Wir sind Tuvalu

Dr. Motz einmal ganz anders: Wir sind Tuvalu

Achtung, jetzt wird es ernst. Vielleicht (noch) nicht wirklich für uns, aber zumindest für ein paar unserer Mitmenschen. Auch wenn diese im wörtlichsten Sinne am anderen Ende der Welt leben. Irgendwo ist das aber auch ein Stück weit unsere Welt. Und irgendwo sind es auch unsere Probleme oder dürften es eines Tages werden. Die Rede ist von der bevorstehenden Klimakatastrophe und davon, dass ein ganzes Land im wörtlichen Sinne dem Untergang geweiht ist. Nein, jetzt bitte nicht gleich aufzuhören zu lesen, nur weil die meisten von uns das Thema schon nicht mehr hören können.
fl-tv1Nur weil draußen vor der Tür nun schon seit Wochen frostige Temperaturen herrschen und selbst in klimatisch eher gemäßigten  Breiten eine geschlossene Schneedecke liegt, ist die Sache mit der Erderwärmung leider nicht vom Tisch. Und auch das Argument, dass unsere Nachfahren das Problem dereinst schon zeitnah werden lösen können, taugt nur bedingt dazu, unser Gewissen zu beruhigen.
Auch wenn es ein wenig makaber klingen mag: In dem Fall könnten sich Probleme tatsächliche von ganz allein lösen. Und das endgültig und todsicher. Wenn ein ganzes Land erst einmal von der Landkarte verschwunden ist, dann muss es auch niemand mehr retten. Apokalyptische Schwarzmalerei eines Weltuntergangs-Propheten? Keineswegs. Realistischen Einschätzungen zufolge, wird der im Südwesten des Pazifischen Ozeans gelegene Inselstaat Tuvalu – mit 26 qkm das viertkleinste unabhängige Land der Erde – das Ende dieses Jahrhunderts nicht mehr erleben.

Zugegeben, das werden die meisten von uns auch nicht. Möglicherweise aber unsere Kinder und Enkelkinder. Und diese können sich gegen ihr vermeintliches Schicksal wenigstens wehren. Ihre Altersgenossen auf Tuvalu haben diese Chance nicht. Ihnen bleibt auf absehbare Zeit nur die Flucht ins benachbarte Neuseeland, wo sie schon heute niemand wirklich haben will. Was das alles uns angeht? Auf Tuvalu leben 12.177 Menschen mit einer eigenen Sprache, einer eigenen Währung, eigenen Briefmarken und sogar einer eigenen Internet-Domäne (.tv), die sich innerhalb der letzten Jahre (irgendwie bekomme ich bei dieser Formulierung in Verbindung mit Tuvalu immer wieder Bauchschmerzen) kurioserweise als Haupteinnahmequelle entpuppte. Gerade internationale TV-Anstalten schmücken sich nur zu gern damit.

Hauptexportpartner Tuvalus, das ansonsten in erster Linie vom Handel mit Kopra (getrocknetes Mark der Kokosnuss) und Briefmarken lebt, ist übrigens Deutschland. Das nur um zu verdeutlichen, dass es sich hierbei keineswegs um ein Land von Menschenfressern und Analphabeten handelt, auch wenn dies an der Problematik an sich nichts ändern würde. Apropos nichts ändern: Genau darauf haben sich unsere Politiker auf dem jüngsten Klimagipfel in Kopenhagen geeinigt. Jetzt ist es also an uns, etwas zu tun.

Auch ich weiß, dass keiner allein die Welt retten kann, mit ein bisschen mehr Umweltbewusstsein aber vielleicht ein kleines Stück davon. Und wenn es nur 26 qkm sind. Wie wir das gemeinsamen anpacken? Genau das ist jetzt meine Frage an all diejenigen, die mir bis hierhin immer noch gefolgt sind. Tuvalu ist weit weg und – zumindest mir – doch näher als der drohende Rückgang der Alpengletscher, durch den unsere Enkelkinder eines Tages nur mehr auf Kunstschnee die Pisten werden hinunter wedeln können…

Wer also ist dabei? Lasst uns einen Tuvalu-Freundeskreis gründen oder das Problem auf sonst eine Art und Weise gemeinsam angehen. Anregungen erwünscht.

11 Kommentare »

  1. Christian G.E. Schiller Januar 14, 2010 16:47

    Dein Beitrag ist wie Eulen nach Athen tragen. Nirgendwo ist die Unterstuetzung, etwas gegen den Klimawandel zu tun, so hoch wie in Europa. Niemand tut so viel wie Europa. Deinen Tuvalu Freundeskreis solltest Du in den USA, China und Indien gruenden. Da entscheidet sich, was mit unserer Welt passiert. Aber da ist keiner oder sind nur wenige an dem Tuvalu Freundeskreis interessiert. Cheers. Christian

  2. GodfatherPhilipp Januar 14, 2010 21:36

    Die letzten Worte des Tuvalesen …( oder wie auch immer die Bewohner von Tuvalu heißen mögen) : Blubb, blubb, weg war er …

