Alles über Wein und den Rest der Welt…

Neue Serie: Weinjournalismus, Guides und Wettbewerbe

In Deutschland gibt es zahlreiche Weinjournalisten, Weinführer und Weinwettbewerbe. Ein spannendes Thema, dem wir uns auf unserem Blog in den kommenden Tagen mit einer kleinen Serie widmen wollen… und werden.

Um eines gleich vorweg zu sagen, das wird nicht die übliche „Print vs. Online“ Geschichte. Auch werde ich nicht mit erhobenem Zeigefinger auf „falsche Urteile“ in diversen Weinführern zeigen. Und schon gar nicht will ich erklären, was man unbedingt besser machen sollte – das maße ich mir nicht an. Es wird sich um eine „kleine“ Bestandsaufnahme handeln. Um einen Versuch, das Thema „Weinjournalismus“ mit all seinen Vorteilen – und Abgründen – aus meiner Sicht zu beleuchten. Interessenskonflikte – vermeintliche, vermeintlich echte und tatsächliche – werden eine Rolle spielen. Ebenso betrachte ich das Thema der unzähligen Weinwettbewerbe. Solche, die absolut professionell und seriös ablaufen, solche, die es einmal waren und natürlich immer wieder auch der Verweis auf solche, die einfach nur „wegen dem schnellen Euro“ ins Leben gerufen werden. Am ausführlichsten werde ich mich natürlich denen widmen, die „anders“ sind… falls ich das nicht doch noch per einstweiliger Verfügung verboten bekommen :-)

Als Vorbereitung auf diese, durchaus komplizierte und heikle Thematik, hier einmal ein Versuch eines Vorwortes…

Es gibt im deutschsprachigen Raum sehr, sehr viele „Weinjournalisten“. Manche haben das Glück, in einer Redaktion fest angestellt zu sein. Ein Glück ist das deswegen, weil damit das Auskommen gesichert ist. Wenigstens die Basis. Das werden allerdings allem Anschein nach immer weniger. Redaktionen müssen sparen, Redakteure werden entlassen, um später für kleineres Geld wieder als „Freie“ engagiert zu werden. „Outsourcing“, Kostenreduzierung, schlanke Personalstruktur. Gut für den Verlag, schlecht für den Journalisten. Von ihm wird die gleiche Leistung bei geringerer Entlohnung erwartet. Die Schlußfolgerung ist klar, die Qualität der journalistischen Arbeit leidet zwangsläufig.

„Freie Weinjournalisten“ gibt es, so kommt es mir jedenfalls manchmal vor, mittlerweile wie Sand am Meer. Völlig egal woher sie kommen, was und ob sie überhaupt etwas gelernt haben. Nicht, dass das ein Problem wäre, so grundsätzlich, aber es treibt doch manchmal schon merkwürdige Blüten. Hin und wieder beschleicht mich das Gefühl, dass derjenige über Wein schreiben muss, der sich nicht schnell genug geduckt hat…

Selbstverständlich gibt es auch sehr viele seriöse freie Weinjournalisten. Ich bin sogar fest davon überzeugt, dass diese deutlich in der Mehrzahl sind. Wenn ich mich mit denen unterhalte, und das mache ich sehr oft, dann höre ich fast immer den gleichen Satz: „Es ist sehr schwierig vom Weinjournalismus zu leben“. Was also tun? Ganz klar, andere, zusätzliche Einnahmequellen müssen her. Und genau da fängt es an schwierig zu werden. Journalismus, so wie ich ihn verstehe, ist objektiv, nicht tendenziös und schon gar nicht „käuflich“. Ich weiss, „käuflich“ ist ein schlimmes Wort. Aber in diesem Fall geht es wirklich nur darum, eine journalistische Leistung zu kaufen. Die klassische PR ist so ein Fall. Ich kenne einige Weinjournalisten, die PR machen. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn das als solches auch gekennzeichnet ist. Schwierig wird es dann, wenn sich PR und journalistischer Inhalt, nicht gekennzeichnet, vermischen. Solche Fälle gab es genug und die wird es wohl auch immer geben. Ein weiteres, mitunter nicht weniger schwieriges, Tätigkeitsfeld ist die Beratung.

Ich denke, der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist Transparenz. Größtmögliche Transparenz! Und um diese Transparenz wird es in unserer „kleinen“ Serie in der kommenden Zeit gehen, auch wenn es da einiges geben wird, was dem einen oder anderen überhaupt nicht passen wird. Ich beschäftige mich seit Monaten mit diesem Thema, ich habe gründlich “recherchiert” und ich bin auf einige Auseinandersetzungen gefasst.

