Alles über Wein und den Rest der Welt…

Der Jahrgang 2010

Es ist Mitte Februar 2011, Zeit also wieder einmal sich dem aktuellen Jahrgang zu widmen. 2010, das Jahr der Herausforderungen und das Jahr der Kontroversen.

Eines vorweg: Die Weine entwickeln sich dramatisch gut. Frag mich bitte keiner warum das jetzt so ist, aber es ist einfach so. Der Zwanzigzehner, und ich habe mittlerweile sehr viele probiert, ist extrem klar, irgendwie fast wie ein Gebirgsbach, hat eine tolle Frucht und ist im gerade im Bereich der restsüßen Kabinette und Spätlesen zum Niederknien gut. Beängstigend gut! In diesem Segment zeigt der Riesling sein unnachahmliches, einzigartiges und faszinierendes Gesicht. Da passt dann auch ganz hervorragend die eher höhere Säure. Bei den trockenen Weinen sieht es auch nicht viel schlechter aus. Da wo spät und vollreif geerntet wurde reifen unter Umständen große Weine heran. Ein bisschen BSA, langes Hefelager, öfter mal die Hefe aufrühren und dann kann da echt was großartiges dabei rauskommen. Natürlich bleibt zum jetzigen Zeitpunkt ein wenig Skepsis, denn für eine finale Einordnung warten wir dann doch noch mal zwei oder drei Jahre.

Gar nicht ermunternd ist das, was auf dem Fassweinmarkt passiert. Die Preise explodieren – im Rheingau gibt es nichts mehr unter 2,00 Euro pro Liter – selbst hier in Rheinhessen bewegen wir uns über 1,20 Euro. Das wird zunehmend zu einem Problem. Große Listungen stehen auf dem Spiel und können, wenn überhaupt und wenn das so weitergeht, nur noch bedient werden ohne dabei etwas zu verdienen. Geld wechseln zu einem schlechten Kurs, das könnte die Devise für einige werden. Die Nachfrage ist enorm, Geschäfte werden eher weniger gemacht. Diejenigen, die noch Fasswein haben, spekulieren wohl auf noch höhere Preise. Ob der Jahrgang 2011 Abhilfe bringt – sprich Mengenmäßig freundlicher wird – bleibt abzuwarten. Ich bezweifle es ein wenig. Woher soll es auch kommen, wenn ich mir das vergangene Jahr betrachte.

Zu diesem Thema hier auch ein Beitrag auf dem “drinktank”

Und hier die aktuellen Entwicklungen auf dem deutschen Markt. Heute vom DWI veröffentlicht.

12 Kommentare zu “Der Jahrgang 2010

  • Harald

    Volle Zustimmung. Wir haben gestern die finale Probe gehabt und die Weine sind klasse. Wie Du schreibst, extrem klar wie ein frischer Bergquell.

    Sei es den Winzern gegönnt, das am Fassweinmarkt höhere Preise gezahlt werden. Leider ist, trotz Marktproblemen (evtl. Auslistungen)immer noch nicht von ausreichenden Familieneinkommen auszugehen. Alle schwätzen von Nachhaltigkeit, aber beim Winzer, insbesondere Traubenproduzent, kommt nichts an. Leider gibt der Discount und deren Kunden den Ton an und da ist Geiz ist Geil, egal welcher Müll über die Theke geht oder die Winzer finanziell keine Zukunftsperspektive mehr sehen.

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  • Eckhard Supp

    Hier in der Toskana stehen die deutschen (nicht nur) Einkäufer schon auf der Matte und versuchen, Flaschenpreise von unter 1 EUR für wirklich gute Weine zu diktieren. Da brauchen wir uns nicht wundern, wenn das ganze Kartenhaus in absehbarer Zeit mal wieder komplett zusammenbricht.

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  • Beate E. Wimmer

    habe auch in der vergangenen Woche verkostet. Ich finde die Qualitäten entgegen meiner Befürchtungen ebenfalls sensationell. Klar, frisch und authentisch …
    Für diesen Wein bezahle ich gerne einen höheren Preis. Hoffe nur, dass einige Winzer den Mut dazu haben

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  • Robert Essler

    @Der Captain: Der unsouveräne Kleinkrieg mit Hamburg nimmt langsam bizarre Formen an. Könnten Sie das vielleicht allmählich auf die eigene Website beschränken. Es nervt. Oder vielleicht fordern Sie die Herren einfach mal zum Schachboxen. Fänd’ ich symfatisch.

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  • Der Captain

    Die wenig souveränen Herren aus Hamburg haben mit dem Krieg begonnen. Und zwar inklusive kreditschädigender Aussagen. Leider werde ich, wenn ich absichtlich angepisst werde, nachhaltig nachtragend. Aber es stimmt: es langweilt auch mich schon..

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  • Armin

    The same procedure as every year. Im Februar kommt die Kunde von einem grandiosen Jahr, auch bei schwierigen Jahren (ich benutze bewusst nicht das A-Wort ;-) ) kommen im Frühjahr nur Lobeshymnen, vielleicht sogar noch mehr als in Jahren die schon nach der Lese als hochklassig bezeichnet wurden. In schwierigen Jahren ist die Marketing-Maschine noch wichtiger.

    Trotzdem fände ich es schön, wenn im publizistischen Bereich diese Mechanismen nicht mitgemacht würden. Insofern wünsche ich dem Captain viel Kraft die Linie durch zu ziehen, nicht nur ein Sprachrohr der Erzeuger zu sein, sondern ein Helfer der Verbraucher.

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