Die Nacht, in der der Frost kam

Es gibt Dinge, die braucht der Winzer so nötig wie Zahnschmerzen. Hagel gehört dazu und leider, wie vergangene Nacht, der Spätfrost.

"Totalschaden in Gau-Odernheim"

Als ich heute morgen um sechs Uhr das Eis von der Windschutzscheibe kratzen musste, hatte ich es schon geahnt. Was ich im Laufe des Tages in den Weinbergen gesehen habe, hatte ich in dieser Dimension allerdings nicht erwartet. Es war kalt letzte Nacht, sehr kalt, teilweise ganz enorm unter dem Gefrierpunkt. Die Folge sind Frostschäden in einem Ausmaß, wie ich sie noch nie gesehen habe. In manchen Ecken geht das ganz nahe an einenTotalschaden. Und das jetzt, nach dem viel zu kleinen Jahrgang 2010. Dümmer hätte es nicht mehr kommen können. Aus einigen Ecken Rheinhessens höre ich wahre Horrormeldungen: “Totalschaden”, ist ein häufig genanntes Wort. Bei uns hier im Ort sieht es in den flachen Lagen teilweise verheerend aus. Komplett erfrorene Junganlagen sind das Allerletzte, was ich heute sehen wollte. Im Rheingau hat es leider auch einige Ecken erwischt. Ein Pinot Noir Weinberg in Geisenheim ist fast komplett betroffen, in der Hattenheimer Gemarkung habe ich ebenfalls einige erfrorene Weinberge heute gesehen.

Auf Facebook sieht man heute den ganzen Tag schon gleich lautende Meldungen. Egal ob in Franken oder in Würtemberg oder an der Mosel. Es ist ein veritabler Albtraum. Nein, heute ist kein guter Tag für die deutsche Winzerschaft. Und heute Nacht soll es wieder sehr kalt werden…

Ich habe noch etwas vergessen: Das wird uns wieder einiges an Marktanteilen kosten. Langsam wird es eng…

20 Kommentare »

  1. [...] war, aber das war’s dann auch. In den Weinbergen sehen die Auswirkungen ganz anders aus. Dirk Würtz hat auf seinem Blog Schreckliches zu berichten. Meine lieben Verwandten und Freunde in Franken sind [...]

  2. winzerstift Mai 4, 2011 17:30

    Autsch, das sieht aber echt böse aus, letzte Woche hat ichs noch mit meiner Chefin drüber das Frost jetzt der GAU wäre. Hier an unsere moselecke hatten wir heute wohl glück alles was ich heute geshen habe war noch ok. Hoffentlich haben wir heute Nacht nochmal Glück.
    Grüsse

  3. Werner Elflein Mai 4, 2011 19:38

    Gibt es denn Chancen, dass sich die Reben noch erholen und es so etwas wie einen zweiten Austrieb gibt?

  4. Dirk Würtz Mai 4, 2011 19:41

    @Werner
    Klar gibt’s die Chance auf einen zweiten Austrieb. Aber da werden keine Trauben dran hängen…

  5. ChezMatze Mai 4, 2011 19:48

    60-70% Verlust frankenweit, die Fruchtansätze werden nicht mehr kommen. Der Verband wird die Zahlen geringer halten müssen wegen der Signalwirkung auf den Markt. Nach (vermutlich) zwei solchen Jahrgängen würden sonst die Großabnehmer sofort auf andere Herkünfte umswitchen. Da kann man die einzelnen Käufer nur dazu ermuntern, jetzt die Reste der guten 2007er und 2008er aus den Kellern zu kaufen, damit die Winzer das Jahr wenigstens liquide überstehen.

  6. Der Direttore Mai 4, 2011 19:54

    [...] Aus Rheinhessen berichtet Blogger und Weinmacher Dirk Würtz, dass “Totalschaden” ein häufig genanntes Wort sei. “Bei uns hier im Ort sieht es in den flachen Lagen teilweise verheerend aus”. [...]

