Gestern war die offizielle Premiere der Großen Gewächse des VDP aus dem Jahrgang 2008. In den altehrwürdigen Mauern des Klosters Eberbach, gab es die Gelegenheit eine beeindruckend große Anzahl die “Spitzengewächse” zu probieren.
Die Intention der Großen Gewächse, oder “ersten Lagen” ist recht einfach. Aus den besten Weinbergen Deutschlands sollen die besten Weine kommen. In der Regel sind sie trocken, es gibt aber auch süße Prädikatsweine. So weit, so gut. Sicherlich kann man sagen, dass die besten Vertreter dieser Weine zweifellos zu den besten Weinen Deutschlands gehören. Auch in einem so schwierigen Jahr wie das 2008 der Fall war. Da gab es einige Weine, die wirklich großartig waren. Das Gegenteil war leider aber auch der Fall. Weine, die für unser subjektives Dafürhalten, weit weg von “groß” waren, ganz weit weg… Da hätte man doch bei dem ein oder anderen besser auf ein “Großes Gewächs” verzichtet. Verzicht ist auch eine Form von Größe…
Da wir hier ja Mitbewerber sind, bechränken wir uns in der Beschreibung auf die Weine, die wir herausragend und gut fanden. Was nicht heißt, dass die hier nicht erwähnten automatisch schlecht sind. Nur mal so zur Erklärung:
Rheinhessen
Ganz herausragend der Riesling “Brunnenhäuschen” von Wittmann. Einer der besten, vielleicht sogar der beste Riesling der gestrigen Probe. Ein Monument, das an Finesse, Eleganz, Kraft und Spiel kaum noch zu überbieten ist. Traumhaft in Textur und Frucht, unendlich im Abgang. Großes Riesling Kino! Ein weitere absolut würdiger Vertreter eines Großen Gewächs ist der Riesling Pettenthal von Gunderloch. Ein wahrhaftiger Aristokrat und Schöngeist. Jeder Schluck ein echtes Vergnügen. Aus der gleichen Lage, aber doch ganz anders der Riesling Pettenthal von Kühling-Gillot. Sehr cremig und unglaublich druckvoll. Ein Paradebeispiel für einen ganz feinen Spätburgunder gab es bei Gutzler. Der Morstein 2007 hat alles, was man von einem Pinot erwartet. Eine grandiose Frucht, Finesse und Eleganz und ein kleines Stück Stoff zum träumen…
Nahe
An der Nahe gab es vier Weine, die uns besonders auffielen. Wobei schwer zu sagen ist, wer davon der Primus ist. Vielleicht mit einem klitzekleinen Hauch Vorsprung der Riesling Halenberg von Emmrich-Schönleber. Ein Monument, ein Monolith, eine Wein aus einem anderen Universum. Grandios, geht nicht mehr besser, nur noch anders. Dicht gefolgt von dem Frühlingsplätzchen aus dem gleichen Haus und den beiden Diel´schen Weinen Burgberg und Schloßberg. Ersterer, der Burgberg ist momentan unser Favorit.
Rheingau
Wir müssen ehrlich zugeben, hier haben wir uns ein wenig schwer getan. Es hat den Anschein, als ob das Rheingau mehr mit dem Jahrgang zu kämpfen hatte, als beispielsweise Rheinhessen oder die Nahe. Es gab doch aber einige exzellente Weine. Über allen thront der Gräfenberg von Robert Weil. Eine Ausgeburt an Minerälität und Finesse. Dicht gefolgt vom Schloss Johannisberg. Ein tropisches Fruchtbömbchen, dieser Wein. Nicht aufdringlich oder ordinär, vielmehr geschliffen und akzentuiert. Toll! Sehr gut auch der Riesling aus der Hölle von Franz Künstler und der Lenchen “Rosengarten” vom Weingut Spreitzer.
Pfalz
Ach ja, die Pfalz, die Heimat… Aus der Pfalz kommen wohl quantitativ die meisten der Großen Gewächse. Qualitativ war das auch meistens sehr ansprechend. Das Weingut Mosbacher hat mit seinem Freundstück einen Wein produziert, der ein derartiges Trinkvergnügen bereitet, das es nur schwer zu beschreiben ist. Jeder Schluck macht Spaß und Lust auf mehr… Mit dem Ungeheuer ging es uns ähnlich. Großer Stoff zum träumen ist der Riesling Kastanienbusch von Rebholz. Ein Riese, der im Babystadium ist und darauf wartet, eines Tages, in vielen Jahren, der Welt zu zeigen wie Riesling schmecken kann, wenn man weiss wie es geht… Das wird er dann sicher zusammen mit dem Spätburgunder 2006 Burgweg “Im großen Garten” von Knipser und dem Riesling Reiterpfad von Christmann tun. Dieses Trio, das sind wir uns sicher, wir für einige Aufregung und Freude sorgen. Diese Weine sollten in keinem Keller fehlen.
Franken
Das die Franken Silvaner gut können ist klar. Das sie ebenfalls sehr gut im Riesling produzieren sind, geht dabei oft unter. Der Riesling Schlossberg vom Fürstlich Castell´schen Domänenamt gehörte für uns zu den vier oder fünf besten Weine der gesamten Präsentation. Ein unglaublich ausdrucksstarker nud doch eleganter Wein. perfekt im restzucker und der Säure, irrsinnig im Abgang. Genialer Wein! Ganz stark auch der Riesling Centgrafenberg von Fürst und der Mönchshof von Bickel-Stumpf. Alles Weine, die der Bloggggwart den ganzen Abend mit vergnügen trinken würde.
Sachsen und Salle-Unstrut
Das Schloß Proschwitz hat eine Weißen Burgunder aus 2008 präsentiert. Dieser Wein war so ganz anders… Ein Minzexplosion. Woher auch immer das kommt, es war genial. Mindestens genauso genial war der Riesling Edelacker vom Weingut Pawis.
Die übrigen Anbaugbiete haben wir leider nicht mehr geschafft. Das holen wir aber ganz schnell noch nach und berichten dann hier darüber.
Na, auf das “Brunnenhäuschen” von Wittmann bin ich auch gespannt, gab es leider nicht auf der Gutswein in Berlin. Aber am Samstag auf der “Gutswein II” in Berlin wird er dabei sein……..
Interessant, auch David Schildknecht fand “Pettenthal” von Gunderloch herausragend.
Alles Gute,
Martin
@Martin
Pettenthal von Gunderloch ist für mich einer der top 5 Weine aus 2008. Ganz ohne Zweifel…
P.S. Hab gerade mit Frau Hasselbach gesprochen, sie schickt mir “Pettenthal” für meine Probe nach Berlin
Mein bis dato bestes GG bzw. 1 Lage Getränk war dieses Jahr der Uhlen Laubach von Reinhard Löwenstein. Ein Ausbund an Kraft, Finesse, Frucht, Eleganz, druckvollem Spiel, mit großer Länge.