Seit einigen Tagen überlege ich, ob ich eines der aktuellsten Themen in den Medien hier aufgreife oder nicht. Es geht um die katholische Kirche und die vielen Mißbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen. Ich habe beschlossen es zu tun.
Ich bin katholisch. Ich bin gerne katholisch, quasi ein überzeugter Katholik. So einer, der die evangelischen gerne mal als “Thesenanschläger” oder “Lutheranervolk” bezeichnet. Augenzwinkernd versteht sich, auch wenn manche das mißverstehen und mich für einen “erzkatholischen Betonkopf” halten. Das bin ich nicht. Ich sehe sehr wohl die Probleme, die es in “meiner Kirche” gibt und ich thematisiere die auch. Da, was in der jüngsten Zeit passiert macht mich sehr betroffen und wütend. Ich habe zwei Kinder und muss beim Thema “Kindesmißbrauch” immer aufpassen nicht verbal oder anderweitig Amok zu laufen.
Diese Diskussion die jetzt entstanden ist, macht mich aber auch sehr wütend. Da wird von früh bis spät auf die katholische Kirche und deren Priester geschimpft. Das Zölibat als Wurzel allen Übels dieser Welt genannt. Jeder katholische Geistliche steht im Generalverdacht ein Kinderschänder zu sein. So kann es nicht gehen!
Selbstverständlich ist das, was in katholischen Einrichtungen diesbezüglich ablief eine Schweinerei und in keinster Weise zu entschuldigen. Die katholische Kirche täte gut daran, dieses Thema offensiv und weniger scheinheilig zu bearbeiten um solche Dinge künftig absolut zu vermeiden. Mindestens genauso scheinheilig ist aber die aktuelle Diskussion in der Öffentlichkeit darüber. Der Mißbrauch von Kindern ist kein per se katholisches Problem. Was da passiert ist nichts im Vergleich zum alltäglichen Mißbrauch von Kindern im häuslichen und familiären Umfeld (das macht es natürlich nicht besser). Da liegt das Problem. Wenn man sich mal mit Anwälten, Richtern oder Sozialarbeitern unterhält wird das auch schnell klar.
Dieses widerliche Thema ist kein katholisches sondern ein allgemeines. Oft millieuspezifisch, manchmal aber auch allgegenwärtig. Eine Alibidebatte nach dem Motto “Wir haben es schon immer gewußt, die Priester…” ist Humbug und führt zu gar nichts. Da wird höchstens der ein oder andere froh sein, dass er nicht mehr Focus steht und in das kollektive “Hängt sie auf Geschrei” miteinstimmen kann.
Lesetipp: Broder im Spiegel heute. Sehr intelligent und differenziert…
Mal wieder völlig richtig, lieber Dirk! Der (sic!) Zölibat ist immer gerne ein Argument & Aufhänger für reisserische Diskussionsrunden und Überschriften. Allerdings bekleckert sich die Kirche nicht eben mit Ruhm, wenn es um schnelle Aufklärung geht, von einer professionellen PR bzw. Außendarstellung ganz zu schweigen. Das macht jede noch so stümperhaft agierende pol. Patei besser…
Sexuelle Übergriffe und Nötigung Minderjähriger kommen – und das fehlt leider allzuoft in der Debatte – vor allem im familiären Umfeld und im Bekanntenkreis vor. Es gibt sicher mehr ‘böse Onkels’ (ohne ‘z:-) als böse Pfarrer, wers nicht glaubt kann sich gerne mal die Kriminalstatistik ansehen. Misshandlung von Schutzbefohlenen,auch ohne pädophile Konnotation als Gewalt gegen Kinder ist ein ernstes Problem, über das die einen viel zu gerne und zu lange schweigen, die anderen aber viel zu vorschnell und laut reden, talken und dummschwätzen.
Kleiner, aber lesenswerter Nachtrag zur Kriminalstatistik/Thema Pädophilie
http://www.itp-arcados.net/justiz-ein-blick-in-die-kriminalstatistik.php
Ja Dirk,bin ganz deiner Meinung.Hasse es auch,wenn man alle über einen Kamm
schert.Bin auch Katholisch und glaube an Gott und die katholische Kirche.
