Alles über Wein und den Rest der Welt…

Die gelbe Gefahr…

…oder vielleicht ist sie doch gar nicht so gefährlich? China vorne, China hinten, oben und unten. Das dominierende Thema der internationalen Weinwelt sind die Chinesen.

Nicht etwa, weil sie so unverschämt guten Wein produzieren würden, nein, vielmehr weil sie alles zu unverschämt hohen Preisen kaufen, was an “großem Wein” in Flaschen gefüllt wird. Die Chinesen kaufen wohl demnächst das gesamte Bordelais leer. Zumindest die Top 20 Châteaus. Die Preise sind jetzt schon in aberwitzigen Dimensionen. Der Live-Ex, quasi der Dow Jones für Wein, steigt und steigt und steigt. Die Bordelaiser Granden reagieren und lassen Künstleretiketten von Chinesen malen (Mouton) oder pinseln gleich eines der unzähligen chinesischen Glückssymbole auf die Pulle – siehe Lafite, da ist jetzt eine “8″ auf der Flasche. Solche Aktionen haben zur Folge, dass quasi über Nacht der so oder so schon aberwitzige Preis noch einmal in die Höhe schnellt. Wer alle finalen Infos will, der muss nur einen Blick auf “Planet Bordeaux” werfen.

Und nun? Was heißt das? Für mich als Weintrinker ist das relativ schnell beantwortet. Bordeaux, jedenfalls die bekannten, finden bei mir nicht mehr statt. Machen sie unabhängig von den Chinesen so oder so schon lange nicht mehr. Wenn ich denn einmal einen Bordeaux trinke, dann suche ich mir etwas kleines, gutes und bezahlbares. Mal sehen, wie lange es diese “kleinen” noch gibt… Bordeaux = teuer! So lautet für viele in der Weinwelt schon heute die Devise. Was das zur Folge haben kann, mag ich mir gar nicht vorstellen.

Ich bin mal gespannt, wie lange die “chinesische Sau durch das Dorf getrieben wird”. Als nächstes kommen dann die Inder – dürfen Hindus eigentlich Alkohol trinken? – und wenn die fertig sind, stehen die Brasilianer schon auf der Matte. Ganz ehrlich: Sollen die doch alle dieses Zeugs kaufen, am liebsten für 5.000 Euro pro Flasche. Dann bleibt wenigstens mehr für mich vom “guten” Stoff.

Das einzige, worüber ich ernsthaft nachdenke ist, was wohl passiert, wenn die Chinesen den deutschen Riesling entdecken. Ich hoffe ja stark, dass der denen nicht schmeckt!!!

15 Kommentare zu “Die gelbe Gefahr…

  • Pasta

    “wenn die Chinesen den deutschen Riesling entdecken. Ich hoffe ja stark, dass der denen nicht schmeckt!!!”
    Mach dir keine Sorgen, denen schmeckt der ganze BDX Kram doch auch nicht wirklich. Denen geht es um Prestige und Tradition, und von beidem hat der deutsche Riesling nicht genug.

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  • Iris

    den roten aus Frankreich haben sie immerhin auch schon außerhalb von Bordeaux entdeckt – z.B. in inzwischen mehr als 2000 Tankstellen, die jetzt auch Wein verkaufen. Und bei uns Winzern gehen wöchentlich Anfragen von cleveren Exporteuren aus Europa ein, die nach greoßen Mengen zum kleinen Preis für den Export nach Shanghai fragen…zusätzlich kaufen Chinesische Investoren inzwischen Weingüter in F, und das nicht nur in Bodeaux, sondern auch im Süden – made in France macht sich eben gut auf dem Etikett – auch wenn es nicht die 20 grands crus classés sind – und im Gegensatz zu den Russen, die inzwischen angeblich für solche Transaktionen Schwierigkeiten mit der Finanzierung haben sollen, boomt das Geschäft der Immobilienhändler mit den Chinesen – selbst Burgund zieht nach und läßt seine Vente des Hospiz de Beaune in China von einheimischen Kinostars bewerben.

