Gegen Ende eines Jahres haben Jahresrückblicke Hochkonjunktur. Ich persönlich mag solche Rückblicke ganz gerne. Insbesondere solche, die ein wenig nachdenklicher sind. Dabei geht es ja meistens um die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Da in meinem Leben der Wein nicht ganz unwichtig ist, wird sich mein Jahresrückblick logischerweise auf den Wein und alles was damit zu tun hat beschränken.
Es war ein spannendes Jahr, das Jahr 2009. In vielerlei Hinsicht. Zum einen war es spannend zu sehen was aus dem doch eher schwierigen Jahrgang 2008 wird. Die Entscheidung diese Weine sehr spät zu füllen um ihnen ein möglichst langes Hefelager zu gönnen hat sich glücklicherweise als richtig erwiesen. Glücklicherweise! Zum anderen war der Herbst 2009, die Ernte, ein echter Glücksfall. Ein wirklich überdurchschnittlicher Jahrgang liegt in den Fässern. Soviel zum technisch wichtigen.
Spannend war das Weinjahr 2009 nicht zuletzt durch die Krise in der sich unsere Land, die ganze Welt befindet. Diese Krise ist natürlich auch bei uns angekommen. Wie könnte es auch anders sein. Warum hätte auch ausgerechnet die Weinwirtschaft verschont bleiben sollen? Die wahren Auswirkungen werden sich wohl erst in den kommenden Monaten final zeigen. Ein Ende ist hier noch nicht in Sicht. Ich weiß, dass das einige ganz anders sehen. Aber ich glaube hier fehlt es ein wenig an Ehrlichkeit. Wie sagt man so schön: „Eine Krise ist auch immer eine Chance!“ Klingt abgedroschen, ist aber so falsch gar nicht. In einer Krise besinnt man sich auf das was man wirklich kann und setzt alle Energien ein um erfolgreich zu sein.
Besonders spannend war zu sehen, wie sich die deutsche Weinszene entwickelt. Für mich ist diese Entwicklung immer drastischer. Das gibt es einerseits die „Onliner“ und andererseits die „Klassiker“. Die Einen ließen selten ein gutes Haar an den Anderen. Das hat sich ein wenig verändert. Der Umgangston ist nicht mehr ganz so rau. Man wird ernst genommen – zwangsläufig – als „Onliner“. Ob einem das gefällt oder nicht. Ich persönlich finde das für mich manchmal etwas schwierig. Ich will gar nicht immer ernst genommen werden. Das schränkt ein und zerstört ein wenig die Kreativität. Aber das ist wohl irgendwie normal. Der „Onlineknoten“ ist in diesem Jahr etwas geplatzt. Die „Twittersau“ wurde durch alle medialen Dörfer getrieben. Social Media und Social Network ist in aller Munde, auch wenn einige den wirklichen Sinn dieser Geschichten wohl noch nicht so ganz verstanden haben. Das macht aber gar nichts, dass ist alles nur noch eine Frage der Zeit.
Ganz beliebt war in diesem Jahr auch der Abgesang auf die Printmedien. Das Jahr neigt sich dem Ende und es gibt sie immer noch. Etwas dezimierter aber dennoch deutlich vorhanden. Ich glaube das wird sich so schnell auch nicht ändern, höchstens ein wenig verschieben. Zumal die meisten „Printler“ sicherlich (hoffentlich) ihre Onlineprojekte schon in der Schublade haben.
Neue Weinonlineprojekte gab es einige im Jahr 2009. Wenige sind wirklich erfolgreich. Für mich war der Höhepunkt eindeutig „Tvino“. Hendrik Thoma hat es geschafft, allen Unkenrufen zum Trotz, gemeinsam mit Hawesko ein wirklich großartiges Portal zu schaffen. Das muss man erstmal hinbekommen. Da hilft nicht nur Geld, dazu gehört viel mehr. Niko Rechenberg aus Berlin hat sein Portal zu einem echten Marktführer in Sachen Wein- und Genußinformation ausgebaut. Auch das verdient allergrößten Respekt. Im Übrigen ist er der erste, der mir einen “offenen Brief” geschriebn hat
Genauso wie der „andere Berliner“, Michael Pleitgen, dessen Blog ein „MUSS“ für jeden aus der Branche geworden ist. Auf unserem Blog hat sich auch einiges getan. Neue Rubriken: Griechenland, MERUM, Elsaß, Südafrika, „…im Gespräch“ und natürlich die Videos. Aber darüber will ich mich jetzt eigentlich gar nicht auslassen.
