Neue Programme braucht das Land?

Unser “Griechenland Korrespondent” Markus Stolz alias “Elloinos” über ein spannendes Thema

In den vergangenen Wochen habe ich von mehreren Subventionsprogrammen erfahren, die dazu führen sollen, das Imagedefizit der griechischen Weine im Ausland zu verbessern. Ich möchte vorwegnehmen, dass ich bisher vollkommen unabhängig arbeite, und auch keinerlei finanzielle Unterstützung erhalten habe.

1. Athenee Importers Road Show

Athenee Importers ist einer der größten Importeure und Verteiler von griechischen Weinen in den USA. Die Besitzer des familiengeführten Unternehmens sind Griechen, das Unternehmen wird von einer amerikanischen PR Agentur betreut. Athenee Importers arbeiten mit einigen der Topwinzer Griechenlands zusammen. Eine Gruppe dieser Weingüter fliegt nun in die USA, um an einer von Athenee Importers organsierten Road Show teilzunehmen. Diese Road Show wird mit Mitteln der EU und Griechenland finanziert.

Ich persönlich halte eine solche Initiative grundsätzlich für sinnvoll – sollte die Road Show entsprechend gut organisiert sein. Als dieses Event nämlich vor kurzem publik gemacht wurde, waren nur die Presse und der Weinhandel als Besucher erwünscht. Auf meine eigene Initiative hin lässt die beratende PR Agentur nun auch Weinblogger zu. Ich finde es schon interessant, dass die Importfirma letztendlich den größten direkten finanziellen Vorteil haben dürfte…

2. Oinorama

Oinorama ist die größte Weinmesse in Griechenland, sie findet alle 2 Jahre statt. Dieses Jahr wurden mehrere bekannte internationale Weinkritiker/-journalisten eingeladen, die Mittel kamen ebenfalls von der EU.

Ich denke es ist recht gängig in der Weinindustrie solche Leute einzuladen, sprich Flüge, Unterkünfte usw. zu bezahlen. Wenige Publikationen stellen genügend finanzielle Mittel zur Verfügung, damit solche Reisen durchgeführt werden können. Da bleibt eher die Frage zu beantworten, wieviel Einfluss der oder die Person in der Weinwelt hat. Natürlich ist es wünschenswert, dass solche Aktionen dazu führen, dass in bekannten Zeitschriften bzw. Internetpublikationen über die Weine Griechenlands berichtet werden. Allerdings ist ja durchaus so, dass sich bekannte Leute durchaus schon mit der Thematik auseinandergesetzt haben, auf meiner Webseite vernetze ich zu verschiedenen internationalen Fachartikeln, siehe http://www.elloinos.com/influential-voices

3. Altervision/Critical Publics

Dies ist wohl das kostenintensivste der Programme. Altervision (Athen, Thessaloniki und London) gehört einem Griechen. Diese „brand strategy“Gruppe hat ein Etat von knapp EUR 300000 erhalten, um das Image der griechischen Weine vor allem in den Schlüsselmärkten Deutschland, Kanada, USA und Großbritannien zu verbessern. Altervision arbeitet zusammen mit der Schwestergesellschaft Critical Publics (London und Athen). Ein interessantes Konzept ist, dass in ein sogenannter „Wein-Ambassadeur“ im jeweiligen Zielland die Aktivitäten koordinieren soll. Ich wurde übrigens von einem Fachgroßhändler für diese Rolle beim Botschaftsrat für Wirtschaft und Handel der griechischen Botschaft empfohlen  Der griechische Weinverband scheint sich einiges von dieser Kampagne zu versprechen.

Das Projekt ging im September 2008 live, ich habe bisher die Resultate einer „ausführlichen“ SWOT Analyse (SWOT steht für Strenghts, Weaknesses, Opportunities und Threats) studiert. Diese wurde wohl über einen längeren Zeitraum hinweg erstellt, ich konnte leider wenig wirklich neue Informationen bzw. Denkanstösse finden.

Eine der Ideen ist es beispielsweise, griechische Weine in Kategorien wie Award Winners, Organic Wines, Dessert Wines, sowie Discovery Wines einzuteilen. Dies ist für mich unverständlich, so ist die Aussagekraft von Award Weinen (Medaillen) in den vergangenen Jahren extrem strittig geworden. Wer bestimmt welche Weine zu den Discovery Weinen gehört? Streitereien und böses Blut scheinen vorprogammiert zu sein.

Critical Publics erstellt einen wöchentlichen Newsletter, der über globale Weintrends informiert. Leider werden hier lediglich Weinlinks gesammelt, die jeweiligen Artikel in einem PDF file der dann 30 Seiten umfasst abgedruckt. Die links kommen von den übliche Verdächtigen wie FT, WSJ, Decanter etc. sowie amerikanischen Bloggern wie Dr Vino, Vinography… Zu den Weine von Griechenland gibt es hier alle paar Wochen eine spärlichen link. Ich bin mir nicht sicher, welche Strategie hinter diesem Newsletter steckt. Desweiteren wurde für die Exportmärkte ein neuer Slogan entwickelt: „New wines of Greece – Yours to discover“. Ich finde diesen Slogan durchaus ansprechend, aber es kommt letztendlich auf mehr an.

Ich sehe das größte Problem der Wirksamkeit dieser Kampagne in der immensen Zeitplanung. Es gibt eine Anzahl von Phasen, die jeweils mehrere Jahre andauern. Die resultierenden Initiativen sollen dann die nächsten 10 bis 15 Jahre abdecken. Dies ist leider heutzutage einfach unmöglich, so besteht das Internet erst seit circa 15 Jahren, Facebook gab es vor 5 Jahren noch nicht, und vor 2 Jahren wussten die wenigsten Leute was Twitter ist. Doch gerade diese Tools verschieben „klassische“ PR- und Marketingstrategien in einem geradezu atemberaubenden Tempo. Man muss schnell reagieren können um am Ball zu bleiben, ein zweistelliger Planungszeitraum erscheint wenig sinnvoll, es sei denn man wäre in der Lage, diese Dynamik mit einzubeziehen.

Mich interessiert sehr Eure Meinung zu dieser Thematik und hoffe auf eine lebhafte Diskussion.

1 Kommentar »

  1. “Diese „brand strategy“Gruppe hat ein Etat von knapp EUR 300000 erhalten, um das Image der griechischen Weine vor allem in…” – du hast hier nen kleinen fehler :)

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