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Dr. Motz und Minister Guttenberg

Aus aktuellem Anlaß spricht heute unser Dr.Motz zum Thema Guttenberg, Plagiate und überhaupt…

Gleich vorweg: Sollten die nachfolgenden Sätze in gleicher oder sinngemäß ähnlicher Form schon einmal irgendwo veröffentlicht worden sein, so entschuldige ich mich ausdrücklich dafür und stelle in einer virtuellen Fußnote meinen nicht minder virtuellen „Doktortitel“ schon einmal vorsorglich zur Disposition. Aber Spaß bei Seite:  Das unbestrittene Ärgernis um die Plagiatsvorwürfe gegenüber Verteidigungsminister Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg nimmt zuweilen skurrile Züge an. Mittlerweile ist ein ganzes Heer von selbsternannten Saubermännern via Internet dem „Lügenbaron“ und seinen Machenschaften auf der Spur. Kaum eine andere Doktorarbeit dürfte in den letzten Tagen so oft gelesen worden sein wie dieses 475 Seiten umfassende Werk, das dem Gescholtenen bei seiner Jura-Promotion 2007 an der Universität Bayreuth immerhin die Bestnote summa cum laude einbrachte.

Ob nun „Vorsatz oder Schlamperei?“ (Mainzer Allgemeine Zeitung vom 18. Februar 2011) vorliegt, mögen die anstehenden Untersuchungen aufklären. Schon jetzt allerdings wird deutlich, dass Karl-Theodor zu Guttenberg vielen politischen Mitstreitern – nicht nur aus dem gegnerischen Lager – ganz offensichtlich ein Dorn im Auge ist. Ein 39-jähriger Aufsteiger, der nicht nur als Retter der eigenen CSU gilt, sondern sich auch noch anschickt, über kurz oder lang am Stuhl der Kanzlerin zu sägen? Bei jedem Anderen wären die jetzt erhobenen Vorwürfe wohl nicht einmal besagte Fußnote wert. Der unversehens ins Sperrfeuer geratene Verteidigungsminister aber stand bisweilen wie kein Zweiter für Glaubwürdigkeit und Authentizität. Begriffe, die im Machtdschungel der Politik eher Seltenheitswert erlangt haben. Ein zu Guttenberg ist mir von daher auch ohne Doktortitel noch immer lieber als so mancher Schmierenkomödiant und Selbstdarsteller, dem es mutmaßlich nur darum geht, sich die eigenen Taschen voll zu stopfen.

31 Kommentare zu “Dr. Motz und Minister Guttenberg

  • Christoph

    Ich finde zu Guttenberg suspekt seitdem er quasi über Nacht seinen Generalinspekteur und den Staatssekretär rausgeworfen hat als es für ihn eng zu werden drohte. Glaubwürdigkeit und Authentizität bezweifle ich seitdem. Und die die Sache mit Frau und Kerner in Afghanistan ist nicht authentisch sondern Inszenierung.

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    • Dirk Würtz Post author

      Um eines gleich mal klarzustellen, bevor die Hauerei losgeht. Der Motz und ich sind in verschiedenen Parteien und haben politisch eine aber sowas von konträre Meinung, wie es konträrer kaum noch geht!

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  • Der Direttore

    Du hast aber schon mitbekommen, dass paralell ein junger Soladt gestorben ist und er deswegen keine Zeit hatte für die Bundespressekonferenz? Ich mein, was ist denn wichtige? Diese beschießene Schmutzkampagne der Neider von Guttenbergs Erfolg oder das Schicksal unserer Soldaten?
    Ich sage nochmals, raus aus Afghanistan! Zum Guttenberg Manöver. Bayreuth wird entscheiden und danach ist ein finales Urteil fällig,alles vorher sind nur Spekulationen!

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  • Der Doc

    Neider des Erfolgs? Guttenberg spricht von “mühsamer Kleinarbeit” neben Familie und Beruf…

    auf süddeutsche.de kann man die kopierten Textpassagen seitenweise nachlesen. Aus Zeitungsartikeln rauskopiert!!!! Als jemand der seine eigene Dissertation über diverse Jahre in Nacht- und Wochenendarbeit auf ehre Art und Weise erlangt hat, ist das der blanke Hohn. Das Ganze ist rechtlich ziemlich einfach:

    Das ist Betrug. Ob Guttenberg alleine, oder die schlampigen (?) Gutachter noch gleich dabei, muss noch geklärt werden.

