Elch-Wein-Test

Vor kurzem ist eine neue Idee entstanden, der “Elch-Wein-Test”. Angelehnt an den berühmt-berüchtigten “Elchtest”, den weiland die Mercesdes A-Klasse nicht bestanden hat, werden wir ab sofort Weine auf ihre “Standhaftigkeit” testen.Foto (11)Im Einzelnen sieht das wie folgt aus: Wir öffnen eine oder mehrere Flaschen Wein und werden diese jeden Tag verkosten. Solange, bis der Tag gekommen ist, an dem der Wein “umkippt”. Das ist zugegebenermaßen nicht der gewohnte Weg einer Weinverkostung, aber spannend ist es allemal. Im Zeitalter der “gemachten Weine” sollte sich auf diese Art relativ schnell die Spreu vom Weizen trennen.

Natürlich machenwir das nur mit den Weinen der Winzer, die das auch wirklich wollen. Los geht es mit dem geschätzten und geliebten Kollegen Patrick Johner und seinen Weinen vom Weingut  Karl H. Johner und den Weinen aus ihrem Betrieb in Neuseeland.

Tag 1:

2009 Sauvignon Blanc Gladstone, Neuseeland, 14 % Alkohol

Stachelbeere, Pfirsisch, ein Hauch von Leder und deutliche Passionsfrucht. Der erste geschmackliche Eindruck ist sehr zurückhaltend, die Säure ist spürbar, ein Hauch von Bitterkeit hängt sich an meinen Gaumen. Der Alkohol ist kaum spürbar, die Mineralität springt mich an und versucht mich zum trinken zu überreden. Geht nicht, ich bleibe  standhaft, auch wenn der unendlich lange Abgang wie ein kleines Teufelchen mich in Versuchung bringen will. Der Geruch steht im Glas wie ein Monument.

2007 Chardonnay “SJ”, Bischoffingen, 13.5 % Alkohol

Mein erster Gedanke: “Was ist das?”. Ganz ungewöhnliche Gerüche, die mir so eher fremd sind. Nicht unangenehm, einfach nur anders. Beim dritten reinriechen habe ich es gefunden. Ein Hauch von Banane und ganz reife Kiwis. Verrückt! Im Mund eher zurückhaltend und nicht so wirklich lang, eher sogar etwas kurz. Wirkt alles in allem sehr verschlossen.

2005 Blauer Spätburgunder “SJ”, Bischoffingen, 14% Alkohol

OOOOHAAAJAAA… Was für ein Geruch. Schade, dass man Gerüche nicht über das Netz schicken kann. Was für ein Paradebeispiel eine Pinot Nase. Alles da was das Pinot Herz begehrt. Hochkonzentrierte Kirsche, schwarze Beeren, ein Hauch von Filz. Und diese Farbe… perfekt burgundisch. Im Mund zeigt sich, dass der Wein Luft braucht. die bekommt er jetzt ja die nächsten Tage. Tolle und animierende Säure. Ich finde ja Säure beim Pinot noch wichtiger als beim Riesling. Mein Mund wird warm und wärmer und der Geschmack will gar nicht mehr weggehen. Ganz weiche und wollig warme Aromen schmecke ich da

2002 Blauer Spätburgunder “SJ”, Bischoffingen, 14% Alkohol

Sehr helles rot und beim ersten reinriechen nicht den Hauch von Alterserscheinung. Sehr eleganter, eher aristokratischer Geruch im Vergleich zum “Anspringer” aus 2005. Geht eher in die feine Cassisabteilung. Auch hier wieder eine ansprechende Säure. Allerdings ist dieser Wein deutlich bitter und die Gerbstoffe sehr präsent. Bin gespannt wie er morgen ist.

2005 Merlot & Cabernet Sauvignon, Bischoffingen, 13,5 % Alkohol

Eines vorweg: Ich bin sehr skeptisch und eher ablehnend wenn es um diese Rebsorten in Deutschland geht. Ich versuche das jetzt ganz objektiv zu machen und öffne einfach mal die Flasche. Im ersten Moment rieche ich Leder und Pflaumenkompott. Letzteres nimmt Überhand. Und irgendwo ist noch eine Frucht versteckt, die ich nicht zuordnen kann. Im Mund entdecke ich dann Paprika und Holunder. Holunder habe ich überhaupt noch nie so wahrgenommen. Der Wein ist sehr kompakt und verschlossen. Die Tannine kratzen ein wenig und ein kleines Bittertönchen tanzt um die schmeckbare Säure.

2008 Cabernet & Merlot “Lyndor”, Neuseeland, 13,5 % Alkohol

So mag ich das: Reife Johannisbeeren und noch irgendetwas rotes, das mich an die kleinen runden Lutscher von früher erinnert. Die mit den grünen Stielen, wenn Ihr wisst was ich meine. Nebenbei riecht es irgendwie auch noch nach Fenchel. Im Mund wirkt er zunächst etwas süßlich, wobei dann ganz schnell der Tanninhammer zuschlägt. Ich zucke in Richtung Dekantierkaraffe, aber das geht ja nicht. Der muss ja in der Flasche bleiben. Im Mund wird es warm und au den Johannisbeeren werden Kirschen, ganz laaaaange

Wenn ich jetzt einen zum leetrinken auswählen sollte, wäre das der 2005 Spätburgunder “SJ”. Mach ich aber nicht, sondern freue mich auf den morgigen Tag 2…

1 Kommentar »

  1. Markus Stolz Februar 25, 2010 17:56

    Finde das ist eine richtig tolle Sache dieser Elch-Wein-Test. Das dürfte mehr über einen Wein verraten, als jede “normale” Verköstigungsnotiz in der Lage ist. Bin sehr gespannt…

comments

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