Trotzdem darf, ja muss Kritik geäußert werden.Die katholische Kirche muss endlich ihr verschobenes Weltbild über Sexualität und den Umgang mit ihr ablegen.Alle Fälle von Missbrauch müssen offensiv aufgearbeitet werden.
Habe diese Woche im Focus einen Bericht über einen Pfarrer aus München gelesen,der mich sehr beeindruckt hat.Er ist dabei in seiner Gemeinde die
Kirche neu zu erfinden.Das muss meiner Meinung der Weg sein!
“Die katholische Kirche muss endlich …”, “Die katholische Kirche täte gut daran, …”. Fragt sich nur, warum sie nicht “endlich” #gut tut”. Hier liegt doch wohl das wirkliche Problem.
Zwischenfrage: Dass man an Gott glauben kann, will ich gerne verstehen, aber an die katholische Kirche zu glauben, ist für mich ein doch schwer nachvollziehbarer Gedanke, der eine gewisse Hörigkeit und Unterwürfigkeit schon impliziert.
Bei der lächerlichen Diskussion um das noch lächerlichere Zölibat vermute ich dagegen eher, dass sie von den Propagandisten der Kirche selbst gerne so hoch gehängt wird, weil man dann natürlich (und vielleicht sogar zu Recht) im Brustton der Überzeugung, mit Tränen in den Augen und soundsoviel Expertisen in der Hand hervorragend deklamieren kann, das eine habe natürlich mit dem anderen nichts zu tun. Womit dann wohl bewiesen sein soll, dass das Ganze mit der Kirche als Institution ja doch nichts zu tun habe!?!?!
Nein, natürlich gibt es Pädophilie nicht nur in der katholischen Kirche und natürlich findet 95 % des Missbrauchs im Familien- und Bekanntenkreis statt. Nur, und da liegt der Unterschied, haben Familien, Bekanntenkreise, etc. pp eben keine übermächtige Organisation hinter sich, die solche Straftaten auch mal ein paar Jahrzehnte lang verheimlichen kann, und in der die Aufklärer in der Vergangenheit mehr befürchten mussten als die Straftäter (der wurde im schlimmsten Falle einfach in die nächste Institution versetzt, wo er mit Kindern rumfummeln konnte).
Es tut mir Leid. Ich kann nicht 100% zustimmen. Das klingt für mich schon wieder wie Ausreden. Es ist leider natürlich auch der Fall das Mißbrauch von Kindern im häuslichen und familiären Umfeld passiert, aber es gibt ein Unterschied. Priester sollten dei Welt über die Personifikation Vertrauungs. So ein Verbrechen zu verüben ist unverzeihlich. Davon sind wir alle überzeugt. Was am schlimmsten ist, meine meinung nach, ist die Verschleierung. Die die ihre Munden nicht auf gemacht haben sind genau so schuldig. Und der Papst hat die Frechheit noch seien Kopf hoch zu halten. Er ist eine Schande.
Diese abweichendes Verhalten ist kommt veil zu häufig von besonderes in der Katholiche Kirche. Ich finde es nicht nur gut sondern äußerst wichtig das es öfter und in Öfentlichkeit diskutiert werden soll.
@Suze
Ich will hier überhaupt gar nichts beschönigen oder nach Ausreden suchen. Im Gegenteil. Ich finde es acu eine Schande, wenn ein katholischer Geistlicher Schutzbefohlene mißbraucht und hinterher versucht wird alles tozuschweigen. Mir geht es nur darum, dass das alles genauso im Turnverein bei den Pfadfindern oder sonstwo passiert. Das Ganze ist eben kein spezifisch katholisches Problem. Wir sind uns völlig einige, dass gerade in der Kirche der Umgang mit diesem Thema allerdings mehr als grenzwertig ist.
@Eckhard Supp
Wenn man, wie ich, in der katholischen Kirche eine Art Heimstätte sieht, heißt das nicht, dass man unterwürfig oder hörig ist. Der katholische Alltag, beispielsweise in der Heimatgemeinde, hat wenig mit dem zu tun was in Rom passiert. Es gibt sehr viele kritische Katholiken (zu denen zähle ich mich übrigens auch) die gerade weil ihnen etwas an ihrer Kirche liegt, die Diskussion suchen. dass das in einem zweitausend Jahre alten Unternehmen nicht gerade einfach ist, steht außer Frage.
