heißt es auf dem Titel der neuesten Ausgabe der Weinzeitschrift “VINUM”. Damit startet das Magazin eine neue Artikelreihe, die sich “Grenzgeschichten” nennt. Im vorliegenden Artikel geht es um die Rebsorte Grauburgunder und das Elsass kommt dabei nicht wirklich gut weg. Nicht nur was den Grauburgunder anbelangt, sondern ganz grundsätzlich.
Geschrieben wurde der Artikel von Rudi Knoll, der sich an einer Stelle fragt, ob er “ohne es zu merken in einer Zeitmaschine geraten ist, die mich hier im Elsass zu den badischen Weinen der 70er Jahre zurückversetzt hat”. Weiter schreibt er: “Denn es sind schon, mit Verlaub, sehr merkwürdige Weine, die wir hier aus verhüllten Flaschen probieren: alkoholisch, mit aufgesetzter Süße, klotig und fett, ganz so, wie es früher die Ruländer am Kaiserstuhl waren, ehe die Erzeuger auf derartigen Weinen sitzenblieben…”. Überschrieben ist dieser Beitrag mit den Worten: “Krise im Elsass – Baden im Aufwind”. Knoll beschreibt hier eine Probe in Colmar im Probierraum des Winzerverbandes (CIVA).
Wie es der Teufel will, war ich bei dieser Probe dabei. Dieser Umstand war übrigens ein Zufall, denn ich war zur gleichen Zeit im Elsass unterwegs um für ein neues Projekt zu “recherchieren”. Ich wurde durch den Winzerverband während dieser Reise betreut, “VINUM” hatte natürlich nichts gegen meine Teilnahme, da hat sich diese gemeinsame Probe einfach ergeben.
Um eines gleich zu sagen: Knoll hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass ich ein großer Freund dieser Region und der Weine bin. Bei dieser Probe war ich allerdings reichlich irritiert. Die Weine waren nicht wirklich animierend. Überreif, teilweise sehr muffig, eher einfach und plump und meistens viel zu süß. Ich frage mich ernsthaft, wer an einem Pinot Gris mit 14,5 Prozent Alkohol und 50 Gramm Restzucker Spaß hat. Wann und wozu soll man das trinken? Es ist nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Mehrfach sogar, aber das Ergebnis fiel immer gleich aus. Weine in dieser anachronistischen Machart sind nicht wirklich spannend und trinkfreudig. Ich weiss gar nicht, ob sie es überhaupt jemals waren. Dementsprechen schleppend ist übrigens auch der Absatz dieser Weine. Sie spielen eigentlich kaum noch eine Rolle. Produziert werden sie dennoch und man muss sich ernsthaft fragen warum dies so ist. Eine zufriedenstellende Antwort bekommt man leider nicht auf diese Frage. Das ist schon ein wenig schade, zumal es auch ganz anders gehen könnte und auch geht.
Ich habe außerhalb dieser Verkostung auch einen völlig anderen Typus Pinot Gris verkosten können. Frisch, klar, moderat im Alkohol und nicht so pappsüß. Tolle Weine eben, die animieren und zeigen was diese wunderschöne Region eigentlich kann. Dazu gibt es demnächst auf diesem Blog eine Geschichte über die Weine und auf dem Foto und die Menschen die dahinter stecken…
Lieber Dirk, wir können Dir nur zustimmen. Wenn man genug Mut und Spucke hat, kann man im Elsass großartige Dinge (= Weine) finden. Wir sind auch fündig geworden. Besuchen Mitte März diesen Ausnahme-Winzer und freuen uns schon auf die bereits vorbestellte Ware…