  3. Chris Januar 14, 2010 22:04

    Vorsicht ! Was folgt ist zugegebenermaßen Polemik. Und wer denn sicher ist, dass ihn meine Polemik nicht trifft, der werfe von mir aus den ersten Stein !
    Tuvalu säuft ab. Warum ? Weil wir ( d.h.: Du!) innerhalb eines, erdgeschichtlich betrachteten, Wimpernschlags an Zeit nahezu die kompletten fossilen Energievorräte verfeuert haben. Tuvalu säuft also letztlich ab, weil wir hier so ein geiles Leben haben. Für unser geiles Leben verhungern übrigens auch unzählige Negerbays jedes Jahr. Oder es versaufen ein paar arme Schweine im Mittelmmer auf dem Weg ins gelobte Europa in dem sie keiner will. Ein Freundeskreis ? Gerne. Aber um denen die den Preis für unseren Wohlstand zahlen mal Danke zu sagen. Helfen aber,- iss nicht. Nicht solange der Preis bezahlt werden muß. Und der wird bezahlt solange wir hier so leben wie wir leben. Das Chinesen und Inder auch so leben wollen wie wir,- wer will’s ihnen verdenken. Wenn wir da mahnend den Finger heben ist das genauso scheinheilig wie über das absaufende Tuvalu zu lamentieren und dann ins Auto zu steigen um ins warme Zuhause zu fahren.
    Sorry, ich weiss das ist hart, aber es musste so raus. Ich kann’s auch nicht lassen und setz noch einen drauf:
    Stoßen wir doch auf die Freundekreisgründung mit ein paar Flaschen südafrikanischen, australischen oder kalifornischen Wein an. Und dann dikutieren wir, was mehr zählt: die vom Export abhängigen Arbeitsplätze in diesen Weinbauregionen oder die miese Co2 Bilanz dieser Weinimporte durch die langen Transportwege ( siehe: Tuvalu ).

    So inzwischen isses kurz nach elfe. Wünsche daher eine angenhme Nachtruhe und allzeit einen gerechten Schlaf.

    Chris

  4. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Wuertz, DennyRamone erwähnt. DennyRamone sagte: @Wuertz i know. tuvalu. http://wuertz-wein.de/wordpress/2010/01/14/wir-sind-tuvalu/ [...]

  5. Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by Wuertz: RT @DennyRamone: @Wuertz i know. tuvalu. http://wuertz-wein.de/wordpress/2010/01/14/wir-sind-tuvalu/

  6. Dr.Christian S. Januar 15, 2010 10:53

    ” Scheiß Kälte – Erderwärmung jetzt “

  7. Vinorein Januar 15, 2010 11:32

    Ich finde entgegen der Meinung von “Christian G.E. Schiller ” nicht das wir uns an die anderen wenden sollten. Nur wir können extrem voran gehen. Kein anderer hat die Mittel dazu. Nur wenn wir voran gehen kann man Länder wie die USA und andere dazu bewegen.
    Weiter so.

  8. obirah Januar 15, 2010 12:10

    Schade, meine Hoffnung, auch im Netz gäbe es eine Art Geschmacksgrenze, die nicht unterschritten werden sollte, wurde durch die Beiträge von Godfather Philipp (der Name spricht für sich!) und Chris leider zerstört. Bedauerlich, dass diesen Leuten hier eine Plattform gegeben wurde, ihren geistigen Unrat loszuwerden.

  9. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Wuertz, Susanne, Nicole Rensmann, Markus Ungerer, DennyRamone und anderen erwähnt. DennyRamone sagte: RT @drsarkozy: Alle reden von #Haiti. Das ist gut so. Aber kennt jemand #Tuvalu ? http://bit.ly/7u5G9A ( via @wuertz ) Bitte RT [...]

  10. drsarkozy Januar 15, 2010 16:20

    Bester Pinot-Noir-Produzent Deutschlands, lieber Dr. Motz

    Traurig aber wahr: Wenn man diese Geschichte im Netz nachvollzieht, wird schnell klar, dass der Untergang Tuvalus schon länger ein Thema ist, welches aber leider nie so wirklich medien- und publikumswirksam hochgekocht wurde.
    Schade für die Tuvalesen, dass der Untergang ihres Lebensraumes so schleichend von Statten geht. Die Medien neigen allenthalben eher dazu, Erdbeben, Tsunamis oder Vulkanausbrüche zur Kenntnis zu nehmen und medientechnisch nach allen Regeln der Kunst auszuschlachten.
    In Tuvalu fliesst kein Blut. Wir sehen nicht die Füsse von Leichen aus Trümmern herausragen, noch Leichenberge sich stapeln auf Strassenkreuzungen. Tuvalu hat nicht derlei ‘Sensationen’.
    Aber: Wir sollten uns klarmachen, dass Tuvalu nur ein Anfang ist.
    Erst verschwanden die Menschen aus dem Paradies und jetzt verschwinden die Paradiese von der Erde. Traurig, aber wahr …
    Gruss
    dr sarkozy

  11. eva Januar 19, 2010 09:34

    Tach blogggwart
    Zu Tuvalu habe ich folgenden m.E. sehr interessanten Artikel vom September 2007 (sic!) entdeckt: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-52909348.html
    Dass sich hier aufgrund des Klimawandels völkerrechtliche Probleme ergeben werden, dürfte wohl den wenigsten bekannt sein.
    Liebe Grüße
    Eva

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