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Der Gault Millau Streit

Gestern haben wir bereits kurz über die Eskalation in Sachen Gault Millau berichtet. Wie zu erwarten war, ist dieses Thema das meistkommentierteste in der Wein-Web 2.0-Welt. Zahlreiche Blogs und auch Foren beschäftigen sich mit dem gestrigen Boykott und dem offenen Brief der Spitzenwinzer. Auf Twitter wird ebenfalls rege diskutiert. Ich gebe zu, ich hätte nicht gedacht, dass dieses Thema derartig an Fahrt und Emotionalität gewinnt. Es hat den Anschein, als ob bei einigen der “Gault Millau Stachel” seit Jahren tief sitzt. Grund genug, sich diese Sache noch einmal genauer zu betrachten. In einem offenen Brief an den Christian Verlag äußerten sich die vierzehn Winzer wie folgt:

“  Die Publikation einer Bewertung von Weingütern und Weinen, die durch einen, wie Sie schreiben, “freiwilligen Beitrag” der am Wettbewerb teilnehmenden Weingüter mitfinanziert wird, halten wir für die positive Weiterentwicklung unserer Weinkultur abträglich. Die Unterzeichner werden Ihrem Wunsch nach finanzieller Unterstützung daher nicht entsprechen.  Sie sind sich der wein-politischen Brisanz dieser öffentlichen Aussage sehr wohl bewusst und erachten daher das Verhältnis zum Gault Millau als so gestört, dass sie von nun an keine Probeweine mehr einreichen werden. Gleichzeitig erwarten sie, dass in Zukunft auf einer Publikation von Verkostungsergebnissen ihrer Weine und einer Beschreibung ihrer Weingüter abgesehen wird.”

Das ist eine relativ klare und deutliche Aussage. Focusiert auf das Thema “freiwillige Teilnamegebühr”. Für mich ist das so absolut nicht nachvollziehbar. Ich finde diese Gebühr nach wie vor in Ordnung und ganz ehrlich gesagt eigentlich auch völlig unwichtig. Die Teilnahme an den Landesweinprämierungen kostet ein vielfaches mehr und ist noch weniger effektiv. Zugegeben, der Brief vom Gault Millau mit der Ankündigung dieser Gebühr hätte durchaus geschickter formuliert sein können. Da war einfach zu viel Platz für Mißverständnisse und Verschwörungstheorien. Das Kind war dann aber eben leider schon in den Brunnen gefallen.

Bei näherer Betrachtung erscheint mir dieses “Teilnahmegebühr-Argument” allerdings als doch etwas zu oberflächlich. Ich werde das Gefühl nicht los , dass das einfach nur die Vorlage war, auf die viele seit Jahren gewartet haben. Nach dem Bekanntwerden dieser Teilnahmegebühr war schnell klar, dass dieses Thema die Weinwelt spalten wird. Bei Einigen eher zu Ungunsten des Gault Millau und damit zu Ungunsten von Armin Diel. Letzteres halte ich für den entscheidenden Faktor an dieser ganzen Geschichte. Armin Diel ist ein, vielleicht sogar der polarisierende Protagonist der deutschen Weinwelt. Durch seine Tätigkeit beim Gault Millau hat er eine Stellung in der deutschen Weinszene eingenommen, die manche sicherlich mit dem Begriff “einflußreich” umschreiben würden. Das ist zunächst einmal nichts Ungewöhnliches. Jeder anerkannte Kritiker ist irgendwie einflußreich. Zur Stellenbeschreibung eines Kritikers gehört allerdings nicht “everybodys darling” zu sein. Kritik ist wertend, subjektiv und manchmal auch hart. Dem kann, aber muss man sich nicht stellen. Wenn man sich aber entschieden hat, sich der Kritik zu stellen, dann muss man sie auch ertragen. Man könnte vielleicht versuchen mit einem allzu harten Kritiker in eine Diskussion einzutreten, das wäre durchaus legitim. Man darf und muss sich auch gegen ungerechte Kritiken zur Wehr setzen. Alles völlig normal und oft auch gerechtfertigt.

