Quo Vadis Weinmarkt…

Ich möchte ja niemanden langweilen mit apokalyptischen Krisenabhandlungen, Schwarzmalerei und Panikmache. Aber das Thema Krise ist nun einmal sehr präsent, auch in unserer Branche. Ich habe an mehreren Stellen ja schon laut darüber nachgedacht, nachzulesen in der Rubrik “Wein und Politik”. Beim Bloggerkollegen Thomas Günther, weinverkostungen.de, bin ich dann auch auf einen Beitrag zu diesem Thema gestoßen, der im Kommentarbereich sehr kontrovers diskutiert wird. Hier geht es um die widersprüchlichen Aussagen die von Seiten der Produzenten und Abfüller kommen. Die einen jammern, die anderen sind absolut zufrieden. Das Fazit des Beitrages ist ein eher positives. Der Weinbranche geht es momentan nicht wirklich schlecht. Trotz Krise. Ich kann und will das so nicht unterschreiben. Im Übrigen finde ich das auch etwas gefährlich. Es mag ja sein, das die Qualitäts- und Spitzenerzeuger in Zeiten der Angst und Krise sich auf ihr bewährtes Stammklientel verlassen können. Ich erinnere mich allerdings noch gut an den Zusammenbruch der “new economy”. Da waren auf einmal auch alle “Stammkunden”, die in großen Mengen die Spitzenweine in ihre Porsche geladen haben, weg. Jetzt trifft es die “old economy”. Und gerade die sollen treuer sein? Ich kann mir das nicht wirklich vorstellen. Wahrscheinlich fehlt mir da einfach nur die Fantasie. Ich lasse mich nur allzu gerne vom Gegenteil überzeugen, allein mir fehlt der Glaube. Ich sehe ganz deutliche Umsatz- und Absatzrückgänge. Nicht in jedem Segment, aber doch in einigen. Und wie ich es schon einmal gesagt habe, warum sollte die Krise ausgerechnet die Weinbranche verschonen. Wenn ich mich hier in unserem Dorf, beim samstäglichen Frühschoppen, mit den Menschen unterhalte, dann wird eines ganz deutlich: Sie haben Angst, sie haben weniger Geld im Geldbeutel und sie haben ihr Konsumverhalten verändert. Es wird gespart! Wenn diese Menschen, alles potenzielle Kunden, dann zu hören bekommen: “Bei uns ist alles o.k. Kein Problem. Krise haben wir nicht!” dann ist die Reaktion einhellig die gleiche. “Prima, dann macht Dir das ja nichts aus, wenn ich statt Deinem Wein künftig den billigen aus Chile kaufe”. Solche Sätze bilde ich  mir nicht ein, sondern höre sie annähernd tagtäglich.

Thomas Günther stellt in seinem Beitrag die für mich entscheidende Frage: ” Da sollten sich die Erzeuger von deutschem Wein eher fragen, welchen Wein erzeugen wir, welche Weine will der Kunde haben und wie vermarkten wir unsere Weine? Vielfach erscheint das Thema Deutscher Wein wie ein Museum.” In Deutschland ist der Absatz und Konsum deutscher Weine seit Jahren auf einem konstanten Niveau. Es gibt kaum Wachstum, sondern eher Verdrängung. Die Weine aus den sogenannten Drittländern hingegen erfreuen sich steigender Beliebtheit. Das, ist dann also der Wein, den die meisten Menschen trinken wollen. In der Regel sind das einfach zu trinkende Weine, optimal geschmacklich eingestellt, ohne Ecken und Kanten. Ob wir in Deutschland derartige Weine produzieren können und sollen ist die große Herausforderung. Darüber wurde eigentlich schon genug diskutiert. Natürlich können wir das, allerdings ist der Grat auf dem wir uns da bewegen ein sehr schmaler. Wir sollten keinesfalls eine “Einheitsbrühe” produzieren, die immer gleich schmeckt. Um das gleich vorweg zu sagen. Aber wir sollten Weine schaffen, die bekömmlich und einfach zu trinken sind. Moderat in der Säure, angenehm in der Fucht, angemessen im Preis. Das wollen die Kunden, auch wenn es dem ein oder anderen nicht passt. Das ist die Basis, daneben ist noch ausreichend Platz für alles Individuelle. Daran geht auch unsere vielgeliebte und vielzitierte “Weinkultur” nicht zugrunde. Im Gegenteil, wir schaffen eine Kultur. Mal ehrlich, was ist denn unsere Weinkultur? Einige wenige Prozent handwerklich gemachte Weine deren Herkunft schmeckbar ist? Oder Unmengen von Fassweinen, die überall wo es geht “verklappt” werden… Das ist sehr provokativ, ich weiss das. Aber was nützt uns denn das permanente, fast schon mantrartige Hervorheben unserer Weinkultur, wenn es der Konsument im großen Kontext nicht begreift? Wenn er sich am Regal für einen chilensichen Wein entscheidet, und nicht für das “Kulturgut” aus Deutschland.