  7. [...] man unter anderem bei Dirk Würtz liest, sind die Winzer in Rheinhessen noch schlimmer betroffen als im Rheingau. Ganz schlimm hat es [...]

  8. Der Captain Mai 4, 2011 20:01

    Ja leider. Totale Scheiße..

  9. Michael Pleitgen Mai 4, 2011 22:18

    Das kam nicht ohne Vorwarnung: das unnatürlich warme Wetter in den letzten Wochen hat den Austrieb beschleunigt – die Obstkulturen im Süden waren mindestens 14 Tage zu früh dran und eben auch der Wein. Höchste Alarmstufe! Früher hat man dann in Frostnächten in den Rebbergen geheizt heute fällt das unter Umweltverschmutzung …..

  10. [...] in vielen Deutschen Weinbaugebieten 2011 zu enormen Ertragsausfällen kommen wird. Aus Rheinhessen berichtet Dirk Würtz über wahre Horrormeldungen und zeigt Bilder von betroffenen Rebanlagen. Mario Scheuermann hat per [...]

  11. braunewell Mai 5, 2011 13:09

    @michael
    die “alten” streiten sich bei uns über die maifrostfeuer von damals, 1953 und später. wenn man mal genau zuhört, sieht es eher so aus, als hätten die winzer sich wahnsinnige frostbeulen geholt und den weinbergen hat es trotzdem nicht geholfen. wer will bei der trockenheit eigentlich feuer machen?

  12. Helmut O. Knall Mai 5, 2011 13:40

    Nur zur Info. Soweit ich bisher gehört habe, ging es sich in Österreich ganz knapp aus mit Temperaturen in den Weingärten um den Gefrierpunkt. Allerdings gibt es ca. 10-30% Frostschäden aus dem zu langen Winter, weswegen viele Augen einfach nicht austreiben. Lieben Gruss aus Wien. Knalli.

  13. Bernhard Mai 5, 2011 16:57

    @Knalli: Wo?

    Bei uns im Nordburgenland sind die Nächte zwar kühl, aber doch zum Glück etliche Grade über dem Gefrierpunkt.

  14. [...] erwischt. Harald Steffens berichtet hier von kleineren Schäden an der Mosel, Dirk Würz schreibt in seinem Blog über Totalausfälle in Rheinhessen und in dieser Diskussion im Weinforum ist von [...]

  15. Bernhard Mai 7, 2011 12:38

    So kann man sich täuschen mit den “etlichen Graden über dem Gefrierpunkt”:

    http://www.bernhard-fiedler.at/weblog/?p=3870

    Anders als offenbar bei vielen Kollegen in Deutschland beschränkt sich der Schaden aber auf einen von unseren zahlreichen Weingärten.

  16. [...] betroffen wären. Da muss ich einigen Darstellungen, wie der in ihrer Diktion eher misslungenen des VDP, doch deutlich widersprechen. Natürlich sind zahlreiche vom Frost betroffene Lagen eher solche, in [...]

  17. [...] wo Reben eher nicht hingehören, sind keine nennenswerten Schäden aufgetreten. Im Gegensatz zu den Horrormeldungen aus Deutschland kann ich aufatmen. Lediglich ein paar Stöcke zeigen Sympthome. Trauben sind nur im [...]

  18. [...] Infotext von http://www.vdp.de Bild von Dirk Würtz Schlagwörter: Dirk Würtz, WeinThemenbereich: WeinArtikel-Links: Trackback URL | [...]

  19. [...] Reil an der Mosel schreibt von 70 bis 80 % erfrorenen Trieben seiner Rivanerparzellen, Dirk Würtz vermeldet “Totalschaden in Gau-Odernheim” in Rheinhessen, anderorts sieht es oft kaum besser [...]

  20. [...] Regen »tut« gut. Überall dort, wo der Nacht­frost in der ersten Maiwo­che keinen Schaden angerich­tet hat, haben sich die mittler­weile Trauben [...]

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