Interessenkonflikt und die Lösung

Wie in jedem Jahr zu dieser Zeit erreichen uns hier die üblichen Einladungen zu den Verkostungen der Weine der diversen Weinführer im Land. Wir werden mit unseren Weinen künftig an keinen Verkostungen teilnehmen.

Der Grund hierfür ist relativ einfach und schnell genannt. Durch unseren Blog und den diversen anderen Aktivitäten im web 2.0, beispielsweise unsere Live-Show “100 Grad Oechsle”, ist ein Interessenkonflikt entstanden, der so einfach nicht zu lösen ist. Eigentlich ist er gar nicht zu lösen. Unser Blog ist eine “Publikation”, die sich mit dem Thema Wein beschäftigt. Hauptsächlich jedenfalls. Meinetwegen ist das irgendwie auch journalistisch (gell Herr Supp ;-) ). Wir schreiben hier über alle möglichen Weine und Weingüter, machen die “Twitter Wine Awards”  oder einen Langzeittest, genannt “Elch-Wein-Test”. Weitere Ideen und Projekte liegen in der Schublade. Damit ist es unmöglich geworden, unsere Weine irgendwo bewerten zu lassen. Das ist eine Frage des Stils und der einwandfreien Trennung von Interessen.

Wie sollen wir hier auf unserem Blog künftig kritisch über eine Publikation im Weinbereich berichten, wenn wir selbst drinstehen??? Kommen unsere Weine gut weg und wir loben die Publikation, wird es heißen: “Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus”. Werden unsere Weine zerrissen und wir äußern uns kritisch, wird es heißen: “Schau, jetzt ist er beleidigt, weil seine Weine so schlecht wegkommen!” Allein der bloße Gedanke an eine derartige Situation verursacht uns allen hier ein großes Unwohlsein. Deswegen ist diese Entscheidung die einzig logische.

Es gab in der jüngeren Vergangenheit ja auch schon weitaus prominentere und wichtigere Beispiele eines solchen Interessenkonflikts…

7 Kommentare »

  1. Stefan Schwytz Mai 17, 2010 10:28

    sehr konsequent, Respekt! Man macht sich anderenfalls nur unnötig angreifbar.

  2. Patrick Johner Mai 17, 2010 17:46

    Irgendwie hatte ich einen ähnlichen Konflikt siehe: http://blog.johner.de/2009/11/erfolg-respekt-kapitulation-aufklarung-schutz-vollige-transparenz/
    Sehr interessant war dann der Kommentar von Ralf über die öffentliche Vergleichbarkeit von Verkostungsnotizen…
    Also irgendwie ist es total egal ob die Weine von den Weinführer publiziert werden oder nicht. Du hast eine riesige Fangemeinde, die bei Bedarf Dir beistehen würde. Am liebsten würde ich ja auch nirgends was hinschicken… Aber dann gibt es Kritik zum Elchweintest von Sam, der nur dadurch endgültig aus der Welt geschafft werden kann, in dem er es selbst durchführt…
    Hmmm… things are getting really complicated …

  3. Dirk Würtz Mai 17, 2010 17:56

    @Patrick Johner
    Ne, ne… der Sam hat ja nicht kritisiert, sondern nur angezweifelt, dass das alles mit rechten Dingen zugeht. Aber ich hatte ihn ja dan ratzfatz überzeugt ;-)

    Aber mal zurück zum eigentlichen Thema: Ich spiele ja schon lange mit diesem Gedanken. Aber so wie sich die ganze Situation jetzt entwickelt hat, gibt es definitiv keine Alternative. Außer ich mache meinen Blog dicht und höre mit der Live Sendung auf. Vielleicht sollte ich abstimmen lassen: Bloggen/Live Sendung oder Weinführer. Beides geht nicht! :-) :-) :-)

  4. Margit Kunzke Mai 17, 2010 20:20

    Hut ab! Das ist eine Entscheidung die sicher nicht leicht fiel, aber jeden Respekt verdient

  5. Michael Liebert Mai 19, 2010 10:01

    Hi Dirk, Du weißt ich bin Dir wohl gesonnen, um die Diskussion hier mal anzustoßen, eine Gegenmeinung: “Jetzt hat er es nicht mehr nötig, sich der Diskussion und dem Vergleich zu stellen. Er schafft mit seinen Aktionen einfach seine eigene Wirklichkeit.”

  6. Dirk Würtz Mai 20, 2010 08:51

    @Michael Liebert
    Das wäre sicherlich auch eine mögliche Reaktion. Ich kan dir aber versichern, dass dies nicht im geringsten meine Intention ist. Weder scheue ich mich, noch habe ich es “nicht nötig” mich einem Vergleich zu stellen. Bei dieser Entscheidung geht es einzig und alleine um größtmögliche Transparenz und das Vermeiden von unnötigen Interessenkonflikten unter denen final nur die “Freiheit” leidet. Insbesondere unsere Freiheit hier. In diesem Kontext ist auch der Umstand zu sehen, dass auf unserem Blog kein Werbung existiert, obwohl es Angebote genug gäbe.
    Ich schaffe mir hier also keine “eigene Wirklichkeit”, sondern versuche angemessen auf die “tatsächliche Wirklichkeit” zu reagieren.

  7. [...] über Weinprämierungen und -auszeichnungen aller Art, der eine Winzer sieht darin einen Interessenkonflikt, der andere bemängelt die Kosten. Oder ist es der Bedarf des Verbrauchers an die Hand genommen [...]

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