Der Skandal um die Kirchensteuer

Dieser Blogbeitrag fällt mir nicht leicht. Seit Monaten denke ich darüber nach. Nicht etwa, weil das Thema so gar nichts mit Wein zu tun hat, sondern weil es mich in meinen Grundfesten trifft und erschüttert. Es geht um die skandalöse öffentlich Finanzierung der Kirchen hier in Deutschland.

Wenn man in unserem Land Mitglied einer der beiden christlichen Kirchen ist, zahlt man automatisch Kirchensteuer. Diese Kirchensteuer, so sollte man jedenfalls glauben, wird benutzt, um die seelsorgerische und karitative Arbeit der Kirchen zu finanzieren. Dazu gehört es dann logischerweise auch, dass die Gehälter der Bediensteten von diesen Steuereinnahmen bezahlt werden. Weit gefehlt. Knapp 500 Millionen Euro erhalten die beiden Kirchen in Deutschland jährlich aus Steuermitteln. Tendenz steigend. Wer also glaubt, dass er nach dem Kirchenaustritt mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun hat, der täuscht sich. Ein kleines Beispiel. Vor Monaten recherchierte Spiegel-TV folgende Zahlen:

Obwohl die katholische Kirche in Bayern pro Jahr 1,2 Milliarden Euro an Kirchensteuer einnimmt, zahlt der Freistaat Bayern darüber hinaus laut Haushaltsplan: “Die Gehälter von sieben Erzbischöfe und Bischöfen, von 12 Weihbischöfen, 14 Dignitären, 60 Kanonikern, 12 Domvikaren, sieben Generalvikaren, sieben Ordinariats-Offiziaten, sieben Dommesnern, 15 Direktoren und 33 Erziehern an bischöflichen Priester- und Knabenseminaren usw. usw.”

Das ist nur eines von vielen Beispielen. Diese aberwitzige Subvention zieht sich durch viele andere kirchliche Bereiche. Die Gehälter von Mitarbeitern karitativer Einrichtungen, Religionslehrer an staatlichen Schulen, die Finanzierung theologischer Hochschulen, um nur noch einige Beispiele zu nennen. Die Grundlage für diesen Irrsinn ist aus dem Jahr 1803 und heißt “Reichsdeputationshauptschluss”. Auf dieses über 200 Jahre zurückliegende Gesetzt berufen sich die Kirchen noch heute, ohne auch nur einen Millimeter davon abzurücken. Dabei haben sie es doch gar nicht nötig. Die Kirchen sind reich, extrem reich. Manche Schätzungen gehen von 500 Milliarden Euro aus. So hoch soll das Vermögen der Kirchen hierzulande sein. Einen Einblick bekommt man freilich nicht. Bei all dem fallen die 5.000 Euro, die der emeritierte Bischof Mixa jetzt bekommt, eigentlich kaum noch ins Gewicht. Auch die kommen aus dem öffentlichen Säckel.

Über all dies berichtete der “Spiegel” schon mehrfach und “Frontal 21″ gerade letzte Woche. Aber irgendwie hat es den Anschein, als ob es niemanden interessieren würde. Dabei ist das ein Skandal…und was für einer. Und wenn ich, als überzeugter Katholik, das schon sage, dann will das was heißen…

Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang auch der Artikel im Spiegel “Parallelwelten” und diese Seite hier

15 Kommentare »

  1. Weinschreiber August 9, 2010 09:32

    Als nach wie vor überzeugter Christ bin ich schon länger nicht mehr überzeugter Katholik. Die wesentlichen Gründe für meine Haltung hast Du treffend zusammengefasst. Aber ich hadere noch mit dem Gedanken, aus der Kirche auszutreten, stehe gleichwohl sehr kurz davor. Sehr kurz!

  2. Werner Elflein August 9, 2010 10:51

    Wie sieht das eigentlich verfassungsrechtlich aus? Hat gegen diese Finanzierung aus Steuermitteln noch niemand geklagt?

  3. Der Direttore August 9, 2010 11:24

    Das hört sich für mich nach einem lukrativen Geschäft an!
    Wir sollten eine eigen Kirche basierend auf christlichen Werten gründen! Diese sollte sich durch Naturalien finanzieren und Frondienste an die Kirchenherren. Der Heiland könnte der Blogggwart werden.
    Ich würde mich als Johannes, der Säufer anbieten…

