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Autochtone Reben? – Nein Danke…

…oder vielleicht doch? Ganz sicher sogar, aber dazu müßte man zunächst einmal wissen, welche das sind und wo es die noch gibt. Das wäre relativ einfach zu beantworten, könnte man die wissenschaftliche Arbeit von Andreas Jung lesen. Kann man aber nicht, die liegt in einer Schublade der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.Andreas Jung hat in einer umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung insgesamt 88 vermeintlich ausgestorbene Rebsorten in Deutschland entdeckt und insgesamt 130 Falschbenennungen in den deutschen Rebsortimenten. 2309 Seiten Papier, umfangreiche Erkenntnisse, Analysen und Schlußfolgerungen. Alles Dinge, die zukünftig im Zeichen des Klimawandels eine sehr wichtige Rolle spielen können und werden. Veröffentlicht wird von dieser fast schon revolutionären Arbeit gerade mal ein Kurzbericht und eine Datenbank. Warum? Ganz einfach: Dieser Bericht kratzt an der bestehenden Erhaltungsstruktur, insbesondere der staatlichen Rebenzüchtung und Forschung. Da spielt es dann wohl auch keine Rolle, dass erhaltenswerte Rebsorten aussterben. Diese Rebsorten braucht ja auch keiner… Nachhaltigkeit, Biodiversität, der Erhalt eines weinkulkturellen Erbes…  braucht auch keiner… Unfassbar, aber leider wahr. Und dann den Leuten etwas vom Untergang der Steillagen erzählen. Da zeigt sich doch wieder einmal wunderbar, wie Politiker und Beamte so denken und handeln…

Wer mehr dazu lesen will, insbesondere einen sehr aufschlußreichen Brief des Forschers, dem empfehle ich die Lektüre des VINUM-Blog. Einen weiterer Beitrag zum Thema gibt es bei Michael Liebert

11 Kommentare zu “Autochtone Reben? – Nein Danke…

  • Iris

    Gibt es denn in Deutschland keine Ampelographische Sammlung, wie die der Universität von Montpellier in den (reblausfreien) Sandböden der Domaine Vassal bei Marseillan, wo an die 7000 Spezies aus aller Welt kultiviert und erhalten werden?

    http://www1.montpellier.inra.fr/vassal/collections/presentation.html

    Neben experimetellen Neuzüchtungen steht hier auch und gerade der Erhalt alter Rebsorten auf dem Programm. Die Dokumentation ist vor Ort und teilweise auch über das Internet zugänglich.

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  • Michael Rosenthal

    Internationale Rebsorten, sowie div. Neuzüchtungen treffen den “Zeitgeist” halt besser. Nichts gegen Piwi Sorten, die haben durchaus ihre Berechtigung (z.B. auf Sylt *ggg*), aber ich frage mich wirklich, wer deutschen Merlot braucht, oder die vielen neuen Cabernet Sorten.

    Der ehemals übliche “gemischte Satz” war zum einen die Überlebenshilfe für den Winzer und auf der anderen Seite natürlich auch das, was heute von vielen Seiten wieder gerne propagiert wird: Artenvielfalt, weg von Monokulturen, Nachhaltigkeit etc.
    Den abgegriffenen Ausdruck “Terroir” will ich dabei gar nicht erst ins Spiel bringen.

    Darauf vielleicht ein Glas Heunisch ?! Von mir aus gerne.

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  • ChezMatze

    Danke für den Verweis auf Michael Lieberts Blog. Bei allen Vinum-Seiten bekomme ich nämlich nur Fehlermeldungen. Rätselhaft. Machen die grad ein Update, oder gibt es hier Zensur in der Türkei ;)
    Zufällig habe ich gerade das Titelthema der Zeitschrift “Effilee” gelesen (die ich zum ersten Mal gekauft hatte). Sehr interessant, aber irgendwie fehlt die Konsequenz. In jedem Fall wird da über Leute berichtet, die das Wort “autochthon” ganz anders verstanden haben… Ich bin auch bis vor ganz kurzem so naiv gewesen zu denken, alle Leute (wie ich), die für autochthone Rebsorten sind, müssten auch für Diversität und gegen dumpfe “Heimat vor”-Gedanken sein. Nach der Diskussion in TAW und vor allem nach dem Effilee-Artikel bin ich sehr ins Grübeln gekommen. Ich werd dazu bald etwas schreiben, aber so leicht scheint es mir nicht zu sein. Das hat jetzt nicht meine Einstellung zum Erhalt alter und autochthoner Rebsorten verändert, aber ich werde jedenfalls zukünftig ein bisschen darauf schauen, welche komischen Vögel sich solchen Ideen anschließen, die so ganz anders ticken als wir.

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  • Carsten Henn

    Bisher habe ich noch keine Antwort auf meine Mail an die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung erhalten – die wissen wohl selbst nicht, wie sie diese Aktion begründen sollen…

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  • Iris

    Da gab’s doch zu Weihnachten die Weinrallye #40 mit dem Thema Autochthone Rebsorten bei Wolf Hosbach von Hausmannskost – schade fand ich, dass dort nur ein einziger Beitrag von einer solchen Sorte aus Deutschland berichtete – Elbling von Harald Steffens betrachtet – alleanderen kannten sich damit im Ausland wohl besser aus, als zu Hause… auch ein Zeichen, dass das Thema in Deutschland nicht nur bei den Behörden nicht sehr populär zu sein scheint. Ich bingespannt, ob die anstehende Weinrallye #42 über Piwis da ergiebiger sein wird, zu der mir aus Frankreich dann allerdings auf Anhieb gar nichts einfiele…

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  • Thomas Riedl

    Stimmt, mit den SELTENEN autochthonen Reben in Deutschland kennt sich – außer mir – auf der Konsumentenseite kaum jemand aus.

    Darum biete ich ja auch am 6.7.2013 in Bonn die bisher umfangreichste Vergleichsprobe zu deutschen Weinen aus seltenen historischen Rebsorten an! Es gibt noch Plätze.

    Der Bericht von Andreas Jung ist zwar immer noch unter Verschluss, aber er kommt selber und kann berichten.

    Wer Einzelheiten wissen will, mailt mir bitte unter weinrunde@gmx.de

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