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STERN vs. Rodenstock – das Magazin legt nach

Wie ich es schon befürchtet geahnt hatte, die Geschichte ist noch lange nicht vorbei. In der heutigen Ausgabe des Hamburger Magazins “STERN” gibt es eine neuen Artikel zu der Thematik. Er heißt: “Jefferson im Westerwald”. Das Ganze gibt es allerdings nur als Print und nicht als Online Version.

Zentraler Punkt des “STERN” -Artikels sind die Gravuren der weltberühmten Jefferson Flaschen. Wie wir bereits hier im Blog berichtet hatten, sind in der neuerlichen Klageschrift des amerikanischen Milliardärs Bill Koch in New York, mehrere Graveure aufgetaucht, die behaupten, die besagten Flaschen mit den Initialen “Th.J” graviert zu haben. Jene Initialen also, die diese Flaschen so überaus wertvoll machen. Der “STERN” hat diese Graveure nun ausfindig gemacht und interviewt. Allem Anschein nach sind diese “STERN” Recherchen auch in die Klageschrift der Amerikaner eingeflossen. Im Hamburger Magazin ist folgendes zulesen:

Die Graveure

„Die habe ich doch gemacht“, sagte der Glasgraveur Harry Müller spontan, als stern-Reporter ihm Fotos der Jefferson-Flaschen zeigten. Müllers Werkstatt liegt in Hellenhahn-Schellenberg, neun Kilometer von Bad Marienberg entfernt. Nach kurzem Schweigen wiederholte er: „Ja, solche wie die hab ich gemacht. Diese auf dem Foto hier tragen zwar nicht alle meine Handschrift, aber bei der da“, wobei er auf eine von zwei Flaschen mit der Aufschrift Lafitte deutete, „bin ich mir ganz sicher: Die ist von mir.“ „Ich hatte meinen Laden 1984 eröffnet“, erinnert sich Müller. „Ein oder zwei Jahre danach kam ein Mann und brachte mir drei, vier alte, mundgeblasene Flaschen – mit einer weiteren als Vorlage, die bereits graviert war. Genauso sollte ich die anderen auch gravieren.“ Er habe das ungern
gemacht, weil die Musterflasche stümperhaft ausgeführt war. Schließlich habe er aber doch ein Diamanträdchen in die Maschine gespannt und die Flaschen wie gewünscht beschriftet, für etwa zwölf Mark pro Stück. Auch Müllers Frau erinnert sich an den Vorgang: „Ich hab die Flaschen persönlich gesehen. Wir fragten uns damals: Wozu soll denn so was gut sein?“ Der Name Rodenstock, allerdings, sagt Müller nichts, und auch auf Fotos konnte er ihn nicht identifizieren. Gesehen hat er den Mann nie wieder.

Das klingt auf den ersten Blick schlecht. Ziemlich schlecht sogar, denn das bedeutet, dass Koch allem Anschein nach Recht hatte. Die Gravuren sind nicht echt. Den Namen Hardy Rodenstock kennt der Graveur allerdings nicht.

Im “STERN” Artikel kommt nun der zweite Graveur zu Wort:

Einen Tag später klopfte der “STERN”  bei dem Glasgraveur Rudolf Förster in Weroth im Westerwald an. Auch ihm legte er Fotos alter gravierter Flaschen vor. Förster verhielt sich zunächst unverbindlich. Es komme ihm da etwas vage bekannt vor, sagte er, er denke mal nach. Wochenlang ließ sich Förster Zeit, er grübelte und beriet sich rechtlich. Hatte er sich damals strafbar gemacht, vor vielen Jahren? Welche Konsequenzen hätte es, gäbe er die Arbeit an den Jefferson-Flaschen zu? Endlich tippte Förster seine Nachricht an die Reporter. „Suchen Sie nicht weiter“, schrieb er per SMS, „ich habe solche Flaschen gemacht.“ Auch der Graveur Förster kennt Hardy Rodenstock nicht.

Wir fassen mal eben kurz zusammen: Zwei Graveure erklären unisono, dass sie die Initialen “Th.J” auf alte Weinflaschen graviert haben. Beide kommen zwar aus der unmittelbaren Nachbarschaft, aber keiner davon kennt Hardy Rodenstock.

