Alles über Wein und den Rest der Welt…

Bewegung auf dem deutschen Weinmarkt?

Man hört und liest es ja immer wieder, der deutsche Weinmarkt ist der wichtigste und größte der Welt – oder ist das doch schon der chinesische? –  alles und jeder tummelt sich, importiert und verkauft seine Weine hier.

Laut der neuesten Studie der “Vinexpo” steigt der weltweite Weinkonsum bis 2014 auf 2,3 Milliarden Kisten à neun Liter. Ein Haufen Zeug! Nach dieser Studie ist Deutschland auf dem Weg  zum Premium-Weinmarkt, da die Verbraucher künftig mehr Geld für eine Flasche Wein ausgeben werden. Konkret soll das heißen, dass Käufe von Weinen ab einem Flaschenpreis von sieben Euro in Deutschland bis zum Jahr 2014 um 6,11 Prozent zunehmen und die Einkäufe von Weinen unter 3,50 Euro pro Flasche zurückgehen.

Mir fehlt ein wenig der Glaube, ehrlich gesagt. Es wäre ja schön, wenn das tatsächlich so eintreffen würde. Dann wären wir hier ja im weltweiten Trend. Ich befürchte allerdings, dass das bei uns etwas verhaltener ist und sicherlich weniger den deutschen Wein betreffen wird. Im Grunde ist diese Studie eine Steilvorlage für die deutsche Weinwirtschaft!

Deutscher Wein ist nach wie vor für viele Konsumenten – normale Weintrinker – viel zu schwer zu verstehen und mit viel zu vielen Vorurteilen behaftet. Ich erlebe das andauernd. Gerade neulich wieder in einem Gespräch mit der dpa. Da erklärte mir die Dame, dass sie eigentlich auch gerne Wein trinkt, allerdings ausschließlich im Supermarkt kauft und da nach dem Etikett und dem Preis schaut. Da fällt dann der deutsche Wein, zumindest was das Etikett anbelangt, meistens durch. Die “Kenner” unter uns werden jetzt den Kopf schütteln, ich nicht. Das ist die Realität und der muss man sich stellen. Das hat auch nichts mit “nicht wollen” zu tun. Die meisten “Normalos” die ich kenne und treffe, wollen schon. Sie würden auch gerne, aber der kurze und knappe Moment der Entscheidungsfindung am Regal geht in der Regel nicht gut für den deutschen Wein aus. Ich rede hier nicht nur von der 2,99 Euro-Schiene. Premium, je nach dem wie man es definiert, findet auch im Supermarkt und LEH statt. Nimmt man die Sieben -Euro-Schwelle, dann ist da in gut sortierten Märkten einiges zu finden. Wenn man danach sucht… Und da setzt das Grundproblem ein. Wie bekomme ich den Konsumenten dazu, überhaupt nach diesem Sieben-Euro -Wein aus Deutschland zu suchen? Ich bin mir ziemlich sicher, dass der “Normalo” in dieser Preiskategorie im seltensten Fall einen deutschen Wein auf dem Einkaufszettel hat. Gibt es darüber eine Studie? Weiss das jemand genauer? Falls ja, bitte unten in den Kommentaren einen link setzen, mich würde das wirklich interessieren.

Was tun? Ein Profil muss her und zwar ein eindeutiges und klares. Ich war in dieser Woche auf dem “Badischen Weinbautag”. Auch da war das ein Thema. Was ist unser Profil, was ist unsere Stärke, unser Alleinstellungsmerkmal? Wenn man die Augen aufhat und sich kurz konzentriert, dann muss man das alles nicht lange suchen. Wir haben alle diese Dinge, wir müssen uns nur darauf besinnen. Wir haben fantastische starke und einfach zu definierende Rebsorten. Wir haben traumhaft schöne Anbaugebiete und wir haben Geschichten zu erzählen. Wir brauchen starke “Marken”, einfache und klar definierte Herkünfte, ein einfach zu verstehendes Bezeichnungsrecht und ein finales Produkt, das genau diese Punkte widerspiegelt UND SCHMECKT!!! Ist doch eigentlich ganz einfach…

Nachfolgend der Pressetext im Original:

Wert der gekauften Weine steigt

Dabei werden deutsche Verbraucher künftig häufiger zu Weinen im Premium-Segment greifen. So werden laut Vinexpo/The iwsr die Käufe von Weinen ab einem Flaschenpreis von 7 Euro in Deutschland bis zum Jahr 2014 um 6,11 Prozent zunehmen. Gleichzeitig werden die Einkäufe von Weinen unter 3,50 Euro pro Flasche zurückgehen. Damit liegt Deutschland im internationalen Trend. Denn auch weltweit werden Weine ab 7 Euro bzw. 10 US-Dollar pro Flasche immer beliebter. Zwischen 2005 und 2009 stieg der Konsum von Weinen dieser Kategorie weltweit um 20,15 Prozent und soll zwischen 2009 und 2014 voraussichtlich um weitere 15,37 Prozent wachsen.

