Alles über Wein und den Rest der Welt…

Ulrich Kienzle im Gespräch

In unserer Reihe “…im Gespräch” haben wir heute einen waschechten Fernsehmann und Politjournalisten. Ulrich Kienzle. Er ist insbesonder durch die frühere ZDF Sendung “Frontal” einem breiten Publikum bekannt. Ulrich Kienzle lebt seit vielen Jahren im Rheingau und hat eine hohe Affinität zu Wein. “Unabhängiger Weinjournalismus bleibt ein Traum”, lautet eine seiner Aussagen…

foto_kienzleWürtz-Wein: Als waschechter Schwabe müssten Sie ja eigentlich bekennender Trollinger Liebhaber sein. Da Sie ja aber schon viele Jahre im Rheingau leben, haben Sie doch sicherlich auch einen Bezug zum Riesling…

Ulrich Kienzle: Der beste Riesling ist der Rheingauer Riesling. Aber Trollinger ist mein Favorit!

Würtz-Wein: Wie ist denn überhaupt Ihr Bezug zu Wein, insbesondere zu deutschem Wein?

Ulrich Kienzle: Ich habe sehr schnell gemerkt, dass es auch außerhalb Deutschlands sehr gute Weine gibt. Als Korrespondent habe ich viele Kisten Trollinger mit in den Libanon genommen, aber bald festgestellt, dass die Libanesen einen besseren Rotwein produzieren. Zum Beispiel Château Musar. Den habe ich getrunken, wenn es im Bürgerkrieg ziemlich laut wurde. In den 90iger Jahren hat dieser Wein bei einer Blindverkostung in Frankreich alle Bordeaux geschlagen. Damals habe ich festgestellt, dass mein Weingeschmack nicht so schlecht sein kann.

Würtz-Wein: Wie informieren Sie sich zum Thema Wein? Lesen sie Weinzeitschriften, nutzen Sie das Internet?

Ulrich Kienzle: Das alles mache ich, aber entscheidend ist der direkte Versuch. Ich kaufe mir, wo immer es geht eine Flasche zum Probieren und wenn der Wein mir schmeckt, dann kaufe ich auch größere Mengen.

Würtz-Wein: Wie sehen Sie den aktuellen Stellenwert des deutschen Weins? Gibt es da Ihrer Meinung nach Anlass zur Sorge? Anlässlich eines Vortrages haben Sie einmal gesagt: „Wie sich der Geschmack der Gummibärchengeneration entwickeln wird, weiß niemand. Es hilft nur besseres Marketing aus dem Dilemma.“

Ulrich Kienzle: Ich finde der deutsche Wein ist auf einem guten Weg. Die Rheingauer Rieslinge sind dabei, ihre alte Position wieder zurück zu gewinnen. Aber auch in Rheinhessen, Württemberg und anderen Regionen ist der Fortschritt im Keller zu erkennen. Deutsche Weine sind besser als ihr Ruf. Das sollten sich vor allem deutsche Weintrinker merken.

Würtz-Wein: 2005 und 2006 gab es einen „staatlich anerkannten Weinpreis“, so wurde er jedenfalls beworben, der „Busche Deutscher Weinpreis“. Um diesen Wettbewerb wurde eine Zeit lang ein Riesenwirbel veranstaltet, die Teilnahme an diesen Verkostungen war auch relativ kostspielig. Sie saßen mit anderen prominenten Vertretern damals im Fachbeirat dieser Veranstaltung. Mittlerweile hört man nichts mehr von diesem Weinpreis. Was ist denn daraus geworden?

Ulrich Kienzle: Weiß ich nicht. Es war der Versuch aus vielen Weinpreisen einen hervorzuheben, der objektive Maßstäbe zugrunde legt. Dieser Preis ist an den Egoismen anderer Weininteressen gescheitert.

Würtz-Wein: 2005 moderierten Sie die Weinsendung „Vinum TV“ auf n-tv, eine der wenigen „Weinsendungen“ die es im deutschen Fernsehen bisher gab. Kochsendungen gibt es in fast schon inflationärer Anzahl, das Thema „Wein“ dagegen findet im deutschen Fernsehen nur sporadisch statt. Warum?

Ulrich Kienzle: Es gibt keine vernünftigen Sponsoren. Sie alle wollen bestimmen, was in diesen Weinmagazinen gezeigt wird. Unabhängiger Journalismus ist für sie ein Fremdwort. Es gibt auf n-tv eine Nachfolgesendung: „100 Prozent Wein“. Die ist 100-prozentig vom Hamburger HAWESKO abhängig. Unabhängiger Weinjournalismus bleibt ein Traum.

Würtz-Wein: Wie müsste eine reine Weinsendung im TV Ihrer Meinung nach aussehen, um auf Dauer erfolgreich zu sein? Gäbe es überhaupt Platz für ein derartiges Format?

Ulrich Kienzle: siehe oben…

Würtz-Wein: Ganz allgemein habe ich den Eindruck, dass das angebotene TV Programm immer sinnentleerter und „bildungsferner“ wird. Nicht nur bei den privaten TV Sendern. Teilen Sie diese Meinung und woran liegt das?

Ulrich Kienzle: Nein. Ich teile dieses allgemeine Vorurteil nicht. Es gibt heute mehr intelligentes Fernsehen als vor 20 oder 30 Jahren. Es ist nur schwierig zu finden. Auf ARTE, 3sat oder PHOENIX. Oder in den späten Nachtstunden.

Würtz-Wein: Sie haben vor einigen Jahren ein Buch mit dem Titel „Essen und Trinken bei rechten und linken“ veröffentlicht. Was gibt es da denn für Unterschiede? Muss man sich das so vorstellen, dass die Rechten Bier saufen und grölen und die Linken am Weinglas nippen und vergeistigt diskutieren?

Ulrich Kienzle: Das war einmal. Zu Zeiten der Toscana Fraktion. Heute ist Genuss eine persönliche Angelegenheit. Aber Geschmack muss man sich hart erarbeiten.

Würtz-Wein: Letzte Frage. Wenn Sie sich aussuchen könnten mit wem Sie einen Nacht lang bei einer Flasche Wein über Gott und die Welt diskutieren könnten, wer wäre das und welche Flasche Wein würden Sie trinken?

Ulrich Kienzle: Ich bin an keinem interessiert. Für mich ist Weintrinken ein einsames Erlebnis. Allein mit Gott und der Flasche. Im Übrigen habe ich keinen Lieblingswein. Ich bin noch immer auf der Suche.

3 Kommentare zu “Ulrich Kienzle im Gespräch

  • Pingback: Gault Millau Debatte: Chance für den Wein?

  • Philipp Erik Breitenfeld

    “Allein mit Gott und der Flasche. ”
    Allein wegen diesem Schlußsatz war das Interview lesenswert.

    Seine Antwort auf die mittlwereile wirklich anstrengende Frage “dass das angebotene TV Programm immer sinnentleerter und „bildungsferner“ würde, fande ich absolut treffend. Es sind immer dieselben Kanäle, die einfach nur roher und primitiver werden, dass Bildungsangebot an sich, hat sich in der Breite aber vermehrt und ist dokumentarisch intensiver geworden. Allein ZDF und ARD haben zig Extraprogramme; Doku, Extra, Theater usw.

    Der Sinnsuchende wird also ausreichend bedient…

    Gruß

    Philipp Erik

    Reply

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