da gab es noch keine Großen Gewächse und auch noch keine ersten Gewächse. Aber es gab engagierte Winzer und Betriebe, die sich viele Gedanken um dieses Thema gemacht haben. Die mit Freude und Konzentration versucht haben große trockene Rieslinge mit Format zu produzieren. Heute, mehr als zehn Jahre danach sind diese Weine sehr interessant. Wir hatten die Gelegenheit solche Weine zu probieren.Ich gebe zu, ich war ein wenig skeptisch als mich mein Freund und Weinkonsaltenz-Kollege Michael Gmall am vergangenen Freitag in seinen Keller bat: “Wärtz, kumm mer probiere mol alde troggene Rieslinge vun de Rhoifront”, so seine Aussage. Da ich seinen Hang zu leicht morbiden Gewächsen kenne, pendelte meine Gefühlslage von freudig erregt bis hin zu leicht ängstlich. Um eines vorweg zu schicken. Ich liebe gereifte Rieslinge, in der Regel waren die aber alle mal süß. Bei den trockenen Vertretern bin ich grundsätzlich eher skeptisch. Ich wurde eines Besseren belehrt. Nachfolgend die Weine, ausnahmsweise mal mit Punkten. Aber nur weil sie es sich verdient haben.
Es ging los mit einem 1996 Nackenheim Rothenberg von Gunderloch. Ein Wein mit einer fantastisch klaren Säure, einer enormen Mineralität, einem Hauch von Weihrauch und tropischen Früchten. Und ganz ehrlich: Immer noch viel zu jung um ihn zu trinken. Toll 91/100
Der 1997 Nackenheim Rothenberg, ebenfalls von Gunderloch, war einer Riesling-Offenbarung sehr ähnlich. Ein ganz zartes Petroltönchen, eine Explosion von Zitrusfrüchten, Mangos und vollreifer Honigmelone. Die Säure war perfekt ausbalanciert und die rauchigen Röstaromen haben mich fasziniert. 94/100
1998 Nackenheim Rothenberg war nicht ganz auf dem Niveau der beiden Vorjahre. Was allerdings nicht wirklich dramatisch war. Hier dominierte eine Duft, der mich irgendwie an Birnenkompott erinnerte. Er hatte nicht ganz den letzten finalen Druck und war eher ein eleganterer Vertreter. 89/100
Der 1998 St.Antony Pettental Riesling Spätlese trocken hat mich im ersten Moment so überhaupt gar nicht an einen rheinhessischen Wein erinnert. Ich fühlte mich mehr an die Mosel versetzt, nicht zuletzt wegen der vibrierenden Säure und den minzigen Aromen. Er hatt ein leichtes Bittertönchen, das aber nicht weiter störte. 88/100
2001 St.Antony Pettental war da schon wieder ganz anders. Natürlich spielt da der Jahrgang eine entscheidende Rolle. 2001 ist für mich nach wie vor der beste aller neuen “Jahrhundertjahrgänge”. Auch hier war wieder die Minze und ein Hauch von Menthol zu finden. Nussige Aromen und ein Anklang an Mango haben mich wirklich fasziniert. Er ist eher ein leichter Vertreter seiner Gattung und bereitet er einen enormen Trinkspaß. Nicht nur jetzt, sondern sicherlich auch noch in einigen Jahren. 91/100
2002 St.Antony Pettental ist ein burschikoser Gespiele. Kein wirklich großes Jahr, eher durchschnittlich, ragt dieser Wein doch deutlich hervor. Melonen, Holunder und Waldhonig, alles toll integriert und eine perfekte Säure. 90/100
Dem 2003 St.Antony Pettental merkt man das heiße und trockene Jahr deutlich an. Der Wein ist sehr reif, sehr konzentriert und leicht bitter. 86/100
Alles in Allem eine faszinierende Probe mit Weinen aus einer Zeit des Experimentierens und Selbstfindens. Sehr gelungen das Ganze. Ich bin froh, dass es Leute wie den “Mischel” gibt, die nicht Opfer dieses “Jungweinwegsaufwahnsinns” sind. Danke!
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Wuertz, Philipp Breitenfeld und Michael Gmall, DonSimon erwähnt. DonSimon sagte: RT @mgmall: RT @Wuertz: Es war einmal vor langer Zeit – Probe mit gereiften trockenen Rieslingen http://bit.ly/4RI2IC [...]
Tja, da fehlen nur noch die vom Mathildenhof …. Schade eigentlich, denn gerade diese Weine waren bis 2002 die besten Niersteiner
((
@cj
Die kenne ich leider wirklich nicht. Wo gibt es die noch?