Alles über Wein und den Rest der Welt…

Es geht nicht besser, nur anders…

Die Amis haben keine Kultur und saufen nur zugeholzte und marmeladige Weine?! Alles Blödsinn, wie unser Selbstversuch am Wochenende zeigte. Großes Geschmackskino mit kalifornischem Pinot Noir!

Ich habe noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich ein großer Fan der Rebsorte „Pinot Noir“ bin. Für mich gibt es (fast) nichts, dass an das Geschmackserlebnis eines guten Pinots heranreichen kann. Doch was ist mit den amerikanischen Pinots. Dass es in Oregon sehr viele, sehr gute Vertreter dieser Gattung gibt, ist hinlänglich bekannt. Aber Kalifornien? Eher unwahrscheinlich, oder? Weit gefehlt. Das, was ich am Samstag im Glas hatte, war nicht nur gut, nein, es war Weltklasse.

Vor vielen Jahren, fünfzehn müssten es gewesen sein, hatte ich schon einmal das Vergnügen, Weine von „Au Bon Climat“ zu trinken. Wenn ich mich nicht ganz täusche, war das beim Rheingau Gourmet Festival. Ich gebe zu, ich erinnere mich nicht wirklich und irgendwie habe ich dieses Weingut dann auch aus den Augen verloren. Ein unverzeihlicher Fehler. Am Samstag hatte ich zwei Weine im Glas, die mich nicht nur fasziniert haben, sondern die mich gefesselt und annähernd sprachlos gemacht haben.

Jim Clendenen, der Chef von „dat janze“, sah mal aus, als wäre er der Frontmann einer 80-iger Jahre Softrock Band à la „Europe“. Das waren die Jungens mit diesem seichten „Final Countdown“. Heute sieht er eher wie ein klassischer „Altfreak“ aus. Seicht ist hier allerdings gar nichts. Im Gegenteil. Alles ist klar definiert und griffig. Die Weinberge werden ökologisch bewirtschaftet und die Zielrichtung ist absolut klar: Authentische, handgemachte und trinkfreudige Weine. Und wie trinkfreudig…

Der Einstieg war ein Wein aus dem Jahr 2008. Eine Sonderediton des Importeurs Martin Koessler. Ich bin ja kein wirklicher Freund von solchen „Sonderabfüllungen“. Zu oft gibt es dergleichen. In der Qualität meistens medioker, mit einem gewaltigen Brimborium drumherum. Da liegt halt manchmal noch ein Faß im Keller, das muss ja auch irgendwo hin. In diesem Fall hat es sich aber gelohnt. Der Wein hat eine Eleganz und einen Ausdruck, wie ich es weder erwartet noch in der letzten Zeit öfter erlebt habe. 13.5 Prozent Alkohol, perfekt ausbalanciert, großartig in der Struktur und einfach nur „saftig“. Jeder einzelne Schluck ein Spaß. Besser geht es in so einer Kategorie kaum noch. Und das Ganze für knapp unter 20.00 Euronen. „Pinot Herz, was willst du mehr“. Solche Weine im Burgund zu finden, dürfte fast unmöglich sein. Schon gar nicht zu diesem Preis.

Was danach ins Glas kam, ist leider mit normalen Worten kaum noch zu beschreiben. „2006 Pinot Noir Isabelle Morgan, blue label“. Es geht nicht mehr besser, nur noch anders. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen solchen Pinot getrunken habe. Elegant und doch expressiv, nicht zu dick und nicht zu dünn, extrem reif ohne aufdringlich laut zu sein und so was von appetitlich, das jeder einzelne Schluck sofort nach dem nächsten schreit. Ich weiß, das klingt alles ziemlich dick aufgetragen, aber ich habe keine Ahnung, wie ich meine Begeisterung auch nur ansatzweise anders oder besser erklären sollte (ich werde für eine solche Lobeshymne auch nicht entlohnt…). Mit 48.00 Euro pro Flasche ist das natürlich nicht eben günstig. Aber erstens trinkt man so etwas nicht jeden Tag und zweiten ist dieser Preis, gemessen an der Qualität und der Freude, absolut gerechtfertigt.

Mein kleines persönliches Fazit:

„Au Bon Climat“ ist ein MUSS für jeden Pinot Liebhaber, allerdings mit einem enormen Suchtpotenzial und der Gefahr, das Burgund aus den Augen zu verlieren.

Zur Bezugsquelle für diesen göttlichen Stoff geht es hier.

6 Kommentare zu “Es geht nicht besser, nur anders…

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