Die Bahn und ich -Teil 1

Ich gebe zu, ich fahre in der Regel mit dem Auto überall hin. Das war immer praktisch und ich war unabhängig. Nach meiner letzteren längeren Autofahrt auf bundesdeutschen Autobahnen stand mein Entschluß allerdings fest: Nie mehr diesen Kleinkrieg, dieser Wahnwitz! Ab sofort fahre ich mit der Deutschen Bahn. Da ich seit Jahren, seit vielen Jahren,nicht mehr mit der Bahn gefahren bin, ist das aber gar nicht so einfach. Gestern wollte ich mir online eine Bahnfahrkarte kaufen. Nach stundenlangem Suchen hatte ich endlich meine Zugangsdaten von meiner letzten “onlinefahrkartenaktion” gefunden um dann auch sofort festzustellen, dass diese nicht mehr gültig sind. Sie werden nämlich nach 18 monatiger Abstinenz gelöscht. Nachdem ich mir dann einen neuen account eingerichtet und auch endlich die passende Zugverbindung gefunden hatte, staunte ich nicht schlecht. Frankfurt-Hamburg und retour über 200 Euro! Da könnte ich ja auch fliegen. Ich machte mich also auf die Suche nach den vielbeworbenen Spartarifen, schließlich muss das ja wohl billiger gehen. Das Auffinden dieser Tarife war nicht so schwierig, das Buchen leider unmöglich. Der günstigste Tarif war 160 Euro, aber nicht verfügbar. Leicht genervt beschloß ich, die virtuelle Bahnwelt zu verlassen und den Fahrkartenschalter am Mainzer Hauptbahnhof aufzusuchen. Ein Fahrkartenschalter ist ein Anachronismus, das habe ich schnell gemerkt. Ein großes “Center” mit zehn “countern” und vier Automaten mit den dazugehörigen “guides”, die einem die Sache erklären. Was machen eigentlich diejenigen, die kein Englisch können? Zielstrebend lief ich auf einen “counter” zu, um auch sogleich von einer freundlichen Dame zurückgepfiffen zu werden: “Ziehen Sie bitte erst eine Nummer”. Was ich zunächst für einen Scherz hielt, war tatsächlich so. Ein großer roter Automat spuckte meine Nummer aus. “348″ stand darauf. Aktuell war gerade die Nummer “313″ angezeigt…

Zwei Brötchen und eine Zeitungslektüre (Print) später, stand ich dann endlich bei einem freundlichen Herren, der mir nach fünfzehnminütigem Suchen eine Verbindung anbot, die sage und schreibe 108 Euro kostete. Weniger als die Hälfte des online Angebots. Als ich ihm sagte, dass ich diese Fahkarte unbesehen nehmen würde, meinte er: “Wenn Sie das Ticket da drüben an dem Automaten kaufen, kostet es noch einmal zehn Euro weniger”. Nach einem kurzen Blick auf den Automaten und die Menschenschlange davor habe ich allerdings von diesem Angebot Abstand genommen.

Fazit Teil eins: Der Erwerb meiner Bahnfahrkarte hat mich fast einen ganzen Vormittag gekostet.

2 Kommentare »

  1. pivu Juli 11, 2009 09:52

    Ich dachte die Bahntarife sind weitgehend transparent, doch weit gefehlt, das ist ähnlich wie beim Flieger, wo ich einmal VIE JFK (via FRA) gebucht hab’, weil’s billiger war als VIE FRA. Jüngstes Bispiel von der Bahn (für jeden nachzuprobieren): Frankfurt – Salzburg: 43,50 (nicht online ausdruckbar), also wollte ich ganz schlau Frankfurt – Freilassing (1 Station VOR Salzburg und in Deutschland) buchen: 44,-, also teurer, als wenn man weiter führe. Online ausdrucken ging auch für diese Strecke nicht, also blüht auch mir am Montag der Schalter. Mal sehen, was ich dann für Überraschungen erlebe.

  2. Werner Elflein Juli 11, 2009 14:04

    Ich habe das Vergnügen, demnächst mit der Bahn nach Leipzig fahren zu dürfen. Die Online-Buchung nahm gut eine halbe Stunde in Anspruch. Die Usability der Bahn-Website, zu deutsch: Benutzbarkeit, entspricht dem unteren Niveau von Hauptschul-Informatikern, der Dialog zur Platzreservierung ist ein informationstechnologischer Offenbarungseid. Dass es aber noch schlechter geht, beweisen die Websites der Bundesagentur für Arbeit und von deutschen Finanzbehörden. Aber was soll herauskommen, wenn man in diesen Einrichtungen Personen mit dem Intellekt von Influenza-Viren sitzen hat, die darüber entscheiden, wie IT-Projekte umgesetzt werden. Damit fängt es an, und den Rest erledigen die “Fachleute” aus dem “Produktmanagement”.

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