Wie immer von Markus Stolz alias Elloinos…
Der Peloponnes ist der am südlichsten gelegene Teil des griechischen Festlands. Mehrere Gebirge überragen die 2000 Meter Grenze und es befinden sich nur wenige flache Zonen in diesem Gebiet. Das Klima kann man als Mediterranisch bezeichnen – ein typisches Jahr ist von einem milden Winter, kurzen Frühling, heißen und trockenen Sommer, und einem langanhaltenden Herbst geprägt. Allerdings gibt es doch prägnante Unterschiede, beispielsweise beträgt der jährliche Niederschlag in Nemea nur 45% von dem in Pyrgos. Durch die zumeist kargen Böden beschränkt sich die Landwirtschaft fast nur auf den Weinbau. Insgesamt ist der Peloponnes in 7 Präfekturen aufgeteilt: Argolis, Arkadien, Korinth, Lakonien, Messinien, Achaia und Elis.
Man geht davon aus, dass der Peloponnes eines der ersten Gebiete überhaupt war, auf denen Rebstöcke systematisch angepflanzt wurden. Der Weinbau besteht seit mindestens 4000 Jahren. Der historische Höhepunkt kam im Mittelalter, als die Malavasia Weine aus Lakonien weltbekannt wurden. Die Türken besetzten später für über 200 Jahre große Teile Griechenlands, und der Weinbau lag unter der strengen Herrschaft brach. Erst nach dem zweiten Weltkrieg setzte eine richtige Erholung ein, in den vergangenen 25 Jahre brach eine neue Ära an. Heute befinden sich einige der dynamischsten und bekanntesten Weinproduzenten des Landes in dieser Region. Vor allem die letzte Dekade man kann in dem nördlichen Teil nur als „fast and furious“ bezeichnen. Der südliche Teil dagegen ist noch weitgehend unentdeckt und bietet Spannung pur. Im folgenden stelle ich die verschiedenen Appellationszonen vor:
Nemea
Nemea gehört zu der Präfektur von Korinth und ist einer der Kronjuwelen Südgriechenlands. Die rote Rebsorte Agiorgitiko ist der König. Agiorgitiko besitzt einen Charme, der fast alle Weintrinker anspricht. Die Farbe ist recht tief, die Aromen umfassen frische rote Beeren und süße Gewürznoten. Der Wein ist vollmundig und zugleich samtig weich. Er kann in verschiedenen Stilen produziert werden: Vom Beaujolais Noveau Stil, über fruchtbetonte Weine die im Stahltank reifen, bis zu tanninhaltigen Monsterweinen die in neuen Holzfässern reifen ist alles machbar. Roséweine sind extrem fruchtig und bestechen mit ihrer frischen Säure. Ich habe bisher noch niemanden kennengelernt, dem diese Weine nicht gefallen haben. Interessanter Fakt ist, dass die Weinlese in Nemea aufgrund der unterschiedlichen Höhenlagen meist über 30 bis 40 Tage hinweg stattfindet. Es gibt viele Produzenten in Nemea, herausheben möchte ich Driopi, Gaia und Palivos.
Argolis
Argolis liegt etwas südlich von Korinth und grenzt an Arkadien. Obwohl es hier keine eigene Appellation gibt, sollte man dieses Gebiet erwähnen. In der Gegend um Argos befinden sich mit Aivalis, Skouras und Papantonis 3 Top-Winzer.
Mantinia
Mantinia liegt in Arkadien, südlich von Nemea. Die durchschnittliche Höhe der Weinberge beträgt 600 Meter. Aus der rosafarbene Moschofilero Traube werden hier aromatische Weißweine hergestellt. 85% der Weinberge sind mit dieser Rebsorte bepflanzt. Das Klima ist merklich kühler, die Luftfeuchtigkeit aber gering. Dadurch werden die Trauben weniger oft von Krankheiten befallen. Dies hat dazu geführt, dass sehr oft organisch und biodynamisch gearbeitet wird. Moschofilero Weine aus Mantinia sind fast ein wenig untypisch für das Land, man würde sie eher vom Stil her im Elsaß vermuten. Genau das macht die Weine so spannend. Bei den Produzenten sollte man sich an Tselepos und Spiropoulos halten.
Lakonien
Lakonien liegt im südlichsten Teil der Peloponnes. Hier befindet sich das kleinste Weinanbaugebiet der Peloponnes. Der kommerzielle Weinbau konnte sich auch nach der Beendigung der türkischen Besatzung in 1828 nicht erholen. Viele Familien haben jedoch seit Generationen Wein für den Eigenkonsum hergestellt. Erst seit 1990 gibt es hier wieder richtige Weingüter. Das Gebiet gleicht einer Schatzkammer für den Weinliebhaber, denn hier sind viele autochthone Rebsorten zu Hause, die man sonst nirgendwo finden kann. Es werden über 10 Rebsorten angebaut, die in 100 km Entfernung gänzlich unbekannt sind. Und aus diesen Rebsorten werden unglaublich faszinierende Weine gemacht. Für mich ist dieses Gebiet stark am kommen. Weingüter die Qualität liefern: Vatistas, Theodorakakou, Weingut Monemvasia.
Messinien
Messinien befindet sich im Südwesten. Erst seit 1985 wird Wein in Flaschen abgefüllt. Ausser einigen heimischen Rebsorten wird verstärkt auf internationale Rebsorten gesetzt. Einer der besten Produzenten ist sicherlich Tsolis.
Elis
Elis mit der regionalen Hauptstadt Pyrgos findet man im Nordwesten. Bis vor 20 Jahren gab es auch hier nur wenige Produzenten, die Weine in Flaschen abfüllten. Die besten Produzenten sind Christos Kokkalis und das Weingut Mercouri, wobei letzteres interssanterweise mit einigen italienischen Rebsorten arbeitet.
Achaia
Achaia mit der prominenten Hauptstadt Patras liegt an der nördlichen Küste, zwischen Elis und Korinth. Die meisten Weinberge liegen an Gebirgshängen. Die besten weißen Roditisweine kommen aus diesem Gebiet. Gut gemachte Roditisweine sind sehr typisch und ein Maßstab für moderne griechische Weine. Vollmundig mit intensiven Aromen von reifen Zitrusfrüchten vom ersten Schluck bis zum Nachhall. Über die Grenzen hinaus bekannt sind die Süßweine aus Patras, die aus der Mavrodaphne Traube hergestellt werden. Antonopoulos, Parparousis, und das neue Weingut Tetramythos produzieren Top- Qualitäten.
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toller Bericht. Endlich einmal etwas mehr Transparenz im griechischen Weinanbau. Jetzt fehlt nur noch eine interaktiver Weinanbaukarte
google earth reicht leider nicht
Ich freue mich immer sehr über jedes feedback, und ein Lob sehe nicht als selbstverständlich an, vielen Dank dafür. Mehr Transparenz für den griechischen Weinbau zu schaffen ist genau das Ziel mit diesen Gastbeiträgen. Die Gestaltung einer interaktive Weinbaukarte ist ein toller Vorschlag, ich werde dies notieren. Leider ist meine Projektliste momentan schon sehr voll, aber für die nähere Zukunft wäre dies auf jeden Fall wünschenswert.
oh di grichen machen trinkbare weine nicht nur gehazten süßstof?