Los geht es diese Woche mit einem Weinwettbewerb…

4 Kommentare zu “Neue Serie: Weinjournalismus, Guides und Wettbewerbe

  • Journalist

    Ich bin zwar Journalist, schreibe aber nicht über Wein. Ich möchte aber gleich zwei grundsätzliche Dinge anmerken: Objektivität gibt es nicht. Kurz gesagt schon an der Uni habe ich dafür schöne Wort Intersubjektivität kennen gelernt. Es geht darum, dass Bewertungen und Einordnungen so dargelegt werden, dass sie für andere nachvollziehbar sind, was leider selten im Food- und Weinjournalismus gelingt. Wer das aber kann, zeigt für mich seine Qualität.

    Und der zweite Punkt: die Kenntlichmachung von PR betrifft Publikationen. Bei Journalisten, die auch PR machen kann es damit aber nicht getan sein, dass sie nur sagen, welche Mütze sie gerade auf haben. Ich bin strikt der Meinung Journalisten machen keine PR. Es ist so schon schwer genug, bei Kontakten, die sich zwangsläufig im Laufe der Berufsjahre ergeben und die auch immer von persönlichen Sympathien und Antipathien, kurzfristigen und langfristigen Interessen an Kontakten usw. bestimmt sind, im Falle einer konkreten Berichterstattung diese wenig objektivierbaren (Neben)aspekte außen vor zu lassen. Das wird dann praktisch unmöglich, wenn geschäftliche Interessen aus PR-Aufträgen bei einem journalistischen Auftrag berücksichtigt werden müssen. Die Lösung aus dem Dilemma kann für meine Begriffe nur sein, nicht in dem Feld als PR-Mensch zu wirken, über das man journalistisch schreibt. Ich habe nichts dagegen, wenn ein Weinjournalist z.B. Kultur-PR-Arbeit macht, aber Weinjournalist und Wein-PR, das geht nicht.
    Ich freue mich auf die Serie, weil mich die Winzer-Sicht sehr interessiert und bin persönlich sehr froh, dass ich vom Journalismus so auskömmlich leben und mich so weiter in die wunderbare Welt des Weins einarbeiten kann.

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  • Thomas Günther

    Lieber Dirk,
    das ist ja wieder mal ein heißes Thema. Die Gegenübestellung von PR und Journalismus – so schön das doch aussehen mag – es ist nicht immer so. Sicherlich hat PR einen schlechten Ruf. Es handelt sich jedoch bei public relations um Öffentlichkeitsarbeit. Das ist die korrekte Übersetzung ins Deutsche. Das macht eigentlich jeder Winzer (jedenfalls wenn er seine Produkte nicht ohnehin verkauft und der Meinung ist, dass Öffentlichkeit irgendwie hilfreich ist). Schon hört sich das gar nicht mehr so böse an. Dann hätten wir noch PR-Agenturen. Meiner Erfahrung nach sind viele im Bereich Wein sehr professionell und haben keine überzogenen Erwartungen. Mir ist es manchmal sogar sehr lieb, wenn ein Verband oder eine Agentur zwischen Schreibendem und Weingut steht. Das kann auch die Unabhängigkeit gegenüber Erzeugern stärken. Das sind jedenfalls meine Erfahrungen.

    Man kann dann natürlich auch mal auf Agenda-Setting-Theorien abzielen. Da haben es deutlich die Erzeuger leicht zu Punkten, die sich PR leisten. Aber das sollte eigentlich auch klar sein: Wer viel und in den passenden Worten über Wein redet, hat auch das größte Medienecho. Schlimm?

    Etwas anders kann es sicherlich aussehen, wenn Leute von einer Agentur Geld bekommen und zugleich redaktionell schreiben. Aber auch das ist nicht 100% deutlich. Irgendwie kommt man dann doch wieder schnell zum Print. Sieht die Zeitschrift. Eine Seite Werbung, nächste Seite “redaktioneller Text” mit selbem Thema. Natürlich beides unabhängig voneinander?

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  • Michael Rosenthal

    Ein nettes Thema, doch ein etwas ausgelatschter Pfad.
    Wenn es um die Beschreibung journalistischer Arbeit geht und wie schwer es die Menschen heute haben – okay.
    Ansonsten sind die Verflechtungen von PR und redaktionellen Artikeln vielen Verbrauchern bereits bekannt.
    Trotzdem bin ich sehr gespannt ;-)

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  • Pingback: Welche Presse will der Wein?

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