Was darf eine Wein-App kosten???

Letzte Woche haben wir hier über zwei Wein-Apps für das IPhone berichtet. Die digitale Welt ist klein und so ist es nicht verwunderlich, dass es darauf eine Reaktion gab.

Die Wein-App “Corkscore” hatten wir deutlich und klar kritisiert. Unserer Meinung nach wird hier für einen stolzen Preis von 3,99, gerade im Bereich des deutschen Weins, nicht sehr viel geboten. Die Betreiber von “Corkscore” haben uns heute eine wirklich sehr nette Mail geschickt und uns sowohl einiges erklärt, als auch eine interessante Bitte vorgetragen.

In der Mail erkären die Betreiber, wie kostenintensiv die Entwicklung einer solchen App ist und dass eine solche App keine Geldruckmaschine sei. Allerdings wurden sie dann aufgrund unsere Bloggartikels doch nachdenklich: “Ihr Artikel hat uns in der Tat zum Nachdenken gebracht, ob unserer Pricing das richtige ist. Sie sprechen da einen wichtigen Punkt an. Ich würde Ihnen gerne folgendes Experiment vorschlagen: Fragen Sie Ihre Blogleser und nennen Sie uns einen Preis größer null, wieviel Ihnen ein App für Verkostungsnotizen Wert ist. Wir werden dann unser App für 2 Wochen zu diesem Preis anbieten. Dann schauen wir mal, wie die Resonanz ist.

Das machen wir doch gerne. Also, hiermit der Aufruf: Was darf diese App kosten?

Bitte keine Kokolores-Antworten, sondern nur ernsthafte. Wer möchte, kann diese Frage hier in der Kommentarfunktion beantworten. Wer das nicht will, darf uns auch gerne eine E-Mail senden: kontakt@dirk-wuertz.de

10 Kommentare »

  1. Bernd Klingenbrunn Juli 19, 2010 18:37

    Dann mach ich mal den Anfang und sage, dass ich die 3,99 € für nicht zuviel erachte, sofern keine Updatekosten entstehen. Ich zahl ja auch jetzt schon 120 € Abogeühr bei Wein-Plus um u.a. auch auf eine Datenbank zuzugreifen. Gruß Bernd

  2. Charles Juli 19, 2010 20:20

    Ich erlaube mir mal aus dem Ursprungsartikel zu zitieren: “‘Corkscore’ sieht nach einem schlauen Geschäftsmodell aus. Bereits vorhandene Daten werden ‘eingesammelt’ und durch ‘user generated content’ ergänzt. Für knapp 4,00 Euro finde ich das Ganze persönlich eher grenzwertig.”
    Sehe ich ganz genauso. Und jetzt soll auch noch die Marktforschung und das Marketing “user generated“ und damit kostenlos für die Firma sein?
    Da hält sich aber jemand für ganz schön clever. Sorry, für so was wäre auch schon ein Preis gleich null zu viel… Das meine ich übrigens ganz ernsthaft.

  3. Patrick Johner Juli 19, 2010 22:37

    In der aktuellen ct’ steht ein schöner Artikel über die Entwicklung HTML, Javascript, CSS basierter Anwendungen, die dann nicht nur auf dem Iphone laufen, sondern auch unter Android, Windows Mobile, Blackberry, Symbian usw… Es ist nur eine Frage der Zeit bis der Hype um die derzeitigen “Gelddruckmaschinen” Iphone-Apps abflaut… HTML 5 wird ja auch noch lokal speichern können…

  4. Thomas Juli 19, 2010 22:52

    Der Preis an sich ist nicht das Problem – jeder einfache Gutswein kostet mehr. Allein die Inhalte lassen noch zu wünschen übrig. Für eine wirklich gute App wäre ich auch gern bereit, mehr zu bezahlen. Z.B. Wein Plus als gute App oder der Eichelmann oder der Gault Millau, das darf dann auch gern soviel kosten, wie die gedruckte Version, wenn’s wirklich gut gemacht ist. Die bisherigen Weinapps kann man für meinen Geschmack alle vergessen, da sind selbst 0,79 Euro zu viel.

  5. Dennis Juli 20, 2010 08:57

    Woher soll ich wissen, ob es die 3,99 wert ist? ich kann die App ja nicht testen. Eine light Version zum testen wäre gut.

  6. Der Weinfreak Juli 20, 2010 12:22

    Als Weinfreak, der im nächsten Leben Winzer werden will, in diesem aber noch für das iPhone programmiert, erlaube ich mir auch, einiges – eher Grundsätzliches – dazu zu sagen:

    Zum ersten, ganz unabhängig zum Thema Wein, kotzen mich die Geiz-geil-Meinungen bezüglich iPhone Apps inzwischen extrem an. Und nicht nur mich, nahezu alle Entwickler.
    Denn die Goldgräberstimmung ist seit Jahren passé, eine Gelddruckmaschine ist das iPhone-Development-Geschäft vielleicht die ersten paar Monate gewesen und das ist nun schon einige Jahre her.