Danach folgt ein wirklich spannender Passus im “STERN”: “Förster,der inzwischen einen anderen Beruf ausübt, hatte seine Jefferson-Flaschen für einen gewissen Peter Görner angefertigt, den er von der berühmten Glasfachschule in Hadamar kannte. Es sei um die Zeit der Wende gewesen, 1989/90, als Görner mit sieben alten Flaschen und Vorlagen auf Papier zu ihm gekommen sei, so Förster: „Ich erinnere mich an die Jahreszahlen und an das Buchstabenkürzel Th. J.”

Wir sind hier ja seit Monaten sehr intensiv mit dieser gesamten Thematik beschäftigt, aber wer um Himmels Willen ist dieser Peter Görner. Und wo hatte er diese Flaschen her? Der Name war uns bisher völlig unbekannt. Leider können wir ihn zu dieser Sache nicht befragen, er ist 2008 verstorben…

Weiter geht es im “STERN” Artikel mit einem dritten Graveur, der allerdings mittlerweile auch verstorben ist : “Strüders Werkstatt lag in Bad Marienberg. Rodenstock sei sein Kunde gewesen, in den 80er Jahren, erzählte Strüder den stern-Reportern. Vor allem habe er Karaffen für ihn graviert. Rodenstock habe sich an der Arbeit des Gravierens sehr interessiert gezeigt. Strüder erinnerte sich, dass Rodenstock irgendwann mit einer alten Flasche aufgetaucht sei und auch sie graviert haben wollte, mit einem Wappen. Als Rodenstock die fertige Arbeit entgegengenommen habe, habe er Strüder
gefragt: „Schätzen Sie mal, was die wert ist.“ „Keine Ahnung“, habe Strüder geantwortet. Daraufhin habe Rodenstock gesagt: „100 000 Mark!“ Strüder behauptete, er habe Rodenstock wütend vor die Tür gesetzt und ihm dabei gesagt: „Sind Sie verrückt? Nie hätte ich den Auftrag ausgeführt, wenn ich gewusst hätte, wie teuer die Flasche ist. Auf so einen Wert bin ich gar nicht versichert.“ Eines vergaß Strüder damals in seiner Erregung zu fragen: Wann war die Flasche 100 000 Mark wert – vor der Gravur oder nachher? Vor seinem Tod im März 2010 wurde Strüders Aussage auf Video aufgezeichnet. Rodenstock bestätigt lediglich, dass ein „Herr in Bad Marienberg“ Karaffen für ihn gravierte. Aber keine Flaschen”

Über die gravierten Karaffen haben wir bereits letzte Woche nach einem Gespräch mit Hardy Rodenstock berichtet. Von der Geschichte mit der Flasche haben wir auch schon gehört. Wir glauben sogar zu wissen, um was für ein Flasche es sich hierbei handelt. Allerdings wurde die wohl niemals verkauft, sondern auf dem Château, von dem sie stammte, gemeinsam getrunken.

So viel zu den Flaschen und den Gravuren. Es darf also tatsächlich an der Echtheit der Jefferson-Flaschen gezweifelt werden. Die Frage, die bleibt, ist, wer hat diese Gravuren in Auftrag gegeben? Solange keiner der Graveure den Namen Rodenstock nennt oder gar kennt, gilt hier weiterhin die Unschuldsvermutung.

