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Offener Brief rheinhessischer Winzer

Auch in Rheinhessen haben sich nunmehr einige Wnzer dem Engagement der Moselwinzer angeschlossen und einen offenen Brief formuliert. Es geht, wie könnte es anders sei, um die EU-Weinmarktreform.

Die Winzergruppe “Message in a bottle” hat heute einen offenen Brief zur Weinmarktreform veröffentlicht. Damit regt sich also auch hier bei uns, im größten deutschen Weinanbaugebiet, endlich der Widerstand. Der Brief ist auf der Webseite der Vereinigung zu lesen. Sehr gerne veröffentlichen wir diesen aber auch hier auf unserem Blog. Man darf gespannt sein, wann die zuständigen Funktionäre und Politiker endlich ein Einsehen haben und die Weinwirtschaft an einen Tisch holen, um diese Thematik zu besprechen.

Offener Brief an den rheinhessischen Weinbauverband und die rheinhessische Weinwirtschaft

Sehr geehrter Weinbaupräsident Steitz, sehr geehrte Damen und Herren,

die Winzervereinigung „Message in a bottle“ möchte sich in der Diskussion zur Neufassung des Bezeichnungsrechts anlässlich der EU-Weinmarktreform einbringen, da wir durch eine Veränderung der Qualitätsbezeichnungen und der klaren Zuweisung von bestehenden Begriffen eine große Chance sehen, das Profil unserer Region und die Wertigkeit unserer Weine deutlich anzuheben.

Dieses Schreiben ist als Aufruf zu sehen, gemeinsam mit anderen Winzerkollegen, Gruppierungen und Organisationen der rheinhessischen Weinbranche ein Arbeitspapier zu erstellen, um einen konkreten Vorschlag hinsichtlich der EU-Weinmarktreform für das rheinland-pfälzische Ministerium zu erarbeiten.

Das aktuelle Bezeichnungsrecht in seiner fast beliebigen Form gibt dem Verbraucher wenig Orientierung in Bezug auf die Qualität eines Weines. Die EU-Weinmarktreform bietet womöglich die einmalige Chance Fehler des Weingesetzes von 1971 zu korrigieren. Da die Thematik in der Öffentlichkeit recht wenig kommuniziert wird, sind sich ein Großteil der Winzer der Brisanz und Tragweite sowie der damit verbundenen Möglichkeiten nicht bewusst. Wir möchten Sie, liebe Winzerkollegen, zu diesem späten Zeitpunkt sensibilisieren, um den diskutierenden Gremien unsere Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen und die Reform aktiv mit zu gestalten. Es bleibt nur noch sehr wenig Zeit deshalb besteht jetzt Handlungsbedarf!

Grundsätzlich möchten wir anregen, dass jede Erzeugergruppe ihre Bedürfnisse in ihrem Kernbereich möglichst weitreichend selbst bestimmen sollte. Natürlich immer unter der Berücksichtigung, dass die Vorschläge in einer „anderen Etage“ nicht negativ korrelieren (Stichwort Großlage). Deshalb möchten wir uns in unserem Vorschlag auf die Qualitätsweine im oberen Segment beschränken. Selbstverständlich müssen auch die Etagen der Basisweine passend gestaltet werden.

Wir von „Message in a bottle“ glauben an das weltweit anerkannte Herkunftsprinzip und halten eine Abkehr vom deutschen Sonderweg der Öchsleklassifizierung für sinnvoll. Entsprechend dem Grundsatz, je enger die Herkunft eines Weines, umso wertiger sollte die Qualität sein, das heißt umso enger also die Bezeichnung der Herkunftsangaben, umso höher die Anforderungen an den Wein.

Wir möchten folgende Einteilung zu Neuordnung des Bezeichnungsrechts vorschlagen: Eine Einteilung in Gebietsweine, Ortsweine und Lagenweine.

Gebietswein

Bezeichnungsbeispiel: Rheinhessen Silvaner Qualitätswein

Weine gehobener Basisqualität Rebsorten: laut zugelassener Rebsortenliste Hektarhöchstertrag: 105 hl/ ha Mindestmostgewicht: Werte der Landesverordnung

Ortswein

Bezeichnungsbeispiel: Osthofener Silvaner ∙ Weine hoher Qualität ∙ regionaltypische Rebsorten ∙ Hektarhöchstertrag: 85 hl/ ha

∙ Mindestmostgewicht: 75°Oe

Lagenwein

Bezeichnungsbeispiel: (Osthofener) Goldberg Silvaner ∙ Weine höchster Qualität ∙ mögliche Rebsorten eingeschränkt (Silvaner, Riesling und alle Burgundersorten) ∙ Hektarhöchstertrag: 75 hl/ ha ∙ Mindestmostgewicht: 85°Oe

Außerdem fordern wir die Abschaffung der Großlagen, da sie irreführen. Sie täuschen dem Verbraucher eine kleine Lage vor und sind in Wirklichkeit größer als manches deutsche Weinanbaugebiet. In Zuge der von uns vorgeschlagenen Qualitätspyramide ist die Abschaffung der Großlagen auch deshalb von Nöten, da sie womöglich in Verbindung mit einem Lagenwein gebracht werden.

Wir möchten hier nochmals betonen, dass wir keinen Wein in keiner Preisklasse abschaffen möchten. Nur muss Licht in das Dunkel des Bezeichnungsrechts gebracht werden und es dem Verbraucher ermöglicht werden, die Unterschiedlichkeit und Qualität der Weine auch sofort zu erkennen. Genauso sollte es dem Erzeuger möglich sein, die Einstufung seiner Weine deutlich zu machen.

Wir freuen uns auf eine konstruktive Diskussion, viele aktive Mitgestalter und Gleichgesinnte, die das Gedankengut dieses Schreibens unterstützen.

Die Winzer von „Message in a bottle“

6 Kommentare zu “Offener Brief rheinhessischer Winzer

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