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Der Jahrgang 2010 – Die Reaktionen

Wenige Themen werden momentan in der Internet-Weinszene so heiß diskutiert wie der aktuelle Jahrgang 2010. Heiß, kontrovers und leidenschaftlich.

Sicherlich haben auch wir dazu “ein wenig” beigetragen, nicht zuletzt mit unserem letzten Blogbeitrag hier. Überall wird diskutiert und gerätselt, was denn 2010 tatsächlich für ein Jahrgang ist, wird oder war. Nüchtern und sachlich gibt es momentan nur eines festzustellen: Es war eine Herausforderung. Und zwar das ganze Jahr. Was final daraus wird, wird die Zeit weisen. Den Jahrgang jetzt aber als “schlecht”, oder gar als “Arschjahr” (siehe Captain Cork) abzustempeln, wird der Sache in keinster Weise gerecht.

Was der olle Klimek da auf seiner Plattform macht ist allerdings, so glaube ich, ein wenig anders zu verstehen. Ich glaube dem geht es da mehr um die Kapriolen des Wetters und der Trauben, als um die finale Einschätzung des Jahrganges. Spannend ist zu sehen, was da beim Captain für eine Diskussion entstanden ist und wer sich so alles zu Wort meldet. Da kommentiert beispielsweise David Schildknecht, der Deutschwein-Beauftragte von Robert Parker. Wenn ich allerdings lese, was der so zu dem Thema zu sagen hat, dann komme ich doch schon gewaltig ins Grübeln.

Aussagen wie: “Was Entsäuerung angeht, trotz meines Mangels an direkter Erfahrung habe ich schon über Jahren wiederhollte Überlegungen von Winzern mitgehört und aufgenommen wobei eine bedeutende Minderheit Gründe zur Entsäuerung des Weins statt im Most angegeben haben. Insofern halte ich die Sache – wie ich eben geschrieben habe – für kontrovers. Offensichtlich gibt es (Beispiel Würtz) Winzer die sich mit diesem Thema so leidenschaftlich befassen, daß sie das eine Verfahren als “Scheiße” verwerfen. Übrigends neige ich aus meiner Verkostungserfahrung dazu, Entsäuerung überhaupt zu bedauern. Aber es ist schon klar, daß 2010er Zuständen auch die Entschloßenheit der stärksten Gegner der Entsäuerung in Versuchung bringen werden. Das wird – wie manch anderes bei diesem Jahrgang – NOCH spannend werden.” verstehe ich persönlich nicht.

Will er denn einen trockenen Basisriesling mit 14 Gramm Säure trinken? Ich nicht! Wurden die Basisrieslinge flächendeckend letzte Woche gelesen? Glaube ich kaum! Macht ein qualitativ arbeitender Winzer eine Doppelsalzentsäuerung nächstes Jahr im Wein? Mehr als unwahrscheinlich! Wann mußten wir denn das letzte Mal “richtig” entsäuern? Vor mehr als zehn Jahre! Abgesehen vom manchmal notwendigen minimalen Feintuning 2008. Ich finde solche Aussagen…na ja…eher merkwürdig.

Wo er allerdings Recht hat, der Herr Schildknecht und auch Roman Niewodniczanski ist, dass es komplett daneben ist, den Jahrgang 2010 jetzt schon abzustempeln als schlechtes Jahr. Es ist kein schlechtes Jahr. Nicht mal ansatzweise. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich zum Millionsten Male wiederhole: Das Problem an 2010 ist die Menge und nicht die Qualität. Wir werden Marktanteile verlieren, die wir uns in den letzten Jahren mühsam erkämpft haben. Das wird ein echter Überlebenskampf für viele werden. Und da, Ihr lieben Spötter und Zweifler und “Herunterschreiber”, braucht kein Mensch auch noch negative Vorabberichterstattung a lá: 2010 ist ein Scheißjahr.

Auch wenn ich weiß, wie es gemeint ist, ist es besser in Zeiten des undifferenzierten Informationskonsums einige Überschriften anders zu wählen. Insbesondere dann, wenn es nicht stimmt. 2010 ist ein gutes Jahr!!!

Und noch was: Wenn ich das so alles mitverfolge komme ich wieder einmal zu dem Schluß, dass, wie schon so oft diskutiert, eine Art Verkostungsführerschein her sollte, inklusive einem praktischen Basis-Seminar “Wie macht man Wein”. Es kann doch nicht sein, dass manche Journalisten einfach so alles glauben, was sie erzählt bekommen. Achtung jetzt kommt es: Da lob ich mir den “lieben” Herrn S. aus HH. Auch wenn der gerne, immer und andauernd auf mir rumhackt, dem würde so etwas nicht passieren, der hat nämlich dann doch Ahnung von dem Thema. Seht Ihr…das ist doch einmal eine differenzierte Betrachtungsweise…ich bin beeindruckt…und zwar von mir selbst ;-) Duck und weg!

