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Noch ein Brief vom Gault Millau

Vergangene Nacht wurde abermals ein Brief vom Christian Verlag verschickt. Dieses Mal an alle Betriebe, die im Weinführer Gault Millau genannt sind. Der guten Ordnung halber, veröffentlichen wir diesen auch.

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Winzerinnen und Winzer,

vor wenigen Wochen hatte ich Sie angeschrieben, um Ihnen die Entwicklung des GAULT MILLAU WeinGuide zu schildern und obendrein ein nützliches Marketingpaket für die Ausgabe 2010 angeboten. Viele unter Ihnen haben darauf bereits positiv reagiert, wofür ich Ihnen ganz herzlich danken möchte.

Womöglich ist Ihnen die Diskussion um den GAULT MILLAU WeinGuide nicht entgangen, die sich in den letzten Tagen in der Presse und im Internet entwickelte. Offensichtlich bot mein Schreiben vom 8. Juni in einem Punkt „Interpretationsspielraum“ und konnte möglicherweise so missverstanden werden, dass die Aufnahme von Betrieben und deren Bewertung im GAULT MILLAU WeinGuide von der Buchung des angebotenen Marketing-Pakets abhingen.

Lassen Sie mich bitte klarstellen: Dem ist selbstverständlich nicht so! Die Aufnahme von Weingütern und deren Bewertung im GAULT MILLAU WeinGuide ist völlig unabhängig von der Buchung des offerierten Marketingpakets. Die Redaktion des GAULT MILLAU WeinGuide ist gänzlich frei in der Auswahl und Bewertung der Weingüter und der vorgestellten Weine. Und selbstverständlich ist es auch weiterhin so, dass für die Verkostung der Weine und deren Veröffentlichung im WeinGuide kein wie auch immer gearteter Beitrag zu entrichten ist! Es ist sogar sichergestellt, dass die Redaktion garantiert nicht erfährt, welcher Betrieb das Marketingpaket bestellt hat und welcher nicht. Damit ist auch klar, dass es deshalb keinerlei Beeinflussung geben kann.

Die saubere Trennung von Redaktion auf der einen Seite und Vertriebs- und Anzeigengeschäft auf der anderen gehört für den Christian Verlag zu den Grundlagen journalistischer und verlegerischer Prinzipien. Das war für mich so selbstverständlich, dass ich es leichtsinnigerweise unterlassen habe, in meinem Brief ausdrücklich darauf hinzuweisen und lediglich von einem “freiwilligen Beitrag” schrieb. Bitte verzeihen Sie diese mangelnde Präzision!

Unterdessen sind Redaktion und Verkoster bereits mit großem Eifer an der Arbeit für den GAULT MILLAU WeinGuide 2010. Wir freuen uns schon jetzt darauf, am 17. November 2009 in der 17. Auflage des GAULT MILLAU WeinGuide die Botschaft vom deutschen Spitzenwein in gewohnter Breite und Tiefe zu verkünden.

Mit den allerbesten Grüßen aus München
Christian Verlag GmbH

Ihr Clemens Hahn
Programmleiter | Publishing Director | GAULT MILLAU

8 Kommentare zu “Noch ein Brief vom Gault Millau

  • Iris

    Wären nicht die Leser des Gault Millau die richtige Adresse für eine solche Klarstellung gewesen:-)? (siehe auch meinen Kommentar zu Deinem vorigen Artikel)

    @Iris
    In der Tat kommen die Leser des GM bei dieser ganzen Geschichte zu kurz. Darüber mache ichmir auch schon die ganze Zeit Gedanken. Normalerweise müßte der Verlag sich auch noch an diese wenden. eigentlich hätte er das zuerst machen sollen, als der ganze Zinober losging. Ich suche ja immer noch einen ganz normalen Weintrinker und GM Käufer der einmal seine Sicht der Dinge und sein Gefühl zur Sache hier ausführlich darstellt. Quasi als offenen Brief an die beiden Parteien. Wobei unser Dr. Motz ja schon einmal einen zarten Anfang gemacht hat…

    Reply
  • Friedrich Bolle

    Wieviele Kunden, sprich Leser sind über das procedere bei der Weinverkostung des Gault Millau aufgeklärt?

