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Gault Millau geht neuen Weg

Vor einigen Tagen hat der auflagenstärkste deutsche Weinführer “Gault Millau” an alle in diesem Buch vertretenen Betriebe einen Brief verschickt, dessen Inhalt nun für einige Diskussionen sorgt. In den vergangenen 17  Jahren war die Teilnahme an diesem Weinführer kostenlos. Im Detail bedeutet dies, dass der Verlag alle Kosten getragen hat und die Verkostung der Weine für die beteiligten Weingüter kostenlos war. Die Kosten wurden einzig und allein durch den Verkauf der Bücher gedeckt. Für die kommende Ausgabe führt der Verlag nun einen neuen Modus ein. Wer möchte, kann nunmehr eine freiwillige Jahresgebühr von 195,00 Euro entrichten. Für dieses Entgelt bietet der Verlag allerhand Gegenleistung, wie beispielsweise die Übertragung der Nutzungsrechte am Logo und am Artikel über das Weingut im Gault Millau. Des Weiteren gibt es zwei Belegexemplare und allerhand andere Werbeartikel.

Als ich den Brief las, war mir eigentlich relativ klar, dass dies für einige Diskussionen sorgen wird. So ist es nun auch geschehen hier bei Werner Elflein und auch beim Winzerblog. Bei beiden werden Überlegungen laut, ob dass dann künftig alles noch “fair” zugeht. Wird derjenige, der den freilwilligen Betrag nicht bezahlt genauso behandelt wie derjenige, der ihn bezahlt, oder hat die Entrichtung des freiwillien Obolus einen Einfluß auf die Bewertung der Weine? Das diese Frage gestellt werden würde war abzusehen. Ich persönlich finde diese Frage allerdings überflüssig. Bei aller durchaus kritischen Distanz, die ich persönlich zum Gault Millau habe, halte ich diese Überlegungen doch für reichlich abenteuerlich. Zu den Fakten: Der Verlag, in dem der Gault Millau erschien, ist im vergangenen Jahr nur haarscharf an der Insolvenz vorbeigeschrammt. Die neuen Eigentümer haben nun nach einem Jahr Bilanz gezogen und festgestellt, dass trotz gestiegener Verkaufszahlen die wirtschaftliche Situation nicht die allerbeste ist. Dazu der Herausgeber des Buches, Armin Diel: “Das hier ist keine sonnenbeglänzte Weide mit rosaroten Schafen. Mehrere Weinpublikationen wurden in jüngster Vergangenheit bereits eingestellt, und da ein Verleger unternehmerisch denkt, muss ein neuer Ansatz der Finanzierung erlaubt sein”. Er selbst war, so versicherte er mir eben in einem Telefongespräch, zunächst skeptisch und kritisch, was diesen freiwilligen Obolus anbelangte. Aber nach mehreren Gesprächen, auch mit Winzern, konnte er dieses Modell akzeptieren. “Im Übrigen erfährt die Redaktion nicht, wer diesen Betrag bezahlt hat und wer nicht. Das weiss nur der Verlag”, so Diel. Damit wäre dann wohl eine der wesentlichsten Ängste, nämlich die der befürchteten Ungleichbehandlung zwischen zahlenden und nicht zahlenden Winzern, entkräftet. Auch die Befürchtung, den Betrag zu bezahlen und dann im Buch nicht vorzukommen, ist unbegründet. Die Rechnung über diese 195,00 Euro wird dem Betrieb erst dann zugestellt, wenn er seine Belegexemplare bekommt, das heißt auch tatsächlich im Weinführer erwähnt wird. Es wird also keinerlei Vorauszahlungen geben! Damit dürfte die Angst auf eine, wie auch immer geartete, Ungleichbehandlung wohl vollends entkräftet sein. Soviel zu den Fakten.

Noch ein persönliches Wort: Natürlich sind 195,00 Euro, gerade für kleinere Betriebe, ein durchaus statthafter Betrag. Im Vergleich zu den Kosten und Nutzen von so manchem Weinwettbewerb relativiert sich dieser Betrag aber dann doch schnell wieder. Jeder sollte für sich selbst überlegen, ob er das machen möchte oder nicht. Die Entrichtung des Betrages ist völlig freiwillig. Insofern verstehe ich die Aufregung nicht ganz. Im Übrigen hat doch annähernd jeder der in diesem Buch erwähnten Betriebe auch damit Werbung gemacht. Die Bewertungen veröffentlicht und den Text im Gutsprospekt oder der Preisliste abgedruckt. Da hat sich allerdings keiner auch nur ansatzweise über das Copyright oder die Urheberrechte Gedanken gemacht.

Natürlich ist dieses Modell ein idealer Nährboden für “Verschwörungstheorien” jeglicher Art. Insbesondere für diejenigen, die beim Gault Millau schon immer etwas “gewittert” haben. Wie ich bereits erwähnte, gehöre auch ich zu den durchaus kritischen Betrachtern dieses Weinführers, eigentlich jedes Weinführers in diesem unserem Land. Ich beschäftige mich aber eher mit der Frage, ob derartige Publikationen überhaupt noch zeitgemäß sind, oder ob nicht vielleicht ein neues Modell hermüßte…

9 Kommentare zu “Gault Millau geht neuen Weg

  • Pingback: Werner Elflein | Mein Weintagebuch

  • Maren Bürgel

    Nun, man muß da jetzt sicher keine finsteren Verschwörungstheorien stricken, aber die vermeintliche Freiwilligkeit der Abgabe finde ich schon etwas merkwürdig. (Natürlich muß sich der Winzer, der sich gegen die Abgabe entscheidet, fragen, ob er nun irgendwie benachteiligt wird.)

    Aber was mich jetzt mal wirklich interessieren würde ist die Urheberrechtsfrage. Der Weinführer verdient Geld, indem er Produkte eines Winzers öffentlich beurteilt – trotzdem darf der Produzent des Weins im Grunde nicht mit dieser Beurteilung werben?
    Könnte mir da jemand mal die korrekte Rechtslage erklären? (Denn der Gault Millau impliziert ja, daß das Recht auf diese Verwendung der Beurteilung praktisch mit der freiwilligen Abgabe erworben wird.)

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  • pivu

    Das österreichische Pendant (wie soft ;-) ) macht’s geschickter: die Aufnahme in den Guide ist kostenlos, der Abdruck eines Etiketts je Betrieb kostet x €.

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  • Joannis

    Warum die Aufregung ? Bei uns in der Gastronomie ist dies doch schon längst normal… ein Mini-Bildeintrag für schlappe 400 Euro… natürlich freiwillig… ich warte nur noch daruaf, daß jetzt der Michelin noch nachzieht und auch Bildeinträge verkauft. Nachdem in Österreich zu wenig Reifen verkauft wurden, wird jetzt der Michelin Österreich eingestellt. So läuft nun mal Marktwirtschaft. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer liest schon solche Publikationen ? Sowieso nur diejenigen, die sich eh schon mit dem Thema befassen. Ein guter Falkenstein-Artikel im Handelsblatt “bringt” wohl mehr Nachfrage. Oder ?

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  • Pingback: Würtz-Wein | Gault Millau - der Streit eskaliert

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