Alles über Wein und den Rest der Welt…

Mindestpreis für Wein

Wie gestern zu erfahren war, hat der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) bei seiner gestrigen Bundesversammlung angeblich einen Mindestpreis für seine Weine beschlossen. Ab dem Jahrgang 2009 sollen demnach alle Flaschen die den VDP-Adler auf der Kapsel tragen mindestens sieben Euro kosten. Ab dem Jahrgang 2010 soll dieser Preis noch einmal um 50 Cent erhöht werden.Im Klartext soll das wohl bedeuten, dass keiner den Wein billiger verkaufen soll, kann, darf. Ich nehme mal an, dass es sich hier um den Preis für Privatkunden handelt. Auf zwei Dinge bin ich in diesem Zusammenhang jetzt schon sehr gespannt. In unglaublich vielen Supermärkten steht Wein von den Hessischen Staatsweingütern. Diese Weine sind allerdings deutlich günstiger. Ich kann mir kaum vorstellen, dass hier so etwas wie ein Mindestpreis umsetzbar ist. Noch viel spannender finde ich die Frage, wie sich das rechtlich verhält. Das klingt doch sehr nach Preisabsprache und dürfte schwierig durchsetzbar sein.

13 Kommentare zu “Mindestpreis für Wein

  • Friedrich Bolle

    Die ” Weinfürsten ” haben noch nie etwas vom Kartellamt gehört?

    Und gibt es nicht auch den neudeutschen Begriff von supply and demand?

    Wie war das noch mit EON und Gaz de France?

    Kartellstrafe 500 Mill. Euro für jeden??

    Beim Weinkartell dürfte es etwas weniger sein :-)

    Reply
  • pivu

    Neu ist das ja nicht. Schon vor / seit Jahren wollte bzw. will der VDP einen Mindestpreis (15,-, Tendenz steigend) für die GG’e / EG’e / 1. Lagen durchsetzen. Wobei das “Durchsetzen” ohnehin nur als Richtlinie zu verstehen ist.

    Und schlecht finde ich aber auch den jetzigen Vorstoß nicht: das zwingt zu (noch) mehr Qualität, das försert die abhanden gekommene qualitative Homogenität, und damit soll der Prestigestatus der VDP Betriebe untermauert werden. Die anderen können ja Potate trinken, mit und ohne Cola ;-) .

    Reply
  • Guido

    Ein Ausweg ist doch naheliegend:
    Ein VDP-Weingut, dass auch günstigere Weine anbieten möchte, verzichtet bei diesen auf den VDP-Adler. So würde dann das VDP-Logo möglicherweise aufgewertet werden.

    Ansonsten finde ich diese Grenze speziell für Weißweine viel zu hoch und in keiner Weise marktorientiert.

    Reply
  • pivu

    Oder man schafft für einfachere Weine eine neue Marke, wie das große Betriebe anderswo auch tun, z.B. Mondavi. Damit werden mehrere Fliegen auf einen Schlag erledigt: das eigene Image wird erhalten UND der steigenden Nachfrage nach preisgünstigen Weinen wird entsprochen UND Vertriebskanäle à la Aldi sind kein Tabu mehr. Auch Zusammenshlüsse im Low end Bereich wären denkbar. Warum sollten nicht z.B. Wittmann mit Keller etc. ein eigenes, etwas hypes Label gründen und darüber deren Basisweine vermarkten?

    Just my 2 cts.

    Reply
  • Felix Peters

    Mit Preisabsprachen hat das wenig zu tun. Diese kleine Menge an VDP Flaschen, verschwindent gering, außerdem kann man ja auch bei Ließchen Müller für 2,95 Euro kaufen.
    Das VDP Weingut kann auch Weine unter diesem Mindestpreis anbieten, jedoch ohne VDP Kapsel.
    Siehe auch Kommentar unter http://blog.st-antony.de
    Gruß Felix

    Reply
  • Cirsten Kessler

    @Friedrich Bolle
    Sehr richtig! Das “Lustige” ist, dass verbotene Preisabsprachen selten geahndet werden können, weil es keine Beweise gibt. Ob Twitter & Blog als Beweis reichen ist fraglich; aber vielleicht gibt es ja ein Protokoll der VdP-Sitzung mit Beschluss … Ich denke, selbst wenn es als “Richtlinie” deklariert wird, könnte es schwierig werden, bzw. dann macht die Absprache keinen Sinn mehr, denn es kann ja wieder jeder machen wie er will.