    @Friedrich Bolle
    Gute Frage. Nicht sehr viele vermute ich mal…

    Reply
  • Charles

    Ich befürchte allerdings, dass der “normale” Leser dem GM längst verloren gegangen ist und nur noch von Winzern, Weinhandel, etc. gelesen wird.
    Anstatt über neue Inhalte nachzudenken, holt man sich das Geld von denen, die noch da sind…

    Reply
  • Philipp Erik Breitenfeld

    @ Dirk
    Ich bin Kunde und wie schon erwähnt finde ich diese ganze Diskussion aufgebläht und müßig, frei nach Shakespeare “Viel Lärm um nichts”.
    Unabhängigen Journalismus gibt es nicht.
    Es gibt nur unabhänigeren Jornalismus!
    Wir reden hier aber nicht über CNN oder Al Jazerra, sondern über den Gault Millau!
    Eine Option auf ein Marketingpaket bereitzustellen ist doch in dern Printmedien nichts neues oder stellt auch keine Abhängigkeitsplanwirtschaftsrevolte dar.
    Ich habe es an meinem Beispiel schon gesagt, ich schalte mit die größten Anzeigen in der Augsburger Allgemeinen, deswegen habe ich aber keinen einzigen positiven Artikel über Personalleasing geerntet. Okay, ich habe aber auch noch nicht ausprobiert, was wäre, wenn ich damit drohe auszusteigen.
    Wenn Vertrieb und Redaktion getrennt sind, sehe ich also keine so riesen Chance für Geldgeberopportunismus oder sind so manch uns bekannte Weinkritiker/Journalisten auch befangen, weil sie Werbung auf ihrem Blog geschaltet bekommen?Diese Frage solltest du einmal stellen, um mal beim David ansatt beim Goliath zu beginnen.
    Die Ausstiegswinzer machen Platz für kleinere Güter. Finde ich eine klasse Entwicklung ;-)
    Am Ende entscheidet eh die eigene Nase über gefallen oder missfallen…
    LG
    Philipp Erik

    Reply
  • Iris

    Schön, dass Du meinen Gedankengang verstehst, Dirk:-). Ich kenne leider auch nicht viele Gault Millau Leser/Käufer. Die Exemplare des französischen Guides, die ich gesehen habe, lagen meist bei drin erwähnten Winzern im Keller aus, was also heißt, dass die zumindest immer schon zu den Käufern gezählt haben (oder gab es da früher Freiexemplare?)

    Früher (so vor 25 Jahren) kaufte ich regelmäßig die Herbst-Sondernummer der Zeitschrift, die ganz dem Wein gewidmet war und die ich gut gemacht fand. Das war dann die Lektüre beim nächtlichen Pressen (wenn man so alle Stunde noch mal eine Drehung auf der vertikalen Korbprese machen muss:-) – bei romantischen Kerzenschein.

    Wie bei anderen Wein/Esszeitschriften, die ich abonniert hatte, hat sich der Reiz dann irgendwann verloren, da doch eigentlich immer nur die gleichen Themen im Jahreslauf abgehandelt wurden. Ein älterer Führer reichte dann als Adressliste, leichter zu transportieren, als das Branchenbuch – und für neue Adressen und Anregungen gibt’s ja inzwischen wirklich das Internet und die Erzeugerlisten der Fachverbände – ergänzt durch Foren, Blogs, Webseiten und natürlich noch die Mund zu Mund Propaganda von Kollegen und Weinliebhabern.

    Die Zahl der interessanten Einzelflaschen anderer Winzer, die mir Weinkunden mitbringen, wenn sie ihren Lisson abholen, hat mich schon so manchen Wein von Kollegen entdecken lassen.

    Ich glaube, die klassischen Weinführer, wie die klassischen Weinzeitschriften sind vor allem für Weineinsteiger interessant, denen es noch an Orientierung fehlt. Das zeigen auch die engagierten Diskussion in den größeren französischen Weinforen. Nach ein paar Jahren, lösen sich die erfahreneren Weinliebhaber von dieser Art der Berichterstattung/Kompilation, weil sie meist ihren eigenen Geschmack entwickelt haben.

    Die Mehrzahl der “Konsumenten”, also der, für die Wein einfach ein Getränk ist, das sie günstig im Supermarkt kaufen, interessiert sich wohl für all das “Wein-Geschwätz” und die Punkte nicht besonders. Da hätte vermutlich eine Stiftung Warentest Veröffentlichung über Discounterweine, über die in der Presse berichtet wird, noch am ehesten Einfluss auf das Kaufverhalten.

    Ziel eines Fachverlages müsste es also sein, neue Leserschichten für sein Produkt zu finden, die Konsumenten am Supermarkt abzuholen und in den Weinkeller zu führen – wie man es ja auch den Winzern empfiehlt, denen ein moderneres Marketing ans Herz gelegt wird.

    Und so wie die europäischen Winzer da in Konkurrenz mit Ländern stehen, die das für Werbung und Packeging schon eher verstanden haben, geht es jetzt wohl auch den Fachverlagen mit den neuen Medien…

    Da war die Aktion von GM nun wirklich eine vielleicht neue aber keine so innovative Massnahme – was wieder gegen die verlegerische Kompetenz sprechen würde…

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