Obwohl es unsere unmittelbaren Nachbarn sind, obwohl die Region so reizvoll ist und obwohl die natürlichen Voraussetzungen für die Weine einfach nur traumhaft sind, das Elsaß und dessen Weine spielen bei uns in Deutschland kaum noch eine Rolle. Das ist sehr schade und das gilt es zu ändern.
Die Situation
„Die Elsässer wissen nicht wer sie sind“. Diesen Satz habe ich mir gemerkt. Gehört habe ich ihn von einem sehr charismatischen und klar denkenden Winzer aus Andlau. Rémy Gresser. Seine Weine sind einer Wohltat. Fein, klar, mineralisch und nicht zu hoch im Alkohol. Was das Wichtigste ist, man kann auf dem Etikett erkennen was man trinkt, trocken oder eben nicht trocken. (dazu mehr im nächsten Beitrag). In den achtziger Jahren haben die Elsässer ganz hervorragende Weine gemacht und sehr erfolgreich exportiert. Insbesondere nach Deutschland. Zu Spitzenzeiten annähernd 200.000 Hektoliter. Danach fingen sie an, warum auch immer, einiges zu verändern. Der Export sank auf aktuell knapp 25.000 Hektoliter (!). Zwar boomt der Crémant, der mittlerweile fast 25 Prozent der Produktion ausmacht, aber es fehlt doch ganz schön was. Woher kommt das? Zum einen ist einer der Hauptexportschlager des Elsass weg gebrochen, der Edelzwicker. Zum anderen gibt es kein wirklich einheitliches Bild des Weines. Nehmen wir mal das Beispiel „Pinot Gris“. 15,2 Prozent der Rebfläche waren 2008 mit Pinot Gris bepflanzt. Während einer großen Probe mit knapp 50 dieser Weine wurde eins schnell klar. Pinot Gris kann alles sein. Trocken, halbtrocken, süß, mit oder ohne Säure, leicht und fruchtig oder mächtig und massiv. Leider ist auf den Etiketten nichts zu erkennen. Selbst am Alkohol lässt sich nicht ablesen ob der Wein trocken oder süß ist. Bei 15 Prozent Alkohol sollte man annehmen, dass der Wein trocken ist. Weit gefehlt. Bis zu 50 Gramm Restzucker hatten wir da teilweise im Glas. So etwas ist schwer zu vermitteln und auch schwer zu verkaufen. Obwohl einige dieser Weine, wie die von Zind-Humbrecht, grandios sind. Hier gibt es einen Handlungsbedarf. Dringend! Es wäre schade, wenn diese Weine in der Welt nicht den ihnen gebührenden Rang einnehmen würden, denn was da teilweise produziert wird ist einfach nur gut. Insbesondere als Speisebegleiter kann der Pinot Gris ganz hervorragend sein.
Sagenhafte Böden
Das Elsaß verfügt über eine Klaviatur von Böden, wie man sie anderswo nur sehr selten vorfindet. Lehm, Kalk, Ton, Granit, Schiefer und sogar vulkanische Böden sind hier zu finden. Ein Paradies für die Reben, das für eine sagenhafte Aromenvielfalt in den Weinen sorgt. Auf wenigen Metern ändern sich die Bodenstrukturen derart, dass der Charakter des Weines völlig andere Dimensionen annimmt. Das ist natürlich nichts Neues und auch bei uns in Deutschland durchaus zu finden. Diejenigen aber, die ihre Böden „verstehen“ und sie zu bearbeiten wissen, werden hier wahrhaft beschenkt.
„Ökoweine“
Die Zahl der ökologisch und bio-dynamisch arbeitenden Betriebe steigt stetig und damit auch die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung der Böden. Das Elsaß ist eine wahres „Ökoparadies“. Die Umstellung auf ökologischen oder bio-dynamischen Weinbau erfolgt hier nicht aus pekunären Gründen oder weil es gerade „chic“ ist. Vielmehr stehen der Respekt vor der Natur, die Nachhaltigkeit und die „Balance“ im Vordergrund. „Balance“ war das Wort, das ich am häufigsten gehört habe. Die Winzer versuchen eine ökologische Balance herzustellen, die sich dann auch in ihren Weinen widerspiegelt.
Im nächsten Blogbeitrag über das Elsaß: „Charakterköpfe – Charakterweine“
Toller Bericht. War auch vor ein paar Tagen da. Hier ist der erste meiner zwei Reiseberichte.
http://schiller-wine.blogspot.com/2010/01/wine-region-world-class-whites-of.html
Sehr schöner Artikel. Auch wir waren im September im Elsaß unterwegs. Einen Artikel dazu findet Ihr hier:
http://www.generation-wein.com/magento/wordpress/?p=118
natürlich ist die umstellung auf öko im elsass nur vom idealismus geprägt. etwas dick aufgetragen, ansonsten interessant.
toller artikel.
Ich kann nur bestätigen Remy Gresser ist ein fantastischer Mensch und Winzer. Sein Können die verschiedenen Lagen in stilistisch saubere Weine einzubinden ist Trinkvergnügen pur.
Wer solche Weine produziert muss ein toller Kerl und Winzer sein, den ich mittlerweile Freund nennen darf .
Schon seine Etiketten heben sich vom angestaubten Image der Region ab und zeigen das dieses Weingut gegen altbekannte Klischees kämpft.Seine Bemühungen und das Wissen um Veränderung im Elsass, gehören zu seinen Herausforderungen, die wohl nicht alle im Nachbarland teilen und so werden es Einzelkämpfer schwer haben.