Alles über Wein und den Rest der Welt…

Eine Mail aus Griechenland

Griechenland… oh Gott!!! Das “Lieblings-Hass-Thema” aller Stammtische. Kein Tag vergeht, an dem nicht auf die Griechen schön pauschal eingedroschen wird. Das Land steckt in einer tiefen Krise und ganz Europa ist mit dabei.

Es ist müßig herauszufinden, wer die Schuldigen an dieser Misere sind. Natürlich auch die Griechen. Insbesondere diejenigen, die dafür sorgten, dass sich dieses bankrotte Land in die EU gemogelt hat und zur EURO Zone gehört. Allen voran die zuständige Politkaste. Doch wer muss jetzt die Suppe auslöffeln? Natürlich wir hier in Deutschland mit unseren Steuern. Das ist nicht schön und sorgt verständlicherweise für großen Ärger und Unmut. Das Ergebnis ist eine dauerhafte Schimpftirade auf die Griechen. Doch was ist denn mit den Griechen. Wie erlebt denn ein einfacher griechischer Bürger diese Krise und was bedeutet sie für ihn? Der löffelt nämlich mindestens genauso schwer an der Suppe… Das nachfolgende E-Mail hat mich heute erreicht und ich veröffentliche es gerne hier auf meinem Blog. Einfach als kleiner Beitrag aus der Rubrik “Über den Tellerand geschaut”. Vielleicht auch, um die Debatte einmal etwas zu “entpolemisieren” und den Focus auf die ursächlichen Auslöser zu lenklen… Geschrieben hat das E-Mail mein Freund Markus Stolz.

Auswirkungen der Krise – eine persönliche Bestandsaufnahme

Um es gleich vorwegzunehmen, ich möchte hier nicht über die Ursachen der Griechenland Krise schreiben, die Medien waren in den letzten Wochen ja wirklich beschäftigt genug damit. Aber ich denke es ist interessant mal mitzuteilen, welche direkte Einwirkungen die Sparmaßnahmen auf mich und meine Familie haben. Die ersten dieser Maßnahmen wurden übrigens schon im vergangenen Jahr eingeführt.

Erste Anzeichen unseres erhöhten Beitrags an die Staatskassen war im Sommer 2009 die Anordnung einer einmaligen Sonderzahlung jener Haushalte, die im Vorjahr Brutto-Einkünfte von über 60T angegeben hatten. Die Zahlungshöhe wurde von circa 3% – 10% je nach Einkommen gestaffelt. Um dem Bürger diesen unerwarteten Geldabfluss zu erleichtern, durfte man diese Zahlung ratenweise durchführen.

Am Ende des Jahres wurde dann die KfZ-Steuer für Autos ab einer gewissen Motorgröße  drastisch angehoben. Wir besitzen einen Mitsubishi Outlander – nicht weil wir auf mächtige Spritverbraucher stehen, sondern weil wir eine 6-köpfige Familie sind und somit einen 7-Sitzer benötigen. Unsere letzte Rechnung für die jährliche KfZ-Steuer hat sich verdoppelt, hier fliessen mal schnell ein paar hundert Euro aus dem Geldbeutel.

Die Mehrwertsteuer ist von 19% auf nunmehr 23% gesprungen (ab 1. Juli, aktuell 21%). Schon jetzt kommt man aus dem Supermarkt mit 20, 30 oder sogar 40 € teureren Rechnungen und weiss nicht genau warum. Kleine Beträge addieren sich eben ganz gemein im Hintergrund zusammen. Im Servicebereich leidet man noch zusätzlich, weil die Leistungen nach „oben“ aufgerundet werden. Die Autowaschstrasse ist ein einfaches Beispiel einer bis vor wenigen Wochen noch nicht allzu teuren Leistung. Bisher konnte man das Auto (klar, ohne Rechnung) für 11 € waschen lassen, heute wird für ALLES eine Rechnung erstellt. Dabei erlebt man oft, dass versteckte Preiserhöhungen mit reinfliessen. Der Waschstrassenbesitzer stellt nun zwar eine Rechnung mit MwSt aus, aber erhöht auch gleich mal den Grundpreis, da der Konsument ja eh tiefer in die Tasche greifen muss. Statt 11 € „schwarz“ kostet es nun 15 € inklusive Steuern.