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  • katharina

    Ich verstehe das nicht ganz: Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, ist doch auch seine Aura der “Glaubwürdigkeit und Authentitzität” verloren, welche du an ihm so gut findest.
    Derzeit steht für zu Guttenberg tatsächlich sein wichtigstes Merkmal auf dem Spiel: Die Ehrhaftigkeit.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Der Doc
      Nix, natürlich. Mir ist das nur gerade wieder eingefallen… Ansonsten sage ich mal meine Meinung zu dem Thema:

      Sollte sich herausstellen, dass sich die Arbeit von Guttenberg nach Prüfung der zuständigen Stelle als “Plagiat” oder was auch immer herausstellt, dann ist damit so umzugehen wie in jedem anderen Fall auch. Doktortitel futsch und meinetwegen noch eine Strafanzeige hinterher. Warum sollte für einen Minister auch anderes Recht gelten, als für jeden Studi und Doktoranden in diesem Land. Ich hoffe, dass die Prüfer in Bayreuth auch tatsächlich so mit der Geschichte umgehen. Falls sie nicht schon längst eine Anweisung von ganz oben haben und das Ergebnis längst feststeht. Ja, ich weiss, das klingt böse, aber wundern würde mich das in dieser Bananenrepublik nicht… Interessant wird die danach zur Debatte stehende Transferleistung in Sachen Guttenberg. Ist der Mann jetzt politisch erledigt, sollte alles zutreffen, oder nicht? Das Guttenberg nicht nur der Opposition ein Dorn im Auge ist, ist doch klar. In den eigenen reihen haben einige mächtig Angst vor ihm und neiden ihm seinen “Erfolg” – wie auch immer man den bemessen mag. Ich bin kein Anhänger der “C”-Partei, aber die Bundeswehrreform ist schon ein ganz schöner Knaller. Für mich ein sehr positiver.

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  • Beate E. Wimmer

    wir haben offensichtlich einen großen Fundus an TOP-Politikern! Deshalb können wir es uns leisten einen zu Guttenberg in der Öffentlichkeit derart zu düpieren. Wir erringen somit immer mehr Hochachtung für Deutschland im Ausland. Sorry, aber wir haben weiß Gott größere Probleme zu wuppen …

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  • Gerrit

    Ich stimme Dir in allen Worten zu, Dirk. Und deswegen hat für mich sowohl die Politik, als auch die darum schwirrende Öffentlichkeit wieder einmal stark an Glaubwürdigkeit verloren. Wir sehen nicht wirklich seit drei Tagen auf allen wichtigen Tageszeitungen, Webseiten und sonstigen alltäglichen Informationsquellen eine Diskussion über Plagiate in einer Doktorarbeit … ? Haben wir nichts wichtigeres zu klären (Hartz IV-Reform, Afghanistan-Einsatz, etc.) als etwas “Hochschulinternes”? Mannmannmann, muss es uns gut gehen in Deutschland …

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    • Dirk Würtz Post author

      @Gerrit
      Ich sage mal etwas sehr provokantes… Des Deutschen liebstes Kind ist der Nebenkriegsschauplatz. Auf den konzentriert sich die selektive Wahrnehmung, dann ist der Rest nicht mehr ganz so schlimm…

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  • Stephan Floss

    Ob die ARD Ihre Nachrichten arg scheidet? Grad sah es so aus, er kommt raus – äußert sich zur Doktorarbeit – und geht ohne Fragen zuzulassen.

    Also nix mit dem Soldaten in Afghanistan… Warum sagt er nicht “Freunde, heut gibt es Wichtigeres als die Dr.Arbeit”?

    Und liefert wunderbare Steilvorlagen: “muehevollste Kleinstarbeit” “einzelne Fussnoten” … Hier demaskiert sich jemand in rasender Geschwindigkeit.

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  • Weinkaiser

    Spiegel Online berichtet gerade, er habe einen rund 10 Seiten langen Text des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages ohne korrekte Zitierung und nur mit minimalen Änderungen (Spiegel: “So tauschte er etwa das Wort “Begriff” gegen das Wort “Bezug” aus, fügte ein “freilich” ein, änderte ein “teilweise” in ein “zuweilen” und bezeichnete das “oberste Bundesgericht” als “Supreme Court”") komplett übernommen und die Zahl der gefundenen nicht kenntlich gemachten Ziate liege aktuell bei 120.
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,746518,00.html

    Wenn das tatsächlich stimmt, wird er nicht mehr zu halten sein. Ich muss zugeben, ich habe das anfangs deutlich unterschätzt. Das bei einer Arbeit über sieben Jahre und bei über 1000 angegebenen Fundstellen eine Handvoll übersehen wurde, ist sicher nicht korrekt, aber doch problemlos nachvollziehbar und daher auch locker entschuldbar. Bei diesem Ausmaß und der offenkundigen Absicht zu verschleiern (warum sonst die 3-4 Schönheitskorrekturen bei dem 10-Seiten-Text des Wissenschaftlichen Dienstes?) ist sein Rest an Glaubwürdigkeit Geschichte. Bleibt eigentlich nur noch die Frage, ob er das tatsächlich selbst geschrieben hat oder ob, wie im Spiegel aus Unionskreisen vermutet wird, der Text von komplett von einem Ghostwriter geschrieben wurde. Dass sogar die sonst sehr persönliche Einleitung in die Dissertation großteils abgekupfert ist, spricht tatsächlich sehr dafür…

    Noch eine Anmerkung zu einigen Kommentaren weiter oben, bzgl. Guttenbergs bisheriger Verdienste und seiner Glaubwürdigkeit:

    Was unter seiner Führung im Bereich der Bundeswehrreform erreicht wurde, verdient Anerkennung, auch wenn noch offen ist, ob wirklich alles umgesetzt wird, da ihm von seinen Parteifreunden Kanzlerin und Finanzminister (aus welchen Gründen auch immer) nicht einmal ansatzweise die nötige Finanzierung zugebilligt wird.