Zum häuslichen Mißbrauch: Natürlich steht da keine mächtige Organisation dahinter, die etwas verschleiert. Nur Tanten, Onkel, Mütter usw die mindestens genauso gut im Schweigen und Verschleiern sind. Die wenigen Mißbrauchsfälle im häuslichen Umfeld die an die Öffentlichkeit gelangen, sind die Spitze des Eisbergs.
Wie gut ginge es der Welt ohne Phanatismus? Und wie oft ist und war die Religion – welche es nun auch ist – Anlass zum Töten und Blutvergiessen. Wieviel Fanatismus kommt durch Religion! Wo ist die Toleranz der Religionen? Sorry….. das einzig Gute in meinen Augen mit der Kirche ist, dass sie den Wein in die Welt getragen hat.
Eine Kirche – welche auch immer – die die von ihr gepredigten Grundsätze nicht selbst befolgt, ist für mich ganz einfach inakzeptabel. Und dass die Kirche als Institution immer wieder diese Fälle gedeckt und vertuscht hat – DAS ist die Sünde schlechthin. Nach dem Falle des Missbrauchs innerhalb der eigenen Familie kommt unmittelbar der Fall des Missbrauchs durch den Kirchenvertreter – eben WEIL jene Gesellschaft predigt was sie predigt. Und niemand und kein Argument der Welt wird mich dazu bringen, die Kirche hier als Opfer der Medienwelt zu sehen. Im Gegenteil: ich hoffe, dass noch viel und lange darüber berichtet wird, damit es endlich, endlich aufhört.
Grüsse aus Schweden, Heike, die übrigens an ihren eigenen Gott glaubt, aber die kirchlichen Institutionen ablehnt
Ja, es ist keine schöne Zeit für die katholische Kirche. Die nun bekannt gewordenen Fälle sind nicht zu entschuldigen. Allerdings ist die nun ausgebrochene Hatz auf katholische Priester genau so fehl am Platz. Insbesondere die nun verbreiteten Nachrichten finde ich besonders hinterhältig. Hier http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/993056 verbreitet Frau Schwarzer im Interview mit Frau Illner, dass die katholische Kirche Anfang der 80er den Pädophilieparagrafen streichen wollten. Soweit ich weiss, war das ein Vorschlag grüner Politiker, aber nicht katholischer Priester. Vielleicht frägt ja mal die katholische Kirche bei Schwarzer nach?
Ich bin sauer. Aus diesem Grund habe ich überlegt, in meinem Blog über die momentane Situation in Deutschland und Österreich zu bloggen. Über Missbräuche an Kindern, die von ihren Aufsichtspersonen missbraucht wurden. Da ich im Moment bei der Presse stellenweise das Gefühl habe, ein paar Überweisungen aus Rom bekommen zu haben für die Aussage “Der Papst setzt sich ganz furchtbar arg ein” wollte ich nach kritischen Stimmen im Netz suchen. Hier habe ich eine gefunden.
Eine Frage, einfach aus Neugier: Wieso ist man katholisch, wenn man mit dem institutionellen Überbau nichts anfangen kann? Was bleibt dann noch von der Besonderheit “Katholisch” im christlichen Glauben?
Was mir als nicht-Christ auch auffällt ist die starke Unterscheidung in Deutschland zwischen “Ich bin katholisch” und “Ich stehe hinter der katholischen Kirche und unserem Oberhaupt in Rom”. Wieso ist das so? Ich kenne keinen kritisch hinterfragenden Menschen der jemals mir erklärt hat, er glaube tatsächlich der Ratzinger wäre unfehlbar und Gottes Stellvertreter auf Erden. Das wundert mich und ich bin für Meinungen immer dankbar.
Zum Thema Missbrauch aktuell in Deutschland.
