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Ärgernis der Woche

Durch einen freundlichen Hinweis von Benny Gillert bin ich auf einen Artikel von Martin S. Lambeck in der “Welt-online” gestoßen. Herr Lambeck ist der “Weinexperte” und hat eine regelmäßige Kolumne, die ich allerdings nur selten lese. In der letztwöchigen Kolumne hat er einen Beitrag über Kunstoffkorken verfasst, der mich nicht nur fast sprachlos, sondern annähernd auch blutleer macht. Eigentlich wäre dies das “Ärgernis der Jahres”.

Unter der Überschrift “Kunst-Korken taugen mehr als Schraubverschlüsse” erklärt Lambeck, warum Plastikkorken wesentlich sinnvoller sind als Schraubverschlüsse. Mal abgesehen von einigen haarsträubenden fachlichen Fehlern – von wegen Sauerstoffdurchläßigkeit und mehr – erinnert mich das Ganze doch stark an einen bezahlten Promo-Artikel der Industrie. Wie sonst könnte  einer ernsthaft so merkwürdige Behauptungen aufstellen und gleichzeitig die Firma “Nomacork” erwähnen:

“Weine, die wirklich über Jahre und Jahrzehnte reifen sollen, benötigen einen Verschluss, der minimale Luftzufuhr erlaubt. Nur die Sauerstoffzufuhr in winzigsten Dosen schafft jenen Oxydationsprozess, den wir als Reife bezeichnen. Und genau hier kommen die Kunststoffkorken ins Spiel. “

“Nach meiner persönlichen Beobachtung altern Weine mit Schraubverschluss aber schneller als jene mit Naturkorken. Schraubverschlüsse sind deshalb nach meinem Eindruck nur sinnvoll für Weine, die frisch getrunken werden.”

Ganz schlimm wird es dann hier: “Der große Vorteil: Der Wein wird weiterhin „rituell“ entkorkt, hat aber wegen des Kunststoffs keine Korkfehler. Der Nachteil: Die hochwertigen Kunst-Korken sind relativ teuer und nicht zu verwechseln mit den simplen Kunststoff-Stopfen bei manchen Supermarkt-Weinen.”

“Rituell entkorken…” Da kann ich nur sagen, herzlich willkommen in den Neunzigern. Wir sind glücklicherweise in der Evolution deutlich weiter, und das ist auch gut so. Ich will mich jetzt gar nicht über Weichmacher im Plastik, unzählige Versuche mit Plastikkorken und der Reife der Weine auslassen. Das gab es in den vergangenen mehr als zehn Jahren oft genug, Herr Lambeck hat das bei seiner Recherche sicher nur übersehen. Eigentlich will ich nur eines sagen: “Lieber Herr Lambeck, das war leider gar nichts…” und das ist noch freundlich ausgedrückt! Die Weinwelt ist voller spannender Themen, mit denen man so eine Kolumne sinnvoller füllen könnte, als mit einen derartigen unhaltbaren Blödsinn”

8 Kommentare zu “Ärgernis der Woche

  • Christian

    zu dem “rituell entkorkt” möchte ich nur ein interessantes Gespräch mit einem Bekannten letzte Woche anführen, der nach langer Zeit (in der er hauptsächlich Weine mit Schraubverschluss und Vinolok getrunken hat) mal wieder einen Wein mit Kork (egal jetzt ob Plastik oder Naturkork) aufgemacht hat und mir von diesem tollen Erlebnis des “Ploppens” erzählt hat… :-)

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  • Volker

    Diese ewige Mär vom Ritual des Weinöffnens, so zum Gähnen. Ich will eine Flasche öffnen und Wein trinken und keine Showeinlage. Dann gehts eher darum, braucht er noch Luft, muss er in den Dekanter.

    Und das Schlimmste(!) sind doch die Kunstkorken, bei denen man mit Korkenzieher üble Probleme mit dem Herausziehen hat. Meinen Hebelkorkenzieher habe ich mir damit geschrottet, weil der Kraftaufwand zu groß war.
    Longcap Schrauber finde ich optisch ansprechend, wertig und sicher auch für die Haltbarkeit geeignet.
    Ich finde es skandalös, dass ein “Weinexperte” sich so vor den Karren eines Unternehmens spannen lässt und wissenlich Unwahrheiten verbreitet, die sicher einige für bare Münze nehmen und so in ihrem Umfeld weiterbreiten.

    Könnte bitte auch mal jemand einen sachlichen Artikel schreiben, der mit dem Blödsinn der Mikrooxidation durch den Naturkorken aufräumt? Der Verschluss hat möglichst dicht zu sein, fertig. Luftsauerstoff ist aggressiv, eine Oxidation tut keinem Stoff gut (siehe Eisen > Rost). Wein wird davon sicher auch nicht besser…

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  • Gilli Vanilli

    hahahaha was für ein bullshit

    ich entkorke selber auch gerne weine – gebe ich ja zu
    aber dann nur mit naturkorken und nicht mit plastemüll

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  • braunewell

    heut morgen schlag ich aus dem briefkasten ein auf papier getextestes weinblatt auf und siehe da! na was wohl, einen artikel zu sauerstoffmanagement im wein mit kunststoffkorken! aber, nicht geschöhnt, sondern der N…kork groß drauf.
    ich habe es nicht gelesen, ich will es nicht lesen, ich werde es nicht lesen, ich glaube die realitäten zu kennen und habe mich für den drehverschluss und natur entschieden.
    aber spannend ist doch schon, in welcher häufigkeit zur gleichen zeit all diese artikel auftauchen……

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  • Helmut O. Knall

    Wurde letztens auch von der PR-Agentur der Firma Nomacork zu einem Vertikal-Test eingeladen. Nachdem sie aber den Termin 3x verschoben haben und nicht einmal die Kosten für meine Anreise zahlen wollten, können’s mich gern haben.

    Hab dafür einen Artikel über Weinverschlüsse geschrieben, ab Morgen auf Wine-Times.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Helmut O.Knall

      Das ist schon bemerkenswert was Nomacork da gerade allem Anschein nach veranstaltet.

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