Deutsche bevorzugen Schaumweine, Rotweine und Rosés

Die bevorzugten Weine der Deutschen sind Schaumweine, Rotweine und Rosés. Ihr Verbrauch wird bis 2014 weiter steigen, und zwar um 1 Prozent bei den Schaumweinen (+3,85 Prozent zwischen 2005 und 2009), 1,19 Prozent bei den Rosés (+ 21,65 Prozent zwischen 2005 und 2009) und 2,81 Prozent bei den Rotweinen (+0,07 Prozent zwischen 2005 und 2009). Abnehmen hingegen wird weiterhin der Konsum von Weißweinen, und zwar um -2,4 Prozent bis 2014 (- 7,01 Prozent zwischen 2005 und 2009). Auch die einheimischen Weine stehen bei deutschen Verbrauchern hoch im Kurs. Rund die Hälfte aller in Deutschland konsumierten Weine stammt aus dem eigenen Land. Allerdings geht die Studie Vinexpo/The iwsr davon aus, dass aufgrund der ungewöhnlich geringen Erntemenge im letzten Jahr der Verzehr deutscher Weine von 2010 bis 2014 mit + 2,5 Prozent weniger stark ansteigen wird als in der Vergangenheit (+7,51 Prozent von 2005 bis 2009).

Der Spirituosenmarkt: Wodka behält die Führungsrolle

Während weltweit immer mehr Spirituosen konsumiert werden, kehren die Verbraucher in Deutschland Hochprozentigem zunehmend den Rücken zu. So ging der Spirituosenkonsum in Deutschland zwischen 2005 und 2009 um 3,51 Prozent zurück und wird bis 2014 laut Vinexpo/The iwrs um weitere 3,79 Prozent abnehmen.Wodka, Rum und Bourbon hingegen trotzen diesem Trend. Ihr Konsum ist zwischen 2005 und 2009 gestiegen und das Wachstum wird auch bis 2014 anhalten. Die Führungsrolle kommt dabei dem Wodka zu, der mit einem Wachstum von 70,36 Prozent zwischen 2005 und 2009 sowie einem erwarteten weiteren Anstieg um 10 Prozent bis 2014 ganz klar die Nase vorne hat. Auch international ist Wodka mit 487,97 Millionen konsumierten Kisten à 9 Liter der Spitzenreiter bei den Spirituosen.

Über die Vinexpo

Die Vinexpo, die im Jahr 1981 auf Initiative der Industrie- und Handelskammer von Bordeaux erstmals ihre Pforten öffnete, feiert in diesem Jahr ihr dreißigjähriges Bestehen. Über die Jahre hat sie ihre Position als weltweit größte Fachmesse der Wein- und Spirituosenbranche gefestigt und sich als kompetenter Partner der Branche etabliert. Vom 19. bis 23. Juni werden sich auch diesmal wieder Entscheider aus Handel, Gastronomie und Presse in Bordeaux die Klinke in die Hand geben und die Vinexpo zum unverzichtbaren Branchentreff machen.

Über die IWSR-Studie

Seit 14 Jahren erstellt Vinexpo regelmäßig eine Studie mit Prognosen zur weltweiten Konjunktur von Weinen und Spirituosen. In Zusammenarbeit mit der britischen Marktforschungsgesellschaft The iwsr (International Wine and Spirit Research) wird die Studie über die Produktion in 28 Ländern und über den Konsum in 114 Ländern durchgeführt.