Im Übrigen sind da immer noch die Jefferson-Flaschen, die vor einigen Jahren auf ebay versteigert wurden. Sie kamen aus dem Osten der Republik, von einem Herren namens Udo Uschner. Uschner hat über mehrere Jahre hinweg sehr viele alte und rare Weine auf ebay verkauft. Eben auch diese Jefferson-Flaschen, die allerdings eindeutig gefälscht waren und als Fälschungen sehr leicht zu erkennen waren. Das war nicht wirklich schlau und geschickt.  Leider kann man mit Herrn Uschner nicht reden, der ist wie vom Erdboden verschluckt. Die Frage, die sich hier stellt, ist, woher hat Herr Uschner alle diese Flaschen? Uschner hat jahrelang sehr viele wertvolle Weine auf ebay verkauft. In der Branche kennt ihn aber absolut niemand. Es gibt keinen Beleg oder Hinweis, woher diese Flaschen stammen. Uschner ist vor ungefähr zehn Jahren im Internet aufgetaucht. Einige Zeit lang war er unregelmäßig im “talk-about-wine” Forum aktiv. Die Themen waren beispielsweise: “Wie verkorkt man alte Flaschen” oder “Wie wurden alte Bleikapseln gefertigt? oder “Woran erkenne ich, ob eine Flasche 1928 Latour echt ist?”  Spannende Themen in diesem gesamten Kontext. Herr Uschner ist angeblich 29 Jahre alt und kommt aus der Nähe von Dresden. Die Vermutung, dass er lediglich ein Strohmann ist, liegt sehr nahe. Wir waren ihm auf den Fersen, dann ist er allerdings vor knapp zwei Wochen komplett verschwunden. Sein Telefonanschluß war abgemeldet… Seine abgelaufenen Versteigerungen auf ebay hat er auch sehr gründlich gelöscht. Einige wenige sind noch sichtbar, zuletzt eine aus dem Januar dieses Jahres. Im Zuge unserer Recherchen kamen wir auch in den Besitz einiger Weinlisten, die Herr Uschner per E-Mail an potentielle Kunden verschickt hatte. Diese Listen sind äußerst spannend, da sehr ungewöhnliche und seltene Weine darauf stehen. Aber auch hier ist die Herkunft der Weine, zur Zeit jedenfalls noch, nicht eindeutig belegbar. Udo Uschner ist, davon sind wir hier mittlerweile überzeugt, eine wichtige Figur in dieser ganzen Geschichte.

Kistenweise Blue Chips

Im weiteren Verlauf des Artikels beschäftigt sich der “STERN” mit den Weinverkäufen von Hardy Rodenstock in den letzten Jahren. Im Bericht ist nachzulesen, dass dem Hamburger Magazin Rechnungen und Frachtpapiere aus dem Zeitraum von 1998 bis 2008 vorliegen. Demnach hat Hardy Rodenstock alte Wein im Wert von mehr als sechs Millionen Euro alleine in die USA verkauft. Hauptsächlich an einen Händler, den “Royal Wine Merchants” in New York, hauptsächlich Großformate besonders gesuchter und sehr teurer bordelaiser Châteaus. Sollten diese Papiere echt sein und die Mengenangaben stimmen, sind die Zahlen in der Tat sehr erstaunlich: “…drei Magnum 1961 Château Pétrus, zwei Magnum 1921 Château Pétrus und eine Flasche ChâteauLafitte des Jahrgangs 11 (1811!). Zwei Tage später gingen zwei weitere Magnum Pétrus raus, diesmal Jahrgang 1921 und 1947. Noch mal zwei Tage später: eine Doppelmagnum 1947 und zwei Magnum 1921, immer Pétrus.” … Der “STERN” hat offenbar das Château Petrus zu diesen Flaschen befragt und berichtet darüber folgendes: “Das betroffene Weingut bezweifelt die Existenz so vieler Großflaschen. „Gerade in den 20er Jahren war Pétrus ein unbekanntes Weingut“, sagt Gutsbesitzer Jean-François Moueix, „für wen hätte man die teuren Großflaschen produzieren sollen? Wir müssen wohl nicht betonen, dass diese Flaschen nie vom Château selbst verkauft wurden.“

Ob Jean-Franςois Moueix mit dieser Aussage richtig liegt ist schwer zu sagen. Einerseits hat er sich schon einmal getäuscht, als er behauptete, Pétrus hätte niemals das alte Format der Marie-Jeanne gefüllt. Andererseits liegen wohl keinerlei Aufzeichnungen über die Abfüllungen des Jahrgangs 1961 vor. Wir haben das gründlich recherchiert und hinterfragt. Derjenige, der bei Pétrus für die Abfüllung des Jahrganges 1961 verantwortlich war, ist schon lange tot. Der frühere Pétrus Direktor Berronet begann mit den Abfüllungen des Jahrgangs 1962 und kann sich weder an die Flaschenanzahl, noch an die Formate des Vorgängerjahrganges erinnern. Schriftliche Belege sind nicht existent oder zugänglich. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Auktionskatalog von Sotheby´s. Dort wird erwähnt, dass es das erste Mal sei, dass Sotheby´s eine Jeroboam Pétrus verkaufe.  Es handelt sich hierbei um einen Wein aus dem Jahr 1945. In dem Katalog steht: “Re-corked an re-capseled at the Château, July 1995. Gleiches gilt für eine ebenfalls angebotene Doppelmagnum und Magnum des gleichen Weins. Ähnliche Angebote sind auch im Katalog des New Yorker Auktionshauses “Acker Merral & Condit Fine Wine Auctions” zu finden. Großflaschen Pétrus aus den Jahrgängen 1921, 1929, 1945, 1947, 1948 und 1949

