…sagt Tim Mälzer heute im Spiegel. Eine sehr überraschende Aussage für einen, der den deutschen Kochsendungsirrsinn mit ausgelöst hat. Mälzer hat mit seiner damaligen ersten Show, angelehnt an Jamie Oliver, das Kochen ja erst in alle Wohnzimmer gebracht. Mittlerweile ist die Anzahl derartiger Sendungen kaum noch überschaubar. Auf jedem Kanal wird gekocht was das Zeug hält. Waren es früher noch amüsante und teilweise sogar geistreiche Formate wie das mit Alfred Biolek, ist es heute eigentlich nur noch schnell und billig produzierter, sinnentleerter Stumpfsinn.
Um die Kochshows herum gibt es zu allem Überfluß auch noch unzählige Sendungen die sich tagtäglich mit irgendwelchen Restaurants und Nahrungsmittelfabriken beschäftigen. Vorzugsweise im XXL-Format, oder auf der Fast-Food-Schiene. Man könnte dabei auf den Gedanken kommen, dass den Deutschen tatsächlich interessiert was er isst. Kann ich mir eigentlich überhaupt nicht vorstellen. Chefköche werden gecastet, ganze Restaurants nach hartem Ausscheidungswettbewerb verschenkt, oder marode gastronomische Einrichtungen wieder aufgepäppelt. “Chaka, Chaka! Du kannst, wenn Du nur willst”. Alles dreht sich nur noch rund um das Essen.
An der untersten Skala der Nahrungskette finden sich dann solche Sendungen wie das “perfekte Promidinner”. Da wird am Sonntag Abend zur allerbesten Tatort Zeit stundenlang gekocht was das Zeug hält. Dabei geht es für die Protagonisten doch nur darum, sich wieder in Erinnerung zu rufen. Prominent ist in dieser Sendung meistens nur der Sendeplatz. Vergangenen Sonntag war die Dschungle Camp Besatzung dran. Ich habe das mit dem allergrößten Vergnügen geschaut. Ingrid van Bergen war völlig betrunken und Mausi Lugner hat sich mal eben zwischen zwei Gängen eine Botox Spritze in die Stirn rammen lassen. Herz was willst Du mehr…
Wobei es mich nur wundert, dass noch keiner auf die Idee gekommen ist, die Kochshows durch Trinkshows zu ersetzen: Twitter-Weinverkostungen, Cola-Shoppen, billig-Wein-Debatten und dergl. weisen doch einen Weg – Promis findet man sicher auch leicht in den Leitmedien und XXL-Bempel (oder Riesen_Riedel-Gläser) sind sicher auch schon auf dem Markt – was fehlt? Die Lobby, die keine Berührungsängste hat? Oder ist das angesichts der Gesundheitsdebatte politically zu inkorrekt?
Man kann sich seine Rebstöcke schon dauermieten, in meiner Nachbarschaft laden Winzer dazu ein, sich an einem Nachmittag aus ihren Grundweinen eine eigene Flasche mit dem individuellen Mix zusammen zu stellen und die Flasche mitzunehmen – alles gute Marketingideen, die man mit ein paar Show-Einlagen sicher auch optisch umsetzen könnte. Oder einen “Weingut-Retter”, der als Flying Winemaker in den Keller einfliegt und dem Winzer beibringt, wie er sein Produkt so aufpeppt, dass es als Garage-Weion auch an der Tankstelle reißenden Absatz findet. Und die Wahl der Weinkönigin im Stil von Deutschland sucht das Super-Model wäre ja auch nur neu in Szene zu setzen… Also, Ideen gäbe es da schon, warum macht das keiner:-)?
Oh…Flying winemaker würde ich gerne machen…
OK, hier (auf dem Lindenstraßen-Fan-Blog) kann ich mich outen: Ich habe alle 123 Sendungen Kerner kocht gesehen! Das war aber auch das einzige Kochsendungsformat von dem ich mich angesprochen fühlte.
KULT-Faktor hatten vor allem die ersten Sendungen: improvisiert und aus der Hüfte geschossen, aber gut und unterhaltsam.
Sendungen wie das perfekte Promi-Dinner meide ich prinzipiell. Es ist mir einfach zu doof vorher nachlesen zu müssen was das für Promis sind! Die kennt doch keiner!
Wie gerade Tim Mälzer zu dieser Aussage kommt ist interessant. Vermutlich ist ihm, wie vielen anderen bewusst, dass der Höhepunkt diese Koch-TV-Welle erreicht, wenn nicht gar überschritten sein dürfte und er will (vernünftigerweise) aussteigen, solange der Erfolg noch da ist…
Ich bin gespannt, wie viele Teilnehmer meiner Kochumfrage gemeint haben, dass es definitiv reicht mit der Fülle an Kochsendungen und wie viele noch mehr vertragen könnten…
Ich persönlich habe meine ein, zwei Lieblingssendungen (die ich schaue, wenn ich mal nicht bis 20 Uhr arbeite) mit normalen Leuten, wo es nicht nur lecker einhergeht sondern auch ziemlich menschelt und auch mal was in die Hose geht. Das macht das Format für mich sympatisch und ich kann mich in gewisser Weise mit den Protagonisten identifizieren und beim Zusehen nett entspannen…
Was das perfekte Promi-Dinner angeht, schließe ich mich den Vorrednern an…
Ich zitiere mal einen amerikanischen Sternekoch: “Kochshows sind die neue Pornographie! Die Leute gucken sich im Fernsehen an was Sie sich zu Hause nicht trauen”