    Da sitzt man Wochen, meist Monate an einer App, die man selbst für gelungen erachtet (natürlich), ficht Kämpfe mit den Sittenwächtern und Korinthenkackern von Apple aus und bietet die App schließlich für 1,59 EUR im App Store an, um dann Kommentare zu lesen, dass das zu teuer sei.
    “Zu teuer” für was?
    Natürlich, es gibt auch Zeitgenossen, denen 6,45 EUR für eine Flasche top Gutsriesling zu teuer sind und deshalb lieber zur Drittpressung der Großerzeuger im Discounter für 1,49 EUR greifen. Aber kann das der Maßstab sein?
    Arbeit – egal welche – ist eine Leistung, die mit einer Gegenleistung ausgeglichen wird. In der Regel Geld.
    Oder wer von den “Ist zu teuer”-Rufern kann nur von Luft, Liebe und vielleicht Respekt für eine gelungene Arbeit leben?
    Und um Respekt geht es hierbei doch?

    Ob die besprochene App von Corkscore nun 3,99 EUR wert ist, kann ich nicht beurteilen, weil ich sie mir noch nicht angesehen habe (aber zig andere Wein-Apps, die mir alle nicht gefallen). Interessant finde ich die Thematik hier beim Würtz aber gerade deshalb, weil ich selbst aktuell an einem “Konkurrenzprodukt” arbeite ;-)
    Und da es locker ein halbes Jahr dauern wird, bis ich damit werde Umsatz generieren können, stelle ich mir in der Tat die Frage, was darf es denn für den Weinliebhaber kosten, der ohne mit der Wimper zu zucken am Abend drei Flaschen Wein platt macht mit einem Durchschnittspreis pro Flasche von 7 EUR oder höher?

    Bei einem “stolzen Preis” [OT Bloggwart] von 3,99 EUR bleiben dem Entwickler oder der Firma ca. 3 EUR übrig. Eine App mit so speziellem Inhalt – denn wir reden hier nicht über ein Game von Electronic Arts & Co – wird vielleicht 5 bis maximal 10 mal pro Tag veräußert. Das macht einen Tagesumsatz von 15 bis 30 EUR. Im Monat also geschätzte 450 bis 900 EUR.

    Von diesen angenommenen 900 EUR muss der selbständige Programmierer oder die Firma dann sämtliche Kosten bestreiten, Ihr kennt das alles. Dabei gar nicht berücksichtigend, dass die Entwicklung der App ja einen bestimmten Zeitraum an nicht entgoltener Investition in Form von Zeit, Arbeit, Kopfweh im Vorfeld verschlungen hat. Bis man da dann ins Plus gerät, können Monate vergehen.
    Und dann ist es ja nicht getan, dann muss man Support leisten, die Presse beackern, Marketing-Blödsinn verzapfen und bereits an Updates arbeiten, um Userwünsche umzusetzen und Fehler auszumerzen.

    Und dann sind 3,99 EUR zu viel?

    Was erhält man denn heutzutage für rund 4 EUR? ‘Nen Döner, eine Zahnpasta und die aktuelle BILD?

    Und weshalb stört man sich daran, dass der Content der App durch Usereingaben erweitert wird? Das ist doch eine vernünftige Vorgehensweise? Zum einen, weil so der Inhalt ständig wächst, ohne dass man warten muss, bis der App-Entwickler endlich ein Update anbietet. Zum anderen, weil der Content so auch weit User-relevanter ist. Ich kann Software nicht leiden, die mir starr Content anbietet, den ich dann so zu nehmen habe, auch wenn er mir in Inhalt und Form nicht passt. Gerade beim Wein!

    Naja, ich weiß nicht, bis zu meinem nächsten Leben als Winzer ist es noch ein paar Jahre hin … ;-)

  7. jbbrana Juli 20, 2010 15:26

    Ich unterschreibe die Überlegung vom Weinfreak! Alles. Wer mit Software wirklich zu tun hat, weiß wie alles teuer und kompliziert ist.. Die Anwendung soll 8.99 kosten. Gruß…

  8. dr.christian.S Juli 21, 2010 09:12

    @weinfreak. Aber wenn Du gerade am programmieren einer Wein-App bist dann nutze doch diesen Blog und frage die Nörgler was sie von einer Wein-App erwarten. Ich fange mal an u. wünschte mir einen Barcodescanner ähnlich wie die App Barcoo, halt nur speziell für Wein. Ich mag Apps wo man durch Usereingaben den Content erweitern kann und sei es nur durch das Bild eines Etiketts.

  9. Der Weinfreak Juli 21, 2010 09:32

    @dr.christian.S: Ich werde nicht nur diesen Blog nutzen, um abzufragen, was sich die Weinliebhaber in einer iPhone App zum Thema Wein wünschen, sondern auch auf meinem eigenen Blog dazu aufrufen, eng mit mir zusammen zu arbeiten. Nicht, weil ich mir Arbeit sparen will, wie weiter oben ein Vorwurf anklang, sondern weil ich nichts weniger erreichen will, als die beste erhältliche Wein-App zu erreichen :-) Warum? Nicht, weil ich Egomane bin, sondern weil ich die App vor allem für mich selbst entwickle und meinen Weinkeller.

    Ob es eine Barcode-Funktionalität geben wird, muss ich sehen, das wird ein Work in progress werden, nach und nach werden immer mehr Elemente hinzu kommen.

  10. Weinkenner Februar 18, 2011 22:11

    Es gibt Apps die gar nichts kosten und den Zweck voll und ganz erfüllen. Ich benutze seit ein paar Wochen die Vinothek app. Seit dem Update diese Woche kann Sie mit vielen kostenpflichtigen Apps locker mithalten. Ich würde also nichts mehr bezahlen.

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