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  • Weinkaiser

    Ich kann Pasta nur zustimmen. Vielen Chinesischen Käufern von Premier-Crus schmeckt das Zeug nicht aber sie meinen, es sei wichtig als westliches Statussymbol. Dabei zählen vor allem Namen, Qualität ist zweitrangig. Chinesen kaufen sich derzeit in Bordeaux-Weingüter ein, die nur so ähnlich heißen oder klingen wie die Premier Crus. Das verwenden Chinesischer Symbole auf den Flaschen oder Etiketten kommt ja immer mehr in Mode, kann aber auch ganz schön nach hinten losgehen. Miteigentümer von Angelus und Pichon-Comtesse haben mir kürzlich erzählt, dass ein paar Weingüter, die das gemacht haben, jetzt Probleme haben, da ein Symbol oder Schriftzeichen zwar in der einen Chinesischen Region eine positive Bedeutung haben kann, aber gleichzeitig oft in anderen Regionen des Landes etwas komplett anderes z.T. eben auch negatives bedeutet. Den Namen “Comtesse” (komplett ohne Chateau ,Pichon, Longueville oder Lalande) hat man sich trotzdem schon mal in China als Marke schützen lassen und will sich dort künftig nur noch so nennen – ist halt einfacher zu merken…

    Die Preistreiberei wird auch immer abstruser. Gestern hab ich vom Bremer Weinhändler Lobenberg eine Liste erhalten, nicht wie üblich mit Weinen, die er verkaufen will, sondern diesmal mit diversen Jahrgängen Lafite, Carruades und Latour, die er von seinen Kunden zurückkaufen will um sie in China deutlich teurer weiterzuverkaufen…

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  • Nico Medenbach

    Ich sehe das genauso entspannt wie Dirk. Who cares? Wenn ich viel Geld für Wein ausgeben kann/möchte/will suche ich mir andere Flaschen aus anderen Regionen. Wer Bordeaux als das Maß der Dinge im Premium-Bereich anieht, lebt mit einem sehr eingeschänktem Blickwinkel. Ein Hoch auf die Eticketten-Trinker. Die dürfen wohl in Zukunft noch etwas tiefer in ihre Taschen greifen. Wegen mir…

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  • Iris

    ist doch schön, aus Euren Beiträgen zu entnehmen, dass die deutschen Winzer auf den Export nach China nicht angewiesen sind, weil ihr ja alle den deutschen Wein selber so viel lieber trinkt und Eure Franzosen für den sommerlichen Cola-Schoppen sowieso im Supermarkt kauft;-).

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  • Weindeuter

    schön anzusehen ist auch unsere “Mandy” in China. Die Weinkönigin mit Kurt Beck auf Promo-Tour für den Wein aus Rheinland-Pfalz.
    hier auf you-tube:
    http://www.youtube.com/watch?v=mKAwQlQ5B4c
    Auf einem Empfang filmt sich Mandy selbst und erzählt dazu lustige Sachen in die Kamera. Die Chinesen seien sehr neugierig, auch auf unser größtes Kulturgut, den Wein. “Und ganz besonders neugierig sind sie immer dann, wenn der Wein nicht nur gut schmeckt, sondern wenn die Austattung auch noch ein besonderer Hinkucker ist. Und da haben sich die deutschen Winzer in diesem Jahr etwas Besonderes überlegt und das möchte ich euch gerne zeigen.”
    Und dann schwenkt die deutsche Weinkönigin die Kamera auf zwei Flaschen, “die die Chinesen neugierig machen sollen”. Ausgerechnet ein weißes Examplar der süßlastigen Billigexportlinie Black Tower vom Massenerzeuger Reh Kendermann. Und dann noch ein Roter in Kitschflasche namens Red Gate.

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  • Pingback: Ätsch – Man kann den Lafite auch trinken « Würtz-Wein

  • Rüdiger

    Die Chinesen wollen halt alles haben, was im Westen so modern ist. Beispiel: Ein stinknormaler deutscher Schäferhund, der auf der Bundessiegerhauptzuchtsschau (das ist praktisch die Weltmeisterschaft der Schäferhunde im Zuchtbereich)hoch bewertet wurde (Sieger) und in Europa einen Preis um die 100.000€ erzielen würde, wurde an einen Chinesen für mehr als 1Mio. Euro verkauft…

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