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Hendrik Thoma im Gespräch

In unserer Reihe “…im Gespräch” kommt heute, aus aktuellem Anlaß Hendrik Thoma zu Wort. Er hat gerade zusammen mit HAWESKO sein neues Videoprtal “TVino” lanciert. Im vergangenen Jahr war Hendrik Thoma eines der Lieblingsthemen in der deutschen Weinbloggerwelt, war er doch der Auslöser der “gibt-es-guten-Wein-unter-fünf-Euro” Diskussion.

hendrik_thoma_2Würtz-Wein: Du bist dieser Tage mit einem neuen Projekt an den Start „TVino“. Erkläre doch mal kurz wie es dazu kam und was das genau ist.

Hendrik Thoma:  Ein Zufall. Wahrscheinlich ist es Schicksal. Schon vor Jahren wollte ich so etwas machen. Ein Freund hatte mir hierzu eine Mail geschickt die nie von meinem Rechner verschwand, sondern die ich gehegt, gepflegt und nie gelöscht habe. Dann hatte ich im letzten Herbst ein Gespräch mit Bernd Siebdraht, einem der Geschäftsführer von Wein Wolf. Als er mich nach meinen Zukunftsgedanken fragte, war er verblüfft, daß ich einen Videoblogg ins Leben rufen wollte. Gerade deswegen wollte er mich sprechen. Ab dem Zeitpunkt haben wir dann gemeinsam daran gearbeitet.

Würtz Wein: Glaubst du der deutsche Markt ist reif für ein solches Format?

Hendrik Thoma: Ja, davon bin ich zu 100% überzeugt. Die Seite bietet eine Multifunktionalität die das Thema Wein plastisch, echt und verständlich, auch und insbesondere für Nicht-Weintrinker, macht. Das ist völlig neu. Es ist eine moderne Art zu kommunizieren vor der sich niemand verschließen kann.

Würtz Wein: „TVino“ ist ja hoch professionell aufgebaut und hat mit einem Blog eigentlich nichts zu tun. Kennst Du die deutsche „Weinblogszene“ und wie schätzt Du diese ein?

Hendrik Thoma: Ich verstehe Tvino als Forum für Kunden und Show mit TV Elementen. Es geht um: Vinotainment…. . Einige Personen aus der deutschen Bloggerszene sind mir schon lange bekannt. Ich finde, diese Szene verschafft einen Mehrwert für die gesamte Branche, der zu Recht immer stärkere Beachtung findet. Allerdings müssen die Blogger sich öffnen für nicht Weinexperten. Durch die teilweise extrem ruppigen Kommentare lassen sich außen stehende Menschen kaum für das Thema Wein begeistern. Eher das Gegenteil wird damit erreicht. Jeder versucht zu sagen wie kompetent er ist. Mir fehlt bisweilen ein wenig Augenzwinkern und die Leichtigkeit beim Thema Wein.

Würtz-Wein: Nach der ersten Vorstellung von „TVino“ wurden sofort einige Stimmen im web 2.0 laut, dass das ganze Projekt ein „Geschmäckle“ hätte, weil es von HAWESKO (Anm.: Europas größter Weinversender) finanziert wird. Wie gehst Du mit dieser Kritik um?

Hendrik Thoma:  Sehr offen. Es geht hier um eine Kooperation, bei der ich die redaktionelle Oberhoheit habe. Wenn mir etwas nicht gefällt werde ich das auch sagen. Ich habe eine Haltung und speziell Qualität wird mein Maßstab sein. Wir haben auch von Anfang an gesagt, dass man mit diesem Projekt eine offene Sprache spricht und wir keine Geheimniskrämerei betreiben wollen. Es gibt zwei Möglichkeiten im Internet Geld zu verdienen: Du hast Bannerwerbung oder hast etwas zu verkaufen (ich finde letzteres offener und genauso akzeptabel- im Gegenteil: ich sehe den Verkauf auch als Service-Dienstleistung für den Kunden). Die Kritik, die einige Leute an Hawesko üben, halte ich für verfehlt. Wenn ein kleinerer Weinhändler so ein Projekt zuerst lanciert hätte, hätten sie alle gejubelt. Nur da fehlt anscheinend den meisten Weinhändlern die Phantasie. Hawesko hat einen guten Riecher bewiesen und ist in gewisser Weise ‚First Mover‘. Das sollten selbst die härtesten Kritiker einfach mal anerkennen.