In den vom “STERN” genannten Unterlagen tauchen zwei weitere, weltberühmte Weine auf. 1945 Château Mouton Rothschild. Einer der legendärsten Weine der Welt. Die Hamburger schreiben dazu: “Andere Weinhersteller schweigen lieber: Mouton-Rothschild etwa. Dabei tauchen auf Rodenstocks Zollpapieren von dem legendären Mouton-Jahrgang 1945 immerhin 83 Großflaschen auf, darunter drei vom Format 4,5-Liter-Jeroboam, von denen überhaupt nur 24 gemacht wurden-vor mehr als 60 Jahren”. Der zweite ist mindestens ebenso legendär und teuer – 1947 Cheval Blanc. Laut dem “STERN” stehen von diesem Wein insgesamt 53 Großflaschen auf den Rechnungen und Frachtpapieren. Das sind Zahlen, die, wenn sie denn echt sind, in der Tat enorm sind. Ganz abgesehen von dem unglaublichen Wert, den diese Weine haben. Solche Weine findet man heutzutage nicht einfach mal eben so in einem Keller. Vor 20 Jahren war das sicherlich noch einfacher, aber heute sind diese Weine vergleichbar mit Goldbarren. Jeder kennt sie, jeder weiß um den Wert. Ob tatsächlich jemals diese Mengen von Pretiosen in Großformate gefüllt wurden, ist annähernd unmöglich zu beweisen. Bei Mouton-Rothschild stehen zwar die Flaschenanzahlen auf dem Etikett, aber das hat nichts zu heißen. Wer solche Weine in derartigen Mengen fälschen und in den Verkehr bringen will, steht allerdings vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Zumindest alleine, ohne die Hilfe beispielsweise eines Châteaus, dürfte das kaum möglich sein. Woher bekommt ein Fälscher die alten Flaschen und die alten Korken? Das Ganze auch noch so, dass es nicht auffällt. Um solche eine Sache in einem derartigen Ausmaß durchzuziehen, benötigt man annähernd mafiose Strukturen, idealerweise in einer Weinbauregion. Alle müssen fehlerfrei funktionieren, keiner darf reden.

Nein, ich glaube nicht, dass es sich hier um gefälschte Flaschen handelt. Auch wenn die vom “STERN” publizierten Mengen gigantisch klingen. Zu einem ähnlichen Schluß kommt dann auch das Hamburger Magazin: “Sind Rodenstocks Flaschen nun alle falsch? Sicher nicht. Sind sie alle echt? Viele in der Weinszene bezweifeln das. Rodenstock dagegen sagt: Alle Weine und Flaschen sind authentisch.

Jedem steht es frei an der Echtheit der Flaschen die Hardy Rodenstock  in die USA verkauft hat zu glauben oder eben nicht. Wir können die Echtheit nicht beweisen, aber den Gegenbeweis bleibt bisher auch jeder andere schuldig.

Man stelle sich bitte einmal vor, was passieren würde, wenn an der Echtheit dieser Flaschen mehr als gezweifelt würde. Der “Fine Wine” Markt wäre am Ende, oder zumindest nachhaltig von einem Tsunami überrollt. Final bleibt nun abzuwarten, ob die Klage, die Koch gegen Christie´s in New York eingereicht hat, auch zugelassen wird. Dann werden die von Koch angeblich zusammengetragenen Beweise öffentlich zugänglich und es darf weiter diskutiert werden.

20 Kommentare zu “STERN vs. Rodenstock – das Magazin legt nach

  • Der Weinfreak

    Das ist ja ein solch spannender Krimi, total fesselnd. Dabei geht es “nur” um Flaschen alten Weins. Wer macht da einmal einen Roman, einen Wirtschaftskrimi daraus? Ich bin gespannt, wie die Geschichte weiter geht!

