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Der Gault Millau ist da – und wie!!!

Der mit Spannung erwartete neue Weinführer des Gault Millau ist erschienen. Das Buch, das im Sommer für so viel Gesprächsstoff sorgte.gmHeute war es soweit, in Mainz wurde die aktuelle Ausgabe des wohl wichtigsten deutschen Weinführers, des Gault Millau, vorgestellt. Nach einer kleinen Panne in der letzten Woche, einige Exemplare wurde trotz Sperrfrist bereits ausgeliefert, war die Spannung groß und deutlich spürbar. Die am meisten gestellte Frage, “sind die Betriebe, die im Sommer zum Boykott aufgerufen haben, mit ihren aktuellen Weinen im Führer vertreten?”, ist schnell und wie zu erwarten mit einem deutlichen “Ja, sind sie!” zu beantworten. Viel Lärm um nichts also… Da muss dann doch einmal die Frage erlaubt sein, was das Ganze jetzt eigentlich sollte. Die ursprüngliche Intention, die Reformierungund neue Transparenz von Weinbewertungen, ist so nicht mehr zu sehen. Damit dürfte auch dem Letzten klar geworden sein, worum  es da eigentlich ging.

Der, um den es ging, Armin Diel, hat jetzt gut lachen. “Bester Sekt des Jahres” und katapultartiger Aufstieg in den Führer mit vier Trauben. Das dürfte der höchste “Neueinsteiger” aller Zeiten in diesem Buch sein. Die Qualität der Weine taugt allemal, um in dieser Liga mitzuspielen. Für mich ist das Schloßgut Diel schon lange eines der führenden Weingüter im Land. Der Sekt ist einer der herausragensten Sekte, die ich in den letzten Jahren verkosten durfte. Ich hätte allerdings mit einer Traubenbewertung noch ein wenig gewartet. Alleine schon, um allen Verschwörungstheoretikern dieser Weinwelt den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das wird bestimmt noch spannende Diskussionen nach sich ziehen.

Die eigentliche Geschichte im neuen Weinführer, neben der Tatsache, dass die “Renegatenweine” alle verkostet sind, ist aber eine andere. Am Anfang des Buches ist eine Bestenliste, “Bisherige Spitzenreiter – die besten im Laufe der Jahre”. Bisher begann diese Liste mit dem Jahr 1994 und endete im Jahr 2009. Schaut man sich diese Liste an, ist das quasi das “who is who” des deutschen Weinbaus. Und genau hier ist die Geschichte. Diese Liste beginnt jetzt erst im Jahr 2001! Und siehe da, die Rangliste der deutschen Spitzenwinzer verschiebt sich.

Unangefochtener, unerreichter und absolut verdienter Spitzenreiter ist logischerweise das Weingut Keller aus Flörsheim-Dalsheim. Keller hat annähernd doppelt so viele Siegerweine wie der zweitplatzierte, das Weingut Rebholz aus der Pfalz. Emrich-Schönleber an Platz drei ist genauso nachvollziehbar wie der deutliche Aufstieg von Molitor unter die besten sechs.

In der 30 Plätze umfassenden Bestenliste kommt Heger überhaupt nicht mehr vor, ebenso wie Johner, Meyer-Näkel, Bercher und Künstler. Andere aus dem “Sommertheater” bekannte Namen sind deutlich nach hinten gerutscht. Diese Liste klingt ziemlich bekannt, ist sie doch im wesentlichen identisch mit der Liste derjenigen, die zum Boykott des Weinführers aufgerufen haben. Hier werden jetzt sicherlich einige versuchen, einen Zusammenhang zu finden. Um auch gleich hier ein wenig deeskalierend im Vorfeld zu wirken: Diesen Zusammenhang gibt es nicht! Diese Weingüter hatten in der letzten Dekade einfach nicht mehr diese große Anzahl von Siegerweinen, wie es noch in den 90iger Jahren der Fall war. Man könnte höchstens über den Zeitpunkt der Aktualisierung dieser Liste spekulieren.

Was ich im Zusammenhang mit dieser “Bestenliste” allerdings vermisse sind einige klar und deutliche Worte zu der davorliegenden Dekade. Wenn wie im Buch geschrieben: “bewusst auf die Meriten der 90iger Jahre verzichtet wird”, so sind diese doch deshalb noch lange nicht  nicht mehr existent. Wenn man in diesem Buch allen möglichen Dingen einen Platz einräumt, hätte eine gegenüberliegende Seite mit den “all-time-best” sicher auch keinen Platz gestohlen.

Ich möchte jetzt aber keine Diskussion über einzelne Bewertungen anzetteln. Das überlasse ich anderen. Wir konzentrieren uns hier auf das Wesentliche. Aus diesem Grund haben wir auch einige Gespräche auf der heutigen Präsentation geführt, die wir diese Woche noch im Videobereich auf den Blog stellen werden. Ihr/Sie dürft/dürfen gespannt sein. Insbesondere auf das mit Armin Diel…

Hier noch, der guten Ordnung zu Liebe, die Sieger der einzelnen Kategorien:

Winzer des Jahres: Tim Fröhlich vom Weingut Schäfer-Fröhlich

Aufsteiger des Jahres: Weingut Gleichenstein aus Baden

Entdeckung des Jahres: Eva Vollmer aus Rheinhessen

Kollektion des Jahres: Bürklin-Wolf

3 Kommentare zu “Der Gault Millau ist da – und wie!!!

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