9 Kommentare zu “Bewegung auf dem deutschen Weinmarkt?

  • Beate E. Wimmer

    ok, da bin ich heute mal die erste Kommentator(in)! Ich war in der vergangenen Woche unterwegs an der Mosel und habe von kleinem Winzer (4,5 ha) Markus Fries bis großem Winzer v.Schubertsche Schlosskellerei Maximin Grünhaus (35 ha) besucht.
    Markus Fries hat das Problem, dass er einerseits hervorragenden Wein produziert, aber andererseits Lagen im Liesertal, einer Seitenlage zwischen Brauneberger Juffer und Wehlener Sonnenuhr bewirtschaftet.
    v.Schubert sagte mir, dass er sich lieber unter vergleichbaren “Größen” präsentiert.
    Dann war ich beim Stefan Steinmetz vom Weingut Günther Steinmetz in Brauneberg. Seine Weine werden von Mario Scheuermann zu Recht als herausragend eingestuft. Stefan Steinmetz berichtet mir davon, dass er Probleme mit der Anhebung der Preise für seine Weine hat. Über viele Jahre wurden die Weine eben um die 3 € verkauft. Da er seine Kundschaft im Privatkundenbereich hat, kann er ordentliche Preise nicht durchsetzen.
    Alle berichteten mir aber gleich, dass sie mehr den Fachhandel und die Gastronomie erreichen wollen.
    Aus meiner Sicht haben wir in Deutschland ein bestimmtes Problem: Patriotismus! Will heißen, der deutsche Wein braucht mehr Lobby. In Deutschland haben wir zu wenig Fachhandel und Gastronomie, die sich auf den deutschen Weinmarkt besinnen. Bei uns gibt es “reinsortige” Italiener, Franzosen, Spanier, etc.
    Hat jemand schon mal in diesen Ländern ein “reinsortiges” Deutschland gesehen.
    Wir haben viele Alleinstellungsmerkmale! Aber offensichtlich fehlt vielen der Mut dazu!
    Das Argument mit dem Etikett kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Unsere Etiketten sind doch wirklich leicht lesbar. Riesling liest sich doch leichter als Hermitage. Aber offensichtlich “hört” der Verbraucher die ausländischen Weine mehr als die heimischen!

    In diesem Sinne, machen wir uns stark für den deutschen Wein.

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  • Michael Rosenthal

    Es ist nicht unbedingt eine Frage des Angebots im LEH, sondern unbedingt auch eine solche, was das oft genug mangelnde Selbstbewußtsein in der deutschen Gastronomie prägt.

    Der Gast bekommt Elsass und Burgund, statt Mosel und Ahr, weil wir ja alle so weltoffen sind. Die Harmonie von Speise und Wein wird kaum noch wirklich am Tisch erklärt, da ist jeder Sommelier gefragt.

    Genau hier fängt es an, denn wer bereits in den “einfachen” deutschen Lokalen feststellt, wie toll unsere Weine zu den bodenständigen Gerichten passen, der wird sich diese über kurz oder lang auch nach Hause holen. Doch wer traut sich denn schon, Wein von mehr als € 7,-/Flasche überhaupt noch in den offenen Ausschank zu nehmen?

    Zu einem guten Essen muß ich einen guten Wein empfehlen (oder auch ein Bier !), aber es mangelt oft genug genau an dieser Verkaufsberatung. Beginnend mit nichtssagenden Weinkarten und gelangweilten Kellnern, die oft genug nichts von den Hausweinen wissen.

    Die Menschen kaufen hier ihre Urlaubsweine aus Spanien, Italien und sonst woher. Die Gastronomie verkauft ausländische Weine, weil die Margen höher sind. Was wir brauchen ist eine Gastrooffensive nebst Personalschulung ! Leider fehlt dem heimeligen DWI dafür das Geld und den Inhabern die nötige Erkenntnis.

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  • Beate E. Wimmer

    @Michael: Danke für die PN! Der witz an der Sache ist ja doch, dass wir schon hervorragende Qualitäten auch unter 5 € zu bieten haben. So habe ich vom Steinmetz eine 1 l-Flasche guten Basis-Riesling für den Endveraucherpreis (!) von 4,80 € bekommen. Ein QbA, den ich gestern in der Verkostung hatte.

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  • Michael Rosenthal

    @Beate: unbedingt haben wir tolle Qualitäten unter €5,- !!!
    Nur anscheinend geht das an den meisten Verbrauchern und an nahezu allen Gastronomen vorbei :-(
    Solange in den Köpfen noch immer der Faktor 3-4 für den VK grasiert, kommen wir nie beim Verbraucher an !
    Probiergläser auf der Terrasse für € 1,50 ?
    Na klar, alles was sie wollen, aber keinen deutschen Riesling!

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  • Beate E. Wimmer

    man sieht es ja auch an dieser Diskussion! Da macht der Dirk ein sehr wichtiges Thema auf, keiner diskutiert mit! Was ist los mit all denen, die sich über das Thema “KTzG” hergemacht haben? Wo ist die Meinung für Deutschland?

