Ganz persönliche Gedanken zum Freitod des Fußballprofis
Ich gebe es ganz ehrlich zu, ich bin zutiefst erschüttert. Ich bin kein Fan von Hannover 96. Ich war auch nie der Ansicht, dass Enke der beste Torhüter im Land ist (das kann nur Tim Wiese sein!!!!). Aber ich habe schon immer mit großer Aufmerksamkeit die Karriere des Robert Enke verfolgt. Warum? Ich kann es gar nicht genau sagen. Einerseits fand ich ihn immer irgendwie “tragisch”, andererseits empfand ich ihn auch als großen Kämpfer. Selbst als seine Karriere in Spanien einen “Knick” bekam, kämpfte er sich wieder zurück. Natürlich habe ich auch die Geschichte über die Krankheit und den Tod seiner Tochter in den Medien verfolgt. Nicht als Fußballfan, sondern als Vater zweier Kinder. Eines davon ein Mädchen, exakt im gleichen Alter wie seine Tochter. Ich konnte mir nie vorstellen, wie man nach einem derartigen Verlust hochkonzentriert in so etwas unwichtigem wie einem Fußballtor stehen konnte. Der Tod eines Kindes ist für mich der schlimmste aller vorstellbaren Alpträume.
Danach dachte ich eigentlich, dass dieser Enke ein ganz harter und unzerstörbarer ist. So kann man sich täuschen.
Überhaupt habe ich ein Bild von Fußballprofis, dass wohl einer dringender Überarbeitung bedarf. Gut, da war schon mal die Geschichte mit dem Deissler von den Bayern. Psychotherapie, Kur und so weiter. Aber der sah auch irgendwie schon so “zart” aus und wirkte eben leicht sensibel. Eine Ausnahme, dachte ich. Dem ist wohl nicht so. Enke, so ist jetzt zu lesen, war in Behandlung. Sicherlich beschäftigen alle Proficlubs heutzutage Sportpsychologen. Bei dem Druck, der auf Profis lastet ist das sicherlich auch ganz richtig. Aber kümmern die sich auch um das, was außerhalb des Platzes passiert? Wenn ich mir so manchen Profi heute mal kritisch anschaue, wäre das sicherlich nicht die dümmste aller Ideen.
In dem Kontext fällt mir eine Frage ein, die ich mir auch schon lange stelle. Bei insgesamt 36 Mannschaften in der ersten und zweiten Liga mit einem Kader von durchschnittlich über 20 Mann hat man doch so etwas wie einen repräsentativen gesellschaftlichen Querschnitt. Oder? Ich glaube eigentlich schon! Wie steht es denn eigentlich dann da mit so Dingen wie Homosexualität? Findet das bei Fußballprofis nicht statt? Sind das alles Heten? Gibt es da irgendwelche Infos, außer den üblichen Gerüchten? Wie gehen die denn damit um? In diesem Superobermachomännersport…
Nachtrag: Was ich damit zum Ausdruck bringen wollte, ist die Tatsache, dass man in dem Superspektakel Fußball schnell vergisst, dass es sich bei allen Protagonisten nicht um unzerstörbare Superhelden handelt, sondern um Menschen wie Du und Ich. Sie haben einfach nur eine bestimmte Begagbung, sind aber ansonsten ganz normal! GANZ NORMAL!!!
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Wuertz und Wuertz, drsarkozy erwähnt. drsarkozy sagte: Gedanken zum Freitod von Robert Enke http://bit.ly/1X6PPt mit leicht pietätlosem letzten Textabsatz… ( via @wuertz ) Naja,Geschmacksfrage [...]
…schlicht Menschen – wie so viele andere, denen man das Menschsein mit all seinen Wundern und Verletzlichkeiten so leicht und gerne abspricht: Manager, Politiker, Macher………
Als Vater von zwei kleinen Kindern und dem Fussball nicht abgeneigt, habe ich gestern auch erstmal richtig schlucken müssen. Ich will mir gar nicht vorstellen wie sich Robert Enke nach dem Tod seiner Tochter wohl gefühlt hat. Ein Ereignis, dass einem vor Augen führt, dass das Leben ganz schnell eine bitter Wendung nehmen kann, und dass Glück und Gesundheit wichtiger sind als Erfolg und materielle Dinge.
Viele Sportler Leben zwei Leben, das eine mit der sportlichen Ausstrahlung und das andere ganz private. Lässt die Ausstrahlung nach und die persönliche Definition über den Sport, dann streikt oft die Psyche, weil man in ein Loch fällt. Ich habe selbst in meiner Aktiven Zeit oft unter Depressionen gelitten, da außer Sport nichts war. Die Familie gibt mir jetzt den Halt den ich brauche. Wie du könnte ich es wohl kaum verarbeiten wenn mein Kind sterben würde.
Ist sitmme Dir voll zu … man sollte bei Profi-Fußballern – oder generell bei Prominenten – nicht vergessen, dass auch sie eigentlich nur ganz normale Menschen sind.
Widersprechen muss ich Dir nur bei der repräsentativen Masse der Fußballspieler … repräsentativ sind sie keinesfalls, im Gegenteil. Ausschließlich Männer, großteils im Alter von 20-35 Jahren, die Interessen wohl sehr gruppenorientiert … kein guter Querschnitt durch unsere Gesellschaft.
Ich habe lange überlegt ob ich mich hier auch zum Thema Robert Enke äußern sollte. Ich finde es auch sehr tragisch. Aber ist der Fußball mit seinen Managern, Präsidenten usw. jetzt Schuld? Hätte ein Robert Enke nicht an seine Gesundheit denken müssen und eventuell auf die Profikarriere verzichten sollen. Ich sage da nur Hut ab vor Deissler.