Stromkosten wurden um circa 15% angehoben. Darüberhinaus wurde die Rechnung mit neuen Steuerposten ergänzt. Es ist schwierig, den Stromverbrauch zu verringern – wieviel „Waschmaschinengänge“ kann man schon zusammenschmeissen in einem Haushalt mit 4 Kindern?

Jeglicher Genuss wird nun auch bestraft. Eine Schachtel Marlboro kostete Anfang des Jahres 3,20 €. Nach der ersten Tabaksteuererhöhung schossen Preise auf 3,60 € hoch, mit der zweiten in diesem Monat verabschiedeten Erhöhung dürfte die Schachtel wohl deutlich über 4 € kosten, gut 25% mehr als vor wenigen Monaten. Die Steuern auf Alkohol sind noch stärker angezogen. Klar ist der Preis für Zigaretten in absoluten Werten immer noch niedriger als in Deutschland, aber um eine Indikation des Verdienerniveaus zu geben, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass der monatliche Mindestlohn in GR gerade von 740 € auf 640 € GESENKT wurde. Das entspricht circa 520 € netto.

Benzinpreise sind innerhalb weniger Wochen um 50% angestiegen. Das ist kein Tippfehler, ich schreibe es auch gerne nochmal aus – fünfzig Prozent höhere Benzinpreise. Dies ist für mich ein großer Posten, da ich nun mal oft mit dem Auto in Griechenland unterwegs bin, um Weingüter zu besuchen. Ein Besuch bei Kokkalis kostet mich nun 75 € statt 50 €. Dazu kommt noch, dass die Mautgebühren ebenfalls mehr kosten, um beim Kokkalis Beispiel zu bleiben, zahle ich nun über 15 € Maut, statt gut 10 € vorher. Über die zusätzlichen Kerosinkosten, die die Fluggesellschaften nun auf die Passgiere abwickeln werden, mag ich vor meiner nächsten Reise nach Deutschland noch gar nicht nachdenken.

Meine Frau ist Bankangestellte und ein Teil ihres Einkommens wurde früher über einen Bonus bezogen. Ab diesem Jahr wird ein solcher Bonus mit 90% (neunzig Prozent) versteuert! Klar, dass keine Bank einen Bonus zahlen wird, ebenfalls klar, dass die Grundgehälter unverändert bleiben.

Ausserdem werden nun Grundstücke, bzw. Land jeder Art, neu besteuert. Die Rechnung dafür haben wir noch nicht erhalten, es ist noch nicht ganz klar, wie diese Steuer berechnet wird. Ich persönlich würde eine Wiederholung der Sonderzahlung vom letztem Jahr als sehr wahrscheinlich betrachten.

Es herrscht somit große Unsicherheit über die Verfügbarkeit der eigenen finanziellen Mittel. Eins ist klar, unser Leben ist plötzlich um einige hundert Euro im Monat teurer geworden, ohne dafür eine Zusatzleistung erhalten zu haben. Ob die Kinder eine bessere Zukunft dafür bekommen ist sehr wünschenswert, bleibt aber noch abzuwarten.

Trotz all dem bleibt Griechenland ein wunderschönes und faszinierendes Land. Die Sonne lacht uns immer freundlich an, das hilft der Laune immer wieder erneut! Und jetzt gehe ich wieder meinem persönlichen Abenteuer nach, die Weine aus Griechenland der Welt näherzubringen!

8 Kommentare zu “Eine Mail aus Griechenland

  • Pingback: Tweets die Eine Mail aus Griechenland « Würtz-Wein erwähnt -- Topsy.com

  • hans

    @markus stolz
    danke für die beeindruckende liste. sie sollte auch die phantasie anregen zu den ‘grausamkeiten’, die uns hier in deutschland erwarten. sie schlummern noch in diversen regierungsschubladen. es wird aber nicht mehr lange dauern …..
    bleibt die frage: wo bleibt das ganze geld, das wir zusammengekratzt haben? unter welchem hütchen steckt es denn?
    und bleibt die frage: wie leben die vielen griechen und griechinnen, die schon jetzt mindestlohn bekommen (sprich ‘arm’ sind)?
    ansonsten: viel glück beim persönlichen abenteuer!!!
    prost
    hans