  4. Gilli Vanilli August 9, 2010 12:03

    johannes der säufer ist gut – dann bin ich johannes der 2.
    haha
    man kann doch aus wein eine religion machen (notfalls geht auch ne sekte ;-)
    als schrein hätte man dann viele möglichkeiten lol

    statt es kreuzes eine flasche oder ein fass und gut ist das

    btw. ich bin auch aus der kirche ausgetreten

    hat viele gründe, der schlimmste war das meinen eltern (einer r.k. einer evang.) die ökumenische silberhochzeitszeremonie vom kath. dorfpfarrer verweigert wurde

    gleich wohl dieser jenige welche stand 3 monate später vor der tür und wollte unsere wohnung weihen… und stand sozusagen gleich mit geöffneter hand – weil umsonst gibt es das ja nicht (es kommen immer wieder erinnerungen an mittelalterlichen ablasshandel hoch) – vor der tür

    sprich er wollte eigentlich nur geld einsammeln für kurz mal weihrauch verteilen
    na was glaubt ihr wie schnell der gweg war als ich ihm deutlich in meinen worten gesagt hab was ich von ihm halte

    naja und was ich am schlimmsten finde – hierzulande hast du als mensch aus deutschland nichts zu erwarten von der kirche
    wenn es dir schlecht geht

    aus den vielen geldern / spenden .. die die einnehmen,
    werden wohl viele “projekte” in dritte welt ländern finanziert/unterstützt
    was an sich eine heere sache ist

    aber als kirchenmitglied hier hat man nur tröstende worte zu erwarten aber mehr nicht

    da lobe ich mir doch das systen in den usa – da werden sozial schwache (die ja leider nicht vom staat aufgefangen werden) zum teil von der kirche und der gemeinde unterstützt!!
    das finde ich eine tolle sache und dafür würde ich auch gern mal kirchensteuer zahlen

  5. Friedrich Bolle August 9, 2010 13:40
  6. Friedrich Bolle August 9, 2010 14:01
  7. Dirk Würtz August 9, 2010 14:53

    @Werner Elflein
    So weit ich weiss, hat noch niemand geklagt…

  8. Dirk Würtz August 9, 2010 14:54

    @Weinschreiber
    Mir fällt das in der letzten Zeit auch immer schwerer… Die Jungens da oben machen es mir hier unten echt nicht leicht…

  9. drsarkozy August 9, 2010 17:01

    Im Rahmen der Gleichstellung ist es nur eine Frage der Zeit, wann Vater Staat beginnen wird, auch für Moscheen und deren Geistliche aufzukommen. Irgendwann langt’s dann einfach mal !

  10. Jürgen August 9, 2010 20:55

    Schwieriges Thema!

  11. Mal abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, in welchem thematischen Zusammenhang dies Thema zum ganzen Blog steht, bleibt fest zu halten: Altes Recht (auch wenn es 200 Jahre schon gilt) ist nicht per se schlechtes Recht! Die Altvorderen hätten sich halt anders verhaöten müssen. Wer dachte, zum eigenen Vorteil säkularisieren zu müssen, der hat sich halt finanziell auf Dauer doch ins Fleisch geschnitten. Aber: pacta sunt servanda!

  12. Dirk Würtz August 12, 2010 08:15

    @Prof. Dr. Hans Reinhard Seeliger
    Den thematischen Zusammenhang will ich Ihnen gerne erklären: Wenn Sie sich unseren Blog einmal etwas näher betrachten, werden Sie schnell feststellen, dass 1: Politik und gesellschaftliche Dinge immer eine Rolle spielen und 2. ich schon mehr als einmal meine christliche (katholische) Überzeugung Kund getan habe.

    Zu Ihrem Kommentar: Ich denke altes Recht sollte unbedingt überprüft werden um es an neue Zeiten anzupassen, wenn nötig. Dafür gibt und gab es genug Beispiele. Und in diesem Fall hier ist eine Anpassung dringend von Nöten.

  13. Margit Kunzke August 12, 2010 09:18

    @Prof. Hans reinhard Seliger

    Ihre Aussage “Die Altvorderen hätten sich halt anders verhalten müssen.” disquaifiziert Sie eigentlich schon. Was man im Zeitgeist vor 200 Jahren als recht und billig ansah, kann in der Gegenwart längst überholt sein. Diese mittelalterliche Pfründenwirtschaft und dieses abstossende Feudalverhalten vieler katholischer Geistlicher kann heute ebensowenig für gut gehalten werden, die der Versuch der Kirche die Päderasten in ihren Reihen zu decken und der weltlichen Gerichtsbarkeit zu entziehen. da kann ich nur mit Cicero ausrufen: O tempora, o mores!

  14. Thorbjörn August 12, 2010 09:25

    @drsarkozy: Sag mal, du regst Dich jetzt schon auf, daß Moslems in der Zukunft auch etwas bekommen könnten!? Die können ja nun wirklich nichts dafür, daß Vadder Staat den christlichen Kirchen Geld gibt. Außerdem wäre es aufgrund der gebotenen Gleichbehandlung eigentlich tatsächlich richtig, der islamischen Kirche finanziell zu unterstützen.
    Wobei ich nicht falsch verstanden werden möchte. Daß die Kirchen vom Staat Geld bekommen ist ein Skandal! Egal wie alt das Gesetz ist.

  15. Werner Elflein August 12, 2010 09:29

    Zeitgeist? Den gab es doch vor 200 Jahren noch gar nicht. ;-)

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