Das es im speziellen Fall Armin Diel einige Ungewöhnlichkiten gibt ist auch klar. Ganz besonders herausragend ungewöhnlich ist die Tatsache, dass der einflußreichste Weinkritiker Deutschlands (und das dürfte er wohl sein) gleichzeitig auch noch Winzer und Weinbaufunktionär ist. Da ist sicherlich eine ungewöhnliche und wahrscheinlich auch einzigartige Konstellation. Diese Konstellation ist bekannt und darüber wird auch schon seit Jahren immer mal wieder diskutiert. Bisher hat allerdings noch keiner der “Profis” ihn, Armin Diel, offen aufgefordert eine seiner Tätigkeiten aufzugeben. Warum auch? Ich wage mich zu einer provokativen Aussage: Bis jetzt haben ja auch fast alle von dieser “Seilschaft” profitiert. Die VDP-Betriebe kommen ihm Gault Millau durchaus besser weg als die nicht VDPler. Die geneigten Bewertungen werden von einigen der führenden Weinhändlern in Deutschland eins zu eins für ihre Preislisten übernommen, wörtlich zitiert und damit Werbung gemacht. Man könnte jetzt natürlich dagegen halten, dass der VDP auch die qualitative Spitze des deutschen Weinbaus darstellt. Das kann man aber natürlich auch durchaus anders sehen, wenn man möchte.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso deutlicher wird für mich, dass es bei dieser Aktion einzig und allein um die Person Armin Diel geht. Das ist grundsätzlich auch in Ordnung. Da Armin Diel im Focus der Weinwelt steht und auch nicht mit Hieben spart, muß er sich auch dieser Situation stellen. Schließlich ist er nicht der Papst, der qua Amt unfehlbar und unantastbar ist. Natürlich muss sich Armin Diel auch der Kritik stellen und seine Arbeit hinterfragen lassen. Ich frage mich nur, warum das in den letzten Jahren keiner den es betroffen hat, auch in der Öffentlichkeit gemacht hat, mal abgesehen von dem merkwürdigen Report Beitrag seinerzeit. Hinter vorgehaltener Hand wird kritisiert. Aber den Mut das öffentlich zu tun hatte bisher keiner. Warum eigentlich nicht? Wovor diese Angst? Vor einem Weinführer etwa? Auch ich hatte in den vergangenen Jahren meine Erlebnisse mit dem Gault Millau und war mehr als einmal völlig anderer Meinung, auch was unsere Weine betrifft. Manchmal war ich sogar beleidigt und erzürnt. Ich habe ganz grundsätzlich mein Problem mit Weinführern und Weinverkostern, das habe ich hier ja auch schon mehrfach ganz deutlich zur Sprache gebracht. Aber wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich es der betreffenden Person in aller Deutlichkeit. Und, um auch dies einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, ich habe keinen Vertrag mit dem Gault Millau oder Armin Diel!

Was für mich bleibt, ist ein leichtes “Gschmäckle”. Ich werde das Gefühl nicht los, dass da einige abrechnen wollen. Für was auch immer. Das entzieht sich leider meiner Kenntnis. Das ist auch eigentlich gar nicht so wichtig. Was dabei herauskommen wird steht in den Sternen. Der Gault Millau ohne Spitzenwinzer, der Gault Millau ohne Armin Diel oder vielleicht gar kein Gault Millau mehr? Wir werden sehen. Ebenso bleibt abzuwarten wie die Journallie reagiert und natürlich auch die Händler, die es betrifft.

In jedem Fall ist das ein prima Thema für das Sommerloch…

Hier noch die links zu den entsprechenden Bloggern (falls ich einen vegessen habe, bitte ich um einen Hinweis):

drinktank

Winzerblog

Weinkaiser

Weinakademie

Weincasting

Werner Elflein

Johner

St. Antony


5 Kommentare zu “Der Gault Millau Streit

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