Was ist die Lösung? Ich bin mir nicht sicher. Wir brauchen sicherlich ein zeitgemäßes Marketing und ganz sicher irgendwann auch strategische Allianzen unter den Erzeugern und Abfüllern. Daran führt, glaube ich, kein Weg vorbei. Die erste Allianz die wir allerdings eingehen müssen, ist die mit dem Kunden. Dem Kunden muss klar sein, was wir da produzieren und was wir wollen. Dem Kunden muss es in erster Linie schmecken, nicht dem Produzenten. Wir müssen aus den Kunden Sympathisanten machen, die uns auch treu bleiben!

6 Kommentare »

  1. Pasta Mai 26, 2009 09:46

    Hallo Dirk!

    Deutschland besitzt ca. 1,3% der weltweiten Rebflächen und ist bekanntlich ein Hochpreis(lohn)land.
    „ … die bekömmlich und einfach zu trinken sind. Moderat in der Säure, angenehm in der Fucht“, dass sollte zu schaffen sein. Aber „angemessen im Preis“? Angemessen für den Winzer, oder den Verbraucher (billig!!)? Den Kampf um die 95% Billigsegment haben die deutschen Winzer schon verloren bevor er angefangen hat. Mittelfristig werden den deutschen Winzern nur zwei Worte weiterhelfen: Qualität und Individualität.
    Außerdem finde ich es schade, dass solche Diskussionen nur noch in den Kommentaren von Blogs stattfindet, und nicht mehr in Foren!

    Gruß Pasta

  2. Armin Maurer Mai 26, 2009 09:53

    Hallo Dirk Würtz
    Zu zwei Aussagen will ich etwas erwiedern. Du schreibst, wenn es dem Winzer gut geht, bzw. “der Winzerschaft”, dann ist die Kundschaft versucht ausländische Weine zu kaufen. Wo siehst Du denn da einen Zusammenhang? Würden die Deutschen Weintrinker deutschen Wein kaufen, wenn die deutschen Winzer unisono wegen der Krise jammern würden, sozusagen aus Mitleid?

    Nein, den Kunden interessiert es erst einmal wenig ob der deutsche Weinbau von der aktuellen Krise betroffen ist oder nicht. Und ob die Weine aus den Drittländern wirklich so boomen wage ich auch noch zu bezweifeln, Australien z.B. bricht im Moment der Export stark ein, auch der nach Deutschland. Die Steigerungen im sonstigen Überseebereich sind auch nicht mehr so üppig, der Exotenbonus ist weitgehend aufgebraucht und die Kunden merken auch, dass die Überseeweine oft deutlich teurer sind als europäische Tropfen, entgegen des lange gehandelten Gerüchts, diese seien so günstig.

    Dann lobst Du die unkomplizierten, leicht zu trinkenden Weine, die da aus dem Ausland kämen und denen die deutschen Winzer nichts entgegen zu setzen hätten. Auch das kann ich so nicht sehen. Gehe doch einmal durch einen beliebigen Discounter, dort findest Du Mengen von einfachen Rivaner/Müller-Thurgau, Burgunder, ja sogar “easy-drinking-Riesling” mit etwas Süße und auch im Rotweinbereich finden sich dunkle Dornfelder und leichte Portugieser, die sowohl “einfach” in der Machart sind, als auch günstig im Preis.

    All diese Weine übrigens deutlich günstiger als alles was aus dem Ausland kommt. Gerade der von Dir beschriebene Bereich ist ausreichend im LEH besetzt, das Problem ist doch eher, dass die deutschen Weine dort die billigsten sind, sprich oft für die Winzer die Erzeugung gar nicht kostendeckend ist. Man betrachte sich den Fassweinmarkt.

