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Und noch ein neuer Weinwettbewerb

Bevor jetzt jemand auf einen falschen Gedanken kommt: Ja, auch wir machen einen Weinwettbewerb, die “Twitter Wine Awards” und wir haben überhaupt kein Problem mit irgendwelchen anderen Wettbewerben. Unsere “TWA” ist im Übrigen eine kostenlose “Non-Profit-Veranstaltung”. Gestern erreichte uns eine interessante E-Mail, in der es um einen neuen Weinwettbewerb geht, der uns auf den ertsen Blick eher ratlos und mißtrauisch machte. Wir haben uns die Mühe gemacht und näher hingeschaut…

Das Ganze nennt sich “Riesling Wettbewerb Jahrgang 2009″ und wird von einer Firma namens “ne-Weinmedia” veranstaltet. Der Wettbewerb findet zusammen mit dem “falkemedia”- Verlag in Kiel statt. Warum man an dem Wettbewerb teilnehmen sollte, wird auch gleich im E-Mail erklärt:

“Warum sollten Sie mitmachen?
• Sie erhalten eine repräsentative Urkunde
• Das Ergebnis wird über den Gastronomieverteiler (1.500 E-mail Adressen) versendet
• Die 10 punktbesten Weine werden (1 Jahr bis zur nächsten Verkostung) in der
anliegenden Wein-Lounge „Wein und Wasser” ausgeschenkt und vertrieben
• Die 10 punktbesten Weine werden 8 Wochen beim Weinfachhändler als Showroom
(in Hannover & Hamburg, Berlin & Düsseldorf sind in Planung) den Endverbrauchern präsentiert und zum Kauf angeboten
• Die Siegerweine werden in einem bekannten Foodmagazin vom FALKEMEDIA VERLAG publiziert. Auflage: 100.000 Exemplare
• Das Ergebnis wird über unsere eigene Website bekannt gegeben

Haben Sie noch Fragen?”

Oh ja… wir hatten einige Fragen, die uns auch fast alle dankenswerter Weise beantwortet wurden.

Wir wollten beispielsweise wissen, in welchem “bekannten Foodmagazin” die Wettbewerbsergebnisse veröffentlicht werden. Eine Auflage von 100.000 Stück haben ja nur der FEINSCHMECKER oder “Essen & Trinken”. Hier die Antwort: “Das Magazin hat eine Startauflage von 100.000 und erscheint ab November diesen Jahres, es nennt sich Deutsche Landküche und beschäftigt sich rund um das Thema Deutsche Lebensart und Lebenskultur in Form von Essen und Trinken.” Das heißt also, hier wird mit etwas geworben, was es noch gar nicht gibt. Noch dazu mit einer enormen Auflage. Das ist eher ungeschickt.

Dieser Wettbewerb ist verhältnismäßig teuer. Pro angestelltem Wein fallen 89,25 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) Bearbeitungskosten an. So stand es jedenfalls Gestern auf der Seite der Firma. Das ist ein ziemlich heftiger Preis, noch dazu für einen unbekannten Wettbewerb. Auf unseren Hinweis, dass das doch relativ teuer sei, kam folgende Antwort: “Was den Preis anbelangt so haben wir nach unseren Recherchen mit 75 € ganz weit unten angesetzt, damit decken wir alle anfallenden Kosten für die Durchführung einer Verkostung.” Unsere Frage, was denn die anfallenden Kosten seien, blieb bisher unbeantwortet.

Ganz spannend in dem Gesamtkontext ist folgender Fakt. Außer diesen Weinwettbewerben wird diese Firma wohl eine Weinbar betreiben. Jedenfalls wird damit geworben, dass die zehn Siegerweine auf die Karte dieser, noch zu eröffnenden, Weinbar kommen und dann da auch verkauft werden. Eigentlich eine gute Idee. Insgesamt soll es acht (!) Wettbewerbe pro Jahr geben: “Es sind 8 Verkostungen im Jahr angesetzt mit den gängigsten Rebsorten, dies entspricht 80 offenen Weinen auf der Weinkarte die Angeboten werden.” 80 Weine auf der Karte macht summa summarum dann schon einmal 7.140 Euro Umsatz  für das Erstellen einer Weinkarte. Das war jedenfalls unser erster Gedanke. Auch das wirkt auf uns nicht wirklich einladend. Sollten bei diesem Wettbewerb mehrere Dutzend Weingüter teilnehmen, wird das Ganze sehr schnell zu einem äußerst lukrativen Geschäftsmodell. Wir möchten den Herrschaften wirklich nichts Böses unterstellen, aber auf uns wirkt das eher abschreckend. 