    Reply
  • Mario Scheuermann

    Lieber Markus Stolz,
    dass dies sehr drastische Massnahmen sind und die Zeiten hart werden für die meisten Griechen ist leider Fakt. Doch kann ich mir eines nicht verkneifen: wäre man in Griehenland nach 2004 dem Weg gefolgt, den Konstantinos Simitis eingeschlagen hatte, wäre das alles scheibchenweise, wahrscheinlich auch nicht so einschneidend und damit sozial verträglicher gekommen. Aber nach acht Jahren politischer Vernunft wollte die Mehrheit der Griechen wieder die alte populistische Klientelwirtschaft zurück. Dafür kann nun wirklich niemand ausserhalb des Landes etwas. Was mich am meisten an der Sache bedrückt ist, dass all Eure Opfer und die Hilfskredite nichts nützen werden, wenn die Griechen es nicht schaffen ihren politischen Augiasstall auszumisten.

    Reply
  • Markus Stolz

    Lieber Hans, lieber Mario Scheuermann, es bleiben einige Fragen im Raum stehen, die momentan einfach noch nicht beantwortet werden können. Ich gebe allen vollkommen recht, die der Meinung sind, das Veränderungen langfristig durchgeführt werden müssen – ja, der politische “Augiasstall” muss ausgemistet werden.
    Hier sollte man aber zumindest jetzt noch kein Urteil fällen, denn wir werden erst in den kommenden Monaten und Jahren sehen, ob sich hier richtig nachhaltig etwas tut. Es gibt durchaus einen breiten Teil in der Gesellschaft, die sich nach solchen Veränderungen sehnt.

    Reply
  • hans

    @ markus stolz
    ich bin sehr dafür, augiasställe auszumisten (aber überall!!)
    nur dieser deutsche boulevard/stammtischaufschrei “mistet den stall aus” ist doch wohl nur die methode ‘haltet den dieb!’
    die milliarden (angeblich) für griechenland sind bankbürgschaften und steigern den ertragswinkel von banken, sonst nix.
    das fatale an dem ganzen ist, dass niemandem eigentlich mit dem sparen und einschneiden in griechenland geholfen ist. letztendlich niemandem. für die wirtschaft ist es ein stoss in den abgrund. die perspektive auf wachstum wird damit als letztes eröffnet.
    und ich hörte gestern, dass herr karamanlis bei seiner audienz bei frau merkel noch gleich zwei eurofighter mehr bestellt habe ….
    wie krass ist das denn???
    (ich werd mir übrigens mal griechischen wein zulegen!)
    prost
    hans

    ps: die verschuldungswerte der usa sind doch wohl um einiges dramatischer als die in griechenland ….
    griechenland ist unter anderem super für spekulationen, weil es dort schon mal unruhen massiverer art gegeben hat. optimal als spekulationsobjekt.

    Reply
  • hans

    manchmal sind die herren austauschbar. namen tauchen häufiger auf. ‘papandreou’ zum beispiel. aber den blogleserinnen scheint es auch nicht richtig wichtig zu sein.
    aber ich habe eigentlich keine lust mich beim herrn ‘p’ für die verwechslung zu entschuldigen. bei so wenig rückrat vor seinem volk kann ich mir das gut verkneifen …
    prost
    hans

    Reply
  • hans

    @markus stolz
    nach intensiven konsultationen mit psychonanalytikerInnen, psüchologen und anderen experten bin ich zu der selben auffassung gekommen.
    aber irgendwie sieht herr p auch aus, wie ein kleiderständer, der immer nur neue anzüge drauf hat ….
    (der augias lebte ja -glaub ich- in georgien, aber er muss so ähnlich ausgesehen haben)
    aber noch mal danke für deine griechische streichliste!
    im augenblick werden die kontouren der deutschen liste schon etwas deutlicher.
    ähnlichkeiten mit der griechischen sind wohl rein zufällig. die streichlisten werden jetzt noch regional angepasst! angela (oder frau augias) will das ja europaweit koordinieren!!!!!
    immerhin kostet das alles kaufkraft für weinerzeuger und weinverteiler …. wer dann noch einen kredit bei der ertragswinkelbank oder einer seiner ableger hat … prost!
    prost
    hans

    Reply

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>