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  • Alex Koch

    Ja, spannendes Szenario. Für mich sind Weine zum trinken gemacht, daher erscheint mir so ein Zirkus immer als sehr absurd. Es geht um imaginäre Werte, die allerdings verteufelt hoch sind. Man nimmt die Flasche in die Hand, zu öffnen traut man sie sich sowieso nicht, es könnte also Lambrusco drin sein, und je nachdem, ob ein verblichener Ami die Gravur der Buddel in Auftrag gegeben hat oder nicht, ist sie 100000 € mehr oder weniger wert. Die Flasche bleibt indes genau die selbe. Egal, ob man von ihr annimmt, dass sie aus dem 18. Jh und von Jefferson stammt, oder nicht, sie fühlt sich in der Hand genauso an wie sie sich anfühlt. Der Wert sollte eher nach der Qualität des Inhalts bemessen sein. An solchen Spielchen sieht man, dass es letztendlich allein gesellschaftliche Übereinkünfte sind, die preisbestimmend sind. Wenn ein klappriger Ford einmal einem Papst gehört hat, ist er 680000 € wert. Wenn nicht, ist das selbe Auto mit den selben Daten maximal 680 € wert. Amüsant. Und dennoch spannend. Und interessant, wer bei solchen Spielchen mitspielt. ich jedenfalls nicht.

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  • Weinkaiser

    Spannende Geschichte! Hat sich der Stern nach Deinen diversen bisherigen Beiträgen in dieser Sache eigentlich mal bei Dir gemeldet? Offenbar hast Du ja immer wieder Informationen, die der Stern nicht hat (oder zumindest nicht verwendet).

    Denk doch mal über ein Buch zum Thema nach…

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  • pivu

    Zur Frage wer Herr Görner ist: der Name ähnelt Herrn Görke, und dieser ist allseits bekannt. Wer einmal seinen Namen ändert, kann das auch öfter tun. Viel Spaß beim recherchieren weiterhin.

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  • pivu

    @WeinKaiser: in Ö gab’s mal einen Skandal um den ehemaligen Demel-Besitzer Udo Proksch alias Serge Kirchhofer, Stichwort Lucona. Seine story wurde mittlerweile erfolgreich verfilmt. Also die Rechte an der HR Geschichte sollte man sich schon mal sichern.

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  • Der Direttore

    Grundsätzlich ist hier positiv zu vermerken, wie ein Blogger die Kultur des Journalismus wiederherstellt. Während der Stern eher einseitig und parteiisch erscheint, so berichtet Dirk Würtz hier durchaus differenzierter.
    Das muss man sich mal vor Augen nehmen. Fakten, die ein professionelles Magazin, wie der Stern sicherlich auch recherchieren hätte können, werden hier ganz einfach nicht berücksichtigt im gesamten Kontext.
    Gratulation für die erweiterte bzw. klarere Darstellung des Skandals oder des obligatorischen Lüftchens!
    Man weiß es nicht…

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  • Eckhard Supp

    Natürlich kennt auch der Stern die Würtz’schen Fakten, natürlich hätte auch der Stern die Möglichkeit, das Ganze differenziert zu betrachten. Natürlich könnte auch der Stern zu dem Fazit, das ich auch schon vor langer Zeit gezogen habe, kommen, und das heißt: “Man kann weder die Schuld noch die Unschuld Rodenstocks beweisen”, und natürlich weiß auch der Stern, dass in unserem Rechtsstaat bei nicht bewiesener Schuld immer (!) die vollumfängliche (!) Unschuldsvermutung gilt.

    Aber der Stern zieht es vor, mit unbewiesenem, vielleicht auch nie beweisbarem Dreck zu werfen, frei nach der Devise “Irgendwas wird schon hängenbleiben!”. Mir haben in den letzten zwei, drei Jahren wiederholt selbst Kollegen und Sternleser, die eigentlich kritisches Hinterfragen gewohnt sind und die in diesem Fall nicht einmal die “Argumente” des Stern im Einzelnen erinnerten, gesagt: “Aber irgendwas wird doch wohl dran sein, an den Vorwürfen?!?!” Genau an dieser Stelle geht das Kalkül des Stern auf. Eigentlich hat man diese Methoden bislang ja eher der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben zugeschrieben, aber offenbar hat die darauf kein Monopol (mehr).

