Letztes Jahr im September hatte ich die Gelegenheit, einige Große Gewächse aus dem Jahrgang 2008 zu verkosten und war extrem angetan vom “Pettenthal” von Gunderloch. Das war, in diesem frühen Stadium, ein fantastischer Wein. Gestern habe ich das Ganze noch einmal “überprüft”, zusammen mit zwei anderen Erzeugern, die Weine im Pettenthal in Nierstein machen.
In der letzten Zeit habe ich wirklich viel Glück, was das Probieren von Weinen angeht. Ein geniales Erlebnis jagt das andere. Gestern war ein weiterer solche Höhepunkt. Eigentlich sollte ich das Ganze “Petting im Pettenthal” nennen…aber das wäre dann doch wohl zu viel des Guten. Obwohl das schon irgendwie extrem sexy war, was ich da gestern im Glas hatte. Annähernd unbeschreiblich, aber ich versuche es einfach mal…
Zu den nüchternen Fakten:
Auf dem Tisch standen die “Pettenthaler” der Weingüter Gunderloch, St.Antony und Kühling-Gillot, jeweils eine Flasche aus den Jahrgängen 2007 und 2008.
Das Große Gewächs von Gunderloch aus dem Jahr 2008, der Wein, der mich letztes Jahr so begeisterte, war völlig anders. Das ist ja eigentlich auch normal, schließlich verändert sich jeder Wein und sollte mit zunehmender Reife besser werden und den ultimativen Trinkspaß bieten. Zumindest in dieser “Nobel-Kategorie”. Dieser hier wirkte allerdings eher blass und ein wenig müde. Die Säure war zwar präsent und auch saftig, aber alles in allem war der Wein doch eher glatt. Das wir uns da nicht falsch verstehen: Das ist ein sehr guter Wein, nur eben nicht groß. Vielleicht ist das ja nur eine Phase, allerdings wirkte der 2007er ähnlich, eine Spur süßer.
Ganz anders der 2007 Pettenthal von St. Antony. Dieser Wein ist ein Rohr!!! Er hat eine unaufdringliche aber irgendwie packende Kühle. Ist taufrisch, viel zu jung zum trinken. Ein Gigant der schlummert. Auch sehr gut der 2008er. Nicht ganz so gigantisch wie der Vorgänger, aber ein traumhaftes Beispiel für diese Lage. Ein Hauch von Feuerstein, ein wenig Teer und Stroh, salzig und eben diese wunderebare leicht exotische Aromatik. Falls es von diesen beiden Weinen noch einige Flaschen zu kaufen geben sollte, sofort zuschlagen.
Bei den nächsten beiden Weinen wird es ganz schwierig. 2007 und 2008 Pettenthal von Kühling-Gillot. Schwierig zum einen, weil ich sowohl die Dame als auch den Herrn des Hauses sehr gut kenne. Da könnte man sagen: “Klar, der Würtz bevorzugt seine Kumpels”… Zum anderen weiß ich gar nicht, wie ich diese beiden Weine treffend beschreiben sollte.
Fangen wir mal so an:
An beiden Weinen könnte ich den ganzen Tag einfach nur riechen. Ohne aufzuhören und ohne den Wein in den Mund nehmen zu wollen. Sollte mir jemals eine Frau begegnen, die so riecht wie diese beiden Weine, habe ich ein Problem
Aber mal ernsthaft… das ist eines der größten Komplimente, dass man einem Wein machen kann. Einfach nur riechen und träumen. Olfaktorisches Kopfkino! Wenn dann zufällig der Geschmack auch noch stimmt, nähern wir uns der Perfektion. Und genauso ist das bei beiden Weinen. Sie sind annähernd perfekt. Groß. Monumental. Wahnsinn! Eben annähernd perfekt.
Das Ganze zeigt mir übrigens wieder einmal ganz deutlich, wohin die Reise gehen muß. Letztes Jahr im September waren diese Weine (2008) gut. Jetzt, Monate später, wenn sie ganz langsam anfangen, ihr wahres Gesicht zu zeigen, dann werden sie auch groß. Manche jedenfalls. Und so sollte das bei den Großen Gewächsen doch eigentlich sein. Und noch etwas war wieder einmal ganz deutlich zu sehen: “Öko rockt!”. Die Weine von St.Antony und Kühling-Gillot haben eine völlig andere Dichte, als konventionell hergestellte Weine.
frauenberg 2008 war auch für mich der absolute schnüffelwein. sollte ich jemals einem mann begegnen, der so riecht …
http://www.havel-petz.at/index.php?blog_mode=single&blog_id=71&sid=30
Das kann ich nur bestätigen. 2008 und 2007 von Kühling-Gillot sind die beiden besten jungen Pettenthal-Rieslinge, die ich je probiert habe. 2007 ist tatsächlich ein Monument.
Dirk hierbei kann ich dir nur beipflichten.. besonders da ich in meinem Keller ein paar Bouteillen davon habe.. und 2009 wird dann !!!
Bei dem 07 Pettenthal hatte ich seiner Zeit 2008 bei dem Schnüffeln an diesem im Kloster Eberbach auch einen dieser Kopfkino Momente: Der totale Kindheitserinnerungsflash! Ich mit 4 auf einer Streuobstwiese. Wahnsinn. Seit dem schlummert eine vertikale (06/07/08) von diesem Wein in meinem Keller.