Auf jeden Fall lesenswert: Der Captain über 2010 und die Reaktionen

UPDATE: Geradae auf Captain Cork erschienen: Die Gegenrede und ein Hauch von Meuterei

8 Kommentare zu “Der Jahrgang 2010 – Die Reaktionen

  • Der Direttore

    Und ewig grüßt das Murmeltier…
    Die Wein Online Publizisten geben sich mal wieder die Ehre, um der Außenwelt zu beweisen, dass sie so weit weg vom Endkonsumenten sind, wie Putin vom lupenreinen Demokrat.
    Meinetwegen ist der Jahrgang 2010 schwierig, meinetwegen müssen wir aufgrund des geringen Ertrags um Marktanteile kämpfen etc, aber Himmels Willen, wer kann denn heute schon beweisen, dass der noch lange nicht abgefüllte Stoff irgendwelche Qualitätsmängel vorweisen wird?!
    Dass er gar ein “Scheißjahrgang” sein wird?!
    Meine subjektive Meinung ist, dass wir vielleicht den besten Jahrgang des 21. Jahrhunderts bis dato erleben werden, da die Winzer sich soviel Mühe geben mussten, wie lange zuvor nicht. Ich mein jetzt nicht solche, die Zukaufen :-)
    Aber selbst die positive Prognose kann niemand unterstreichen.
    Fakt ist, dass wir gar nichts wissen.
    Fakt ist, dass aber schon eine Abschreckung des Konsumenten durch halbwissende Online Publizisten statt findet.
    Es wird viele Konsumenten geben, die von 2010 grundsätzlich die Finger lassen, weil sie irgendwo gehört haben, dass es ein “Arschjahr” war. Getrunken haben sie dann dato aber noch nix.
    Ich finde diese Vorverurteilungen von Jahrgängen völlig daneben und sie stellt unsere Deutschen Winzer vor eine schwierige Aufgabe. Die armen Kerle müssen jetzt erstmal mit irgendwelchen “gemachten” Vorurteilen sich rumschlagen, bevor sie überhaupt die Möglichkeit bekommen, dass Produkt wirklich zu zeigen.
    Die unwissenden Online Publizisten die sich diesem Negativ Schlagzeilen Jahrgangsirrtum verschrieben haben, haben den Deutschen Winzern wirklich einen Bären Dienst erwiesen…Dümmer gehts nicht…Für ein paar mehr Leser in der Statistik…
    Dirk Würtz hat schon lange das Problem viel differenzierter betrachtet, als man es eigentlich von ihm erwartet hätte und selbst der Supp aus Hamburg hat Ahnung bewiesen.
    Ich hab übrigens gerade einmal versucht einem Normalsterblichen klar zu machen, über was eigentlich diskutiert wird…
    “Das zeugt hängt teilweise noch rum und es wird das Produkt im Glas schon verschrien?!!??”
    Ähmm ja!

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  • Pasta

    Mein lieber Blogggwart, ich bin ja soweit einig mit dir, aber einen Verkostungsführerschein und ein praktisches Basis-Seminar “Wie macht man Wein” – dass kann doch nicht dein Ernst sein! Da diskutieren die Leute am Ende noch sachlich über den nächsten Jahrgang. Und wo kommen wir da hin? Der ganze Spaß ist weg ….

    PS. und dann auch noch der Herrn S. aus H. loben – sach mal, bist du krank??

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  • Pingback: 2010 – Geduld statt Geschrei « six-to-nine

  • Marc Herold

    Als alter Naturwissenschaftler kann ich bei dem, was beim Captain abläuft auch nur verzweifelt mit den Augen rollen. Als seriöser Berichterstatter sollte man es auch mal aushalten können, zu warten. Wie gut oder schlecht 2010 wirklich ist. lasst sich vieleicht Ende 2011 in Ansätzen sagen. Schon beim 2008er ist es ja so, dass da jetzt immer wieder Weine ihren Charme zeige, die kurz nach der Füllung noch komplett vernagelt waren.

    Grüße

    Marc

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  • Der Captain

    Ich muss ein weiteres Mal betonen, dass die Diskussion beim Captain angespannt, aber frei läuft und ebenso betonen, dass alle gegenläufigen Meinungen, die ja die Mehrzahl darstellen, veröffentlicht werden. Mir jetzt also den Schwarzen Peter eines Veriss zuzuschreiben entspricht nicht der journalistischen Wahrheit.

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  • Weindeuter

    Zitat Klimek am 17.September: “Der Captain hat schon einige schlechte Weinjahre erlebt. Und ein paar ganz schlechte. 2010 schwebt in vielen Teilen der Weinwelt zwischen schlecht und ganz schlecht.”

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  • Pingback: der Ultes

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