Auf unsere Frage, wer denn in der Jury sei, bekamen wir bisher leider keine Antwort. Laut Information der Homepage sollen das Weinhändler, Winzer und Journalisten sein. In der letzten E-Mail des Veranstalters wurden wir jedenfalls schon einmal eingeladen… Die Intention des Wettbewerbes und die Befähigung des Durchführenden bekamen wir übrigens wie folgt beschrieben: “Wir habe diese Verkostungen schon für andere Magazine durchgeführt und möchten den Deutschen Wein noch stärker auch in der Gastronomie publik machen”. Die anderen Magazine, das haben wir mittlerweile gemailt bekommen und auch überprüft, war ein Magazin, nämlich “Savoir Vivre”

Während wir diesen Blogbeitrag verfassen, erreichte uns noch eine E-Mail: “Vielen Dank für Ihre Kritik, wir machen diese Art von Wettbewerb schon seit ca. 3 jahren, jetzt aber in Eigenregie und mit neuem Konzept und Magazin. Wir halten 75.-€ netto für 2 Proben für absolut fair, dies ergibt einen Einzelpreis von 37,50 netto.” Jetzt also zwei Proben. Die 75,00 Euro netto für einen Wein waren ein Fehler. 37,50 Euro für einen Wein ist dann tatsächlich deutlich günstiger und wird wohl so auch im Anmeldeformular geändert.

Und nun? Unser Fazit?

Das Fazit ist in diesem Fall gar nicht so einfach. Für uns stellt sich diese Sache so dar: Da hat einer eine Idee, die ist per se gar nicht mal so schlecht – insbesondere, da die Siegerweine aktiv kommuniziert, sprich verkauft werden sollen. Die Art und Weise, wie dieser neue Wettbewerb angepriesen und kommuniziert wird, ist allerdings eher unglücklich, extrem unglücklich sogar und sieht auf den ersten Blick merkwürdig aus. Wenn man sich nicht die Mühe macht, so wie wir hier, genau nachzufragen, entsteht ganz schnell eher ein negativer Eindruck. Und seien wir mal ehrlich, wer macht das schon? Unser Rat an den Betreiber: Das Ganze lieber noch einmal überarbeiten und deutlich machen, um was es tatsächlich geht. Dann wird es unter Umständen auch ein Erfolg. So wird es wahrscheinlich eher schwierig…


Es sind 8 Verkostungen im Jahr angesetz mit den gängisten Rebsortn, dies entspricht 80 offene Weine auf der Weinkarte die Angeboten werden.

9 Kommentare zu “Und noch ein neuer Weinwettbewerb

  • Harald

    Brauchen wir wirklich noch einen Neuen Weinwettbewerb? Noch dazu einer, der danach aussieht das Portemonai des Veranstalters kräftig zu füllen?

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  • Claus

    Sensationelle deutsche Rechtschreibung, ich hoffe das setzt sich nicht in dem tollen neuen Magazin fort…. ;-) Mögen die Verkoster mehr von Wein, als der Korrespondenzpartner von der deutschen Sprache verstehen…

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  • Charles

    Entweder ist der Veranstalter eine etwas überforderte Einzelperson oder es sitzt jemand in der Öffentlichkeitsarbeit, welcher noch nicht einmal mit der Rechtschreibkontrolle im Mailprogramm umgehen kann. Sollte das nicht unseriös sein, dann ist es auf jeden Fall höchst unprofessionell.
    Aber undurchsichtige Weinwettbewerbe sind in der Branche ja so neu nun auch wieder nicht.

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  • Iris

    wenn man mal sorgfältig den Links folgt, so ist die Person wohl kein (ausschließlich) deutscher Muttersprachler, da wäre die Rechtschreibkontrolle wohl hilfreich – leider kenne ich das Problem, wenn ich in Französisch oder Englisch schreibe, nur zu gut. Sicher nicht ganz profimäßig, aber warum gleich die Oberlehrerkeule rausholen… da versucht halt mal jemand ein eigenes Projekt rund um Wein zu starten – müßte Dir doch nicht ganz unsympathisch sein, Dirk:-).