    Was seine Glaubwürdigkeit angeht, werde ich allerdings nie zu seinen Fans zählen. Viele die hier schreiben und lesen, wissen, dass ich, wie der Blogggwart ein alter Sozi bin. Troztdem gibt es auch für mich Unionspolitiker, die ich für ihre glaubwürdige Arbeit schätze. Anfangs stand ich auch Guttenberg sehr offen gegenüber, da mir ein dynamischer weltoffener Nachwuchspolitiker der CSU deutlich lieber ist, als seine reaktionären Kollegen wie als Musterbeispiel dafür Norbert Geis (der immer noch im Bundestag sitzt). Die Art um Weise wie Guttenberg sich inszeniert, mit gestellten Fotostorys vom Times Square bis Afganistan (zumeist nicht von irgendwelchen Pressefotografen sondern vom eigens dafür eingeflogenen Lieblingsfotografen angefertigt), Inszenierungen mit Kerner in Afganistan und vor allen Dingen die Art und Weise, wie durch Guttenberg immer wieder hoch angesehene Spitzenkräfte der Bundeswehr abserviert wurden (darunter General Schneiderhan der seinerzeit ranghöchste Offizier der Bundeswehr) um vom später doch öffentlich bekannt gewordenen eigenen Fehlverhalten abzulenken, zeigt mir, dass Glaubwürdigkeit das letzte ist, auf das ich mich bei zu Guttenberg verlassen würde.

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  • Dennis

    Guttenberg ist ein aalglatter Selbstinszenierer. Ich mochte den noch nie. Aber darum gehts ja in der Politik nicht. Ich unterschreibe den Beitrag von Ralf. Wollen wir Wetten abschiessen wie lange er sich noch halten kann? Ich sage max. 2 Wochen.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Dennis
      Schau Dir mal meinen letzten link hier an. Wenn das so weiter geht, packt der das keine zwei Wochen mehr…

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  • Christoph

    Ich glaube auch nicht, dass er sich noch zwei Wochen halten wird. Im Zweifel finden die anhand des Stils sogar den Namen des Ghostwriters heraus. Und spätestens dann ist da zu viel Täuschung und Betrug.

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  • Robert Essler

    Ich halte mal dagegen und sage: ihm steht noch eine lange und glückliche Karriere bevor. Geht ja hier schließlich um Politik. Roland Koch es ja auch zum Verdienstkreuz geschafft. Außerdem kommt KT aus Oberfranken, und wir haben schließlich sogar die Hohlmeier gewählt nachdem sie aus Oberbayern fliehen musste.

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  • Volker

    Da hat man doch mühsam nach etwas gesucht, um ihn zu diskreditieren. Wem wird er zu gefährlich? Der Kanzlerin? Ich vermute die Schmutzkampagne in den eigenen Reihen, da zu Gutenberg die besten Sympathiewerte in der Bevölkerung besitzt. Und Leute, um was wird denn hier gestritten? Um ein paar vergessene Fußnoten bei einem Werk mit über 1000(!) Zitaten? Jede Doktorarbeit ist doch im wesentlichen eine Literaturzusammenfassung. Und wenn er hier geschlampt hat, was soll das implizieren? Das er als politische Figur unhaltbar ist? Lächerlich, dies in Zusammenhang zu bringen. Es gibt doch wirklich Wichtigeres in dieser Republik als vergessene/weggelassene Fußnoten, oder? Ich finde ihn – trotz der Aalglattheit – immer noch als beste Figur, die unser Politik – gleich welchen Lagers – derzeit zu bieten hat. Und würde mir wünschen, er würde M. beerben. Wenn es nicht die Opposition tut.

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  • Der Doc

    Hier geht es nicht um vergessene Fußnoten. Es geht darum, dass kompletter Fließtext über ganze Seiten hinweg einfach aus anderen Artikeln kopiert wurde. So wie es aussieht, ist die ganze Diss ein Flickentext aus kopierten Passagen. Sowas passiert auch nicht aus Versehen, sowas ist bewusste und aktive Täuschung. Ob man wirklich jemanden der so etwas macht an der Spitze seiner Politik haben möchte…

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  • Ollie

    Man muss schon arg schlicht sein, um dem in Sachen Doktorarbeit nachweislich betrügenden und lügenden Guttenberg “Glaubwürdigkeit und Authentizität” zu attestieren.

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