Würtz-Wein: Du willst in Deinen Sendungen auch Weine verkosten und bewerten, die nicht von HAWESKO sind. Fürchtest Du wettbewerbsrechtliche Konsequenzen, falls da mal ein Wein nicht besonders gut abschneidet? Willst du das a priori umgehen, indem Du eine dementsprechende qualitative Vorauswahl triffst?

Hendrik Thoma: Es geht nicht darum Krawall zu schüren, sondern um Haltung. Wenn etwas gut ist, sage ich das auch. Das gilt auch dann, wenn ich einen Wein nicht so toll finde, auch wenn er von Hawesko angeboten wird. Diese Freiheit, das zu äußern, lass ich mir nicht nehmen. Ich glaube auch, dass es spannend sein wird, einmal die beliebtesten Weine der deutschen Verbraucher zu testen.

Würtz Wein: Du warst mehr als ein Jahrzehnt als Sommelier in der Gastronomie tätig. Warum nun dieser Wechsel raus aus diesem Metier?

Hendrik Thoma: Sogar fast zwei Jahrzehnte. Aber ich bin heute mehr in meinem Metier denn je. Medial war ich ja schon immer nebenher unterwegs. Bei Tvino möchte ich Weine empfehlen, versuche Menschen glücklich zu machen und zu unterhalten. Ich will meine Begeisterung ausdrücken. Eigentlich mache ich das, was ich immer schon gemacht habe, nur eben mit anderen Mitteln und viel direkter.

Würtz Wein: Letztes Jahr entbrannte eine hitzige und teilweise auch leicht polemische Diskussion um das Thema: „Gibt es gute Rotweine unter fünf Euro?“. Auslöser war ein Artikel von Dir in der „WELT“, indem Du das verneint hast. Wie siehst Du, mit einem Jahr Abstand, diese Diskussionen heute? Hast Du das Gefühl Du wurdest damals falsch verstanden?

Hendrik Thoma: Aus der Fünf Euro Frage wurde etwas gemacht wie Hartz Vier. Das wurde von einigen Teilnehmern dazu benutzt, um PR in eigener Sache zu machen. Das ganze hat mich auch verletzt, denn wer mich kennt weiß, dass ich kein Snob bin. Am Anfang stand eine ganz andere Aussage (die allerdings auch in dem Artikel in der WamS zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde) von mir. In Deutschland begegnen mir Leute in teuren Klamotten, Autos und die Ihr Geld für alles Mögliche ausgeben (was sie ja auch sollen und können). Nur beim Wein (und auch bei Lebensmitteln) soll es immer schön billig sein. Das ärgert mich und zeugt von wenig Wertschätzung gegenüber einem Produkt wo so viel Handarbeit einfließt, wie bei Wein. Viele leben nur für die Fassade und haben sich nichts zu erzählen. Ich glaube, da sind wir Weinfreunde schon aus einem anderen Holz. Ich wünsche mir einfach mehr Qualitätssinn und Passion bei uns allen. Darüber hätten die Blogger diskutieren können. Das würde uns als Weinbranche voranbringen.

Ich finde, das Thema könnte ich in einer meiner kommenden Sendungen ruhig noch mal aufgreifen. Dasselbe gilt für teure Weine. Ich kenne einiges wo das Preis-Leistungsverhältnis in Frage gestellt werden kann.

Link: TVINO - Ein Abend unter Freunden

6 Kommentare zu “Hendrik Thoma im Gespräch

  • Wolfgang Funck

    Moin, moin,

    da bin ich ja mal gespannt. Ein tvino Beitrag zur unglücklichen bzw. unseeligen 5 € Rotweindiskussion wäre schon interessant. Tvino als Basis einer Erläuterung. Die 5 € Diskussion gegen die Meinhausmeinbootmeinauto…generation… da bin ich gespannt.

    Ansonsten mal wieder schönen Dank an Dirk, irgendwie bist Du immer sehr dicht an den aktuellen Themen dran.