Auch hier gibt es Dinge, die mich wütend machen und die ich nicht verstehe. Wenn in der Familie der Verdacht besteht, ein Kind wird missbraucht. Das Kind sagt es vielleicht sogar. Dann kommt das Jugendamt, wenn es noch jung ist, dann kommt die Polizei. Das was man in einem Rechtsstaat so als “Ermittlung” bezeichnet. Ich habe hier das Gefühl, dass man erstmal sanft mit der Bischofskonferenz verhandelt und mal schaut, was die so meinen und dann sagt der Papst noch was und man wartet ab. Der Papst hat jetzt von seinem Adjutanten vorlesen lassen, dass er sehr betroffen ist. Der Bischof der vorlas, hat sich ständig verhaspelt, bei “wir sind sehr betroffen” musste er immernoch ablesen. Und die einzige Reaktion, die ich aktuell mitbekomme ist, dass die Leutheuser diesen Bischof eingeladen hat um ihn zu befragen. Daraufhin kam irgendwo die Antwort “Wir sind überrascht, dass sie mit ihm sprechen will, der Gute hat aber leider keine Zeit”.
Argh! Kooperation sieht doch anders aus!
Zur Zeit wird eine wahre Hetzjagd und ein Generalverdacht auf alle Aufsichtspersonen geführt. Hätten die Leute Mistgabeln und Fackeln, der perfekte Mob würde durch Deutschland ziehen. Hexenjagd mal anders. Die Heiden jagen die Christen. Jeder männliche Pädagoge, Priester, Zivi und Ähnliches muss jetzt bei jedem Klaps auf die Schulter aufpassen, dass er nicht mit unter diesen Generalverdacht fällt. Auch hier wieder ein ARGH.
Das jedes Mal das Zölibat rausgekramt wird verstehe ich auch nicht ganz. Meiner Ansicht nach, wie schon eine Vorrednerin sagte, versucht man so, gaaaanz kurze Lösungswege zu kreieren. An Lösungen oder Vorschlägen mangelt es im Moment sowieso. Aber die braucht ein Mob auch nicht. Ein Mob braucht Gesichter. Unterstützt wird dies auch noch von dieser lächerlichen Vorgabe, dass Missbräuche, Vergewaltigungen und ähnliches VERJÄHREN können. Bei wem? Nur bei der Justiz, meiner Meinung nach. Weder Opfer noch Täter hören auf, über solche Taten nachzudenken.
Auf der einen Seite die Hetzjagd, auf der anderen solche Verschleierungstechniken.
Ich habe nicht das Gefühl, dass die Täter momentan behandelt werden, wie normale Familienmitglieder behandelt werden, denen man das Gleiche vorwirft. Warum werden die Täter hier besonders geschützt? Ich glaube, in der katholischen Kirche, der Institution, nicht die Gläubigen und die Priester ganz unten, kommt man nicht in die Position eines Bischofs, wenn man immer mr.super-nett ist.
Man steigt auf, weil man Leute kennt, die einen mögen und unterstützen. Lobbyismus. Brüder verraten einander dann natürlich auch nicht. Und so ist es möglich das Täter und Kollegen sich untereinander in einem Netz verstrickt schützen. Die sind alle so miteinander verbunden, kleine Gefallen hier und da und schon wird am andern Ende des Netzes was Großes vertuscht. Das macht mir Sorge und ich würde mir wirklich eine gründlichere und fairere Aufklärung den Opfern zuliebe wünschen. Es gibt mittlerweile so viele Anzeigen, dass ich auch die Befürchtung hege, dass einige nur auf einen Zug aufspringen um Lehrer reinzureiten, mit denen sie nicht klar kamen. Die ganze Situation ist sehr gefährlich.
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Die Debatte wird sicher noch ein paar Jahre (Jahrhunderte??) so gehen. So sehr ich Menschen mit christlichem (das ist nicht dasselbe wie katholischem!) Glauben respektiere und sowohl privat als auch beruflich immer mit vielen von ihnen gute Erfahrungen gemacht habe, so sehr wird es für mich ein absolutes Mysterium bleiben, wie sich Christen zu dieser Art von zutiefts unchristlichem Potentaten-Apparat bekennen können! Aber sei’s drum!
Sie sprechen mir aus dem Herzen – genau das ist die Gefühlslage, in der ich mich (und tausende andere KAtholiken) derzeit befinden.