    Was dahinter steckt, weiß ich genauso wenig wie alle anderen, die das Spiel jetzt schon seit einigen Jahren beobachten. Mir scheint das Ganze jedenfalls weniger ein Fall für den deutschen Presserat als für den Psychiater zu sein, wenn man denn überhaupt eine Publikation kollektiv zum Psychiater schicken kann.

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  • Eckhard Supp

    …. und pivu, wie könnte es anders sein, setzt das Spiel des Stern auf seine Weise fort: Görner klingt so ähnlich wie Görke, das muss des Rätsels Lösung sein! Da frage ich mich doch instinktiv: Klingt Vecchiatto nicht so ähnlich wie der Name eines in Italien steckbrieflich gesuchten Massenmörders? War da nicht was?!

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  • pivu

    @Eckard Supp: den letzen Kommentar hätten Sie sich sparen können, das passt nicht zu Ihnen. Wer mich kennt und v.a. meine Kommentare schon früher zu der ganzen Geschichte kennt, weiß genau, dass ich, als einer der wenigen btw, die Sache von Anfang an, als sich sowohl der Blogwart und andere gewichtige Wein-Web-Leute hinter HR stellten, differenziert und kritisch betrachtet habe. Hätte man auch recherchieren können.

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    • Dirk Würtz Post author

      @pivu
      Ich weiß nicht, ob man das Ganze noch differenzierter betrachten kann, als wir das hier machen. Aussagen Stern – Aussagen Rodenstock. Unaufgeregter und unparteiischer geht es wohl kaum noch…

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  • pivu

    @Dirk: jetzt ja, d’accord, aber als die Sache losging, kann ich mich an statements von Dir über HR wie “kenn ich gut”, “habe denkwürdige Proben mit ihm erlebt”, “kann ich mir nicht vorstellen”, etc. erinnern.

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  • Uwe Bende

    Ich finde das auch weitghehend neutral berichtet von Dirk. Und zur Abwechslung sicher interessant zu lesen.
    Den Beweis einer Fälschung anzutreten dürfte fast unmöglich sein und selbst wenn ein gefälschtes Etikett auf einer Flasche ist weiss man ja noch imemr nicht wer der Fälscher in den vergangenen 50 Jahren gewesen ist. Dennoch ist eine Fälschung keine schwere Sache und auch keine für die unbedingt mafiöse Strukturen von nöten sind. Auch mit kleinen Gruppen und einigen wenigen verschwiegenen Teilhabern kann man so etwas mit entsprechender krimineller Energie unkompliziert schaffen.
    Den Zweifel durch die Aussage woher man an so viele alte Flaschen oder/und Korken bekommen solle kann ich nicht nachvollziehen.
    Vor 20 Jahren war das alles noch viel leichter als heute und dennoch könnte ich aus dem Stehgrgeif rund 100 alte mundegblasene Flaschen die zwischen 120 und 80 Jahre alt sind auf den Tisch stellen. So wie ich eine solche Partie aus einem einzigen belgischen Keller vor wenigen Jahren kaufen konnte konnten das viele vor mir auch. Die Weine mit neuen Etiketten grosser Weine zu versehen wäre mit entsprechendem Ehrgeiz ganz sicher möglich. In diesen, meinen Flaschen, ist leider kein Petrus oder Cheval Blanc und so müssen sie sich auch mit erneuerten Etiketten des tatsächlichen Inhalts aus Burgund schmücken, wenngleich sie auch in Bordeaux abgefüllt wurden.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Uwe Bende
      Du hast recht, eine Fälschung zu beweisen ist fast unmöglich. Ausser es ist ganz plump gemacht wie weiland die 1900 Margaux oder die Jefferson Flaschen auf ebay. Im anderen Punkt möchte ich Dir widersprechen. Erstens würde es um hunderte, bzw. tausende von Flaschen gehen. Zweitens bekommst Du spätestens bei den Korken ein ernsthaftes Problem. Bitte richtig verstehen, ich sage nicht, dass das völlig unmöglich wäre. Aber in diesen Dimensionen brauchst du eine funktionierende Logistik für sowas. Am Besten ein Weingut…

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  • DennyRamone

    Uffmache und gugge. Was hat der Kläger zu verlieren? Er scheint ja davon überzeugt zu sein Mist gekauft zu haben, also aufmachen und analysieren lassen.