    Insofern gebe ich Dir bei einer Klage recht, das Marketing ist in Deutschland sicher verbesserungsbedürftig, sowohl was die “einfachen” Weine für den LEH betrifft, als auch was die individuellen, handwerklichen Weine betrifft (sieht man einmal vom VDP ab).

    Und zu guter letzt, wenn man immer versucht dem aktuellen “Geschmack” hinterherzurennen wird man hektisch, es ist viel besser den Geschmack zu setzen. Das bedeutet Marketing nämlich auch.

  3. Hi,

    also als Weinhändler und Produzent aus Südafrika kann ich nur die Klage nach dem mangelnden Geschäft bekräftigen. Wir haben in den letzten Jahren unsere Verkauf jedes Jahr verdoppelt, werden das dieses Jahr allerdings erstmals nicht schaffen (vermuter ich). Ich stimme Ihnen zu, dass die primäre Frage jedes Geschäftsmannes sein muss: Was will mein Kunde? Das ist eine Marketingorientiertes Unternehmen. Allerdings würde ich das sogar noch radikaler durchziehen als von Ihnen angedeutet. Es muss nicht dem Kunden klar sein, was wir produzieren, sondern wir müssen produzieren, was der Kunde will. Zumindest sehe ich das so.

    Besten Gruß aus dem Büro,
    Muzawo

  4. Friedrich Bolle Mai 27, 2009 09:33

    “Wir haben in den letzten Jahren unsere Verkauf jedes Jahr verdoppelt, werden das dieses Jahr allerdings erstmals nicht schaffen ”

    Ein sehr schöner Satz von Philipp Mettenheimer…..

    Und:

    Ist es tatsächlich so tragisch, wenn er dieses Jahr seinen Verkauf nicht verdoppelt????

    Zum Thema Wachstum gab es in der Wochenzeitung ” Die Zeit ” einen sehr guten Beitrag:

    http://www.zeit.de/2009/22/DOS-Wachstum

    Es lohnt sich diesen Artikel bei einem guten Perdeblokke zu trinken:

    http://www.kleinconstantia.com/perdeblokke.htm

    Und wo uns die Wachstumshype hingeführt hat……brauchen wir doch nicht mehr zu diskutieren oder haben wir alle schon Alsheimer :-)

  5. hans Mai 28, 2009 09:16

    wachstum hat bei den größtvermögen stattgefunden – und das in exorbitanter dimension.
    wachstum hat sonst nur im bereich der lohnsklaverei stattgefunden, die ehrliche arbeit mit verhungergeld abspeist.
    bei den dazwischenliegenden ‘mittelständlern’ (der begriff ist hier nicht aus dem sprachschatz der wirtschaftswissenschaftler) ist unter dem strich auch nichts gewachsen.
    die winzer müssen – genau wie andere produzenten auch – mit fernglas und lupe nach wachsender kaufkraft für ihre produkte suchen.
    unter den 50 000 karstadtjobs oder 28 000 opeljobs, die auf der kippe stehen sind bestimmt auch ein paar weintrinkerInnen.
    die krise fängt erst an!!
    und ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, dass sie schnell vorbeigeht.
    es sei denn, irgendjemand findet einen goldschatz, der vertrauensvoll die aberhunderte milliarden absichert und und und …
    (ups, so viel wollte ich gar nicht schreiben …)
    prost
    hans

  6. A. Frank Juni 2, 2009 16:05

    Hallo,

    Hrn. Maurer muss ich recht geben. Im Beitrag bin ich auch erstaunt über folgenden Satz gestoßen:
    “In der Regel sind das einfach zu trinkende Weine, optimal geschmacklich eingestellt, ohne Ecken und Kanten. Ob wir in Deutschland derartige Weine produzieren können und sollen ist die große Herausforderung.”

    So schön unser Nationalstolz auch sein mag, aber der große Teil des deutschen Weins ist Massenware, wie auch in den meisten anderen Ländern. So tollen Wein produzieren wir in Deutschland in der Regel auch nicht. Es kann sich nur der einzelne Winzer fragen: Bleibe ich Premium oder gehe ich (auch) in den Massenmarkt…

    MfG,
    A. Frank

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