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Weinrallye# 35 – Stein und Wein

“Stein und Wein” – ein spannendes Thema, da machen wir doch gerne wieder bei der Weinrallye mit. Dieses Mal ausgerichtet vom “Weinfreak”.

Ganz ehrlich, ich kann es nicht mehr hören. Mineralität hier, Mineralität da, Mineralität überall. Für mich hat dieser Begriff, obwohl ich ihn selbst oft benutze, das Potenzial zum “Unwort des Jahres in der Weinwelt”. Hin und wieder beschleicht mich der Eindruck, dass es nur noch Weine mit ausgeprägter Mineralität gibt, selbst wenn die Trauben auf Böden gewachsen sind, die so mineralisch sind wie der Sandkasten meiner Tochter. Überhaupt habe ich langsam das Gefühl, dass einige “Verkoster” überhaupt nicht wissen, was Mineralität ist und wie sie schmeckt. Manche verwechseln das übrigens nur allzugern mit hefigen Noten im Wein. Zugesetzte Kohlensäure hilft da manchmal auch…

Mindestens genauso nervig finde ich diese expressive Herausstellung und Betonung der Mineralität. Ganz besonders auf dem Etikett. Da heißen dann die Weine “Basalt”, “Schiefer”, “Granit” oder “Porphyr”. Ich weiss gar nicht, wer sich so was ausdenkt, ich persönlich finde das wenig animierend. Ich will ja schließlich Wein trinken und nicht an Steinen lutschen. Natürlich ist das eine Hilfestellung…damit jeder gleich weiß: “Achtung, der Wein ist mineralisch”. Ich kenne übrigens eine Reinzuchthefe, die kann das auch. Wenn man die benutzt, schmeckt jeder Wein irgendwie mineralisch, selbst der aus dem oben schon erwähnten Sandkasten meiner Tochter. Ich persönlich kann übrigens nicht unterscheiden zwischen Granit und Balsalt. Jedenfalls nicht mal ansatzweise im Geschmack. Selbst nach mehrmaligem Lecken am Stein nicht. Außer einer gewissen Form der Salzigkeit kann ich selten etwas feststellen. Kurzum, ich halte das alles für Kokolores. Nicht immer, aber immer öfter. Ein netter Markentinggag, schwer überprüfbar, deswegen klappt er ja auch so gut.

Natürlich gibt es Weine, die extrem mineralisch sind, oder so schmecken wie der Boden, auf dem sie gewachsen sind. Man denke nur einmal an die Pinots aus dem Assmannshäuser Höllenberg. Die schmecken nicht nur so, die riechen, ach was, sie stinken danach. Im positiven Sinne versteht sich natürlich. Wer einmal diesen ganz speziellen Ton dieser Weine gerochen hat (Katzenpisse/Schiefer), der vergisst das nie wieder. Für mich gehört das übrigens mit zum Besten was es gibt. Im Rüdesheimer Berg, in dem auch sehr viel Schiefer zu finden ist, ist es ähnlich. Da sind viele Weine tatsächlich “salzig”. Auch das mag ich sehr gerne. In Rheinhessen haben wir auch einige Beispiele dieser Gattung. Ganz besonders fällt mir das bei den Weinen von “Battenfeld-Spanier” und “Kühling-Gillot” auf – kein Wunder, die sind ja auch miteinander verheiratet :-) Die sprechen neuerdings sogar von “Stein-Weinen”. Das ist nicht unbedingt mein Begriff, aber es trifft doch ziemlich den Nagel auf den Kopf. Diese Liste könnte man noch sehr lange fortsetzen. Was ich eigentlich damit sagen will, ist folgendes:

Einer der maßgeblichsten Faktoren für einen Wein ist der Boden, auf dem er gewachsen ist. Wurzelt der Rebstock tief, richtig tief, dann ist tatsächlich eine Beeinflußung feststellbar. Läßt der Weinmacher den Weinprozeß dann möglichst natürlich ablaufen (ohne Frankensteintechnik im Keller), dann ist das Ergebniss oft auch in der Flasche wieder zu finden. Wenn nicht, dann eben nicht, oder doch, der Technik sei Dank!!!

2 Kommentare zu “Weinrallye# 35 – Stein und Wein

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