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  • Uwe Bende

    Eine Flasche mag man ja noch als Fälschung, wenn sie nicht gut genug gemacht wurde, identifizieren können. Das aber ist nur eiens der Probleme. Dem Fälscher das Fälschen zu beweisen, das ist fast unmöglich!

    Die Flaschenmenge halte ich nach wie vor nicht für das Problem, insbesondere wenn man bedenkt das man auch heute noch auf europäischen Auktionen jederzeit grössere Lots alter ubekannter Weine bekommen kann.

    Man kann absolut alles fälschen und einen Weg zu finden Korken auf alt zu trimmen wird es bestimmt geben.
    Ganz alte Grossformate übrigens sind ja auch von Nicolas bis in die 90er Jahre hinein viele verkauft worden, so dass es auch diese Formate immer auf dem Markt gab.
    So oder so, und ob die ins Vertrauen gezogenen nun mehr oder weniger Leute sein müssten. Machbar ist es, beweisbar kaum.

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  • Sebastian

    Er sammelte schon immer alles was für Weinfälschungen nötigt ist, bis hin zum Depot. Leere Flaschen, Korken etc… Alles was wiederverwendet werden kann wurde gesammelt. Es scheint also durchaus menschen möglich.

    In der ganzen Geschichte spricht objektiv wenig für und viel gegen Herrn R.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Sebastian
      “Möglich” ist grundsätzlich immer alles. Ich habe einige dieser Proben miterlebt und auch ich habe dabei gesehen, dass beispielsweise Korken eingesammelt wurden. Manchmal habe ich dann aber diese Korken bei der nächsten Probe wiedergesehen. Allerdings nicht in einer flasche, sondern als eine Art Collage als Geschenk an den Gastgeber. Da Depot beispielsweise gab es dann am nächsten Morgen auf einer Scheibe Toastbrot… wem es schmeckt…
      Natürlich sieht das “merkwürdig” aus. Wirklich ungewöhnlich ist es allerdings nicht. Insbesondere was die Flaschen angeht. Manche Flaschen sind auch im leeren Zustand sehr viel Geld wert. Deratiges Verhalten kenne ich auch von anderen Proben und anderen Leuten.

      Wie ich schon sagte: Ich halte grundsätzlich immer alles für möglich.

      P.S. Es ist übrigens sehr schade, dass Sie keine korrekte E-Mail-Adresse angegeben haben. Ich hätte mich gerne mit Ihnen unterhalten :-(

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  • Sebastian

    Kein Widerspruch, Einzelaspekte sind immer erklärbar. Es ging mir auch nur darum festzuhalten, dass in seiner Position Weinfälschung kein Hexenwerk ist. Es passt dann auch ins Bild das er angesprochen auf die sensiblen Punkte “wer war der Verkäufer der Jefferson Flaschen”, “Etiketten Druckaufträge”, “Gravuraufträge” sich nur sehr vage und ausweichend erinnern möchte. Keine Vorverurteilung, nur Indizien! Wenn Sie auf Verkostungen dabei waren haben Sie vielleicht weitere Indizien sammeln können; bspw. unerwarteter Geschmack, erstaunlich gut erhaltene Etiketten etc. …oder ganz andere die für ihn sprechen?

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    • Dirk Würtz Post author

      @Sebastian
      Es steht völlig ausser Frage, dass die von Ihnen angemerkten fehlenden Aussagen eher “ungeschickt” sind. Ganz eindeutig sogar. Klar sammele ich Indizien, in beide Richtungen, und wie! Ich versuche die dann immer zu hinterfragen und zu überprüfen. Das ist ein sehr mühsames Spiel, übrigens. Das Problem hierbei ist aber fast immer das Gleiche, leider. Es gibt kaum Leute, die etwas Beweisbares oder Stichhaltiges aussagen können. Meistens sind es Spekulationen und Mutmaßungen. So gut wie jeder glaubt etwas zu wissen, aber wenn ich dann mit diesen Leuten in Kontakt trete, kommt nichts dabei heraus.

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