DAS Aufreger Thema Nummer eins in der Weinszene war in diesem Jahr eindeutig der „Gault Millau“, mit allem was da so dazugehört hatte. Nachzulesen in aller epischster Breite überall im Netz. Was es gebracht hat weiß eigentlich keiner so genau. Warten wir mal ab…
Aufregung war und ist überhaupt so eine Sache im Netz. Ich musste feststellen, dass einige sehr schnell dabei sind wenn es darum geht Dinge falsch zu verstehen, sich über irgendetwas aufzuregen und alles grundsätzlich besser zu wissen und zu können. Für diese Menschen ist das Netz eine ideale Spielwiese. Wie leicht ist es doch sich virtuell zu streiten. Im realen Leben sieht das Ganze dann doch ganz anders aus. Im Netz lässt sich jede Profilneurose ausleben. Bis zur eigenen Unkenntlichkeit. Das nervt mich manchmal ganz gewaltig. Ich gebe es gerne zu. Glücklicherweise kann man sich im virtuellen Leben, genauso wie im realen, seine „Freunde“ aussuchen. Da gibt es immer den passenden Knopf. Von „unfollow“ bis zu „kein Freund mehr“. Sehr praktisch, einfach zu handhaben und selten erklärungsbedürftig.
Wie auch immer. Ich hatte viel Spaß in diesem Jahr im Netz. Ich habe tolle Leute kennen gelernt, ich habe interessante Erfahrungen gemacht und viel gelernt. Fachlich, menschlich und überhaupt. Bevor ich mich nun in die weihnachtliche Besinnung begebe und mich dann auf das kommende Jahr freue, möchte ich mich noch bei einigen Menschen bedanken:
Zuerst bei „meinem“ Dudi. Der Videomann, der alles mitmacht, immer Zeit hat und dem keine Idee zu abstrus erscheint. Bei meinen „Weinkonsaltenzkollegen“ Ultes und Gmall. Kein Videodreh ohne den stoisch ruhigen Weinfachberater und den Fels von Raumveredeler, dem Mann der klaren Worte. Beim Direttore, der mir manchmal vorkommt wie eine 20 Jahre jüngere Ausgabe von mir. Bei meiner Frau, die mich ertragen muss und das allem Anschein nach auch noch gerne macht. Bei allen, die uns hier konstruktiv unterstützen. Insbesondere bei Markus Stolz (Elloinos) und dem „König der Kritik“ Monsignore Rittler von der „MERUM“, der mir in nächtlichen Skype Orgien sagt wo der Hammer hängt. Natürlich auch beim größten Techniker aller Zeiten, Dennis Brücke. Und nicht zuletzt natürlich bei Ihnen und Euch allen, dass wir hier gelesen und geschaut werden.
Ich wünsche Euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest!
…in der Ruhe liegt eben die Kraft.
Frohe Weihnachten dir und deinen Lesern!
Liewer Wärtz, frohe weihnachten, besinnliche zeit und einen guten rutsch in ein gesundes 2010…..
….und weiter so.
wolfgang diel
vielen Dank für die evtl. etwas übertriebene Beschreibung meiner Person
– Ich wünsche Dir Dirk und Deiner Frau, natürlich auch alles beste für das nächste Jahr 2010 und freue mich natürlich auf die weitere Zusammenarbeit mit Dir und der Weinwelt. Gruß Dennis
Lieber Dirk,
damit hast du den Preis für den Jahresrückblick des Jahres verdient
Ich wünsche dir für Blog und Wein alles Gute für 2010, herzliche Grüße, Stefan