Dr. Motz – Extraausgabe

Braucht die Welt tatsächlich Weinjournalisten?  Ganz egal, ob und von wem nun abhängig oder nicht? Und wenn ja, für wen schreiben diese eigentlich? Vor ein paar Wochen kannte ich noch nicht einmal die Fragestellung, heute versuche ich, bei der Suche nach einer Antwort mitzuhelfen.
Dazu muss ich mich allerdings wohl erst noch ein wenig outen. Also: Ich würde mich selbst in die Kategorie der Gelegenheits-Weintrinker einreihen. Ich trinke – mein Blogg-Wart Dirk hatte es schon verraten – tatsächlich am liebsten Edelsüsses von Auslese aufwärts (was gerade auf Weinfesten beispielsweise im Rheingau ganz schön ins Geld geht). Ich würde den Stoff allerdings nie beim Discounter oder im Supermarkt (Beerenauslese für 3,99 Euro) kaufen, sondern immer nur direkt beim Winzer meines Vertrauens.

Folglich trinke ich (sofern dies möglich ist) also auch immer nur Wein aus der Gegend, in der ich mich gerade aufhalte. Mich gruselt es bei dem Gedanken, Wein aus einem Halb-Liter-Glas trinken zu müssen. Und mich gruselt es noch mehr, das Zeug auch noch mit Cola oder sonstigen Softdrinks zu mischen (wovor selbst Weinmacher gelegentlich nicht zurückschrecken:-) sollen). Schon bei dem Wort “Schoppen” stehen mir die Haare zu Berge und ich trinke notfalls lieber Cola pur.

Dabei interessiere mich durchaus für alles, rund um das Thema Wein. Immer vorausgesetzt, es geht nicht ausschließlich darum, ob der 58er Chateau Nirgendwo neben seiner unverkennbaren Granatapfelnote im Abgang nun tatsächlich einen Hauch von Walnuss hat oder nicht:-)

Ich würde mich also durchaus als potentiellen Leser eines Essen-und-Trinken-Printmediums bezeichnen. Nur, dass auf mich offenbar noch niemand aufmerksam geworden ist. Passe ich überhaupt in irgend eine herkömmliche Zielgruppe hinein? Bevor ich mir Gedanken darüber mache, wie ich “meinen” Leser künftig wieder mehr an mich binde, sollte ich vielleicht darüber nachdenken, was dieser überhaupt von mir erwartet und ob ich ihn – über die (fetten) Jahre hinweg – nicht irgendwann einmal aus den Augen verloren habe.

Noch eine letzte, ganz persönliche Bemerkung zum leidigen Thema GM: Der bereits angesprochene Winzer meines Vertrauens sollte dort am besten nie erwähnt werden. Das nämlich macht (meistens) nur die Preise kaputt. Ein Beispiel gefällig? Ein älterer Kollege kaufte seinen Wein vor vielen Jahren am liebsten bei einem kleinen Weingut in Hochheim. Ein Wein, der “ehrlich und bezahlbar ist”, wie er immer betonte. Leider kann er ihn sich heute nicht mehr leisten.

PS: Jegliche Ähnlichkeit mit noch lebenden Winzern, die womöglich auch noch zu den aktuellen GM-Saboteuren zählen, ist rein zufällig und nicht gewollt:-)

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