Das Superwahljahr ist in vollem Gange und irgendwie hat es den Anschein, als ob es niemanden wirklich interessieren würde. Langsam aber sicher wird zwar in Berlin mit den Säbeln gerasselt und die ersten üblichen Mechanismen installiert, aber so richtig Schwung kommt in die Sache nicht. Das ist ja eigentlich auch kein Wunder. Die Probleme die dieses Land hat erfordern theoretisch auch eher einen politischen Zusamenhalt. Wie soll man auch in einer großen Koalition den anderen für irgendwelche Fehler verantwortlich machen, ohne sich selbst dabei bloßzustellen. So bleiben nur noch subtilere Felder der Auseinandersetzung. Im Übrigen sind die klassischen Wahlkampfreflexe der Parteien mittlerweile eher auf den Berliner Mikrokosmos beschränkt und interessieren doch nun wirklich fast keinen mehr. Die nächste große ansstehende Wahl, die Europawahl, hat das Potenzial im totalen Desinteresse völlig unterzugehen. Das wird sich sicherlich in der Wahlbeteiligung widerspiegeln. Eine Müdigkeit der Wähler, nicht zuletzt ausgelöst durch die offensichtliche Unglaubwürdigkeit der Politiker, hat sich festgesetzt. Das ist einfach nachzuvollziehen. Wie soll man diese Menschen in Berlin denn auchnoch ernst nehmen. Sie leben in ihrer abgeschlossenen Welt, ohne Bezug zur Realität. Selbst ihre Sprache ist eine eigene geworden. Eine Sprache, die kein normaler Mensch benutzt, geschweige denn versteht. Floskeln, Worthülsen und “Dummsprech” so weit das Auge reicht.
Ein wenig Bewegung kommt allerdings durch das web 2.0 in die ganze Sache. Obama hat es erfolgreich vorgemacht und die bundesdeutschen Parteien und Politiker wollen es kopieren. Das web 2.0 Wahlkampfkonzept. In den vergangenen Wochen tauchen immer mehr auf den einschlägigen Plattformen wie Twitter oder Facebook auf. Ein interessanter Trend, ob er allerdings nachhaltig etwas bringt bleibt abzuwarten. Es macht wenig Sinn die gleichen leeren Worthülsen zu twittern, oder Facebookseiten mit hohlen Phrasen zuzukleistern. Dafür braucht man kein Internet. Die Chance, die sich hier den Politikern bietet, ist eher auf der menschlichen und sozialen Seite zu sehen. Diese Plattformen sind ein geeignetes Medium um den Wählern zu zeigen: “Seht her, ich bin ein ganz normaler Mensch”. Am Liebsten würde ich ihnen zurufen:”Twittert über Fußball, sprecht über Eure Hobbies und findet einen Zugang zu den Menschen! Macht Euch authentisch und anfassbar”. Das social network funktioniert final nur, wenn der virtuellen Welt auch das passende reale Bild gegenübersteht. Politiker sind durch ihre mediale Dauerpräsenz in diesem Punkt eben schneller zu entlarven, als der Traumprinz einer Single Börse, der sich beim ersten Treffen als Frosch entpuppt. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Präsenz der Politelite in diesem Land im web 2.0 weiterentwickelt. Ich befürchte allerdings, dass nur wenige diese Chance nutzen und umsetzen werden…