Elch-Wein-Test-Johner Tag 2

Neuer Tag neues Glück. Der Elchweintest der Johner Weine geht weiter. Alle Flaschen standen verschlossen fast exakt 24 Stunden in der hiesigen Speisekammer.

Foto (11)2009 Sauvignon Blanc Gladstone, Neuseeland, 14 % Alkohol
Tag 1: Stachelbeere, Pfirsisch, ein Hauch von Leder und deutliche Passionsfrucht. Der erste geschmackliche Eindruck ist sehr zurückhaltend, die Säure ist spürbar, ein Hauch von Bitterkeit hängt sich an meinen Gaumen. Der Alkohol ist kaum spürbar, die Mineralität springt mich an und versucht mich zum trinken zu überreden. Geht nicht, ich bleibe  standhaft, auch wenn der unendlich lange Abgang wie ein kleines Teufelchen mich in Versuchung bringen will. Der Geruch steht im Glas wie ein Monument.
Tag 2: Schon beim Einschenken riecht es gewaltig nach Stachelbeere. Heute kommt ein wenig der Schwefel im Geruch durch und eine neue Komponente erscheint: Zitrusfrüchte. Alles wirkt taufrisch. Der Bitterton im Geschmack hat sich deutlich reduziert. Die Zitrusfrüchte sind nun auch schmeckbar und der Wein ist unverändert lang.
2007 Chardonnay “SJ”, Bischoffingen, 13.5 % Alkohol
Tag 1: Mein erster Gedanke: “Was ist das?”. Ganz ungewöhnliche Gerüche, die mir so eher fremd sind. Nicht unangenehm, einfach nur anders. Beim dritten reinriechen habe ich es gefunden. Ein Hauch von Banane und ganz reife Kiwis. Verrückt! Im Mund eher zurückhaltend und nicht so wirklich lang, eher sogar etwas kurz. Wirkt alles in allem sehr verschlossen.
Tag 2: Heute rieche ich deutlich etwas Holz, die Kiwi ist auch noch da. Der Wein ist nun deutlich präsenter als gestern. Er wirkt auf einmalig sehr cremig und körperreich. Das Öffnen gestern hat ihn deutlich nach vorne gebracht und ich entdecke nun im Geschmack die Banane, die ich gestern gerochen habe. Der Geschmack bleibt ewig an meinem Gaumen kleben.

2005 Blauer Spätburgunder “SJ”, Bischoffingen, 14% Alkohol
Tag 1: OOOOHAAAJAAA… Was für ein Geruch. Schade, dass man Gerüche nicht über das Netz schicken kann. Was für ein Paradebeispiel eine Pinot Nase. Alles da was das Pinot Herz begehrt. Hochkonzentrierte Kirsche, schwarze Beeren, ein Hauch von Filz. Und diese Farbe… perfekt burgundisch. Im Mund zeigt sich, dass der Wein Luft braucht. die bekommt er jetzt ja die nächsten Tage. Tolle und animierende Säure. Ich finde ja Säure beim Pinot noch wichtiger als beim Riesling. Mein Mund wird warm und wärmer und der Geschmack will gar nicht mehr weggehen. Ganz weiche und wollig warme Aromen schmecke ich da
Tag 2: Die Nase ist nicht mehr ganz so expressiv und laut wie gestern. Das ist aber gar nicht unangenehm, im Gegenteil. Der Geruch ist annähernd aristokratisch. Die Kirschen sind anwesend und tanzen mit den schwarzen Beeren Walzer, während die neu hinzugekommene Pflaume eifersüchtig zuschaut. Der Geschmack ist indifferent. Ein wenig stumpf und bitter zunächst, dann kommt die Säure wieder und es wird warm in meinem Mund. Ich spüre ganz leicht einen Luftton, der Alkohol ist sehr präsent. Die Frucht versteckt sich. Mal sehen, ob sie morgen wieder kommt.

2002 Blauer Spätburgunder “SJ”, Bischoffingen, 14% Alkohol

Tag 1: Sehr helles rot und beim ersten reinriechen nicht den Hauch von Alterserscheinung. Sehr eleganter, eher aristokratischer Geruch im Vergleich zum “Anspringer” aus 2005. Geht eher in die feine Cassisabteilung. Auch hier wieder eine ansprechende Säure. Allerdings ist dieser Wein deutlich bitter und die Gerbstoffe sehr präsent. Bin gespannt wie er morgen ist.
Tag 2: Aha… das riecht nach frisch gekochtem Pflaumenkompott mit einem Hauch von Zimt. Das war gestern definitiv nicht so. Keinerlei Alters- oder Luftton. Wirkt total stabil. Ein Hauch von Liebstöckel schleicht sich ein. Die Gerbstoffe sind reduzierter, aber immer noch kräftig. Schmeckt nach Kirsche pur.

2005 Merlot & Cabernet Sauvignon, Bischoffingen, 13,5 % Alkohol

Tag 1: Eines vorweg: Ich bin sehr skeptisch und eher ablehnend wenn es um diese Rebsorten in Deutschland geht. Ich versuche das jetzt ganz objektiv zu machen und öffne einfach mal die Flasche. Im ersten Moment rieche ich Leder und Pflaumenkompott. Letzteres nimmt Überhand. Und irgendwo ist noch eine Frucht versteckt, die ich nicht zuordnen kann. Im Mund entdecke ich dann Paprika und Holunder. Holunder habe ich überhaupt noch nie so wahrgenommen. Der Wein ist sehr kompakt und verschlossen. Die Tannine kratzen ein wenig und ein kleines Bittertönchen tanzt um die schmeckbare Säure.

Tag 2: Ich mache es kurz: Pflaumen, Kirsche, schwarzer Pfeffer. Im Geschmack Paprika, getrocknete Nelken und mächtig Pfeffer. Der Wein ist immer noch verschlossen wie eine Auster…
2008 Cabernet & Merlot “Lyndor”, Neuseeland, 13,5 % Alkohol
Tag 1: So mag ich das: Reife Johannisbeeren und noch irgendetwas rotes, das mich an die kleinen runden Lutscher von früher erinnert. Die mit den grünen Stielen, wenn Ihr wisst was ich meine. Nebenbei riecht es irgendwie auch noch nach Fenchel. Im Mund wirkt er zunächst etwas süßlich, wobei dann ganz schnell der Tanninhammer zuschlägt. Ich zucke in Richtung Dekantierkaraffe, aber das geht ja nicht. Der muss ja in der Flasche bleiben. Im Mund wird es warm und aus den Johannisbeeren werden Kirschen, ganz laaaaange

Tag 2: Der Wein kommt fast lilafarben aus dem Glas. Der rote Lutscher ist immer noch da, der Fenchel auch. Heute ist der Wein noch verschlossener als gestern und die Frucht ist kaum spürbar.

Was ich jetzt gerne trinken würde…

Tag 1: Wenn ich jetzt einen zum leer trinken auswählen sollte, wäre das der 2005 Spätburgunder “SJ”. Mach ich aber nicht, sondern freue mich auf den morgigen Tag 2…
Tag 2: Heute würde ich mich den Rest vom Abend mit dem Sauvigon Blanc vergnügen. Meine Frau nicht mit zustimmend zu…

1 Kommentar »

  1. BS Februar 28, 2010 21:32

    Sehr interessantes Experiment, Würde ich gerne mitmachen ;-)

comments

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