Mario Scheuermann hat sich auf seinem “drinktank” Gedanken über künftige Trends in der Weinwelt und Weinwirtschaft gemacht. Ausgelöst durch eine Diskussion auf Twitter hat er dann zehn Thesen aufgestellt, die es wert sind, genauer betrachtet und kommentiert zu werden.
Trend 1: Wein wandert weiter nord- und südwärts. Klassische Regionen werden ihren Charakter verändern.
Dieser Trend ist eher ein Fakt. Die Veränderung des Klimas wird in einigen klassischen Regionen den Weinbau annähernd unmöglich machen. Im schlimmsten Fall wird Wasser weltweit zur neuen Währung. Ob diese dann ausgerechnet für den Weinbau eingesetzt wird, ist sicherlich fragwürdig.
Trend 2: Wein wird weiblicher und asiatischer.
Diese These hört man sehr oft, insbesondere was den asiatischen Aspekt angeht. Ich glaube nicht, dass Wein per se asiatischer wird. Sicherlich ist die Nachfrage insbesondere nach Ultra-Premium-Weinen gerade in China immer größer werdend. Ob Wein aus Trauben in China allerdings zum Massengetränk wird, wage ich – alleine schon kulturell - zu bezweifeln.
Trend 3: Noch mehr neue interessante Länder werden auf der Welt-Weinkarte auftauchen z.B. Brasilien, China, Indien.
Das ist sicher richtig.
Trend 4: Spitzenweine aus Bordeaux aber auch aus anderen Appellationen werden für Normalverbraucher vollends unerschwinglich.
Leider sind sie das jetzt schon. Dieser Trend ist auch ein Fakt.
Trend 5: Wein wird an der Basis noch mehr zum global genormten Lifestyle-Getränk in Bags & Boxes.
Das ist ein Trend, der insbesondere im Ausland sehr schön zu erkennen ist. Wo hier in Deutschland noch leicht die Nase gerümpft wird, trinkt man anderswo seinen Alltagswein schon längst aus hübsch designten Boxen. Selbst in Ländern, die als wesentlich stilsicherer gelten als Deutschland. Skandinavien ist so ein Paradebeispiel. Die USA zieht mehr und mehr nach. Hier gehört zum Lifestyle im Übrigen auch ein Umweltaspekt. Da sind BiBs annähernd unschlagbar.
Trend 6: Gleichzeitig wird die Regionalität wieder an Bedeutung gewinnen. Man wird nicht mehr jeden Wein überall bekommen.
Hier möchte ich deutlich widersprechen. Ich glaube, dass die Regionalität leider an Bedeutung verlieren wird. Die Welt ist ein Dorf und jeder will überall und zu jeder Zeit alles konsumieren.
Trend 7: Mehr Nischen: Nachhaltigkeit, Öko und Biodynamisch für LOHAS, Icons für Milliardäre.
Das sehe ich ähnlich, auch wenn ich mir wünschen würde, dass insbesondere der Aspekt der Nachhaltigkeit aus seiner Nische verschwindet und zum Standard wird. Öko und Biodynamisch wird wohl in näherer Zukunft eine Nische bleiben. Hier in Deutschland entscheidet sich der Verbraucher am Regal leider immer noch für konventionelle Produkte, was sicherlich auch eine Preisfrage ist.
Trend 8: die Rhône-Sorten werden sich weltweit noch stärker und erfolgreicher ausbreiten als bisher.
Diesen Trend sehe ich momentan noch nicht. Was sicherlich auch daran liegt, dass ich ihn nicht sehen will…
Trend 9: Riesling war kein Trend, ist kein Trend und wird als künftiger Trend am Klimawandel scheitern.
Das dürfte sicherlich die brisanteste aller Thesen – Trends – sein. Riesling wird in den letzten Jahren gerne zum weltweiten Trend hochstilisiert. Hier geht es um Politik und um die Schaffung eines neuen Wertgefühls. Fakt ist, dass die Nachfrage nach Riesling zunimmt, aber keinesfalls in den Dimensionen, in denen Pinot Grigio (in all seinen Varianten) und Chardonnay nachgefragt wird. Riesling ist ein Nischenprodukt. Ein sehr gutes, eines mit vielen Alleinstellungsmerkmalen. Aber eben kein weltweit wichtiges. Das wird sich wohl auch kaum ändern. Der Klimawandel wird, meiner Meinung nach, allerdings den Riesling nicht zum Scheitern verurteilen. Er wird ihn schlicht und einfach verändern. Den Riesling, so wie wir ihn heute kennen, wird es in 30 Jahren nicht mehr geben. Das, was ihn ausmacht, das Spiel von Süße und Säure, die feine Frucht, wird verschwinden. Riesling wird einen neuen Charakter und ein neues Geschmacksbild bekommen. Das wird allerdings nicht daran liegen, dass sich der Geschmack der Verbraucher ändert, sondern daran, dass die äußeren Umstände sich verändern. Leider! Diese Entwicklung ist bereits in vollem Gange. Man muss sich nur einmal die letzten 15 Jahre betrachten.
Trend 10: Weingenuss wird weniger zeremoniell, weniger kulturell überfrachtet genossen, sondern mit mehr Spass an der Freud.
Bei diesem Trend ist zu hoffen, dass er ganz schnell flächendeckend einsetzt.
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Wuertz und Philipp Breitenfeld, Christian Wolf erwähnt. Christian Wolf sagte: der Dirk zu dem 10 Thesen vom @weinreporter RT @Wuertz: Weintrends für die nächsten 10 Jahre? http://bit.ly/4A64Dy [...]
Hier ist ein interessanter Beitrag vom Britten Tim Atkin zum Thema: http://www.spiralcellars.co.uk/news/wines-of-the-future/