    Grüße

    Wolfgang,

    dem an tvino die sehr künstlich wirkende Deko etwas unnötig scheint.

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  • Armin Maurer

    @Hendrik Thoma

    Naja hier zu schreiben, dass HAWESKO “first mover” war ist schon ein wenig frech, Robert Naser von fine liquids macht das schon eine ganze Weile, übrigens mit deutlich mahr Weinen, die nicht aus seinem Sortiment sind, als solchen die er als Händler auch verkauft.

    Dass das ganze aber schlicht von Gary Vaynerchuck aus den USA “geklaut” ist macht den “first move” dann schon fast lächerlich. Übrigens hat man sich hier nicht einmal die Mühe gemacht die Präsentation eigenständiger zu machen, Mann am Tisch, Flaschen werden in die Kamera gehalten, Mann verkostet, schlürft, spuckt und erzählt. Nicht wirklich originell, sorry.

    Warum geht es nicht einfach mal eine nummer kleiner, man sagt, wir denken, dass die Möglichkeit eines Podcasts eine gute Verkaufsschiene sein kann und dass Hendrik Thoma das macht hat eben auch mit seiner medialen Bekanntheit zu tun. Thats it, was weder schlimm noch gar ehrenrührig ist, nur man soll es halt auch nicht anders bezeichnen.

    Die hier postulierte Multifunktionalität kann ich auch nicht sehen, ok Kommentare sind möglich und man kann direkt bestellen (was für einen Shop ja nun keine Überraschung ist) und was noch?

    Naja, aber HT ist jetzt halt Verkäufer bei HAWESKO/Wein Wolf und so muss er auch das Produkt TVINO verkaufen. Übrigens Verkaufen ist nichts böses, man soll aber immer so ehrlich sein und es dazu sagen, wenn man es macht. (Das fehlt mir hier ein wenig)

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  • Stephan Reinhardt

    “Durch die teilweise extrem ruppigen Kommentare lassen sich außen stehende Menschen kaum für das Thema Wein begeistern. Eher das Gegenteil wird damit erreicht. Jeder versucht zu sagen wie kompetent er ist. Mir fehlt bisweilen ein wenig Augenzwinkern und die Leichtigkeit beim Thema Wein.”

    Mir auch, Enrique, mir auch.

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  • Clarens Jung

    Weil ich Weinfreund bin und Hendrik Thoma kenne, liegt mir daran, Herrn Maurer in zwei Punkten zu entgegnen:

    1. Stichwort “Originalität”:
    TVINO ist so geklaut oder ungeklaut wie die Harald Schmidt Show. Und Hendrik so viel oder wenig Gary Vaynerchuk wie Harald Schmidt David Letterman. Nach den ersten drei Folgen lässt sich meiner Meinung nach feststellen, dass Hendrik eine gute und entspannte Figur macht und das Zeug dazu hat, ein breites Publikum für Wein zu begeistern. Die Kommentare auf der TVINO website sind für mich ein erstes Indiz in diese Richtung. Entscheidend wird sein, ob Hendrik es schafft, deutsche Weinfreunde so sehr für sich und sein Format zu begeistern wie es Gary in den USA offenbar geschafft hat. Wenn ihm das gelingt, leistet er damit aus meiner Warte einen wertvollen Beitrag für das Weinverständnis und die Lust am Wein.

    2. Stichwort “Hawesko Verkäufer”:
    Ich kenne Hendrik Thoma als eine ausgesprochen ehrliche Haut, für den Qualität kein dehnbarer Begriff ist. Wenn er sagt, dass er einen schlechten Wein nicht gut reden wird, glaube ich ihm das ohne wenn und aber. Und wenn er einen Wein gut bespricht, nehme ich ihm das als sehr ernst gemeinte Empfehlung ab. (Um die Probe aufs Exempel zu machen, habe ich mir gestern Abend auf seine TVINO Empfehlung hin, den Grauburgunder von Gysler bestellt). Nach Lektüre des Interviews mit Dirk Würtz, kann ich nicht erkennen, dass Hendrik einen Hehl aus seiner Zusammenarbeit mit Hawesko macht und empfinde den Vorwurf der Unehrlichkeit deshalb als nicht gerechtfertigt.

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