggiano Lambrusco “Foglie Rosse” secco DOC von der Genossenschaft Albinea Canali. Der Wein hatte es etwas schwer neben seinen Freunden, aber er hielt stand. Merum schrieb folgendes darüber: Mittelintensives, purpurnes Rubin; intensive holundrige Noten, frisch und einladend; auch im Mund holunderig, sehr frisch, gute Säure, trinkig.” Merum  – wir sehen das ähnlich. Wir verteilten dafür 86 KP

Die zweite Vernehmung bestand ebenfalls aus fünf Verdächtigten:

1.war der Lambrusco di Sorbara Vecchia Modena “Premium” secco DOC  aus dem Traditionsbetrieb Chiarli. Bekannt für ihre große Produktion, überzeugen Chiarli trotzdem mit ihren beiden Prestige – Lambruschi (Lambrusco) hierzu ein Zitat eines Lambruscoliebhabers: “Blasses Erdbeerrosa; frische Nase, rotbeerige Noten; feiner Schaum, gute Säure, zartfruchtig, fein, feinherb, erfrischend und sehr angenehm.” Merum  von uns gabs dafür 88 KP.

2. Lambrusco Grasparossa di Castelvetro “Vigneto Enrico Cialdini” secco DOC Dunkles Rubin schimmert im Glas, Brombeerig hefig, stramme Säure aber in echt guter Balance mit der zarten Süße. (Fand ich persönlich sehr gut zu meinem Burger)Verleitet zu zügigem Trinken in größeren Schlucken 90 KP.

3.war der spärlich gekleidete   Lambrusco dell’Emilia “Chiaro de La Falconaia” secco IGT.  Etwas stumpf in der Farbe, die Nase sehr dropsig, fruchtig. Eher die einfachere Variante für ganz junge Trinker. Uns hat das unharmonische etwas gestört. 85 KP.

4. war der Hauptverdächtige der Aktion: Lambrusco Reggiano “Concerto” secco DOC aus dem Hause Medici Ermete. In gewohnter Bestform muss man neidlos anerkennen, dass er seinen Ruf nicht ohne Grund hat. Dazu ein Kommentar von einem anderen Lambrusco Verfallenem: „’Concerto’ ist ein überaus eleganter, perfekt ausbalancierter Lambrusco. Klar und makellos sein fruchtiges Brombeeraroma, rund, frisch und animierend der trockene, würzige Geschmack“ (superiore.de) Ausgezeichnet mit den 3 Gläsern des Gambero Rosso, Man mag davon halten was man will, ich fand ihn trotzdem lecker und das Preis-Genuß-Verhältnis ist äußerst sexy! 91 KP. Anmerkung vom Würtz: Der absolute Hammer das Zeug. Und das für kleines Geld!!!

5. Wieder ein Underdog vom Microproduzent LINI910, der Lambrusco scuro Correggio. Intensives Kirschrot mit kleinen feinen Perlchen, himbeerige Nase mit dezentem Pfeffergeruch und Veilchen. Kräftiger Vertreter muss man sagen, aber das scheint der Stil des Hauses zu sein. Auch hier neigt man dazu, den Verdächtigen auszuquetschen. 90 KP.

Im letzten Flight hatten wir die süßen, bzw. halbtrockenen Lambruschi (Lambrusco). Um den Rahmen nicht ganz zu sprengen, hier unsere beiden Favoriten:

Lambrusco Salamino di Santa Croce semisecco DOC – In der Farbe eher helles Rubin, kräftige Perlen. Sehr beerige Nase, Brombeere und Himbeere, sehr typisch im Stile Cavicchioli. Ganz angenehmes Zusammenspiel von Süße, Säure und auch etwas Bitteres, aber ganz und gar nicht unangenehm. Zum süßen Abschluss durchaus vorstellbar. 89 KP.

Lambrusco Grasparossa “Bocciolo” dolce DOC  – Wie auch sein trockener Zellenkumpel (Assolo) sehr intensive in der Farbe und sehr markant in Geruch und Geschmack. Fette Maulbeere, Holunder und irgendwas erinnert an Hagebuttentee… Etwas zu kühl genossen kann es durchaus sein, dass dieser Wein durchaus zu schnell getrunken wird. Zum Hamburger extrem geil!! Kam sogar mit Ketchup klar :-) 90 KP.

Alle oben genannten Tröpfchen gibt es bei superiore.de

Es gab natürlich auch einige weniger gute Lambruschi und einige Exoten. Erwähnenswert finde ich noch by the way den LINI910 Methode Champenoise, 36 Monate auf der Hefe und obwohl ich das Gebiet um den Lambrusco sehr gut kenne, habe ich etwas vergleichbares außer bei Francesco Bellei noch nicht gesoffen. Das wäre mal was interessantes für die jungen ambitionierten Sommeliers da draußen. Ich hätte mich in meiner aktiven Sommelierzeit über sowas abgefahrenes gefreut! Eventuell zum rare gerillten Hamburger vom Wagyu Rind, mit Gänsestopfleber an Stelle des Käses und Borettane Zwiebelchen (kleine Zwiebeln in altem Balsamico eingelegt) mit Chili Mayonnaise auf nem Briochebrötchen….oder so.

Und noch eine Anmerkung vom Würtz: Was lernen wir? Lambrusco ist echt geniales Zeug, wenn es gut gemacht ist!

6 Kommentare zu “Lambrusco Sommer

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