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    • Dirk Würtz Post author

      @Iris
      Leider ist es bei uns gerade allem Anschein nach im Trend mal eben schnell Weinwettbewerbe durchzuführen und dafür Geld zu verlangen. Wenn genug mitmachen, dann funktioniert das wohl auch. In diesem Fall hier habe ich nach über eine Stunde und mehreren Mails erst realisiert, dass es sich nicht um Abzocke handelt, hoffe ich zumindest. Ich gönne jedem sein eigenes Projekt rund um den Wein und habe das wohl auch schon oft genug bewiesen. Aber alles hat seine Grenzen, siehe “Europa Medaille” und alles mögliche andere. Wenn ich einen Wettbewerb veranstalte, dann muss ich mir auch gefallen lassen, dass ich kritisiert werde. Also nix Oberlehrer!

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  • Iris

    Na, Dich hab ich ja auch nicht gemeint:-) Im Gegenteil, ich finde es gut, dass Du Dir die Mühe der Recherche gemacht hast! Dass die deutschsprachigen Winzer und die Weinblogszene empfindlich auf Wettbewerbe ohne Folgen reagieren, wissen wir ja alle, da gab es ja schon genug Artikel im letzten Jahr.

    Jedenfalls danke, dass Du Deine Rolle als Wächter -ich krieg das andere Wort nicht in die Tasten:-)- gründlich gespielt hast und nicht nur flott polemisiertest:-).

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  • Charles

    Ah so, dann bin wohl ich mit „Oberlehrerkeule“ gemeint. Natürlich bin ich auch den Links gefolgt. Allerdings zügig. Trotzdem ist auch mir nicht entgangen, dass der Geschäftsführer „wohl kein (ausschließlich) deutscher Muttersprachler“ ist. Ja und? Ok, wenn er Paul Schmidt heißen würde, hätte ich sicher kein Nazometer in Form eines erhobenen Zeigefinger kassiert. Aber an der Tatsache ändert das doch nichts. Hier versucht eben nicht „mal jemand ein eigenes Projekt rund um Wein zu starten“, sondern es geht um einen professionellen Weinwettbewerb, bei dem echtes Geld und (angeblich) potente Partner im Spiel sind.
    Da muss man es sich schon gefallen lassen, dass die Meßlatte etwas höher liegt. Besonders wenn die öffentliche Kommunikation bzw. Pressearbeit einen ziemlich unprof… Ups!… Zeigefinger… suboptimalen Eindruck macht.

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  • Iris

    Charles, das ist kein Nazometer,sondern lediglich, wie ja auch in meinem Kommentar schon erwähnt, meine Erfahrung, als Mensch, der häufig in Zweit- und Drittsprachen schreibt und da eben nicht immer fehlerfrei rauskommt. Natürlich hilft häufig ein gutes Korrekturprogramm,aber ich empfinde es auch als angenehm, wenn meine Kommunikationspartner sich auf den Inhalt konzentrieren, ehe sie an der Form Anstoß nehmen – Ähnliches gilt übrigens auch für mein altmodisches Verhältnis zum Wein, ein tolles Etikett in einer hochwertigen Designerflasche ist schön, aber der Inhalt muss überzeugen. Und wenn mich da Ecken und Kannten überraschen und nachdenklich machen, schaue ich auch nach, wer damit welcher Philosophie und Praxis dahinter steht….

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  • Charles

    Iris, es ging mir gar nicht so sehr um die Person oder seine Herkunft. Und ja, es gibt Gelegenheiten bei denen das Fehlen einer totalen Perfektion gerade erst den Charme ausmacht.
    Aber hier geht es um Weinwettbewerbe. Da diese immer recht „leicht“ Interpretierbar sind, sollten sie darum auch möglichst transparent und professionell gehalten werden. Und genau das ist hier das Problem. Das Ganze ist (nach wie vor) mit einer Menge Fragezeichen versehen und macht – zumindest für mich – einen ziemlich unausgegorenen Eindruck. Und überraschende Wettbewerbe mit „Ecken und Kanten“ gibt es ja auch schon genug in der Branche. Oder?

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