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Fälscherlaune im Chianti

Sie könnens einfach nicht lassen… Ein Bericht von unseren Freunden der MERUM
Dieses Mal gings ohne Presseskandal. Immerhin! Schon mal ein Fortschritt gegenüber dem Brunello-Eklat von 2008. Und um Gesundheitsgefährdung gehts Gott sei Dank auch diesmal nicht! Aber damit ist die Liste der positiven Aspekte auch bereits schon komplett. Denn die Fakten, die jetzt langsam an die Oberfläche gespült werden, lassen auf unmissverständliche Betrugsabsichten und weitaus größere Mengen als in Montalcino schließen.
Im November 2009 beschlagnahmte die Finanzpolizei im Auftrag der Staatsanwalt Siena große Mengen Wein in toskanischen Kellern, zehn Millionen Liter gemäß Ex-Landwirtschaftsminister Zaia. Laut dem Beschlagnahmungs-Dekret der Staatsanwaltschaft Siena soll toskanischer Wein übelster Qualität in die Abruzzen geschafft, dort durch Montepulciano d’Abruzzo ersetzt und dieser wieder in die Toskana zurückverfrachtet worden sein. In diesem Dokument ist auch von Lieferungen aus Spanien die Rede und von „Nutella“, so nennen die Insider den Färberwein Rossissimo aus der Emilia. Das wäre alles kein Grund zur Aufregung, wäre dieser Wein in den Kellern toskanischer Winzer und Weinhäuser nicht als Toscana IGT und sogar als Chianti DOCG aufgetaucht. 17 Personen und 42 Betrieben wird „kriminelle Vereinigung“ und „schwerwiegender Handelsbetrug“ zur Last gelegt. Peinlich ist dabei, dass im Mittelpunkt der Fälschungsgeschichte ein erfolgreicher toskanischer Önologe und neben ein paar dubiosen Firmen eine Reihe renommierter Weinhäuser und hochbewerteter Weingüter stehen.
Wir werden unsere Leser über die weiteren Vorgänge auf dem Laufenden halten. Aber wir sind gegen die Veröffentlichung der Namen der Beschuldigten, solange keine handfesten Beweise gegen sie vorliegen. Merum-Leser können beruhigt sein: Die Weine der beteiligen Betriebe gehören nicht zu unseren Favoriten und blieben in der Merum Selezione in der Vergangenheit dementsprechend ohne Wertung. Allerdings gehören einige Produzenten solcher Abruzzen-Toskaner zu den „Best of“ in den aktuellen Ausgaben des Wine Spectators und des Gambero Rosso Weinführers.
Detailliertere Informationen vermischt mit viel Blogmüll finden Interessierte in italienischen Blogs wie dem des sehr aktiven, gut informierten und stets polemischen Franco Ziliani: vinoalvino.org.
mb/am

Ein Kommentar zu “Fälscherlaune im Chianti

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