    @pivu
    Das Qualitätsargument verstehe ich nicht. Gerade wenn es eine Preisabsprache gibt, kann der VdP-Winzer doch umso mehr, in die Flasche packen, was er will – Euro 7,50 sind ja “garantiert”… Die Richtlinie macht, wie oben schon gesagt, keinen Sinn, weil es dann eigentlich wieder den bereits bestehenden Spielraum für alle Mitglieder gibt. Die Frage wäre allerdings, was der Anlass dieser Preisabsprache ist. Gab es VdP-Miglieder, die ihre Weine zum Schleuderpreis vertickert haben?

    @ Guido
    VdP-Winzer Hans Lang hat es doch eh schon geschafft, selbst im Discounter mit Euro 7,90 anzutreten. Für ihn spielen die vereinbarten Euro 7,50 offensichtlich schon lange keine Rolle mehr.
    Den Adler runternehmen für “günstigere” Weine? Wofür zahlt man denn die Mitgliedsgebühr? Das ist doch gerade der “Witz”, Miglied in dem “Verein” zu sein und dadurch einen besonderen USP zu erlangen. Umso besser, wenn man diese ( doch von den meisten hoch angesehenen) Weine auch bezahlbar vertreiben kann.
    Doch diese Diskussion ist wie eine Rattenschwanz. Dann ist man wieder schnell beim Discounter etc.

    Da (fast) jeder die Illegalität dieser Entscheidung annimmt, bleibt einzig und allein die spannende Frage, ob sich tatsächlich jemand rechtlich in dieser Angelegenheit an den VdP wendet…..!

    Reply
  • Friedrich Bolle

    @Felix Peters

    Mit Preisabsprachen hat das wenig zu tun.

    Na vielleicht sind es Preisempfehlungen :-) :-)

    Reply
  • pivu

    @Cirsten Kessler
    ["Das Qualitätsargument verstehe ich nicht. Gerade wenn es eine Preisabsprache gibt, kann der VdP-Winzer doch umso mehr, in die Flasche packen, was er will - Euro 7,50 sind ja “garantiert”]

    Reintun kann er alles, richtig, ein Preisschild mit 7,50 drauftun, auch richtig, aber wer kauft das Ganze dann noch?

    Reply
  • Cirsten Kessler

    @pivu
    Na, das kauft der, der darauf vertraut/glaubt, dass Weine mit dem Adler per se für gute Qualität stehen, auch wenn der Käufer (vielleicht) keinen guten, eigenen Geschmackt hat :-)

    Reply
  • Guido

    Nun ja, über den “Empfehlungscharakter” wird das offiziell nie hinausgehen – das ist so ähnlich wie mit den Großen Gewächsen, die es zumindest vor ein, zwei Jahren zum Teil auch noch unter 20 EUR gab. Im Zweifelsfall wirkt da der verbandsinterne Druck; und dem VDP könnte wahrscheinlich auch kein Gericht oder Kartellamt untersagen, sich seine Mitglieder selbst auszusuchen bzw. Mitglieder hinauszukomplimentieren, die die gewünschte Preisstrategie untergraben.

    Reply
  • pivu

    @Cirsten Kessler
    Das geht vielleicht ein-, zweimal, funktioniert aber sicher nicht langfristig. Und außerdem wird irgndwann auch der allmächtige VDP intervenieren, wenn er sieht, dass “Trittbrettfahrer” das Image des VDP mit überteuerten Basisweinen gefährden. Genau dazu soll diese Regelung ja dienen.

    Reply
  • Pingback: Würtz-Wein | Mindestpreis für Wein - update

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>