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  • Volker

    Das Problem des deutschen Weins sehe ich nicht in den Bezeichnungen und Deklarationen auf dem Etikett. Vielleicht höchstens in der Gestaltung, weil viele deutsche Etiketten einfach angestaubt rüberkommen.
    Bei Weinen im Billigsegment ist der Inhalt des Etiketts eh übersichtlich, da gibt es keine Lagen außer einer Großlage und der Kunde ist froh über seinen “Rotwein, halbtrocken, Baden” oder “Dornfelder, Pfalz” oder “Riesling, feinherb, Mosel” o.ä. Diese Leute wird man auch nicht für höherpreisige Weine gewinnen. Falls sie sich nicht bei deutschen Weinen bedienen, wählen sie eben entsprechend ausländische Weine im gleichen Segment “Chianti, Italien”…
    Auch würde ich mir wünschen, dass keine kräftigen Marken entstehen, ich finde das schadet dem Individualismus von Weinen. Und es gibt doch auch nicht DEN typischen Pfälzer Riesling oder Badener Spätburgunder. Wäre schade, wenn da solche Pseudoprofile stilisiert würden.

    Der deutsche Wein hat beim deutschen Verbraucher ein Imageproblem. Es scheint immer noch zu grassieren, wer Wein trinkt, muss mindestens französisch oder italienisch trinken, evt. noch spanischen Rioja. Das hat man von anderen Pseudoweinkennern so aufgeschnappt, dass hier die guten Weine herkommen. Dann sind viele Weinhandlungen, LEH von ausländischen Weinen dominiert und es gibt grade mal eine kleine “Heimatecke”. Und diese Dominanz suggeriert wiederum, dass es mit den deutschen Weinen wohl nicht so weit her sein kann, wenn der Großteil der angebotenen Weine nicht aus deutschen Landen stammt.

    Dazu kommt ein viel zu oft bescheidenes Weinangebot in der Gastronomie, wo viele Gäste höchstens ein Glas aus dem Offenausschank wählen, weil Flaschenpreise einfach völlig überzogen daherkommen. Ich nehme mich da nicht aus. Ich habe schon Weine auf der Karte gesehen, deren normalen VK ich kenne, und las dann den fast dreifachen Preis. Da muss ich dann sagen, den trinke ich dann lieber zuhause, weil mir die Relation fehlt.
    Ich weiß, jetzt kann man mit der Quersubventionierung der Speisen durch die Getränke kommen, aber so ein Aufschlag wäre zumindest… erklärungsbedürtig. Da das im Lokal nicht erfolgt, wird wenig in Flaschen geordert.

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  • Thorsten Kogge

    “Und es gibt doch auch nicht DEN typischen Pfälzer Riesling oder Badener Spätburgunder. Wäre schade, wenn da solche Pseudoprofile stilisiert würden” Das ist, finde ich, immer eine interessante Frage: die gemeinsame Stilistik gibt es nicht, aber sie kann vielleicht entstehen, wenn eine kritische Masse von Produzenten ihren Produktionsstil “regionaltypisch” verändert. Aus keinem anderen Grund sind in Frankreich Appellationen entstanden. Das ist kein natürlich gegebener sondern ein sozial hergestellter Prozess, so er denn hergestellt wird. Aber das verlangt natürlich eine Art “Regionalkonzept für den Weinbau” und freiwillige Koordination der Winzer.

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  • Marcus Hofschuster

    Da wurde schon viel richtiges gesagt, aber manches vielleicht doch noch nicht berücksichtigt.

    Schon dass sich jemand eine 2010er Weisser Riesling Spätlese trocken Dreistern Grünlack Goldkapsel aus der Steillage “Sofie-Marie-Dieter” vom hellblauen Vulkanschiefer “S” handgelesen sur lie Erste Große Gewächslage Versteigerungswein Türkislack Selection im Barrique gereift kauft, ist nicht unbedingt vorauszusetzen. Dass er dann statt des trockenen Weins, den er erwartet hat, zu seiner Seezunge eine limonadige Zuckerklatsche kriegt, weil 80% aller deutschen Weißweine nun einmal süßlich aufgeleckert daherkommen, damit auch wirklich alle, die Wein eigentlich gar nicht mögen und viel lieber Limonade oder Saft trinken würden, wenn es nicht so uncool wäre, mit entrücktem Gesicht “supaah-megaah-läckaah” lallen können, wird ihm für lange Zeit eine Lehre sein, deutschen Weißwein in der Gastronomie erst einmal nicht mehr anzufassen.

    Die Etikettensituation bessert sich allerdings ziemlich schnell, habe ich den Eindruck. Die allgegenwärtige Zuckrigkeit bleibt leider weitgehend erhalten.

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